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Hilfsmittel
SVI - Redaktion
Stefan
24 Aug 2010 23:58



Attends Slip Active nun 5% teuerer




Schwalbach/Ts.: Seit Juli kostet Attends Slip Active 5% mehr. Grund für die Preiserhöhung sind gestiegene Rohstoffkosten und nicht etwa Verbesserungen am Produkt. Der gleichwertige Attends Slip Regular bleibt im Preis gleich. Leistungserbringer versuchen nun Betroffene zur Annahme andere (Billig-) Marken zu bewegen.

Bei Festbeträgen zahlen die Betroffenen die 5% mehr
Betroffene zahlen seit Juli 2010 die 5% mehr für den Attends Active Slip allleine. Den Krankenkassen ist es egal, denn die Festbeträge wurden nicht erhöht. Leistungserbringer dürfen bei Abrechnung nach den Festbeträgen diese Kosten an die Betroffenen weitergeben. Einen Umstieg auf ein anderes Produkt können sie nicht fordern.

Bei Ausschreibungen trägt die 5% der Leistungserbringer
In Bereichen wo es zu Ausschreibungen gekommen ist, müssen die höheren Kosten vom Leistungserbringer getragen werden. Nun machen Leistungserbringer aber vermehrt Druck, dass Betroffene auf andere (Billig-) Slips umsteigen. Dies dürfen Sie jedoch nicht wenn eine Einzelproduktverordnung nach §7 Abs. 4 der HilfsM-RL (Hilfsmittelrichtlinie) vorliegt, hier dürfen sie nach den Verträgen und der gesetzesähnlichen Hilfsmittelrichtline weiter nur den Attends Slip Active abgeben.

Rohstoffkosten bei allen Inkontinenzprodukten gestiegen
Beim Rohstoff Fluff/Zellulose wirken sich die verstärkte Nachfrage nach Papier und Holz, der extreme Winter in Skandinavien, die Streiks in Finnland und das Erdbeben in Chile auf die Preise aus. Verstärkt werden die dadurch erhöhten Preise durch den starken US-Dollar, der für eine zusätzliche Dynamik bei Preissteigerungen sorgt. Gegenüber Juli 2009 hat sich der Zellulosepreis um etwa 35 Prozent verteuert. Bei den Kunststoffgranulaten Polypropylen und Polyethylen sind ebenfalls extreme Preissteigerungen gegenüber dem Vorjahr zu verzeichnen. Aus diesen Granulaten werden Vliese und Folien gefertigt. Der Treiber ist hier der Preis für Rohöl. So ist der Preis für Polypropylen von April 2009 bis April 2010 sogar um 65 Prozent gestiegen.

Fazit:
Es ist nur verwunderlich, dass die Preiserhöhung aufgrund dieser Tasachen nur den Attends Slip Active und nicht die anderen Attends Produkte, wie z. B. den Attends Slip Regular, betreffen.





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Deutsches Ärzteblatt vom 19.05.2010
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20 Mai 2010 10:18



Stressinkontinenz: TVT-Operationen mit unterschiedlichen Komplikationen




BIRMINGHAM - ENGLAND: Eine Vergleichsstudie bescheinigt zwei unterschiedlichen Varianten der heute bevorzugten „Tension-free vaginal tape“- oder TVT-Operation nach einem Jahr eine gleich hohe objektive Effektivität, während viele Frauen „subjektiv“ weniger zufrieden waren. Nach der Publikation im New England Journal of Medicine (NEJM 2010; doi: 10.1056/NEJMoa0912658) gibt es Unterschiede bei den Komplikationen.

Bei der Stressinkontinenz können Husten, Lachen, Niesen, Laufen oder das Heben schwerer Sachen, kurz alles, was den intraabdominalen Druck ansteigen lässt, einen unwillkürlichen Harnabgang auslösen, was viele der betroffenen Frauen als sehr störend empfinden. Die Therapie ist allerdings nicht einfach.

Die konservative Behandlung gerät schnell an ihre Grenzen und die Ergebnisse der chirurgischen Interventionen waren in der Vergangenheit nicht immer von Dauer, was sich nicht zuletzt in einer erstaunlichen Vielfalt der Operationsverfahren widerspiegelt. In den letzten Jahren hat sich die TVT-Operation durchgesetzt. Sie ist weniger invasiv als frühere Operationen und wird zunehmend auch ambulant durchgeführt.

Bei der TVT-Operation wird ein Kunststoffband transvaginal unter den mittleren Abschnitt der Harnröhre gelegt. Die beiden freien Enden werden nach dem 1996 von Ulmsten vorgestellten Verfahren hinter dem Schambein, und dabei möglichst spannungsfrei „tension-free“ nach oben gezogen, wo sie von innen in der Bauchwand verwachsen.

Neben dieser „retropubischen“ TVT gibt es inzwischen auch eine „transobturatorische“ Variante, bei der die beiden Bandenden zur Seite durch das Foramen obturatum gezogen werden, was die Verletzungsgefahr für Blase oder Darm minimieren soll.

Im US-amerikanischen Trial of Mid-Urethral Slings wurden beide Verfahren an 597 Frauen miteinander verglichen. Alle Teilnehmerinnen hatten seit mindestens 3 Monaten über eine Stressinkontinenz geklagt und der Stresstest war auch bei mäßig gefüllter Blase positiv ausgefallen.

Wie Holly Richter von der University of Alabama in Birmingham jetzt auf der Jahrestagung des American College of Obstetrics and Gynecology in San Francisco mitteilte, waren beide Varianten gleich effektiv.

Als objektiver Erfolg wurde gewertet, wenn 12 Monate nach der Operation sowohl der Stresstest negativ ausfiel, als auch die 24-Stunden-Einlage keinen Harnabgang anzeigte. Selbstverständlich durfte auch keine erneute Operation erfolgt sein.

Diese Kriterien erfüllten im retropubischen TVT-Arm 80,8 Prozent und im transobturatorischen TVT-Arm 77,7 Prozent der Patientinnen. Der Unterschied war nicht-signifikant und wäre auch klinisch bedeutungslos gewesen.

Die Patientinnen waren etwas weniger zufrieden mit dem Ergebnis: Nur 62,2 Prozent im retropubischen TVT-Arm und 55,8 Prozent im transobturatorischen TVT-Arm gaben an, dass sie keine Stressinkontinenz mehr hätten. Diese Ergebnis liegen nach nur einem Jahr deutlich unter den Werten, die in früheren Studien berichtet wurden (etwa 74 bis 81 Prozent Erfolg nach 6 Jahren bei N. Kuuva et al. in Acta Obstet Gynecol Scand. 2006; 85: 482-7) und dies, obwohl die Operation von ausgewiesenen Experten durchgeführt wurde.

Außerdem lassen die Daten nach einem Jahr nur begrenzt Aussagen über den Langzeiterfolg zu, wie die Editorialistin Rebecca Rogers vom New Mexico Health Sciences Center in Albuquerque schreibt. Sie zitiert eine Studie, nach der ein Drittel der Frauen später einen zweiten operativen Eingriff benötigten (NEJM 2010; doi: 10.1056/NEJMe1005367). Ob die TVT-Operationen diese Ergebnisse verbessern bleibt abzuwarten.

Interessante Unterschiede gab es im „Nebenwirkungsprofil“ der beiden Operationen: Schwere Komplikationen waren im retropubischen TVT-Arm mit 14 Prozent häufiger als im transobturatorischen TVT-Arm (6 Prozent). Es kam im retropubischen TVT-Arm häufiger zu Blasenperforationen und postoperativ zu Harnwegsinfektionen, während im transobturatorischen TVT-Arm vaginale Perforationen und neurologische Probleme wie Schwäche im oberen Bein häufiger waren.





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Forschung & Medizin
Urologische Nachrichten vom 19.05.2010
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20 Mai 2010 10:12



Hohe Kalorienaufnahme und gesättigte Fette tragen zur Harninkontinenz bei




WATERTOWN - USA: Frauen, die sehr viele Kalorien zu sich nehmen und bevorzugt gesättigte Fette verzehren, haben unabhängig von ihrem Körpergewicht möglicherweise ein erhöhtes Risiko für Harninkontinenz, wie eine neue Studie zeigt.

Warum genau der Anteil an gesättigten Fetten in der Ernährung eines Menschen das Risiko für Inkontinenz beeinflusst, ist unklar. Doch es könnte mit der chronischen systemischen Inflammation zu tun haben, spekulieren die Wissenschaftler. Studien haben gezeigt, dass Menschen mit höheren Konzentrationen an bestimmten Entzündungssubstanzen im Blut häufiger an Harnwegssymptomen leiden. Und man geht davon aus, dass Ernährungsweisen mit einem hohen Anteil an gesättigten Fetten und weniger mehrfach ungesättigten Fettsäuren Entzündungsprozesse fördern.

Überschüssige Kalorien wiederrum könnten einen Effekt auf Harnwegssymptomen haben, da mehr Kalorien auch mehr Aktivität des Nervensystems bedeuten - und das könnte die Aktivität der Nerven, die die Blase kontrollieren, verstärken, erläuterte die federführende Autorin, Dr. Nancy N. Maserejian von den New England Research Institutes in Watertown, Massachusetts, in einer E-Mail an Reuters Health.

Von allen Frauen in der Studie litten die 20 Prozent mit der größten Kalorienaufnahme (etwa 2400 Kalorien am Tag) dreimal so häufig an Harninkontinenz wie die 20 Prozent mit der geringsten Kalorienaufnahme (etwa 840 Kalorien am Tag) - nach Anpassung um Gesundheitszustand und Lebensstilfaktoren wie das Körpergewicht.

Die Frauen mit der höchsten Rate an gesättigtem Fett zu mehrfach ungesättigten Fettsäuren verzehrten drei- bis siebenmal mehr gesättigtes als ungesättigtes Fett. Sie litten 2,5-mal häufiger an Harninkontinenz als Frauen, die etwa gleich viel gesättigtes und ungesättigtes Fett konsumierten.

Die im American Journal of Epidemiology veröffentlichten Daten stammen aus einer Studie mit 2060 Frauen aus Boston, die zwischen 30 und 79 Jahre alt waren und detaillierte Angaben zu ihrer Ernährung und anderen Lebensstilfaktoren gemacht hatten. Etwas mehr als zwölf Prozent der Frauen litten an mittelschwerer bis schwerer Harninkontinenz - definiert als mindestens ein Harnverlust pro Woche oder ein starker Harnverlust im Monat.

"Das sind ganz neue Erkenntnisse und wir brauchen mehr Untersuchungen, um sie zu verifizieren", sagte Dr. Maserejian.

Fürs Erste bleibe Gewichtsreduktion die First-Line-Lifestyle-Therapie für Übergewichtige mit Inkontinenz, sagte sie. Doch die aktuellen Erkentnisse deuteten an, dass es besonders effektiv sein könnte, die Pfunde loszuwerden, indem man die Kalorienanzahl reduziere und gesättigtes gegen ungesättigtes Fett eintausche.

Die Befunde legten außerdem nahe, dass solche Ernährungsumstellungen auch für normalgewichtige Frauen effektiv sein könnten, fügte Maserejian hinzu. "Einer der interessantesten Aspekte unserer Ergebnisse ist", sagte sie, "dass der Zusammenhang (zwischen Kalorien und Harninkontinenz) bei schlanken Frauen sogar noch ausgeprägter vorhanden war.

Am J Epidemiol. 2010 May 15;171(10):1116-25.





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Gesetze & Versicherungen
BR-online vom 19.05.2010
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20 Mai 2010 10:06



Ärger mit Kassen-Windeln für Senioren




WÜRZBURG: Ältere und inkontinente Menschen müssen, wenn sie nichts zuzahlen wollen, Windeln verwenden, die sie nicht auswählen können und mit denen sie oft nicht zurechtkommen. Der Grund sind neue Verträge, die Krankenkassen wie die AOK Bayern mit Apotheken und Herstellern abgeschlossen haben.

Zum Jahresbeginn hat die AOK Bayern einen neuen Vertrag zur Versorgung mit "aufsaugenden Inkontinenzhilfen", also Erwachsenen-Windeln, abgeschlossen. Die Konsequenzen sorgen bei Pflegebedürftigen und pflegenden Angehörigen mittlerweile für Ärger, auch im Raum Würzburg. Dort darf nun nur noch eine Handvoll Apotheken die aufzahlungsfreien Windeln herausgeben. Viele Betroffene klagen über die schlechte Qualität der Krankenkassen-Windeln, berichtet die Sozialstation im Würzburger Stadtteil Grombühl.

Versicherte reagierten überrascht auf Windel-Deal

Marita Heer aus Rottenbauer bei Würzburg pflegt ihren Vater zu Hause. Der 89-Jährige ist dement, inkontinent und muss gewickelt werden. Die nötigen Windeln lieferte bis Dezember 2009 ein Internet-Versand. Aber Anfang des Jahres kam das Rezept zusammen mit einem Schreiben zurück. Ihr Rezept könne nicht mehr eingelöst werden, berichtet Heer, da die AOK, bei der ihr Vater versichert sei, nur noch bestimmte Vertragspartner habe. Auf Nachfrage bei der AOK erfuhr sie, dass es im Raum Würzburg drei Apotheken und ein Sanitätshaus gibt, die Verträge mit der AOK abgeschlossen haben und dass sie künftig die Windeln dort beziehen muss.

Kassen-Windeln ungeeignet für Inkontinenz-Fälle

In der Apotheke stellte Marita Heer dann fest: Die seit Jahren bewährten Windeln sind nicht mehr aufzahlungsfrei. Stattdessen gibt es für monatlich 38 Euro von der Krankenkasse nun ein anderes Produkt - und nur dieses. Zur Altenpflege sind diese Windeln ungeeignet, musste Heer feststellen: "Sie sind von der Qualität so schlecht, dass ich jeden Morgen ein nasses Bett hatte." Eine 66-jährige Dame aus Würzburg, die ungenannt bleiben möchte, bestätigt diese Erfahrungen: "Die saugen nichts auf. Alles läuft einfach durch, als hätte man keine Windel an!"

AOK wertet Neuregelung als Erfolg

Mit etwa 1.000 Apotheken und Sanitätshäusern im Freistaat hat die AOK Bayern dieses Jahr einen neuen Vertrag über die Versorgung mit "aufsaugenden Inkontinenzhilfen" abgeschlossen. Der Würzburger Apotheker Michael Sax ist einer der Partner. Der Beitritt zum Vertrag mit der AOK koste ihn für Zertifizierungen und Weiterbildung seiner Mitarbeiter mehrere tausend Euro, erklärt er. AOK-Referent Thomas Sterba war beim Vertragsabschluss dabei und kann sich die Unzufriedenheit bei den Versicherten nicht erklären: "Wir sind der Auffassung, dass der Vertrag hervorragend läuft. Wir haben zwischenzeitlich Rückmeldungen von den Versicherten erhalten, die sagen, dass sie jetzt besser versorgt sind, als vorher."

Apotheker trifft Windel-Wahl

Laut Sterba existiert ein bundesweites Hilfsmittelverzeichnis, in dem nur Produkte gelistet sind, welche die notwendigen Qualitätsanforderungen erfüllen. Und die Apotheker können den Patienten jedes Produkt aus diesem Verzeichnis anbieten. "Wir legen großen Wert darauf, dass mindestens eines der angebotenen Produkte für den Patienten aufzahlungsfrei ist", betont er. Nicht die Krankenkasse, so Sterba, wählt das Produkt aus, sondern der Leistungserbringer in Abstimmung mit seinem Kunden. Der AOK-Referent signalisiert Entgegenkommen: "Wenn der Versicherte nachweislich nur mit einer Marke zurechtkommt, tragen wir dafür Sorge, dass er auch die aufzahlungsfrei bekommt!" Sterba fügt hinzu: "Dann ist der Leistungsbringer nach unserem Vertrag verpflichtet, das Produkt aufzahlungsfrei zu Verfügung zu stellen."


Quelle: BR-online vom 19.05.2010





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Kreisbote vom 13.05.2010
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13 Mai 2010 15:55



Ran ans Tabuthema Inkontinenz




SONTHOFEN: Paul Boos aus Sonthofen hat als erster Mann ein Buch über das Tabuthema ,,Inkontinenz des Mannes nach Prostataoperation“ geschrieben, welches bei der Leipziger Buchmesse anlässlich einer Autorenlesung vorgestellt wurde. Boos ist Gründer einer Inkontinenz-Selbsthilfegruppe in Sonthofen. Die Lesung begann mit einem Spruch von Heinrich Heine: „Anfangs wollt’ ich fast verzagen und ich glaubt‘, ich trüg es nie! Und ich hab es doch ertragen, aber fragt mich nur nicht - wie?“

Danach schilderte Boos anschaulich, dass er seit seiner Prostataaperation vor sechs Jahren mehr als 1200 Liter (eintausendzweihundert) Liter Urin unkontrolliert verloren habe. Seine Erfahrungen mit Inkontinenz beschrieb er in einem Buch, um Männern ein ähnliches Schicksal ersparen zu können. Das Buch hat zwei Schwerpunkte: Männer sollen sich bei Prostataproblemen rechtzeitig vorher schlau zu machen, damit sie auf Augenhöhe mit dem Arzt stehen. Nicht jede Prostatektomie ist sinnvoll und notwendig. Informationen unter: http://www.psa-entscheidungshilfe.de .

Paul Boos: „Das Thema lnkontinenz und Impotenz soll endlich offen angesprochen werden. In Deutschland sind über zehn Millionen Menschen inkontinent, die Männer meistens nach Prostataoperation.“ Das Problem sei aber, dass Männer beharrlich schweigen, denn sie könnten doch nicht zugeben, dass ihre Männlichkeit in Frage gestellt ist. Bei der Lesung schilderte Paul Boos schonungslos die raue Wirklichkeit und Schwierigkeiten im Tagesverlauf. Er zeigte aber auch auf, dass man mit Offenheit, Selbstbewusstsein und viel Humor trotzdem ein (fast) normales Leben führen kann.

Als Gründer der Kontinenz Selbsthilfegruppe Sonthofen kennt er das Schicksal vieler Männer und bei Umfragen hat er die Probleme zahlreicher Betroffener ausgewertet. Näheres: http://www.pboos.de Am Freitag, 14. Mai, wird ab 22 Uhr im MDR Fernsehen im Rahmen der Sendung „Unter uns“ der Sonthofer Buchautor Paul Boos über das Tabuthema Inkontinenz ausführlich berichten. „Paule ist nicht mehr ganz dicht“, Verlag Pro Business, IBSN: 978-3-868 05-602-0, Euro 12,50.





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Österreich Journal vom 12.05.2010
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13 Mai 2010 15:49



Erfolgreiche Behandlung von Stuhlinkontinenz mit Reparaturzellen




GRAZ - ÖSTERREICH: Ungewollter Stuhlabgang ist für die meisten Menschen wohl eine der peinlichsten Situationen, die sie sich vorstellen können. Selbst in der Arztpraxis ist Stuhlinkontinenz noch immer ein großes Tabu: Patienten schweigen aus Scham und Mediziner fragen viel zu selten nach. Das mag auch daran liegen, dass den Betroffenen bisher keine wirklich erfolgversprechenden Behandlungsoptionen angeboten werden konnten. Ein neues Verfahren, das an der Med Uni Graz entwickelt wurde, könnte nun die Therapie der analen Inkontinenz revolutionieren: In einer Pilotstudie wurden zehn Frauen, deren Schließmuskel auf Grund geburtsbedingter Verletzungen vernarbt und nicht mehr voll funktionsfähig war, Reparaturzellen, die von gesunder, körpereigener Muskulatur gewonnen wurden, in das Narbengewebe injiziert. Der durchschlagende Erfolg dieser weltweit erstmals angewandten Behandlungsmethode überraschte sogar die Ärzte: Bereits nach vier Wochen waren neun Patientinnen völlig kontinent, die zehnte zeigte eine wesentliche Verbesserung ihrer Beschwerden. Kontrolluntersuchungen zwei Jahre nach der Behandlung bestätigen die hervorragenden Ergebnisse: Alle Studienteilnehmerinnen führen mittlerweile wieder ein ‚normales' Leben.

Stuhlinkontinenz, der unwillkürliche Abgang von Stuhl oder Schleim, ist eine äußerst belastende Erkrankung, die häufig zu Depressionen und sozialer Isolation führt. Einer der wichtigsten Risikofaktoren bei Frauen ist die geburtstraumatische Schädigung des Beckenbodens. In schweren Fällen ist mit konservativen Behandlungsmethoden (z.B. Biofeedback oder Diätumstellung) meist wenig Verbesserung erzielbar. Für diese Patienten waren bis jetzt chirurgische Eingriffe wie das überlappende Vernähen des durchtrennten Schließmuskels oder die Sakralnerven-Stimulation die letzte Hoffnung. Trotz des hohen Aufwands und Komplikationsrisikos hat besonders die Methode des überlappenden Vernähens der Schließmuskelenden sehr schlechte Langzeitergebnisse. Einen ganz anderen Weg schlägt nun Univ.-Prof. Dr. Andrea Frudinger, Leiterin der Forschungseinheit für anale Inkontinenz an der Universitätsfrauenklinik Graz, ein: Das von ihr entwickelte Behandlungsverfahren zielt darauf ab, den Muskeldefekt mit körpereigenen Zellen zu reparieren.

In der Pilotstudie wurde die Wirksamkeit dieses Therapieansatzes an zehn Frauen im Alter zwischen 24 und 65 Jahren, die bereits seit Jahren an einer schweren, die Lebensqualität dramatisch beeinträchtigenden Stuhlinkontinenz litten, untersucht. In einem ersten Schritt wurden Zellen aus dem Brustwandmuskel durch eine einfache Biopsie in Lokalanästhesie gewonnen, im Labor isoliert und vermehrt. "Dafür reicht ein 1 cm langer Schnitt in der Achselhöhle aus, der keine sichtbare Narbe hinterlässt", betont die Gynäkologin. Drei bis vier Wochen nach der Biopsie konnten dann die vermehrten Reparaturzellen in mehreren Einzelinjektionen in das Narbengewebe implantiert werden. Dazu mussten eigens eine Ultraschallsonde und eine entsprechende Injektionsvorrichtung, die das exakte Einbringen der kostbaren Zellen gewährleisteten, entwickelt werden. Um das Einwachsen der Zellen zu verbessern, wurde zusätzlich für mehrere Wochen eine Elektrostimulation des Beckenbodens durchgeführt. Da die Eingriffe sehr gut toleriert wurden und es auch keinerlei Komplikationen gab, plant Prof. Frudinger, die Implantation in Zukunft als tagesklinischen Eingriff durchzuführen.

Die im Jänner in der Zeitschrift "Gut" veröffentlichten Ergebnisse übertrafen alle Erwartungen: Die ersten Patientinnen berichteten bereits eine Woche nach der Implantation, keinen Stuhl mehr zu verlieren, nach vier Wochen waren neun der zehn Studienteilnehmerinnen völlig kontinent. Die Einjahres- und mittlerweile auch von allen Patientinnen vorliegenden Zweijahresergebnisse bestätigen die anhaltende Wirksamkeit der Therapie. Bemerkenswert dabei war, dass die Ultraschallbilder und die Druckmessungen ein Jahr nach der Implantation noch keine signifikanten Veränderungen zeigten. "Das Anwachsen von einzelnen Zellen ist natürlich im Ultraschall schwer nachzuweisen", so Prof. Frudinger. "Das Ganze ist sicher ein langwieriger Prozess. Erst jetzt - zwei Jahre nach der Implantation - sehen wir im Ultraschall diskrete Strukturen, die vorher nicht da waren."

Für Nachfolgestudien werden noch Patienten gesucht

Der große klinische Erfolg bei einer bisher so schwer zu behandelnden Erkrankung fand international sehr viel Beachtung und wurde in der März-Ausgabe der "Nature Reviews Gastroenterology und Hepatology" als eines der Research Highlights des Monats gewürdigt. Das Team um Prof. Frudinger möchte nun in einer größeren Pilotstudie mit 30-50 Patienten Männer und Frauen behandeln, die keinen Schließmuskeldefekt, sondern nur eine Schließmuskelschwäche haben. Darüber hinaus sollen demnächst die Ergebnisse dieser Pilotstudien in einer plazebokontrollierten Doppelblindstudie an etwa 250 Patientinnen und Patienten überprüft werden. Dabei soll außerdem untersucht werden, ob dieselben Ergebnisse auch mit einer geringeren Zahl an Reparaturzellen, die injiziert werden müssen, erreicht werden können. Übrigens muss niemand, der an dieser Plazebostudie teilnimmt, fürchten, durch die Finger zu schauen: allen Teilnehmern wird garantiert, dass sie nach Abschluss der Untersuchungen mit einer Zeitverzögerung von höchstens 3 Monaten auf Wunsch eine Therapie mit ihren eigenen Zellen erhalten können. Damen und Herren, die sich für die Teilnahme an einer der beiden Studien interessieren, können sich unter der unten angegebenen Telefonnummer melden.

Univ.-Prof. Dr. Andrea Frudinger
Klinische Abteilung für Gynäkologie, Med Uni Graz
eMail: andrea.frudinger@medunigraz.at
Tel: +43 / (0)316 / 385-81439





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Urologische Nachrichten vom 10.05.2010
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13 Mai 2010 15:44



Zivilprozess im Stammzelltherapieskandal kurz vor Urteilsverkündung




INNSBRUCK– ÖSTERREICH: In einem weiteren Gerichtsverfahren im Innsbrucker Stammzelltherapieskandal zur Behandlung von Inkontinenz hat ein Deutsch-Kanadier die Tilak (Tiroler Landeskrankenanstalten) auf 50.000 Euro Schadensersatz verklagt. In zwei Monaten soll nun das Urteil schriftlich ergehen. Fünf weitere Prozesse sind zur Verhandlung bei Gericht angesetzt.

Der Grund der Klage des inzwischen 74-jährigen in Kanada lebenden Mannes war ein Totalverschluss der Harnröhre, den er nach seiner Behandlung an der Innsbrucker Klinik erlitten hatte. Daraufhin waren weitere operative Eingriffe notwendig. "Die Stenose ist durch die Stammzellentherapie entstanden", sagte der Sachverständige und Urologe Peter Petritsch aus Graz während der Verhandlung. Petritsch war per Videoübertragung in den Gerichtssaal zugeschaltet worden, berichtet die Österreichische Nachrichtenagentur APA. Der Sachverständige erklärte auch, dass es seiner Ansicht nach Behandlungsalternativen gegeben hätte.

Vorbestrahlung "vollkommen untergegangen"

Doch Petritsch geht in seiner Kritik noch weiter: Im Zuge der Zelltherapie sei die Vorbestrahlung des Mannes wegen Hoden- und Prostatakrebs "vollkommen untergegangen". "Es ist bekannt, dass vorbestrahltes Gewebe ganz anders reagiert als nicht vorbestrahltes", erklärte der Sachverständige dem Gericht. In der Schadensersatzforderung in Höhe von 50.000 Euro seien Schmerzensgeld, Rückerstattung von Behandlungs- und Heilbehandlungskosten sowie das Feststellungsbegehren für die Haftung aller weiterer zukünftiger Schäden enthalten.

Publikationen lassen "zu wünschen übrig"

Doch während der Verhandlung kam nicht nur der Fall des Deutsch-Kanadiers zur Sprache. Auch die Publikationen der Studie des seit August 2008 von der Medizinischen Universität Innsbruck suspendierten Urologen und damaligen Studienleiter der Stammzellentherapie, Dr. Hannes Strasser, wurden von Petritsch kritisiert: "Die Dokumentation und Ausführung lässt zu wünschen übrig." Strasser habe zum Beispiel verschwiegen, dass es sich bei der Stammzellentherapie um eine "nicht approbierte leitlinienkonforme, experimentelle Behandlung" gehandelt habe. Zudem seien die beiden Fälle, bei denen er selbst das Gutachten erstellt habe, fehlerhaft.

Weitere Verhandlung vertagt

Ein weiterer Fall wurde bereits vergangene Woche verhandelt: Ein 66-jähriger Oberösterreicher hatte vor dem Innsbrucker Zivilgericht auf Schadenersatz geklagt. Die Inkontinenz war nach seiner Operation im März 2003 nicht besser, sondern schlechter geworden. Seine Frau sprach in ihrer Zeugenaussage von einem "furchtbaren" Zustand und "äußerst unangenehmen Peinlichkeiten". Doch die Verhandlung musste vertagt werden, da Urologie-Vorstand Prof. Georg Bartsch als Zeuge aufgrund einer Erkrankung nicht erscheinen konnte.

"Experimentelle" Behandlung

Der gesamte Fall der laut Petritsch "experimentellen" Inkontinenzbehandlung mit Stammzellen war bereits April 2008 ans Licht gekommen (wir berichteten). Damals hatte ein ehemaliger Berliner Rechtsanwalt die Tilak auf Schmerzensgeld verklagt. Ohne sein Wissen sei er damals an der Klinik mit einer experimentellen Methode gegen Harninkontinenz behandelt worden. Im Zuge der damaligen Ermittlungen stellte sich dann heraus, dass der Patient ohne Wissen der Ethikkommission in einer Studie behandelt wurde. Auch die österreichische Gesundheitsagentur AGES wurde nicht informiert. Der Prozess endete mit einem vergleichsweise milden Urteil: Die Krankenanstalt wurde zu einer Zahlung von Schadenersatz und Rückerstattung der Behandlungskosten in Höhe von 2.979 Euro verurteilt.





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Pressestelle Paul Hartmann AG vom 06.04.2010
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29 Apr 2010 23:56



Nationale Fachtagung zum Thema Kontinenzförderung in Heidenheim




HEIDENHEIM: 10 Jahre Fortbildung zur Fachkraft für Kontinenzstörungen: Die PAUL HARTMANN AG veranstaltet gemeinsam mit der Agaplesion Akademie des Bethanien-Krankenhauses Heidelberg am 25. und 26. Juni 2010 in Heidenheim eine nationale Fachtagung zum Thema Kontinenzförderung. Anlass ist das 10-jährige Jubiläum der Fortbildung zur Fachkraft für Kontinenzstörungen, die bisher mehr als 400 Teilnehmer verzeichnen konnte. Die Fachtagung richtet sich an ehemalige Absolventen der Fortbildung sowie an Fachkräfte, die mit dem Thema Kontinenz vertraut sind.

Die Tagung befasst sich mit aktuellen Themen, die in Verbindung mit Inkontinenz stehen, so zum Beispiel der Umsetzung von Hygienestandards in der Pflege, der Hautpflege bei Inkontinenz oder der rechtlichen Bedeutung des Expertenstandards in der Pflege. Ein Workshop zu Kinästhetik steht ebenso auf dem Programm wie ein Vortrag zum Erreichen festgesetzter Ziele. Außerdem besteht die Möglichkeit, sich vor Ort anonym und kostenlos auf MRSA testen zu lassen.

Referenten sind Elke Kuno, Mitglied im Expertenrat der Deutschen Kontinenz Gesellschaft, Burkhard Lebert, Kinästhetik-Trainer, Claudia Heim, Hygienebeauftragte und Beraterin für Qualitätsmanagement (QMService GmbH), Prof. Dr. Jörg Knoblauch, Geschäftsführer der tempus-Unternehmensgruppe und Bestsellerautor, Margit Müller, Pflegedirektorin und Expertin für Kontinenzförderung, Robin Bähr, Marketing- und Vertriebsleiter der QMService GmbH sowie Prof. Dr. med. Hans Smola, Facharzt für Dermatologie und Allergologie (PAUL HARTMANN AG, Klinik für Dermatologie der Universität Köln).

Die Tagung findet statt im Kommunikationszentrum der PAUL HARTMANN AG, Paul-Hartmann-Straße 12, 89522 Heidenheim.

Die Teilnahmegebühr beträgt 149 EUR zzgl. ges. MwSt. Darin enthalten sind umfangreiche Seminarunterlagen, Verpflegung sowie eine gemeinsame Abendveranstaltung. Bei Teilnahme von mehr als drei Personen einer Einrichtung wird ein Rabatt von 10 % auf die Gesamtrechnung gewährt.

Die Anmeldung ist möglich per Fax an 07321 36-3664 oder online unter http://www.forum.hartmann.info . Weitergehende Fragen beantwortet Traude Scheifele, PAUL HARTMANN AG, unter Telefon 07321 36-1639.





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Spiegel Online vom 21.04.2010
Foren-Admin
29 Apr 2010 23:50



Stiftung-Warentest-Untersuchung - Apotheker fallen bei Beratungscheck durch




BERLIN: Auf die Apotheke ist Verlass, denken viele Kunden - doch eine Studie der Stiftung Warentest kommt zu einem ganz anderen Urteil. Die Prüfer untersuchten insgesamt 50 Pharmazeuten, lediglich sieben bekamen die Testnote "gut". Dabei stellten die Tester nur ganz geringe Anforderungen. Drei Personen hat die ältere Dame bereits vorgelassen. Aber die Schlange hinter ihr wird nicht kürzer. Endlich fasst sie sich ein Herz und spricht die Apothekerin leise an: Seit einiger Zeit schon leide sie - nun ja - an Inkontinenz und suche ein geeignetes Mittel dagegen.

Die Apothekerin ignoriert jedes Anzeichen dafür, dass ihrer Kundin die Sache unangenehm ist, und beschreibt gut hörbar für alle Anwesenden diverse Behandlungsmöglichkeiten. Schließlich bemerkt sie den gequälten Blick der älteren Dame und versucht sie öffentlich zu trösten: "Dafür brauchen Sie sich doch nicht zu schämen." Mit rotem Kopf verlässt die Kundin die Apotheke.

Ähnlich peinliche Szenen wie diese erlebten die Mitarbeiter der Stiftung Warentest des Öfteren, als sie zum großen Apotheken-Check aufbrachen. Doch die mangelnde Sensibilität der Pharmazeuten war nicht einmal das gravierendste Problem, dem sie begegneten. Häufig haperte es auch an der Beratung: "'Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Apotheker' - genau das haben wir getan und mussten leider viel zu oft feststellen, dass dieser Ratschlag kein guter ist", fasst Testabteilungsleiter Holger Brackemann das Ergebnis zusammen.

Insgesamt 50 Apotheken haben die Tester unter die Lupe genommen, 27 davon mit einem Ladenlokal vor Ort und 23 große Versandapotheken. Die Vor-Ort-Apotheken gehörten immer zu einer der neun wichtigsten bundesweit organisierten Kooperativen, darunter auch die drei Groß-Zusammenschlüsse DocMorris, easyApotheke und farma-plus. Tragen die Kooperationen zu einer Verbesserung der Qualität bei?, lautete eine der Fragen, die die Tester zu beantworten suchten. Beratungsleistung und Preise interessierten sie dabei ebenso wie eventuelle Unterschiede zwischen Vor-Ort- und Versandapotheken.

Aufwendiges Testverfahren

Um die Leistungen der Probanden vergleichen zu können, formulierten die wissenschaftlichen Berater der Tester einen Fragebogen und konstruierten dazu Modellfälle, wie sie im Alltag regelmäßig vorkommen - darunter eben auch jenen der älteren Dame, die Probleme mit ihrer Blase hat.

In zwei Fällen schilderten die vermeintlichen Patienten, dass sie verschreibungspflichtige Medikamente nähmen. In dem einen Fall wollten sie ein bestimmtes, nicht verschreibungspflichtiges Präparat kaufen, in dem anderen ein Nahrungsergänzungsmittel. Gezielt fragten die Tester nach problematischen Wechselwirkungen. Im dritten Medikamentenfall fragten sie nach Johanniskraut und einem weiteren nicht verschreibungspflichtigen Medikament. In diesem Fall hätte der Apotheker von selbst auf das Problem hinweisen müssen, dass der Stimmungsaufheller die Wirkung anderer Präparate im Einzelfall beeinträchtigen kann.

"Obwohl gezielt nachgefragt wurde und der Fall medizinisch nicht sehr anspruchsvoll ist, gab es jede Menge Patzer", erklärt Brackemann. Während die Vor-Ort-Apotheker zumindest eine durchwachsene Beratungsleistung abgeliefert hätten, müsse man das Ergebnis bei den Versandapotheken als Katastrophe bezeichnen: Keine einzige konnte alle drei Testfälle lösen, vier Versender versagten gleich in allen drei Fällen.

Kein Interesse für das Krankheitsbild

In drei weiteren Fällen war die Beratungsleistung der Apotheken zu Krankheitsbildern und zur Ernährung gefordert. In einem Fall brauchte die Testkundin rasch wirksame Mittel für ein dreijähriges Kind mit Fieber, darüber hinaus wollte sie sich über Fiebersenker und Nasentropfen informieren. Apotheker, die in diesem Fall schlicht ein Verkaufsgespräch führten, ohne nach dem Zustand des Patienten zu fragen oder den Besuch einen Arztes zu empfehlen, erhielten schlechte Noten.

Auch hier fiel das Gesamtergebnis nicht zufriedenstellend aus. Die Apothekenmitarbeiter boten zwar passende Medikamente an, interessierten sich aber zu wenig für das Krankheitsbild. "In elf Fällen fragte das Apothekenpersonal noch nicht einmal nach der Höhe des Fiebers", erklärt Brackemann. Die Versandapotheken, die um Tipps für die Anwendung eigener Medikamente aus der Hausapotheke gebeten wurden, identifizierten zwar die richtigen Medikamente, gaben aber falsche Hinweise zur Dosierung - und erfragten wieder nicht den Gesundheitszustand: 13 Mal fehlte die Frage nach der Fieberhöhe.

Im nächsten Modellfall erkundigte sich der etwa 65-jährige Kunde, ob denn der Saft Aktivanad für ihn geeignet sei. Fast alle Apotheken erkannten, dass das Nahrungsergänzungsmittel bei bestimmten Vorerkrankungen problematisch ist und empfahlen Mineralstoff- und Vitaminpräparate mit Dosierungen für ältere Menschen. Zu wenig wurde aber auch hier die Situation des Testers hinterfragt und eine Beratung zur ausgewogenen Ernährung gegeben.

Günstigere Preise

Im Fall der inkontinenten Kundin wollten die Tester nicht nur die Diskretion in den Apotheken untersuchen. Auch die Empfehlung geeigneter Produkte und Erläuterungen zur Wirkungsweise und Anwendung wurden bewertet. Entscheidend blieb jedoch auch in diesem Fall die Frage, ob der Apotheker den Besuch eines Arztes empfahl, um die Ursachen der Inkontinenz klären zu lassen.

"Die Ergebnisse in den Vor-Ort-Apotheken waren durchmischt", erläutert Brackemann. "Teilweise wurde das nicht verschreibungspflichtige Präparat Granufink femina empfohlen - ohne Abklärung der Ursachen durch den Arzt eine absolut falsche Beratung."

Bemerkenswert sei jedoch, dass auch sieben Versandapotheker bei der Inkontinenzberatung völlig versagten, obwohl sich dieses intime Thema besonders für eine Beratung am Telefon eigne. Die zweifelhafte Ehre der schlechtesten Beratung habe in diesem Fall die easyApotheke für sich in Anspruch nehmen können: "Am Telefon wurde versucht, unsere Testerin mit dem unwirschen Hinweis abzuspeisen: 'Inkontinenzprodukte können Sie doch in jeder Apotheke kaufen' - ein bemerkenswertes Selbstverständnis einer Versandapotheke."

Immerhin konnten die Tester einen deutlichen Rückgang der Durchschnittspreise feststellen. Doch wo ein einzelnes Medikament am günstigsten angeboten wird, ist von Fall zu Fall unterschiedlich. Bemerkenswert: Die Versender schnitten dabei nicht immer besser ab.

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Allgemeines
Münstersche Zeitung.de vom 26.04.2010
Foren-Admin
29 Apr 2010 23:42



Selbsthilfegruppe möchte Abfallbehälter für Vorlagen in Gaststätten etablieren




RHEINE: Inkontinenz, also unkontrolliertes Wasserlassen, ist auch in der heutigen, sonst so scheinbar aufgeklärten Zeit immer noch ein Tabu-Thema. Schätzungen zur Folge sind aufgrund einer Prostata-Erkrankung deutschlandweit ca. drei bis vier Millionen Männer davon betroffen.

Doch nur jeder vierte von ihnen sucht einen Arzt auf. "Viele Betroffene scheuen die Öffentlichkeit", weiß Ludger Schnorrenberg, Vorsitzender der Prostatakrebs-Selbsthilfe Rheine. Seit acht Jahren ist der gemeinnützige Verein nun schon in der Emsstadt aktiv und weist gut 50 Mitglieder auf. Gemeinsam mit dem Deutschen Hotel und Gaststättenverband Westfalen (DEHOGA) möchte die Selbsthilfegruppe nun Behälter auf jeder Herrentoiletten etablieren, die zur diskreten Entsorgung der Vorlagen, eine Art Binde für Inkontinente, dienen.

Einzigartiges Projekt

"Vor einiger Zeit habe ich den Anruf einer Frau erhalten, die sich darüber beschwerte, dass ihr Mann aufgrund seiner Inkontinenz nicht mehr mit in die Gaststätte gehen wollte", nannte Schnorrenberg den Auslöser für das anlaufende Projekt, das landesweit das erste seiner Art ist. Ein einziger Behälter im Vorraum der Toilette reiche laut des Vorsitzenden einfach nicht aus: "Um den Betroffenen nicht zu stören, sollte die Entsorgung der Vorlagen für andere nicht sichtbar sein".

Kettenreaktion erwünscht

Gut 60 Betriebe gehören der DEHOGA in Rheine an, elf davon haben sich der Initiative bereits angeschlossen und Abfallbehälter aufgestellt. Das oberste Ziel sei jedoch eine Kettenreaktion: "Wir wollen andere Betriebsinhaber dazu motivieren, sich dieser Initiative anzuschließen", so Andrea Franiel, Geschäftsstellenleiterin Coesfeld der DEHOGA Westfalen. Laut Franiel würden auch die Gastwirte einen Vorteil durch das landesweiten Pilotprojekt ziehen, da sie so auf das Zurückgewinnen verlorener Gäste hoffen können.








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