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SVI - Redaktion, Ärzte Zeitung, BVA
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19 Nov 2008 11:21



Die AOK's bekommen 2,4 Milliarden extra aus dem Gesundheitsfonds




BERLIN - BONN: Wie jetzt das Bundesversicherungsamt in Bonn (BVA) in seinen Berechnungen mitteilte, fließen 2009 aus den Fonds etwa 166,8 Milliarden Euro an die Kassen, dabei erhalten die AOK's etwa 2,4 Milliarden zusätzlich aus dem Gesundheitsfonds und sind somit die großen Gewinner. So dürften die AOK's circa 64,8 Milliarden Euro erhalten und die Ersatzkassen 51,6 Milliarden Euro. Die klaren Verlierer sind die Betriebskrankenkassen, sie erhalten durch den neuen Risikostrukturausgleich und durch den Fonds etwa 1,1 Milliarden Euro weniger. Ihnen stehen 2009 daher nur circa 28,8 Milliarden zur Verfügung.

Wer in den letzten Wochen die unzähligen Meldungen über die Verschlechterung der Inkontinenzversorgung in den Medien mitverfolgt hat, dem vermag diese Meldung sicher ins Grübeln versetzen. Ob etwas von den zusätzlichen 2,4 Milliarden Euro überhaupt bei den Patienten im Bereich der Hilfsmittelversorgung ankommt, das ist schon sehr fraglich. Vermutlich wird wieder einmal die Pharmaindustrie, die Kliniken und die Ärzte davon profitieren, aber auch die Manager- und Vorstandsgehälter dürften bei den Kassen weiter ansteigen. Da passt es ja ins Bild, dass die Ausgaben für Inkontinenzhilfsmittel um bis zu 50% gedrückt werden, wie aus den vorangegangenen Pressemeldungen in den Medien zu entnehmen war.

Bleibt zu hoffen, dass die Kassen endlich zur Vernunft kommen, die Inkontinenzversorgung entsprechend dem Bedarf des Patienten sicherstellen und von den drastischen Einsparungen auf kosten der Patienten Abstand nehmen.





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Presseportal.de vom 18.11.2008
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18 Nov 2008 12:43



Schlechte Versorgung von Kassenpatienten bei Hilfsmitteln "Qualität spielt keine Rolle mehr", warnen Experten im ZDF-Magazin "Frontal21"




MAINZ: Ob Rollstuhl, Gehhilfen, orthopädische Schuhe, Windeln für Inkontinente oder Beatmungsgeräte, die Qualität der Hilfsmittel für Kassenpatienten werde immer schlechter, beklagen Patientenvertreter, Pflegeverbände und Mediziner im ZDF-Magazin "Frontal 21" am Dienstag, 18. November 2008, 21.00 Uhr. Behinderte und Pflegebedürftige leiden unter minderwertigen Billigprodukten, die ihnen von den Krankenkassen aufgezwungen werden.

Kritiker machen dafür das so genannte "Wettbewerbsstärkungsgesetz (GKV-WSG) verantwortlich, das seit dem 1. April 2007 in Kraft ist. Es schreibt den Gesetzlichen Krankenkassen Wirtschaftlichkeit vor, sie sollen auf dem Wege der öffentlichen Ausschreibung nach dem jeweils billigsten Anbieter suchen. Doch Qualitätsstandards bleiben dabei gänzlich unberücksichtigt, kritisiert Wolfram-Armin Candidus, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Versicherte und Patienten e.V. (DGVP). So produzieren Hersteller bereits Produktlinien ausschließlich für Kassenpatienten. Dazu gehören zum Beispiel Billigwindeln der SCA Hygiene Product GmbH, die im Handel ansonsten nicht angeboten werden. "Für die Krankenkassen zählt nur noch der niedrigste Preis, Qualität in der Hilfsmittelversorgung spielt überhaupt keine Rolle mehr", so Candidus gegenüber "Frontal 21".

Das verursache bei vielen Patienten teure Folgeerkrankungen, warnen Mediziner. "Die immer schlechtere Qualität bei Inkontinenz-Produkten führt bereits zu Infektionen, Pilzerkrankungen bis hin zum Druckgeschwüren bei diesen Patienten", sagt Professor Klaus-Peter Jünemann, Vorsitzender der Deutschen Kontinenzgesellschaft, und fügt hinzu: "Dadurch wird es auf jeden Fall teurer werden für die Krankenkassen." Für Ärzte der Berliner Charité ist es unverantwortlich, dass selbst bei Hilfsmitteln wie Beatmungsgeräten nur noch die billigsten Anbieter zum Zuge kommen. "Wir sehen tatsächlich die Qualität unserer medizinischen Tätigkeit in Gefahr", sagt der Schlafmediziner Ingo Fietse. "Wir haben erste Erfahrungen aus Sachsen, wo die Ausschreibung schon getätigt wurde. Patienten bekommen das Gerät zum Teil mit der Post zugeschickt, das geht überhaupt nicht", berichtet Fietse.

Dazu kommen Lieferengpässe, denn die Billig-Anbieter sind häufig gar nicht in der Lage, die Vielzahl der Bedürftigen zeitgerecht zu versorgen. So musste ein AOK-Versicherter in Niedersachsen zwei Wochen auf seinen Rollstuhl verzichten, weil kein Ersatz zur Verfügung gestellt werden konnte. Einer Patientin mit künstlichem Darmausgang sei empfohlen worden, den Beutel auszustreichen, damit er länger nutzbar ist, klagt die Patientenvertreterin Petra Mathiske vom Behindertenforum Osnabrück.

Rückfragen bitte an die ZDF-Redaktion "Frontal 21", Tel.: 030/2099-1255 (Ilka Brecht).

Pressekontakt:
ZDF-Pressestelle
Telefon: 06131 / 70 - 2120
Telefon: 06131 / 70 - 2121





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Braunschweiger Zeitung vom 15.11.2008
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17 Nov 2008 16:07



"Solche Windeln gibt’s für Babys nicht"




EDEMISSEN: Als Angela Kobsch aus Edemissen den Artikel über den "Windel-Ärger" in Peine gelesen hatte, setzte sie sich schnurstracks an den Computer und schrieb uns ihre Geschichte – die einer pflegenden Angehörigen.

Seit April 2004 kümmere sie sich rund um die Uhr zu Hause um ihre Mutter, die dement und nach einem Schlaganfall halbseitig gelähmt sei. Kobsch: "Sie wird mehrmals täglich gewickelt und gelagert, da sie sich nicht mehr allein bewegen kann."

Bis September sei mit der Versorgung alles reibungslos gelaufen. "Von einem kleinen Sanitätshaus wurde ich immer pünktlich mit allem Notwendigen beliefert." Darunter Inkontinenzartikel, für die sie "18 Cent pro Windel dazubezahlt hat" – eine ganz bestimmte Sorte, denn auf alle anderen habe die kranke Mutter allergisch reagiert.

Als AOK-Patientin habe sie jedoch seit Oktober auf preisgünstige Windeln (PN berichteten) umsteigen müssen – für ein ähnliches Produkt wie die bisherigen hätte sie 50 Cent pro Windel beisteuern müssen. Angela Kobsch hat sich darauf bei der AOK und der Lieferfirma beschwert: "Während sich die Krankenkasse immerhin gekümmert hat, hat sich die Lieferfirma bis heute nicht gemeldet." Das zeuge nicht von Interesse am Kunden, beklagt sie.

Besonders ärgert die Edemisserin aber, dass überhaupt so schlechte Windeln für Erwachsene hergestellt – und ohnehin pflegebedürftige Menschen zusätzlich belastet würden: "Im Baby- und Kleinkindbereich gibt es so etwas schon lange nicht mehr. Da hat selbst das günstigste Produkt noch Qualität." Sie habe selbst vier Kinder großgezogen, wisse also, wovon sei spreche.

Angela Kobsch findet: "Traurig, dass für alte Leute das Schlechte gerade gut genug sein soll. Es ist unvorstellbar für mich, dass auch nur ein Verantwortlicher später mal in solche Windeln gesteckt werden möchte."

Die Beschwerden von Angela Kobsch und vielen anderen haben Wirkung gezeigt: Wie AOK-Sprecher Klaus Altmann mitteilt, sollen Pflegeheime rückwirkend vom 1. Oktober an für jeden inkontinenten Bewohner eine zusätzliche monatliche Vergütung für den erhöhten, besonders organisatorischen Aufwand bekommen, zugleich habe die AOK den Lieferanten angehalten, das vertraglich Festgelegte – "erforderliche Qualität und Versorgungsabläufe" – besser einzuhalten. Altmann: "Die Versorgung sowohl in Heimen als auch zu Hause soll sich in Kürze deutlich verbessern."





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az-online.de vom 15.11.2008
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17 Nov 2008 16:02



Schief gewickelt




UELZEN/Landkreis: Bei seinen Besuchen im Pflegeheim musste Gerold K. zuletzt immer wieder beobachten, wie seine Ehefrau plötzlich im Nassen saß. Alles war dann feucht – von der Hose bis zum Sitzpolster.

Das ist so, seitdem die an Alzheimer und Inkontinenz leidende Frau neue Windeln benutzen muss. Die saugen die Feuchtigkeit nicht so gut auf wie ihre Lieblingssorte. Doch die AOK hat für sie das neue Produkt festgeschrieben.

Krankenkassen dürfen seit kurzem die Versorgung ihrer Versicherten mit Hilfsmitteln – vom orthopädischen Schuh bis zum Inkontinenzartikel – nämlich selbst steuern. So müssen Versicherte auch in Uelzen auf Windelprodukte von Herstellern zurückgreifen, mit denen die Krankenkasse Lieferverträge geschlossen hat – egal, ob sie zu Hause oder im Pflegeheim leben. Doch damit sind die Krankenkassen anscheinend schief gewickelt. "Die Beschwerden sind üppig", sagt Sabine Vogler. Sie leitet das Senioren-, Wohn- und Pflegeheim "Zum Lietzberg" in Bienenbüttel und ist zudem Vorstandsmitglied im Berufsverband der Landesgruppe Niedersachsen.

Es gab große Probleme bei der Versorgung mit Inkontinenzmitteln, räumt denn auch Jürgen Hoffmann, Bereichsleiter der AOK in Uelzen, ein: "Das ist ein bisschen heftig gewesen." Mittlerweile sei jedoch "alles geregelt" und "kurzfristig Besserung" geschaffen. Wo noch nicht, da werde die AOK ihren Versicherten "unkompliziert und individuell" helfen. Früher konnten Sabine Vogler und ihre Kollegen aus den stationären und ambulanten Pflegediensten die Hilfsmittel selbst aussuchen und bestellen. Dafür bekam Vogler 39,90 Euro pro Monat und Versicherten von der AOK. "Ich habe das Geld in Qualität und Menge gesteckt", sagt sie. Verdienen lasse sich daran jedenfalls wenig bis gar nichts. Jetzt wird sie für ihre AOK-Versicherten zentral mit Windeln beliefert. Nach AZ-Recherchen bezahlt die nun nur noch rund 25 Euro.

Das von der AOK ausgeschriebene Los für die Nordost-Heide gewann ein Unternehmen in Lüchow. "Zu den Ausschreibungen sind wir vom Gesetzgeber verpflichtet, um wirtschaftlich zu arbeiten", erklärt Jürgen Hoffmann. In der Theorie sieht das dann so aus: Der Lieferant müsse jeden Versicherten aufsuchen, den Bedarf ermitteln und so liefern, "wie der Kunde das möchte", sagt Vogler. Doch Betroffene und Pflegeheime seien mal gar nicht oder dann gleich mit einer Lastwagenladung versorgt worden.

In Osnabrück setzte das Behindertenforum ein Protestschreiben ans Ministerium auf: 80 Kartons mit Windeln seien einem Behinderten von der Post vor die Tür gestellt worden – in der 16 Quadratmeter großen Wohnung gebe es gar keinen Platz, den Vorrat zu lagern. In Lüneburg hat Bernd Kasper eine Petition an den Deutschen Bundestag eingereicht. Er befürchtet, dass seine schwerstpflegebedürftige Mutter "Versuchsobjekt für neue Materialen und Produkte wird".

So sei auch die Qualität der Windeln "nicht so, wie sie sein sollte", bestätigt Vogler. Ihre Mitarbeiterinnen müssten sie zudem sortieren und zuordnen. "Das ist logistisch nicht zu bewältigen", schimpft die Heimleiterin. (* Name von der Redaktion geändert).





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SVI-Redaktion
Stefan
16 Nov 2008 22:20



Universität Kiel – Attends Slip hält Trocken




KIEL: In einem Labor der Universität Kiel wurden Marken – Inkontinenzslips auf Rücknässung und Sauggeschwindigkeit getestet. Der Attends Slip Super plus hat in beiden Kiterien die Nase weit Vorne und verweist Konkurrenten Molicare und Tena auf die Plätze zwei und drei.

Der Leiter der urologischen Klinik und Vorstand der Deutschen Kontinenzgesellschaft, Prof. Dr. med. Klaus-Peter Jünemann, betreute einen Test für Inkontinenzslips an der Universität Kiel. Der Test wurde im Rahmen der Suche nach besseren Bewertungskriterien für saugende Inkontinenzhilfsmittel durchgeführt und umfasste lediglich die Kernkritierien Rücknässung und Aufsauggeschwindigkeit. Am Test nahmen Slips der Marken Attends, Tena, Molicare, Param und Abena teil, jedoch wurde auf eine umfassende Bewertung der Slips verzichtet.

Kriterium: Rücknässung
Gemessen wurde die höchste Aufnahmefähigkeit bevor ein kritischer Rücknässewert von 100mg erreicht wird. Der Attends Slip saugt 420ml, die Molicare Premium nur 240ml, gefolgt von Tena Slip, Tena Flex, Molicare Classic und Abri Form. Die Windel von Param fiel in dieser Kategorie durch und erreichte diesen Wert schon vor Ende des ersten Zyklus von 180ml.

Kriterium: Aufsauggeschwindigkeit
In diesem Test wurde gemessen, wann eine kritische (zu langsame) Aufsauggeschwindigkeit von 1,5ml/sec erreicht wird. Auch in diesem Test macht der Attends Slip eine gute Figur mit 420ml, die Molicare Premium erreicht 350ml, gefolgt von Tena Slip, Molicare Classic, Param und Abriform. Enttäuschend ist die Tena Flex, obwohl mit 3,7ml/sec (Attends 4,2ml/sec) gestartet, macht sie zuerst schlapp.

Fazit:
Der Test zeigt, dass man mit einem günstigen Slip auch gute Laborwerte erzielen kann und dass der Kunde den Preis eines Slips nicht überbewerten sollte. Leider gibt der uns vorliegende Test keinerlei Auskunft über die getesteten Saugstärken der anderen Marken, sowie über weitere wichtige Entscheidungskriterien wie Passform, Farbgebung und Handhabung. Dies berücksichtigen Tests des Selbsthilfeverband Inkontinenz e.V. und seiner Partner jedoch schon seit Jahren.

(Quelle: Attends GmbH, Universität Kiel, SVI)





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SVI-Redaktion
Stefan
07 Nov 2008 20:16



Der neue Kassenslip - so schlecht kann Tena sein!




MANNHEIM-AUGSBURG: Was erlauben … Tena? Der Selbsthilfeverband Inkontinenz e.V. hat den neuen SCA Slip für Kassenausschreibungen mit dem Namen "Slipad" getestet. Kaum Saugkraft, extreme Rücknässung und keinen Schutz vor Auslaufen, so ist die knappe Antwort der Mannheimer Hilfsmittelhersteller auf die Zeichen der Zeit. Wer den neuen SCA Slipad auch nur in Erwägung zieht wird Böse enttäuscht.

Was uns da ins Haus geflattert ist, ist eine Zumutung. Schneeweiß und ohne Nässeindikator kommt die neueste Schöpfung von Tena daher. Auf den ersten Blick schon sehr dünn zeigt sich ein klassischer Tena Slip. Man hat die gewohnte Tena Slip Folie und die typischen winzigen Klebestreifen vor sich. Betrachtet man den Slip genauer fällt auf, dass die Innenbündchen fehlen und die äußeren Beinbündchen nicht wirklich straff gespannt sind. Vor dem Anlegen des Slips ahnt man schon die Katastrophe. Wir wagen trotzdem den Test.

Die Passform ist ähnlich eines Tena Slips, nur die Beinbündchen liegen fast nicht an. Wenn der Slip schon im trockenen Zustand so eine Figur macht kann das Heiter werden. Nach dem ersten Einnässen macht sich im Slip das Gefühl von Feuchtigkeit breit, wirklich Einschließen kann der Slip den Urin schon jetzt nicht mehr. Trotzdem tragen wir den Slip weiter und bemerken dass der Slip beginnt durchzuhängen. Eine Kontrolle an den Beinbündchen ergibt, dass der einzige Auslaufschutz dieses Slips nicht mehr am Bein anliegt. Beim zweiten Einnässen wird es unangenehm Nass in dieser Windel. Die Haut ist mit Urin regelrecht benetzt und beginnt aufzuweichen. Noch läuft der Slip nicht aus. Das dritte Einnässen ist dann das Ende, in Rinnsalen läuft der Urin die Beine hinunter. Dieser Tena Slip hält nicht einmal 500ml.

Fazit:
Was SCA bzw. Tena hier auf den Markt wirft hält sich zwar an die Mindestvorgaben des Hilfsmittelverzeichnisses, mehr aber auch nicht! Der Tena Slipad ist nur für Ärger, Frust und Probleme gut, keinesfalls erfüllt er aber die Anforderungen im Alltag.

Eindeutiger Rat – Finger weg!

Dies gilt nicht nur für Betroffene die noch selbst entscheiden können, sondern auch für Pflegekräfte die noch einen funken Verstand haben, denn ein höherer Pflegeaufwand ist quasi schon vorprogrammiert.

Bilder von Tena Slipad gibt es in unserem Fotoalbum.





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Schweriner Volkszeitung vom 3.11.2008
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03 Nov 2008 11:03



In Würde alt werden




STERNBERG: "Irgendwie haben wir uns das Alter anders vorgestellt", sagt Rudolf Götting. Der 73-jährige Sternberger kann seine Tränen kaum unterdrücken, wenn er von seiner 76-jährigen Ehefrau Käthe erzählt.

Bis vor drei Jahren, so lange Rudolf Götting noch die Kraft dafür aufbringen konnte, hatte er seine Ehefrau zu Hause selbst gepflegt. Seit 2005 ist seine Käthe im Wariner Diakonieheim.

Sie leidet an Alzheimer und Inkotinenz, erzählt der Sternberger. Eine Kombination also aus Problemen mit dem Gedächtnis und dem Wasserlassen. In jüngster Zeit musste der Ehemann bei seinen regelmäßigen Besuchen im Heim immer wieder beobachten, wie seine Frau plötzlich im Nassen saß. Alles war dann feucht - von der Kleidung bis zum Sessel.

Das gab es früher nicht. Da bekam seine Frau spezielle Höschen, die die Feuchtigkeit nahezu vollständig aufsaugten. Seit einigen Wochen hat sie andere. "Da geht es fast ungebremst durch", sagt Rudolf Götting.

Der Rentner erfuhr von einer Mitarbeiterin im Pflegeheim, dass seine Frau bisher quasi den "Mercedes" unter den Hilfsmitteln nutzen konnte. Damit gab es keine Probleme. Jetzt habe die Krankenkasse AOK für ihre Mitglieder aber ein anderes Produkt festgeschrieben.

"Die sparen sich zu Tode ", ärgert sich Rudolf Götting. "Mit Menschenwürde hat das nichts zu tun." Der Senior wandte sich an die Geschäftsstelle seiner Krankenkasse in Sternberg mit der Bitte, dass seine Frau wieder wirksame Hilfsmittel bekommt. Später bekam er einen Anruf aus Neubrandenburg. Die Mitarbeiterin erklärte ihm, dass das neue Produkt in Ordnung ist.

Der Sternberger gibt sich mit der Situation nicht zufrieden. Die Öffentlichkeit muss von dem Dilemma erfahren, meint er. Möglichst viele Betroffene sollten sich zusammenschließen, um gegen die derzeitige Praxis vorzugehen.

An der Situation, so sagt Rudolf Götting, haben die Mitarbeiter im Pflegeheim keine Schuld. Er hat sich zwischenzeitlich auch in einem anderen Heim umgehört. Von dort wurden ihm ähnliche Probleme geschildert.

Vera Gätcke, Pflegedienstleiterin im Wariner Diakonie-Heim, sagte gegenüber SVZ, auch andere Angehörige hätten sich bereits bei der Krankenkassen beschwert. Und das Heim sei dabei, Argumente zu sammeln, die man der Krankenkasse vorlegen wolle. Die neuen Produkte bringen insbesondere für Menschen, die noch die Toiletten benutzen können, einen qualitativen Einschnitt mit sich, weil sie nicht so schnell aufsaugen.

Früher konnte das Pflegeheim die Hilfsmittel für insgesamt 80 an Inkontinenz leidende Bewohner selbst aussuchen und bestellen. Jetzt schreiben immer mehr Krankenkassen vor, was sie zu nehmen haben. Dazu hatte auch die AOK eine Ausschreibung gemacht. Vera Gätcke weiß, dass einige Heime schon seit Ende vergangenen Jahres zentral beliefert werden. Nordwestmecklenburg sei als letzter Kreis im Land erst im September diesen Jahres hinzu gekommen.

Zu den Ausschreibungen sind alle Krankenkassen verpflichtet, erklärte Markus Juhls, Pressesprecher bei der AOK in Schwerin. Es kommen aber keine minderwertige Waren zum Einsatz, versicherte er. Die AOK habe bei der Ausschreibung Qualitätskriterien vorgegeben und verlangt, dass die Versorgung gewährleistet werden muss. Erst bei der Einhaltung dieser beiden Kriterien entschied am Ende der Preis. Möglicherweise, so vermutete Juhl, gibt es nur aufgrund der Umstellung Probleme, da die Lieferanten nicht exakt die gleichen Größen im Angebot haben.

Im Fall der Wariner Seniorin versprach Juhl, zusammen mit dem Pflegeheim nach einer Lösung zu suchen. Dazu soll noch in dieser Woche ein Gespräch in Warin zwischen der AOK, ihrem Vertriebspartner, der Heimleitung und der betroffenen Familie Götting stattfinden.





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Forschung & Medizin
Informationsdienst Wissenschaft vom 29.10.2008
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01 Nov 2008 18:04



Bänder, Netze und Neurostimulatoren




LEIPZIG: Deutsche Kontinenz-Gesellschaft lädt zum Kongress nach Leipzig ein. Gleichzeitig mit dem Kongress findet das 67. Seminar des Arbeitskreises Urologische Funktionsdiagnostik und Urologie der Frau statt. Leitthemen sind konservative Therapie und rekonstruktive Chirurgie bei Harn- und Stuhlinkontinenz. Dieses in mehrere Vortragsreihen aufgegliederte Thema soll zum Erfahrungsaustausch zwischen Urologen, Gynäkologen, Kinderärzten, Darm- und anderen Experten einladen und interdisziplinäre Konzepte anbieten. Eine gesonderte Sitzung widmet sich der kindlichen Inkontinenz.


Zeit: 07. November 2008 bis 08. November 2008
Ort: Congress Center Leipzig
Messe-Allee 1

Mehr als fünf Millionen Menschen in Deutschland leiden an Inkontinenz. Sie sind also nicht fähig, das Ausscheiden von Stuhl oder Harn auf den Toilettengang zu beschränken. Der Behandlung und Pflege dieser Menschen widmet sich die Deutsche Kontinenz-Gesellschaft, die für 7. und 8. November zu ihrem 20. Kongress nach Leipzig einlädt.

Tagungspräsidenten sind Prof. Jens-Uwe Stolzenburg, Direktor der Klinik und Poliklinik für Urologie der Universität Leipzig, und Prof. Holger K.-H. Till, Direktor der Klinik und Poliklinik für Kinderchirurgie der Universität Leipzig. Gleichzeitig mit dem Kongress findet das 67. Seminar des Arbeitskreises Urologische Funktionsdiagnostik und Urologie der Frau statt.

Leitthemen sind konservative Therapie und rekonstruktive Chirurgie bei Harn- und Stuhlinkontinenz. Dieses in mehrere Vortragsreihen aufgegliederte Thema soll zum Erfahrungsaustausch zwischen Urologen, Gynäkologen, Kinderärzten, Darm- und anderen Experten einladen und interdisziplinäre Konzepte anbieten. Eine gesonderte Sitzung widmet sich der kindlichen Inkontinenz.

"Die Thematisierung der rekonstruktiven Beckenchirurgie", so Prof. Stolzenburg, "hat zum Ziel, chirurgische Innovationen beispielsweise bei Harn- und Stuhlinkontinenz aber auch bei Verlust der Harnblase und dem dann möglichen Harnblasenersatz aufzuzeigen. Hierbei geht es vor allem um Möglichkeiten des Einsatzes so genannter Bänder, welche die Harnröhre stützen, in eine anatomisch korrekte Position verlagern und damit die Kontinenz verbessern können. Dabei werden ganz neue Aspekte in der Beckenchirurgie des Mannes berührt. Bei der Frau werden mit so genannten Netzen Muskelhaut- und Bandstrukturen rekonstruiert. Hier steht die Frage, wann welches Material und welche Technik zum Einsatz kommen sollten."

Erstmals werden anlässlich einer Tagung der Kontinenz-Gesellschaft Live-Operationen aus einem OP übertragen und diskutiert. Für die jeweiligen Techniken wurden Experten eingeladen, die parallel zum im CCL stattfindenden Kongress im Universitätsklinikum arbeiten. Im Rahmen dieser Live-Operationen wird unter anderem die laparoskopische ("Knopflochchirurgie") Implantation solcher Netze diskutiert. Ein weiterer Schwerpunkt mit Live-Demonstration ist die Implantation von Neurostimulatoren zur Therapie von Blasen- und Darmfunktionsstörungen sowie operative Möglichkeiten bei Harninkontinenz des Mannes.

Zu der Konferenz werden Ärzte, Physio- und Ernährungstherapeuten sowie Vertreter von Selbsthilfegruppen aus ganz Deutschland in Leipzig erwartet. Am zweiten Kongresstag findet ein offenes Patientenforum zu allen Fragen der Harn- und Stuhlinkontinenz statt.

weitere Informationen:

PD Dr. med. Jens-Uwe Stolzenburg
Telefon: 0341 97-17600
E-Mail: jens-uwe.stolzenburg@uniklinik-leipzig.de
http://www.uni-leipzig.de/~uro

Prof. Dr. med. Holger Till
Telefon: 0341 97-26400
E-Mail: holger.till@uniklinik-leipzig.de
http://www.uni-leipzig.de/~kindchir





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newsclick.de vom 30.10.2008
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01 Nov 2008 17:58



Senioren wollen trockene Windeln




SALZGITTER: Salzgitters Senioren fordern saugfähige Windeln. Um die zu bekommen, hat der Seniorenbeirat nun eine Resolution an den Landesseniorenrat verabschiedet, in der er diesen auffordert, das Vergabeverfahren der AOK für Inkontinenzartikel zu überprüfen.

Was ist geschehen? Zum 1. Oktober hat die AOK Niedersachsen die Versorgung mit Inkontinenzhilfsmitteln europaweit ausgeschrieben. Zahlten die Krankenkassen den Heimen bisher eine Pauschale von 39,90 Euro im Monat je inkontinentem Bewohner, versorgt die AOK nun ihre Versicherten über den günstigsten Anbieter (wir berichteten).

Die Folge: "Unsere Bewohner sind ständig nass, haben Hautprobleme. Von der Geruchsbelästigung ganz zu schweigen", moniert Urte Densky, Leiterin des Alten- und Pflegeheims Am See. Auch Personalaufwand und -kosten würden steigen. Schließlich müssten die Windeln der Bewohner wesentlich öfter gewechselt werden. Denn: "Die Inkontinenzartikel, die uns der Lieferant vorschreibt, sind qualitativ wesentlich schlechter und haben ein geringeres Fassungsvermögen", erklärt Densky. Zum Teil sei es so schlimm, dass den Heimbewohnern der Urin am Bein herunterlaufe. "Es gibt Tage, da schicken wir bis zu drei Beschwerdefaxe an die AOK. Aber es tut sich nichts", so Densky.

Heime: Hilfsmittel sind qualitativ schlecht

Ernst Stein, Leiter des Waldkurhauses Lichtenberg, hat die gleichen Probleme. Von seinen 60 Bewohnern sind zwei Drittel inkontinent, 17 von ihnen sind bei der AOK versichert. Auch Stein verschicke ständig Mängellisten, da "die Qualität der Hilfsmittel unter aller Würde" ist. "Die Windeln klumpen, die Patienten liegen sich wund", sagt er und schüttelt den Kopf: "Ich verstehe nicht, dass Krankenkassen nicht vorausschauend arbeiten. Wenn wir keine qualitativ vernünftigen Artikel bekommen, müssen die Kassen auch noch die Folgekosten der dadurch anfallenden medizinischen Versorgung tragen."

Stein hat in seinem Heim ein weiteres Problem. "Wir haben die Inkontinenzartikel früher im Keller gelagert. Jetzt hat jeder inkontinente Bewohner seine eigenen Windeln, die kein anderer Bewohner bekommen darf. Das heißt, wir müssen sie auch getrennt lagern. Den Platz haben wir aber nicht. Und ich kann doch nicht den Bewohnern sagen: Räumt eure Kleidung aus den Schränken, da kommt jetzt euer Vorrat an Inkontinenzartikeln für die nächsten vier Wochen hinein."

Auch von nicht erfolgter Bedarfsanalyse, Lieferschwierigkeiten und erforderlichen Anträgen für Zusatzwindeln bei Durchfallpatienten berichten die beiden Heimleiter. Und: Aufgrund der schlechten Qualität der Inkontinenzartikel sei der Bedarf größer. Eine höhere Anzahl an Windeln bewillige die AOK aber nicht. "Bei uns kaufen schon Angehörige zusätzliche Windeln", sagt Densky kopfschüttelnd. 30 ihrer 86 inkontinenten Bewohner sind bei der AOK versichert. "Zum Teil konnten die noch selbst zur Toilette gehen und ihre Hilfsmittel allein wechseln", sagt sie. "Nun bekommen sie plötzlich geschlossene Systeme geliefert, die sie ohne Hilfe nicht mehr abbekommen. Ihnen wird somit die Unselbstständigkeit aufgezwungen."

Rodermund: Alte Menschen haben keine Lobby

"Alte Menschen, die krank und inkontinent sind, haben keine Lobby", schimpft auch Seniorenbeiratsvorsitzende Irene Rodermund. Aus diesem Grund bringt der Seniorenbeirat nun das Schreiben an den Landesverband auf den Weg. Und auch Salzgitters Landtags- und Bundestagsabgeordnete sollen in Kenntnis gesetzt werden, sagt Rodermund.

Die AOK will unterdessen reagieren. "Wir haben vereinbart, dass wir mit dem Ausschreibungsgewinner die Heime aufsuchen und die Probleme abstellen werden, wenn es welche gibt", sagt AOK-Pressesprecher Klaus Altmann auf SZ-Anfrage. "Bevor wir uns nicht selbst einen Überblick verschafft haben, können wir nichts machen." In welchem Zeitrahmen das geschehen soll, sei indes noch ungeklärt.

Klagen aus Salzgitter seien Altmann bisher nicht bekannt. "Sollte das anders sein, sollen sich die Heime bei uns melden", sagt er. Apropos: Eine Antragspflicht für weitere Windeln bei Durchfallerkrankungen bestehe nicht. "Die Heime müssen nur Bescheid geben, dann bekommen sie Nachschub", betont er.





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Bundesverband Medizintechnologie vom 10.10.2008
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12 Okt 2008 21:39



MedInform-Konferenz zu Strukturveränderungen im Hilfsmittelmarkt: „Verbesserungen am Gesetz durch Verlängerung der Übergangsfrist, Beitrittsrecht und Präqualifizierungsverfahren“




BERLIN: An der Gesetzgebung im Hilfsmittelbereich wird es weitere Verbesserungen geben. Die bis Ende 2008 bestehende Übergangsfrist wird um ein Jahr verlängert. Parallel wird eine neue Rechtsgrundlage zur Einführung eines Präqualifizierungsverfahrens für Leistungserbringer im Hilfsmittelbereich eingeführt. Außerdem wird es ein Beitrittsrecht zu abgeschlossenen Verträgen (nach § 127 Abs. 2 SGB V) und eine Informationspflicht über Vertragsinhalte geben. Das Ausschreibungsgebot wird in eine „Kann-Vorschrift“ umgewandelt. Das berichtete die Bundestagsabgeordnete Maria Michalk auf der MedInform-Konferenz „Zwingt der Wettbewerb im Hilfsmittelmarkt die Beteiligten zu Strukturveränderungen?“ am 9. Oktober 2008 vor rund 80 Teilnehmern in Hamburg. Die entsprechenden Beschlüsse sollen nächste Woche im Bundestags-Gesundheits¬ausschuss und im Bundestag gefasst werden.

Die Konferenz stellte „Best-Practice-Modelle“ der Leistungsanbieter vor und gab einen Überblick über die Veränderungen des Marktes der Hilfsmittelversorgung in Deutschland aus Sicht des Vertriebes und des Personalmanagements. Der Druck im Markt nimmt durch die Ausschreibungen, sinkende Preise und steigende Prozesskosten erheblich zu. Das muss bei Leistungserbringern wie Herstellern zu einer eindeutigen Marktpositionierung mit einer Konzentration auf die Kernkompetenzen führen, so Nathalja Charlamenko von rehaVital und Stefan Berner-Böhnig von SCA. Partnerschaftliche Kooperationen zwischen Leistungserbringern und Herstellern würden an Bedeutung gewinnen. Ebenso sei es wichtig, in der Zusammenarbeit mit den Krankenkassen neue Wege zu beschreiten, so Berater Thomas Bade von Salenus. Da die Krankenkassen im Wettbewerb künftig Alleinstellungsmerkmale benötigen, könne man sehr viel leichter neue Versorgungsmodelle gemeinsam entwickeln.

Im Vorfeld der Sondersitzung des Bundestags-Gesundheitsausschusses am 13. Oktober 2008 berichtete die Bundestagsabgeordnete Maria Michalk über die aktuellen Änderungsanträge zum Hilfsmittelbereich. Die massive Kritik der Leistungserbringer an der Ausschreibungs- und Vertragspraxis der Krankenkassen im Hilfsmittelbereich bewirkte, dass die Koalitionsfraktionen die Verlängerung der Übergangsfrist in Erwägung zogen. Aus dieser Diskussion ergaben sich insgesamt 48 Änderungsanträge. So wird das Ausschreibungsgebot in eine „Kann-Vorschrift“ umgewandelt. Damit kann die wirtschaftliche Versorgung mit Hilfsmitteln sowohl über Ausschreibungen als auch über andere Verträge sichergestellt werden. Die derzeit bestehende Übergangsfrist, die Ende 2008 ausläuft, wird um ein Jahr verlängert. Parallel wird in § 126 SGB V eine neue Rechtsgrundlage zur Einführung eines Präqualifizierungsverfahrens für Leistungserbringer im Hilfsmittelbereich eingeführt. Bei der Erarbeitung der Qualitätsanforderungen sind Krankenkassen und Leistungserbringerverbände gefordert. Maria Michalk: „Die parallele Einführung eines Präqualifizierungsverfahrens gibt der Verlängerung der Übergangsfrist zwar eine andere Bedeutung, stellt im Gegenzug aber für die Zeit nach Ende der Übergangsfrist eine ausgewogene Regelung dar.“ Mit dem Beitrittsrecht zu abgeschlossenen Verträgen und der Informationspflicht über Vertragsinhalte erhalten qualifizierte Leistungserbringer zudem einen nach Versorgungskriterien ausgewogenen Zugang zur Versorgung. „Die Qualität der Versorgung und die Kostenrelation sind stimmig“, so Michalks Fazit.

Ihren ersten Auftritt in neuer Funktion hatte Carla Grienberger, Leiterin des Referats Hilfsmittel beim neuen GKV-Spitzenverband. Die Aufgaben im Hilfsmittelbereich sind vom IKK-Bundesverband auf den GKV-Spitzenverband übergegangen. Dazu gehören die Erstellung und Fortschreibung des Hilfsmittelverzeichnisses, die Antragsverfahren zur Aufnahme von Produkten in das Hilfsmittelverzeichnis und die Fortentwicklung des Festbetragssystems. Als weitere Aufgaben werden voraussichtlich ab 1. Januar 2009 die Entwicklung von Kriterien zur Zweckmäßigkeit von Ausschreibungen und die Festlegung von Kriterien für das geplante Präqualifizierungsverfahren für Leistungserbringer nach § 126 SGB V hinzukommen. Dieses Präqualifikationsverfahren habe Vorteile für die Unternehmen, da die Anforderungen erstmals kassenübergreifend festgelegt werden. Bei der Frage, ob es sich bei Krankenkassen um öffentliche Aufraggeber handelt und bei Ausschreibungen das Vergaberecht gilt, müsste zunächst die Klarstellung durch den Europäischen Gerichtshofs in den nächsten Monaten abgewartet werden. Für das Verhältnis mit den Unternehmen stellte Grienberger klar: „Wir wollen die kooperative Zusammenarbeit mit Herstellern und Leistungserbringern fortsetzen.“

Nathalja Charlamenko, Prokuristin und Leiterin des Vertragsmanagements bei der rehaVital Gesundheitsservice GmbH, ging auf die Auswirkungen der neuen gesetzlichen Regelungen auf den Hilfsmittelmarkt aus Sicht der Leistungserbringer ein. Die massiven Veränderungen im Hilfsmittelbereich führen dazu, dass die Unternehmen ihre Strukturen und Prozesse überprüfen und anpassen müssen. Die Ist-Situation ist geprägt durch einen steigenden Preisdruck durch die Ausschreibungen und gestiegene Prozesskosten durch die Vertragsverhandlungen. Charlamenko: „Der Druck im System nimmt zu. Das führt dazu, dass es größere operative Einheiten auf allen Leistungsebenen geben muss.“ Erforderlich ist eine differenzierte Betrachtung des eigenen Geschäftsmodells und des Leistungsangebots bzw. Sortiments. Folge muss eine Konzentration auf die betrieblichen Kernkompetenzen sein – mit einer differenzierten Produktauswahl und Lieferantenkonzentration sowie Prozessvereinfachungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Die Veränderungen haben auch Auswirkungen auf das Verhältnis der Leistungserbringer zu den Herstellern. Hier gehe der Trend „von der konfrontationalen Lieferantenrelation zur verlässlichen Zusammenarbeit“. In der Zusammenarbeit mit den Krankenkassen gibt es viele „Kampffelder“ aufgrund der gesetzlichen Änderungen. Stichworte seien Pseudoverhandlungen, irrationale Preisforderungen, überhöhte Qualitätsanforderungen und kostenintensive Prozessabläufe. Das Problem lautet nach Charlamenko: „Wir haben steigende Prozesskosten bei sinkenden Preisen.“ Da der Marktzugang künftig nur noch über Verträge gewährleistet sei, werden Kooperationen immer wichtiger: „Wir brauchen eine Bündelung von Ressourcen und Kompetenzen als Gegengewicht zur Verhandlungsmacht der Kostenträger.“ Eine Prognose, welches Geschäftsmodell das gewinnbringendere sein wird, sei aufgrund der unsicheren Rechtslage jedoch kaum möglich. Klar sei nur: „Die Vielfalt der Leistungserbringer wird insbesondere regional stark zurückgehen.“

Vom Leistungserbringer zum Hersteller: Stefan Berner-Böhnig von SCA Hygiene Products schilderte die Auswirkungen der Gesundheitsreform aus Vertriebssicht eines Herstellers von aufsaugenden Inkontinenzprodukten. In der Marktstruktur vollziehe sich durch Ausschreibungen und Verträge ein fundamentaler Wandel. Das Unternehmen konzentriere sich darauf, mit Krankenkassen Lösungen zu finden, wie die Ausschreibungen sinnvoll durchgeführt werden können. Der Markt für Inkontinenzprodukte habe eine Größe von 300 Millionen Euro. Unterschätzt werde aber von den Krankenkassen die Anzahl der betroffenen Patienten. Rund 1,2 Millionen Versicherte werden über Rezept mit Inkontinenzprodukten versorgt. Das müsse zum Umdenken führen, so Berner-Böhnig: „Ausschreibungen müssen sich mehr an der Qualität der Versorgung orientieren, nicht nur am Preis.“ Er ging auch auf die erforderlichen Anpassungen in der Unternehmensstruktur ein. Aufgrund der kurzen Zeit zwischen Ausschreibungsbekanntmachung und Fristende müssten klare Verantwortlichkeiten festgelegt werden: von der internen Abstimmung über die Angebotsprüfung bis hin zur Angebotsabgabe. Auch die Innendienststruktur müsste angepasst werden, beispielsweise durch die Einrichtung eines Key Account Managements für die großen, bundesweit agierenden Krankenkassen. Wichtig sei es in Zukunft, eine klare Position im Markt zu beziehen: Will man eine Basisversorgung oder Premium-Produkte und Services definieren? Setzt man auf den Erstattungsmarkt oder auf wirtschaftliche Aufzahlung bzw. reine Selbstmedikation? Bei der zweiten Alternative sieht Berner-Böhnig die Chancen für Qualitätsanbieter, die Produktinnovationen vorantreiben und gute Dienstleistungen anbieten.

Berater Thomas Bade, Geschäftsführer der Salenus GmbH, zeigte Konsequenzen der neuen Wettbewerbsinstrumente für die ärztliche Verordnung und die Auftragssachbearbeitung auf. Er schilderte eindringlich das Problem, dass Ärzte über die Veränderungen im Hilfsmittelbereich und die Einschränkung der Wahlfreiheit der Versicherten so gut wie nicht informiert seien. Hier herrsche ein großes Informationsdefizit. Sein Appell: „Die Informationspolitik zu den Ärzten, den Kassenärztlichen Vereinigungen und Ärzteverbänden muss verbessert werden.“ Bade sprach sich auch dafür aus, unterschiedliche Versorgungssituationen im Hilfsmittelbereich nicht über Pauschalen in einen Topf zu werfen. Die Verträge sollten drei Bereiche abbilden bzw. unterscheiden: akut, chronisch und Behinderungsausgleich. Der Akutbereich kann gut über das Hilfsmittelverzeichnis abgedeckt werden. Im chronischen Bereich und beim Behinderungsausgleich gehe es um sehr langfristige Versorgungen. Hier sollten die verschiedenen Marktteilnehmer unter Einschluss der Krankenkassen Prozessdefinitionen und Therapiepfade entwickeln. Das Vertragsverhältnis sollte über einen sehr viel längeren Bereich existieren, wobei der Leistungserbringer Zwischenergebnisse vorlegen muss, um das Vertragsverhältnis aufrecht zu erhalten. In Zukunft könne man mit Krankenkassen neue Versorgungsmodelle sehr viel leichter entwickeln, „denn die Krankenkassen stehen stärker im Wettbewerb und müssen sich unterscheidbar machen“. Für neue Modelle sollte man Krankenkassen aussuchen, die auch die Marktmacht haben, flächendeckende Verträge abzuschließen. Wichtig für die Unternehmen sei der Aufbau eines unternehmensinternen Vertragsmanagements mit der entsprechenden IT-Struktur sowie ein professionelles Leistungsmanagement, das künftig zum zentralen Erfolgsfaktor werde, so Bade abschließend.

Zum Abschluss der Konferenz ging es um Fragen des Personalmanagements, die im Hilfsmittelmarkt wachsende Bedeutung haben. Bernd Sydow, beim Personaldienstleister Adecco zuständig für das Gesundheitswesen, zeigte Modelle auf, wie man mit starken Personalschwankungen umgehen kann. Neben den klassischen Modellen der Zeitarbeit, der temporären Hilfen („Temp to Perm“) oder der Personalvermittlung gibt es auch Poolkonzepte, die eine große Flexibilität durch eine Bereitstellung auf Zeit von denselben Mitarbeitern bieten. „Personalmanagement wird von der reinen Verwaltung zu einem wichtigen Erfolgsfaktor im Kampf um die besten Köpfe der Branche“, so Sydow. Wolfgang Werner, Geschäftsführer der Agentur für Arbeit in Lübeck, schilderte Erfahrungen seiner Agentur in der Zusammenarbeit mit Unternehmen bei Personalbedarf oder -überhang. Die Agentur berät und unterstützt beispielsweise bei Teilzeitmodellen, Jobsharing, Gleitzeitmodellen oder Teleheimarbeit. Außerdem gibt es verschiedene Trainingsmaßnahmen, Eingliederungs- und Qualifizierungszuschüsse. Für Fragen der Arbeitgeber wurde unter 01801 – 66 44 66 eine spezielle Servicenummer eingerichtet.








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