A.M.I. - Soft Anal Band System



Das A.M.I. Soft Anal Band-System ist ein kleines, flüssigkeitsgefülltes System, welches unter der Haut im Körper als Ganzes implantiert wird. Das Analband wurde für die Behandlung von schwerer bis totaler Stuhlinkontinenz entwickelt und versucht die natürliche Funktion des Schließmuskel nachzubilden, damit dem Patienten eine bessere Kontrolle über die Darmaktivitäten zu geben und dadurch die Kontinenz wieder herzustellen.


Aufbau des Analbandes

Das System besteht aus fünf Bauteilen. Ein Ring, dessen innere Öffnung verkleinert werden kann, wird als Analband um den Anal Kanal herum implantiert und somit den eigentlichen künstlichen Schließmuskel bildet, einem Mechanismus welcher Silikonballon genannt wird, einem Ventil zum Öffnen des implantierten Analbandes, dem Port zum Einstellen des erforderlichen analen Schließdruckes, Kalibrierport genannt, und den Verbindungsschläuchen, die im Röntgen sichtbar sind und die Bauteile Analband, Silikonballon, Kalibrierport und Ventil miteinander, unter der Haut liegend verbinden. Der Silikonballon und das Ventil werden typischerweise unter der Haut in den Bereichen des Schambeines, des Brustbeines oder der Bauchdecke implantiert.

Funktion des Analbandes

Das mit Röntgenkontrastmittel gefüllte Analband drückt zirkulär und sanft auf den Analkanal, um diesen geschlossen zu halten. Wenn der Patient Stuhlgang haben möchte, wird das Analband geöffnet, indem man das unter der Haut liegende Ventil ertastet und mit einem Finger für mindestens 30 Sekunden genügend Druck auf das Ventil ausübt, um ein Rückströmen der Systemflüssigkeit vom Analband in den Silikonballon zu ermöglichen. Dabei entleert sich das Analband, der Analkanal wird nicht weiter zusammengedrückt und Stuhl kann den künstlichen analen Schließmuskel passieren. Anschließend wird der vorgewölbte Hautbereich über dem Silikonballon mit dem Handballen oder mit der flachen Hand in die “System geschlossen” Stellung gedrückt. Dabei fließt die Systemflüssigkeit vom Silikonballon zurück in das Analband und der innenliegende Analkanal wird wieder sanft zusammengedrückt und geschlossen.

Wer kommt dafür in Frage

Das Analband ist nicht für jeden inkontinenten Patienten geeignet. Patienten, die wegen einer Colitis ulcerosa oder einer Rektumresektion keine dehnfähige Rektumampulle mehr haben, bauen schon bei kleinen Stuhlmengen zwischen 20 bis 50 ml einen Druck von mehr als 100 mmHg auf. Das überfordert auch einen intakten Sphinkter. Auch ein Analband nützt dann nichts, weil der Verschlußdruck des Analbandes überstiegen wird. Auch bei Patienten mit Morbus Crohn, bei denen der Sphinkter durch Fisteln zerstört ist, das Band nichts bringen. Jeder zweite Betroffene bekommt Rezidivfisteln, und ein Fremdkörper könnte massive Entzündungen triggern. Deshalb muß jeder Patient eingehend untersucht werden, um festzustellen, ob diese Therapie für ihn die geeignet ist. Eine Option ist das Band etwa für Patienten mit schlaffer Sphinkterlähmung, etwa bei Syringomyelie oder Multipler Sklerose, oder bei tiefem Cauda-Syndrom nach Bandscheibenprolaps oder Autounfall. Indikationen sind auch alte Sphinkterverletzungen nach Operationen oder Geburten. Ebenso ist das Analband für Kinder und Jugendliche noch nicht geeignet, da hier erstens keine Erfahrungen vorliegen und zweitens dieser Personenkreis sich noch in der Wachstumsphase befindet. Da das Analband nicht mitwächst, müßte das Analband dadurch häufiger ausgetauscht werden, was zum einen zusätzliche Kosten für die Krankenkassen bedeuten würde und auch eine zusätzliche Belastung für die Kinder und Jugendlichen darstellt. Ausgeschlossen von dieser Operation sind auch Personen, die aufgrund ihres körperlichen oder psychischen Zustandes nicht in der Lage sind, das System zuverlässig selbst zu bedienen.

Vor der Operation

Bevor die Operation durchgeführt werden kann, benötigt der Arzt einige Angaben zum aktuellen Status der Stuhlinkontinenz. Es wird daher vor der Operation für etwa 30 Tage ein Darm-Gewohnheitstagebuch vom Patienten geführt, in den die Ernährungsgewohnheiten und Stuhlgewohnheiten eingetragen werden. Ebenso wird in dieser Zeit auf Abführmittel und Stopfmittel wie Loperamid verzichtet, um realistische Werte zu bekommen. Eine klinische Erhebung der Stuhlinkontinenz (z.B. anorektale Manometrie, ...) muß vor der Implantation erfolgen, falls sie schon längere Zeit zurück liegt. Sind diese Daten erhoben, so kann eine Operation durchgeführt werden.

Zur Vorbereitung auf die Operation ist eine vollständige Darmreinigung erforderlich, die bereits einige Tage zuvor mit schlackenarmer Kost ( keine Hülsenfrüchte, ...) begonnen werden sollte. Am Tag vor der Operation wird der Darm durch eine orthograde Darmspülung in Form der PEG-Lavage oder der Salinlavage gereinigt. Alternativ können die Patienten auch mit herkömmlichen Abführmitteln und Einläufen vorbereitet werden, es ist nur eine gute Darmreinigung sicher zu stellen. Eine antibiotische Prophylaxe ist dringend anzuraten, um Komplikationen bei der Wundheilung zu verringern.

Die Operation

Die Operation wird unter Vollnarkose durchgeführt und dauert etwa 1,5 Stunden. Der Patient wird in einer Steinschnittlage auf dem Operationstisch gelagert. Begonnen wird mit einem halbmondförmigen Schnitt oberhalb und unterhalb des Schließmuskels. Danach werden jeweils Links und Rechts die beiden Schnitte durch Tunnelschnitte verbunden. Mit dem Maßband wird die Länge des chirurgisch rund um den Analkanal geschaffenen Gewebetunnels gemessen und das entsprechende Analband ausgewählt. Die Manschette ist geteilt und umschließt als hohler anpassbarer Silikon-Gürtel den Schließmuskel. Nachdem das Analband eingesetzt wurde, werden die Verbindungen zum Ventil, zum Silikonballon und zum Kalibrierport geschaffen, dazu müssen nur kleine Hautschnitte gemacht werden.

Der Silikonballon und das Ventil kann dort implantiert werden, wo es für den Betroffenen am angenehmsten ist. Üblicherweise wird das Ventil in Höhe des Schambeins, des Brustbeins oder der Bauchdecke und der Silikonballon in der Nähe Implantiert. Der Kalibrierport kann auch an einer anderen Stelle implantiert werden und wird vom Arzt zum Befüllen des Systems, bzw. zum Anpassen des analen Schließdruckes, an Ihre spezifischen Bedürfnisse, verwendet. Über Schläuche aus röntgendichtem Silikon, werden die verschiedenen Bauteile miteinander verbunden und die Bewegung der Flüssigkeit innerhalb des Systems ermöglicht.

Das Ventil, ein kleines rundes Teil kann unter der Haut ertastet werden. Durch Druck mittels Finger auf diesen runden Teil für mindestens 30 Sekunden, kann die Flüssigkeit aus dem Analband in den Silikonballon zurückfließen. Der Anal Kanal wird geöffnet und Stuhlgang ist möglich. Der Silikonballon kann durch die Haut ertastet werden. Ein flacher Silikonballon zeigt an, dass die Systemflüssigkeit sich im Analband befindet und dieses geschlossen ist. Ein sich unter der Haut vorwölbender Silikonballon, zeigt an, dass sich die Flüssigkeit im Silikonballon befindet und das Analband geöffnet ist. In dieser Stellung des Silikonballon ist Stuhlgang möglich.

Das implantierte System wird nur zum Test der Komponenten befüllt und hinterher wieder entleert, um ein ungestörtes Abheilen der Wunden sicher zu stellen. Nachdem eine Sphinkter-Manometrie gemacht und alle Komponenten getestet wurden, können die Hautschnitte wieder vernäht und mit sterilen Kompressen abgedeckt werden. Nach der Operation bleibt der Patient noch einige Tage in der Klinik, um Komplikationen auszuschließen, eine präoperative Gabe von Antibiotika ist anzuraten. Da bei diesem Operationsverfahren alle Teile des Systems subkutan liegen, ist keine Eröffnung von Körperhöhlen notwendig. Dadurch ist dieses Operationsverfahren Risikoarm und Unblutig, es werden keine Blutkonserven während der Operation benötigt. Da bei diesem Verfahren keine Nerven des Schließmuskels durchtrennt werden, kann dieses System ohne Nachteile für den Patienten auch wieder entfernt werden.

Nach der Operation

Nach der Operation wartet man sechs Wochen, bevor das Band gefüllt wird. Während dieser Zeit ist es auch ratsam, für einen geregelten und weichen Stuhlgang zu sorgen, damit die Wunden, vorallem am Schließmuskel nicht zusätzlich belastet werden. Als günstig haben sich hier Lactolose und Flohsamen zur Stuhlregulierung herausgestellt. Nur wenn eine Obstpation besteht, ist es ratsam stimulierende Abführmittel zu nehmen. Die Wunden über den Hauttaschen am Unterbauch, in denen Ballon und Ventil liegen, sollen verheilt sein, damit es nicht weh tut, wenn der Patient auf Ballon und Ventil drückt. Sind die sechs Wochen um, kommt der Patient wieder in die Klinik und befüllt selbst das Analband. Dann wird eine Sphinkter-Manometrie gemacht. Der Verschlußdruck sollte 50 bis 120 mmHg betragen. Ein normaler Sphinkterdruck liegt zwischen 50 mmHg (in Ruhe) und 120 mmHg.

Die Kontinenz wird sechs Wochen nach Operation geprüft. Ein einfacher aber guter Test ist ein sogenannten Quark-Test, um auch einen klinischen Parameter für die Kontinenzleistung zu haben. Wie in Tests festgestellt wurde, kommt Magerquark einer normalen Stuhl-Konsistenz sehr nahe. Über ein Darmrohr wird mittels Blasenspritze 150 ml körperwarmer Quark langsam in die Rektumampulle gespritzt. Dann wird das Analband gefüllt und der Patient soll 15 bis 20 Minuten umher laufen, Treppen steigen und Lasten heben. Hat er das geschafft, ohne daß unwillkürlich etwas abgegangen ist, werden Analband und dann der Darm entleert. Der sogenannte Streßtest ist deshalb sinnvoll, weil Manometrien und Scores nicht richtig verläßlich sind. So können inkontinente Patienten normale Druck-Gradienten haben, andererseits gibt es Patienten mit manometrisch schwacher Sphinkterleistung, die aber klinisch kontinent sind. Damit hat der Patient mit dem Band einen Verschlußdruck wie mit einem gesunden Schließmuskel.

Erste Erfahrungen

Es gibt seit knapp zwei Jahren Erfahrungen mit dem Band, vorwiegend in Österreich. Bislang sind Komplikationen wie Fibrosen nicht bekannt. Narbenplatten waren ein Problem bei einem ähnlichen Kunstsphinkter (Artificial Bowl Sphinkter, ABS), der seit etwa 1990 verwendet wird. Es gab etwa Narbenstenosen, sodaß die ABS wieder entfernt werden mußten. Das Problem war die Silikonoberfläche der ABS, die Fibrosierungen auslöste. Das jetzt verwendete Analband hat eine Titanbeschichtung. Und von Titan-Prothesen und Titan-Netzen in der Hernienchirugie weiß man, daß der Körper inert darauf reagiert.

Seriös kann zum heutigen Zeitpunkt niemand sagen, wie lange ein solches System bei jedem einzelnen Patienten funktionieren wird. Wie bei jeder anderen biomechanischen Prothese ist auch dieses System einem gewissen Verschleiß ausgesetzt welcher die Lebensdauer der Prothese beeinträchtigen kann. Es kann nicht davon ausgegangen werden daß ein solches System ein ganzes Leben lang hält. Ein Nichtfunktionieren der Prothese kann dazu führen, dass ein neuerlicher chirurgischer Eingriff notwendig wird um das System zu ersetzen. Aber von ähnlichen Systemen weis man heute, daß mit einer mittleren Lebensdauer von etwa 15 bis 20 Jahren gerechnet werden kann. Um das Risiko für den Patienten so gering wie möglich zu halten, wird im ersten Jahr alle 3 Monate und dann jährlich eine Kontrolluntersuchung durchgeführt, um das System zu überprüfen und mögliche Fehlerquellen zu beseitigen. Der Patient wird dazu angehalten, alle unnormalen Beschwerden in Zusammenhang mit dem Implantat zu dokumentieren und dem Arzt mitzuteilen.

Nachteile des Analbandes

Wie bei anderen implantierbaren Systemen (künstlicher Schließmuskel) ist ein analer Geschlechtsverkehr mit dem Analband nicht möglich, er kann das implantierte Analband zerstören und sollte deshalb unbedingt vermieden werden. Daher sollte der Patient schon vor einer geplanten Operation mit seinem Arzt darüber sprechen, wenn er entsprechende sexuelle Vorlieben hat. Auch eine Schwangerschaft kann zu Problemen führen, wenn eine vaginale Geburt vorgesehen ist. Hier kann die Funktion des implantierten Analbandes beeinträchtigt werden. In so einem Fall könnte ein Kaiserschnitt Abhilfe schaffen. Ist eine MRI (Magnetic Resonance Imaging) Untersuchung geplant, so muß der untersuchende Arzt über das Implantat unterrichtet werden. Die Untersuchung selbst kann mit Ausnahme des Bereiches in dem der Titanium Einstell-Port implantiert ist ohne weiteres durchgeführt werden. Dieser Port ist der einzige Metall-Teil im System und es muß mit dem untersuchenden Arzt abgeklärt werden, ob dieser Teil den starken magnetischen Feldern einer MRI Untersuchung ausgesetzt werden darf, der A.M.I. Patientenpass ist dabei eine Hilfe.





Letzte Änderung am:  21 Dez 2013 13:51


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