ACT „Adjustable Continence Therapy“-System



Das ACT „Adjustable Continence Therapy“-System wurde vor seinem Einsatz beim Mann schon erfolgreich bei der Behandlung der weiblichen Inkontinenz eingesetzt. Nun wurde dieses System unter Mithilfe von Univ.-Doz. Dr. Hübner weiterentwickelt, was die Anwendung auch beim Mann ermöglichte.

Inkontinenz als Folge einer radikalen Prostatektomie oder einer transurethralen Prostataresektion (TUR/P) ist ein weitverbreitetes und bislang wenig zufrieden stellend gelöstes Problem in der Urologie. Als bisherige Lösungsmöglichkeiten wurden in der Vergangenheit hydraulische Systeme oder submukös injizierte Bulking Agents eingesetzt. Da diese Eingriffe einerseits zum Teil sehr aufwendig sind und anderseits nur über eine begrenzte Haltbarkeit und Effizienz verfügen, war man in der Vergangenheit stets auf der Suche nach einer einfachen minimal-invasiven Alternative. Ein weiterer Nachteil der hydraulischen Systeme war auch, dass sie eine gewisse manuelle Geschicklichkeit des Benutzers voraussetzten. Das ACT-System wurde vor seinem Einsatz beim Mann schon erfolgreich bei der Behandlung der weibli-chen Inkontinenz eingesetzt. Es war ein Teil der Entwicklungsarbeit von Univ.-Doz. Dr. Hübner, Vorstand der Urologischen Abteilung Korneuburg, die es möglich machte, dieses System auch beim Mann erstmalig zu verwenden. Ausgehend von der Urologischen Abteilung Korneuburg wurde dieses neuartige Produkt seit 2000 weltweit angewendet, wobei wir mit rund 120 durchgeführten Eingriffen bis zum heutigen Tage über große Erfahrung verfügen.

Aufbau und Anwendung des Pro-ACT-Systems
Das Pro-ACT-System besteht aus einem aus Silikon gefertigten aufblasbaren Ballon, der über einen Verbindungsschlauch mit einem Anschlussport verbunden ist. Über diesen Port ist eine Adjustierbarkeit gegeben. Implantiert wird der Ballon über einen perinealen Zugangsweg – nach primärer Urethrozystoskopie und Füllung der Blase mit Kontrastmittel. Es erfolgt anschließend die stumpfe Präparation des Beckenbodens paramedian unmittelbar am Ramus inferior ossis pubis, ähnlich wie bei der Raz-Operation. Die endopelvine Faszie wird durchstoßen, und ein kleiner Raum im Bereich des Blasenhalses geschaffen. Der Ballon selbst wird mit Hilfe eines speziellen Bestecks in Position gebracht. Nach anschließender zystoskopischer wie radiologischer Kontrolle (Bildwandlerkontrolle) wird der Ballon mit einem jodhältigen Kontrastmittel-Wassergemisch aufgefüllt, bis eine suffiziente Impression der Harnröhre besteht. In der Regel sind 2 ml primär ausreichend, die letztliche Füllung bestimmt jedoch das endoskopische Bild. Die Anschlussports werden anschließend subkutan in ein Skrotalfach verlagert, sodass später die Möglichkeit besteht, sie perkutan zu punktieren. Die durchschnittliche OP-Dauer für diesen Eingriff beträgt nach einer anfänglichen Lernkurve 15–30 Minuten. Die postoperative Harnableitung mittels Foleykatheter bleibt für 24 Stunden. Prinzipiell könnte der Eingriff auch in Lokalanästhesie durchgeführt werden.

Ermutigende Langzeitergebnisse
Die bisher gewonnenen, absolut ermutigenden Langzeitergebnisse über 2,5 Jahre umfassen eine „Trockenheitsrate“ von 62%. Wenn man die Minimalinvasivität des Eingriffes betrachtet, stellt dies ein ausgezeichnetes Resultat bei den 52 bisher in Korneuburg operierten Patienten dar. Weitere 29% konnten zumindest eine Besserung ihrer Beschwerdesymptomatik beschreiben. Die verbleibenden 9% sind Therapieversager. Im Schnitt sind 4 postoperative Adjustierungen notwendig, um dieses Ergebnis zu erzielen. An intra- und postoperativen Komplikationen sind vor allem Blasen- oder Urethraperforationen zu erwähnen, die in einer Häufigkeit von 17% der Fälle auftraten und seit Adaptation des Implantationsbesteckes und operativer Erfahrung kaum mehr in Erscheinung treten. Daneben gab es 9 Fälle von Ballonmigration, 4-mal davon durch die Harnröhre (75% bestrahlte Patienten!). Diesem Umstand versuchen wir nun durch län-gere Zeitintervalle zwischen den Adjustierungen und niedrigere nachgefüllte Volumina entgegenzuwirken. In einem Fall kam es zu einer Wundinfektion. Die Häufung geplatzter Ballons wird seit Einführung einer zweiten anders fabrizierten Produktserie nicht mehr beobachtet. Keine der obigen Komplikationen führt zu dauerhaften Schäden und alle Patienten, die zu den Therapieversagern zählten, sind mittlerweile erfolgreich mit einem hydraulischen Sphinkter versorgt.

Adjustierbarkeit ermöglicht Miktion ohne manuelle Manipulation
Das Neuartige an diesem System ist seine Adjustierbarkeit, die dem Patienten eine „physiologische“ Miktion ohne manuelle Manipulation ermöglicht, wenngleich fallweise unter leichtem Einsatz der Bauchpresse. Die perkutanen Adjustierungen werden von keinem Patienten als unangenehm empfunden und sind einfach durchzuführen. Insgesamt konnte eine signifikante Steigerung der Lebensqualität verzeichnet werden.





Letzte Änderung am:  21 Dez 2013 13:21


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