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Alten- und Krankenpflege
BVMed vom 30.11.2011
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01 Dez 2011 10:25



Defizite bei der Inkontinenzversorgung in Pflegeheimen: Heimbetreiber, Krankenkassen und Industrie an einem Tisch




BERLIN: Pflegeheimbetreiber, Krankenkassen und die im BVMed organisierten Hersteller von Inkontinenzprodukten wollen sich den Defiziten der Inkontinenzversorgung in Pflegeheimen in einer gemeinsamen Arbeitsgruppe annehmen. Die Gründung der Arbeitsgruppe "zur Optimierung der Inkontinenz-Versorgung in institutionellen Einrichtungen" wurde auf einem Round-Table-Gespräch im November 2011 in Berlin beschlossen, teilte BVMed-Geschäftsführer und Vorstandsmitglied Joachim M. Schmitt mit. Alle Beteiligten seien sich einig gewesen, dass es Optimierungsbedarf bei der Inkontinzenzversorgung in Heimen gebe, so BVMed-Hilfsmittelexpertin Daniela Piossek.

Alle Beteiligten seien an einer qualitätsgesicherten und wirtschaftlichen Lösung interessiert. Auch die Krankenkassen hätten erkannt, dass Einsparungen bei den Produktpreisen bzw. Versorgungspauschalen Grenzen überschritten hätten. Die Heimbetreiber berichteten von negativen Auswirkungen durch Ausschreibungen (§127 1 SGB V) oder Verträge (§127 2 SGB V) der Krankenkassen mit Leistungserbringern in diesem Bereich in den letzten Jahren. Insbesondere kombinierte Ausschreibungen häuslicher und stationärer Inkontinenzversorgungen seien im Heimbereich ungeeignet, da sich die Versorgungsstrukturen und -prozesse in Heimen von denen im häuslichen Bereich deutlich unterscheide. Die Heimbetreiber bemängeln, nicht am Entscheidungsprozess beteiligt zu sein. Auch gebe es eine unzureichende Anpassung an bestehende Qualitätsmanagementsysteme und Versorgungsstrukturen vor Ort. Nach Schätzungen der Teilnehmer seien rund 70 Prozent aller Heimbewohner inkontinent - mit steigender Tendenz. Zudem gebe es verhältnismäßig mehr Inkontinente mit hohen Schweregraden als im häuslichen Bereich. Die demografische Entwicklung lasse vermuten, dass sich diese Situation weiter verschlechtern werde.

Für die Heimbetreiber ist es daher wichtig, eine direkte Einflussnahme auf die Lieferanten zu haben, da man für die Pflege und Gesundheit der Heimbewohner verantwortlich sei. Bei Ausschreibungen oder Verhandlungsverträgen der Krankenkassen seien Heimvertreter bisher jedoch komplett außen vor. Krankenkassenbezogene Ausschreibungen oder Verhandlungsverträge seien in Heimen alleine schon deshalb kritisch zu sehen, da bei der Versorgung der Heimbewohner kein Unterschied nach der Krankenkassenzugehörigkeit gemacht werden könne. Die Versorgung richte sich allein an den Bedürfnissen der Bewohner aus. Die Pflegekräfte seien an den Expertenstandard gebunden und für die Qualität verantwortlich. Das Heim sei damit unabhängig von der Versorgungsregelung der Krankenkasse für die Heimbewohner verantwortlich.

Mehr Informationen zum Thema Inkontinenzversorgung gibt es unter http://www.bvmed.de/themen/inkontinenz.



Medienkontakt:
Manfred Beeres
Leiter Kommunikation/Pressesprecher
Tel: +49 30 246 255-20
E-Mail: beeres(at)bvmed.de





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Forschung & Medizin
live-PR.com vom 15.11.2011
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28 Nov 2011 10:10



Torax Medical erhält CE-Kennzeichnung für das FENIX Continence Restoration System




Torax ® Medical Inc. hat die CE-Kennzeichnung für sein FENIXTM Continence Restoration System erhalten, ein neuer, innovativer Ansatz für die Behandlung von Stuhlinkontinenz. Fecal Incontinence (FI) (Stuhlinkontinenz) ist die Unfähigkeit, den Stuhlgang zu kontrollieren. Die Symptome können bezüglich der Schwere und der Häufigkeit der Erkrankung variieren. Während Studien darauf hindeuten, dass FI häufiger bei Frauen vorkommt und das Risiko mit zunehmendem Alter ansteigt, können sowohl Männer als auch Frauen jeden Alters davon betroffen sein, und für diese Menschen gibt es nur wenige Behandlungsmöglichkeiten.

Torax Medical antizipiert erste kommerzielle Implantate im November in spezialisierten medizinischen Zentren in Europa.

Todd Berg, CEO von Torax Medical, erklärte, dass "das FENIX Continence Restoration System eine vielversprechende Behandlungsmöglichkeit für Patienten darstellt, die unter diesem hinderlichen Problem leiden. Wir beabsichtigen, mit den medizinischen Zentren zusammenarbeiten, die sich auf die Behandlung von Stuhlinkontinenz spezialisiert haben, während wir das FENIX-System auf dem europäischen Markt einführen."

"Das FENIX-System stellt eine weitere therapeutische Alternative für meine Patienten mit diesen Beschwerden dar. Nachdem ich mich in den vergangenen 3 Jahren eingehend mit dieser Technologie befasst habe, habe ich ein gutes Gefühl bei den klinischen Ergebnissen und dem potenziellen Nutzen für verschiedene Patientengruppen. Das FENIX-System bietet einen minimalinvasiven Ansatz, beginnt sofort zu wirken und bedarf keiner Nachregulierung seitens des Arztes oder des Patienten. Ich freue mich darauf, dieses System als Teil meiner klinischen Routinepraxis zu integrieren",sagte Professor Paul-Antoine Lehur der Uniklinik von Nantes in Frankreich.

Über Stuhlinkontinenz

Stuhlinkontinenz betrifft etwa 30 Millionen Menschen allein in den USA und in Europa. Stuhlinkontinenz kann verschiedene Ursachen haben, einschließlich Schäden an den Afterschließmuskeln, Nerven der Afterschließmuskeln oder des Rektums und Verlust der Aufnahmekapazität im Rectum. Der Einfluss von Stuhlinkontinenz auf die Lebensqualität der Patienten kann sehr hemmend sein, kann zu Arbeitsunfähigkeit führen und kann die Ausübung vieler Routinearbeiten beeinträchtigen.

Über das FENIX Continence Restoration System

Mit dem FENIX Continence Restoration System wird Stuhlinkontinenz durch die Steigerung der inkontinenten Analschließmuskel behandelt. Das FENIX-System ist eine kleine, flexible Kette aus Titanperlen mit Magnetkern. Die magnetische Anziehung zwischen den Perlen unterstützt den Schließmuskel und verhindert unerwarteten Stuhlabgang. Die magnetische Anziehung wird zeitweise unterbrochen, um somit bewusst Stuhlgang zuzulassen. Das FENIX-System beginnt unmittelbar nach der Implantation zu wirken und erfordert keinerlei Nachregulierung seitens des Patienten und erfordert auch keinen postoperativen Eingriff durch einen Arzt. Das FENIX-System ist nicht für den kommerziellen Vertrieb in den USA zugelassen und wird zur Zeit vom Bundesgesetz für klinische Untersuchungen eingeschränkt.

Über Torax Medical

Torax Medical Inc. ist ein privates Unternehmen für Medizinprodukte mit Hauptsitz in St. Paul im US-Bundesstaat Minnesota. Torax Medical Inc.
entwickelt und vermarktet Produkte für die Behandlung von Schließmuskelstörungen. Die Technologieplattform von Torax Medical, die Magnetic Sphincter Augmentation (MSA) wird derzeit in Europa als LINX ® Reflux Management System für die Behandlung von Gastroösophageale Reflux-Krankheit : (GERD) und als FENIX Continence Restoration System für die Behandlung von Stuhlinkontinenz : (FI) vermarktet. Ausführlichere Informationen erhalten Sie unter http://www.toraxmedical.com .

Die Ausgangssprache, in der der Originaltext veröffentlicht wird, ist die offizielle und autorisierte Version. Übersetzungen werden zur besseren Verständigung mitgeliefert. Nur die Sprachversion, die im Original veröffentlicht wurde, ist rechtsgültig. Gleichen Sie deshalb Übersetzungen mit der originalen Sprachversion der Veröffentlichung ab.


Torax Medical Inc.Todd Berg, 651-361-8900CEO und
Präsident Tberg@toraxmedical.com : mailto:Tberg@toraxmedical.com





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Gesetze & Versicherungen
goslarsche.de vom 22.11.2011
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28 Nov 2011 09:55



Geräuschlose Einigung in neuem Windelstreit




GOSLAR: Am Schluss hatten sich alle wieder lieb: Weil unter dem Strich die Beteiligten flexibel ihre Aufgabe erfüllten und Fünfe gerade sein ließen, ist ein neuer „Windelstreit“ geräuschlos zu Ende gegangen.

Das war passiert: Im Oktober hatte ein 84-jähriger Goslarer Post von einem Versandhaus bekommen, wonach er künftig von dort und nicht mehr wie seit 2004 seine Inkontinenzvorlagen aus der Apotheke bekomme. Zudem verringere sich die Zahl der Windeln auf Geheiß seiner Kasse, der Deutschen Angestellten-Krankenkasse (DAK), von ärztlich verordneten 165 auf 90 im Monat.

Zu wenig, befand der Rentner, der mindestens zwei Liter Flüssigkeit am Tag zu sich nehmen soll. Außerdem zu schlecht, weil die neuen Vorlagen deutlich weniger saugfähig seien. Der Senior machte mobil bei der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG), wo er seit 62 Jahren Mitglied ist. Die schaltete ihren Justiziar ein, der bei Gericht einen Antrag auf Erlass einer Einstweiligen Anordnung stellte und einen Brief an die DAK schrieb.

Von der Krankenkasse gab es als Reaktion zunächst nur Anfang November vom DAK-Hilfsmittel-Kompetenzzentrum in Gießen ein standardisiertes Schreiben an den Rentner in Goslar: Die DAK habe flächendeckend mit verschiedenen Anbietern neue Verträge zur Versorgung ihrer Versicherten mit Inkontinenzhilfen geschlossen.

Weil er sonst nichts hörte, ging Manfred Tessmann, Geschäftsführer der NGG Süd-Ost-Niedersachsen mit Sitz in Braunschweig, am Montag in die Öffentlichkeit: „Was die DAK mit unserem Mitglied macht, ist eine bodenlose Unanständigkeit.“ Auf GZ-Anfrage war der Goslarer DAK-Geschäftsführer Rüdiger Kurs zunächst ratlos: Er kenne den Fall nicht und müsse im Zentrum in Gießen nachfragen. Von dort kam die Kunde, die Gewerkschaft habe ihre „Klage“ zurückgezogen.

Tatsächlich, bestätigte NGG-Mann Tessmann, habe man den Antrag auf Einstweilige Anordnung zurückgenommen, weil man befürchtete, dass das Sozialgericht keine Eilbedürftigkeit erkennen würde: Wegen seiner relativ guten Rente hätte der Goslarer die bisher gewohnten und teureren Inkontinenzvorlagen bis zum Abschluss eines Widerspruchs- oder gar Klagverfahrens weiter gebrauchen und vorfinanzieren können.

Weitere Telefonate gingen zwischen Goslar, Braunschweig und Gießen hin und her, bis Krankenkasse und Gewerkschaft fast zeitgleich vermelden konnten, dass man sich geeinigt und die Kuh vom Eis gebracht hätte: Der 84-Jährige erhält künftig in gewohnter Anzahl und gleicher Qualität wie bisher die Windeln eines anderen Herstellers.





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Forschung & Medizin
Urologische Nachrichten vom 07.11.2011
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28 Nov 2011 09:31



Kontinenz-Kongress - Jünemann: „Botox ist das Viagra der Harnblase“




KÖLN: Beim 23. Jahreskongress der Deutschen Kontinenz-Gesellschaft, der am Samstag in Köln zuende ging, stellte der Erste Vorsitzende der Gesellschaft, Prof. Klaus-Peter Jünemann, die Bedeutung von Botulinumtoxin zur Therapie von Blasenfehlfunktionen heraus.

Botulinumtoxin (Botox), erhielt im August die Zulassung in 14 europäischen Ländern zur Behandlung einer neurogenen Harninkontinenz bei Erwachsenen. Profitieren werden vor allem Patienten mit instabiler Blase, die eine medikamentöse Behandlung aufgrund der Nebenwirkungen schlecht vertragen. Botox, in die Blasenwand injiziert, gibt ihnen durch seine muskellähmende Wirkung bereits nach 14 Tagen ihre Lebensqualität zurück. „Botox bei neurogener Blasenfehlfunktion ist ein Meilenstein in der Behandlung dieser Patientengruppe“, betonte Jünemann, Direktor der Klinik für Urologie und Kinderurologie am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein.

Doch auch bei nicht neurogenen Blasenstörungen, insbesondere der Überaktiven Blase, zeigt das Mittel laut Jünemann eine „phänomenale Wirkung: Einmal gespritzt, hat der Patient neun Monate Ruhe.“ Der große Vorteil sei, dass die Patienten ihr Leiden vergessen und wieder normal am Leben teilnehmen könnten, sagte Jünemann auf der Pressekonferenz des Kongresses

Wenn die Blase ständig drückt, leidet das ganze Leben

Die Einschränkung der Lebensqualität bei dieser Erkrankung ist erheblich, wie Jünemann eindringlich betonte: „Der quälende, immer wieder auftretende und kaum zu unterdrückende Harndrang führt letztlich in die soziale Isolation, da betroffene Patientinnen und Patienten sich aus ihrem normalen Alltagsleben zurückziehen, um der Scham, unausweichlich in die Hose pinkeln zu müssen, aus dem Weg zu gehen.“

Dass dieses Problem nicht nur eine Minderheit betrifft zeigt die EPIC-Studie, die die Prävalenz der überaktiven Blase in vier europäischen Ländern, Deutschland, Italien, Schweden und England untersucht hat. Befragt wurden knapp 15.000 Männer und Frauen im Alter von über 18 Jahren mittels Telefoninterview hinsichtlich dem Auftreten einer Drangsymptomatik mit oder ohne Dranginkontinenz. Die Gesamtprävalenz aller Befragten lag bei 12,2 Prozent, in der Gruppe derer über 40 Jahren berichteten 13,4 Prozent der Männer und 14,9 Prozent der Frauen über eine entsprechende überaktive Blasensymptomatik. Hochgerechnet auf die Gesamtpopulation dieser vier Länder entspricht dies 20,4 Millionen Menschen mit überaktiver Blasenfunktion.

Zulassungsstatus und Off-label-use

Laut Jünemann ist abzusehen, dass die Zulassung von Botox in etwa anderthalb Jahren auch auf nicht neurogene Indikationen ausgeweitet wird. „Die Studienlage ist überzeugend und der Einsatz von Botulinumtoxin bei einer Detrusorüberaktivität (instabile Blase) als Off-label-use ist gängige Praxis und hat sich im Alltag bewährt.“ Jünemann berichtete von einer Erfolgsrate von über 80 Prozent bei praktisch vollkommener Nebenwirkungsfreiheit nach intravesikaler Botoxinjektion in die Blasenwand.

Das Problem beim Off-label-use: Wenn sich die Krankenkassen sperren, muss der Patient eventuell selbst bezahlen. Jünemann berichtete, er schreibe in solch einem Fall immer ein Gutachten mit allen Literaturhinweisen, die den Erfolg der Behandlung untermauern, und rät den Patienten, notfalls mit Hinweis auf das sogenannte „Nikolausurteil“ zu klagen; demnach muss die Krankenkasse auch nicht zugelassene Methoden übernehmen, wenn ihr Nutzen erwiesen ist und beim Patienten keine andere Therapie mehr zur Verfügung steht.





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Urologische Nachrichten vom 10.11.2011
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28 Nov 2011 09:25



Belastungsinkontinenz beim Mann - Alternativen zum künstlichen Sphinkter gesucht




KÖLN: Der Belastungsinkontinenz beim Mann liegt meist ein echter Sphinkterdefekt zugrunde. Daher ist hier zurzeit ein künstlicher Sphinkter die Therapie der Wahl. Doch diese ist durchaus nicht unproblematisch, wie beim Kontinenz-Kongress in Köln deutlich wurde.

Zum einen seien Infekte ein Problem, berichtete PD Dr. Moritz Braun, Köln, bei der 23. Jahrestagung der Deutschen Kontinenz Gesellschaft Anfang November in Köln. Zum anderen, so erzählte er aus seiner Erfahrung, beschädigt der dauerhafte Druck auf die Harnröhre langfristig das Gewebe.

Alternativen zum künstlichen Sphinkter seien deshalb in Entwicklung. „Man hat versucht, die Harnröhre zu unterspritzen. Die Substanzen – Fett, Teflon, Kollagen etc. – erwiesen sich aber alle nicht als ortsbeständig“, sagte Braun. Eine neue Möglichkeit sei die Anwendung von Bändern ähnlich wie bei der Frau. Hier prophezeit Braun einen „zweiten Kampf der Bänder“ zwischen retropubischer und transobturatorischer Anlage. Das dritte System seien Ballons, die neben die Harnröhre gelegt werden. Hierbei könnten jedoch Lockerungen auftreten, sodass das System nachjustiert werden müsse. Das Problem sei außerdem, dass alle diese Bänder unter Druck eingesetzt würden.

Drei bis vier Jahre Erfahrung seien noch zu kurz, um den Erfolg dieser Systeme zu bewerten, sagte Braun. Der Kölner Experte äußerte die Befürchtung, dass diese Bänder durch die Harnröhre hindurch wandern könnten – eine Komplikation, die sich bei den Frauen bei Einlage unter Druck gezeigt habe. Es sei zudem schlecht abzuschätzen, ob der einzelne Patient für ein Band geeignet sei oder ob er gleich einen Sphinkter bekommen sollte. „Man sollte dem Patienten, wenn möglich, gleich beim ersten Mal geholfen haben“, betonte Braun vor dem Hintergrund, dass diese Patienten oft bereits Operationen wie eine Prostatektomie hinter sich hätten. An der Selektion der Patienten werde man arbeiten müssen, ebenso an der Frage, ob man die Bänder nicht ohne Druck positionieren könne.





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Gesundheit adhoc vom 12.10.2011
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15 Okt 2011 12:23



Bettnässende Kinder: Ärzte und Selbsthilfe helfen gemeinsam




WINDECK: Es gibt Themen über die wird nicht gesprochen, die sind einfach nur peinlich: Ganz weit oben auf der Liste steht das Bettnässen. Die Inkontinenz und Bettnässen (Enuresis) im Kindesalter ist nach Asthma die zweithäufigste chronische Erkrankung des Kindes. Rund 640.000 Kinder leiden in Deutschland an der Erkrankung, trotzdem ist der Informationsstand hierüber gering. Eltern reagieren häufig hilflos und überfordert, dabei kann den meisten Kindern erfolgreich und auch ohne Medikamente geholfen werden.

Die "Initiative Trockene Nacht e. V." ist eine Selbsthilfe Organisation, die sich auf vielfältige Art und Weise dieses Themas annimmt. Ziel ist es, Eltern, Erzieherinnen, Lehrer und Ärzte über das Bettnässen zu informieren. Die Schlüsselrolle bei der Diagnose und Behandlung haben natürlich die Ärzte.

Umso mehr freuen wir uns, in diesem Herbst auf Norderney gleich zwei Fortbildungen zum Thema Enuresis anbieten zu können. Anlässlich des 71. Fortbildungskongresses auf Norderney werden wir zusammen mit der Fortbildungsakademie der Ärztekammer Nordrhein eine Fortbildung speziell für Hausärzte anbieten können. Gemeinsam mit dem Deutschen Roten Kreuz, mit dem DRK-Landesverband Oldenburg, bieten wir außerdem eine Fortbildung für das Pflegepersonal besonders in den Mutter-Kind-Kureinrichtungen an.

Über diese Veranstaltungen und weitere Initiativen berichten wir auf der Pressekonferenz zusammen mit der Nordrheinischen Akademie für ärztliche Fort- und Weiterbildung:

Bettnässende Kinder: Ärzte und Selbsthilfe helfen gemeinsam
am Mittwoch, den 19. Oktober 2011 von 11:00-12:00 Uhr
in der Ärztekammer Düsseldorf, Tersteegenstr. 9, 40474 Düsseldorf, Raum 1.

Als Gesprächspartner werden anwesend sein:
Prof. Dr. med. Reinhard Griebenow, Vorsitzender des Fortbildungsausschusses der Ärztekammer Nordrhein, Köln
Dr. med. Thomas Harms, Facharzt für Urologie (Kinderurologie), Köln
Gabriele Grünebaum, Elterninitiative „Initiative Trockene Nacht e.V.“, Windeck.


Kontakt
Initiative Trockene Nacht e.V.
Hahnenbach 1
51570 Windeck
info@initiative-trockene-nacht.de
http://www.initiative-trockene-nacht.de





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Urologische Nachrichten vom 12.10.2011
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15 Okt 2011 11:25



Urotherapie bei monosymptomatischer Enuresis




VILLINGEN - SCHWENNINGEN: Bei der Einnässproblematik im Kindesalter unterscheidet man zwischen der monosymptomatischen Enuresis und der kindlichen Harninkontinenz, die mit Tagessymptomen wie Pollakisurie, imperativem Harndrang und Harndranginkontinenz einhergehen kann.

Mithilfe der Basisdiagnostik, die eine körperliche Untersuchung, eine Urinanalyse, die Sonographie der Nieren und der Blase mit Erfassung von Restharn und Blasenwanddicke, die Auswertung eines Trink- und Miktionsprotokolles und die Durchführung einer Uroflowmetrie mit Elektromyografie (EMG) umfasst, kann in der Regel zwischen den beiden Formen unterschieden werden.

Ein Therapieverfahren zur Behandlung der monosymptomatischen Enuresis stellt neben der apparativen Therapie und einer Medikation mit Desmopressin die Urotherapie dar. Die Urotherapie umfasst alle nicht chirurgischen und nicht pharmakologischen Therapieverfahren, die bei der kindlichen Einnässproblematik zum Einsatz kommen. Ziel dieser Arbeit ist, die Modalitäten der Urotherapie, wie sie in unserer Klinik praktiziert wird, vorzustellen und ihre Wirksamkeit im Vergleich zu den anderen gängigen Therapieformen zu belegen. In einem ersten Schritt erfolgt ein Gespräch mit den betroffenen Kindern und ihren Eltern, in dem die Physiologie und Anatomie kindgerecht erklärt werden.

In einem zweiten Schritt wird besprochen, was bei der normalen Entwicklung schiefgehen kann und wo die möglichen Ursachen des Einnässens liegen. Das von den Kindern angefertigte Miktionsprotokoll wird ausgewertet. Hier treten oft die zwei häufigsten Fehler zutage: Die Kinder nehmen abends noch große Trinkmengen zu sich und gehen am Tag zu selten zur Toilette. Es werden dann von den Patienten nicht selten bis zu zwölfstündige Miktionsintervalle protokolliert. In einem nächsten Schritt wird ein Trink- und Miktionsplan aufgestellt, der individuell auf das Kind und seinen Tagesablauf abgestimmt werden sollte. Dabei wird die Trinkmenge, die das Kind für gewöhnlich zu sich nimmt, zugrundegelegt, aber so verteilt, dass das Kind 90 Prozent der Gesamttrinkmenge bis 17 Uhr zu sich genommen hat. Daneben werden zweistündliche Miktionszeiten festgelegt. Zur Erfolgskontrolle führt das Kind einen Einnässkalender. Regelmäßige Kontrollen werden alle sechs bis acht Wochen vorgenommen, bei denen eventuelle Schwierigkeiten mit der Einhaltung des Planes besprochen und ausgeräumt werden. Wichtig ist die Motivation des Kindes durch den Therapeuten.

Methodik

Wir haben in unserem Kontinenzzentrum 700 Kinder mit einer Einnässproblematik ohne neurogene Ursache von 2005 bis 2008 in die Beobachtung eingeschlossen. Das Alter der Kinder lag zwischen sechs und 17 Jahren. Die Nachbeobachtungszeit betrug zwölf bis 24 Monate. 80 Prozent der Kinder hatten eine kindliche Harninkontinenz und wurden ausgeschlossen. 20 Prozent wiesen eine monosymptomatische Enuresis auf. Nach Darlegung der verschiedenen Therapiemöglichkeiten entschieden sich 45 Prozent für eine Verhaltenstherapie, 55 Prozent erhielten entweder eine Therapie mit einem Alarmsystem, eine Therapie mit einem Desmopressinpräparat oder eine Kombination aus beidem. Die Kinder wurden in sechs- bis zwölfwöchigen Abständen kontrolliert. Die Erfolgskontrolle wurde in einem Einnäss­kalender dokumentiert.

Ergebnisse

Unter einer konsequent durchgeführten Urotherapie wurden 70 Prozent der Kinder komplett trocken, eine Verbesserung der Einnässfrequenz von mehr als 50 Prozent zeigte sich bei weiteren 25 Prozent. Lediglich fünf Prozent der Kinder zeigten keinerlei Erfolg. Dabei handelte es sich ausnahmslos um die Kinder, die die Verhaltenstherapie nicht befolgt hatten. Unter der Desmopressin-Therapie wurden 52 Prozent der Kinder komplett trocken, 28 Prozent zeigten einen Teilerfolg zwischen 50 und 98 Prozent, 20 Prozent waren Non-Responder. 78 Prozent der Kinder, die ein Alarmsystem verwendet hatten, wurden komplett trocken, zwölf Prozent sprachen teilweise an, zehn Prozent nässten weiterhin ein.

Fazit: Wir halten die Urotherapie für eine sinnvolle, nicht belastende und bei konsequenter Umsetzung erfolgreiche Alternative zu den anderen gängigen Therapieverfahren zur Behandlung der monosymptomatischen Enuresis.

Autorin:
Dr. Brigitte Willer
Kontinenzzentrum Südwest
Schwarzwald-Baar Klinikum
Villingen-Schwenningen GmbH
Voehrenbacher Str. 25
78050 Villingen-Schwenningen
E-Mail: Brigitte.Willer@sbk-vs.de





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Forschung & Medizin
Universimed vom 04.07.2011
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09 Jul 2011 18:02



Überaktive Blase: das Bild einer Erkrankung im Wandel




WIEN - ÖSTERREICH: Die Symptomatik der überaktiven Blase (OAB) ist durchaus kein banales Geschehen. Neueste, im Rahmen des EAU-Kongresses 2011 diskutierte Forschungen zeigen ein differenziertes Bild einer multifaktoriellen Funktionsstörung. Die Erkenntnisse werden die Diagnostik und Therapie der OAB zunehmend beeinflussen.

„Die überaktive Blase ist eine empirische Diagnose, die als Basis für eine initiale Therapie dienen kann, wenn zuvor Symptome des unteren Harntraktes (LUTS) abgeklärt wurden, eine klinische Untersuchung durchgeführt und eine Urinanalyse erhoben wurde“, sagt Prof. Dr. Christopher Chapple von der urologischen Abteilung am Royal Hallamshire Hospital in Sheffield, United Kingdom. Da es für die OAB keine etablierten Biomarker gibt, ist die definitive Diagnostik problematisch. Der Arzt ist auf Wahrnehmungen und Berichte des Patienten angewiesen. Daher ist in der Dia­gnostik die Befragung die Methode der Wahl. Die Symptomatik ist jedoch nicht krankheitsspezifisch. Ein Schlüsselsymptom ist der Harndrang. Die englische Sprache trifft eine feine Unterscheidung zwischen „urge“, dem physiologisch auftretenden Harndrang, und „urgency“, dem imperativen Harndrang, der in Verbindung mit einer überaktiven Blase auftritt. „Patienten fällt es oft schwer, urgency gegenüber Personen zu erklären, die dieses Gefühl nicht kennen.“ In den letzten Jahren ist Bewegung in die Forschung zur OAB gekommen. Dies betrifft sowohl pathophysiologische Modelle als auch neue Wege in der Diagnostik und neue Medikamente. Auch das komplexe Zusammenspiel von Blase und Prostata bei der OAB des Mannes wird untersucht und immer besser verstanden.

Neue pathophysiologische Modelle

Das klassische OAB-Modell ist in den letzten Jahren ins Wanken geraten, sagt Prof. Dr. Martin Michel von der Abteilung für Pharmakologie und Pharmakotherapie der Universität Amsterdam. Bis vor Kurzen ging man davon aus, dass während der Füllung der Blase afferente Signale vom Detrusor an das zentrale Nervensystem gesandt und dort in efferente Signale umgesetzt werden, die während der Füllungsphase über das sympathische, während der Entleerung über das parasympathische Nervensystem zurück zur Blase gelangen und den Tonus des Detrusors regulieren. In diesem Modell interpretierte man eine Störung der Funktion des Detrusors entweder als Störung der glatten Muskulatur oder als abnormen Input des zentralen Nervensystems. Aktuelle Evidenz stellt dieses Modell jedoch infrage. So konnten bei nicht neurogenen Miktionsstörungen keine abnormen efferenten Signale nachgewiesen werden. Michel: „Daraus kann man schließen, dass das klassische Modell unvollständig ist bzw. sich die Mechanismen der physiologischen Blasenfunktion nicht unbedingt auf Miktionsstörungen umlegen lassen.“ Gesucht werden neue Faktoren, die im Bild der OAB eine Rolle spielen könnten. In diesem Zusammenhang werden das Urothel, afferente Nerven und verschiedene Mediatoren untersucht. Die Rolle des Urothels wurde lange Zeit unterschätzt. „Wir wissen, dass das Urothel mehr ist als nur eine Barriere. Das Urothel setzt eine Reihe von Mediatoren frei, die parakrin auf afferente Nerven und glatte Muskulatur sowie autokrin wieder auf das Urothel selbst wirken“, so Michel. Azetylcholin ist einer dieser Mediatoren. An afferenten Nerven sind neben den bekannten Aδ-Fasern auch nicht myelinisierte C-Fasern vorhanden, die weniger auf Spannung als auf chemische Reize reagieren und als Rezeptoren für pathologische Vorgänge gelten. Experimentelle Studien zeigen, dass β3-Adrenorezeptor-Agonisten die Aktivität der C-Fasern reduzieren. Hier könnten sich Möglichkeiten für medikamentöse Therapien jenseits der Antimuskarinika ergeben. Eine wichtige inhibitorische Rolle spielen hier β3-Adrenozeptoren, die im Tiermodell unter anderem die NO-Freisetzung aus dem Urothel stimulieren. Experimentelle Studien zeigen, dass β3-Adrenozeptor-Agonisten die Aktivität der C-Fasern reduzieren. Hier können sich Möglichkeiten für medikamentöse Therapien jenseits der Antimuskarinika ergeben. Die bisher verfügbaren Daten sind vielversprechend und lassen erwarten, dass β3-Adrenozeptor-Agonisten unabhängig vom Stimulus wirken, keine Harnretention verursachen. Im Rahmen des EAU-Kongresses in Wien wurde auch eine Phase-III-Studie zum Einsatz des selektiven β3-Adrenozeptor-Agonisten Mirabegron bei überaktiver Blase präsentiert. In die randomisierte, placebokontrollierte Multicenter-Studie wurden mehr als 1.300 Patienten eingeschlossen, die über zwölf Wochen entweder Placebo (n=453), Mirabegron 50mg (n=442) oder Mirabegron 100mg (n=433) erhielten. Die zu 74,3% weiblichen Patientinnen litten zu jeweils rund einem Drittel unter Dranginkontinenz, gemischter Inkontinenz und erhöhter Miktionsfrequenz ohne Inkontinenz. Bereits ab Woche vier war die Verumgruppe hinsichtlich wichtiger Parameter wie der Zahl der Inkontinenzepisoden und der Miktionsfrequenz signifikant im Vorteil. Die Inzidenz diverser Nebenwirkungen bewegte sich in beiden Mirabegron-Gruppen auf Placeboniveau (#885: Nitti V et al: The efficacy and safety of mirabegron in patients with overactive bladder syndrome – results from a North-American Phase III trial).

Biomarker werden untersucht

Da die OAB einer klinischen Diagnostik nur schwer zugänglich ist, könnten Biomarker in der Zukunft für Diagnose und Therapiekontrolle eine wichtige Rolle spielen, so Prof. Dr. Michael B. Chancellor, Leiter der Neurourologie an der urologischen Abteilung des William Beaumont Hospital in Royal Oak, Michigan. Diese Möglichkeit sei umso interessanter, als das Ausfüllen von Miktionstagebüchern von vielen Patienten als frustrierend empfunden und daher nur unzureichend durchgehalten wird. Neben der Differenzialdiagnose der OAB könnte es möglich werden, über Biomarker Patienten zu identifizieren, bei denen eine Progression zur Drang­inkontinenz anzunehmen ist, oder Kandidaten für bestimmte Therapien zu identifizieren. Chancellor: „Derzeit behandeln wir Symptome. In Zukunft könnte es möglich werden, gezielt zu therapieren, wenn bestimmte Biomarker auf ein pathologisches Geschehen hindeuten.“ Bildgebende Techniken können Befunde liefern, die die Rolle von Biomarkern übernehmen. Beispielsweise ist es gelungen, bei OAB charakteris­tische Veränderungen im MRT des Gehirns nachzuweisen. Praxisnäher und klinisch bedeutsamer ist die Messung der Blasenwanddicke mittels Ultraschall. Chancellor: „Mit dem transabdominalen Ultraschall kann man die Dicke der Blasenwand mit einer Genauigkeit von weniger als einem Milli­meter messen.“ Dass diese klinisch relevant ist, ergab unter anderem eine italienische Studie mit 247 Probanden.[1] „Sie zeigte, dass Frauen mit Detrusorüberaktivität eine dickere Blasenwand hatten als Frauen mit Stress­inkontinenz oder normaler Urodynamik“, sagte Chancellor. Dennoch sind längst nicht alle Fragen geklärt. So fehlt etwa die Standardisierung des Verfahrens. Neben dem Imaging wird auch intensiv nach biochemischen Markern gesucht, die sich aus einem Urin- oder Bluttest leicht bestimmen lassen. Infrage kommt z.B. der Nervenwachstumsfaktor (NGF). Eine Studie zeigt, dass die Exkretion von NGF zurückgeht, wenn Patienten auf eine Therapie mit Antimuskarinika ansprechen.[2] Mehr Klarheit soll die randomisierte, multizentrische, placebokontrollierte, doppelblinde Parallelgruppenstudie SHRINK bringen. Es sollen 639 Patienten aufgenommen und mit 5 oder 10mg Solifenacin behandelt werden. Endpunkte sind die Veränderung der Blasenwanddicke nach 12 Wochen sowie die NGF-Werte im Urin ebenfalls nach 12 Wochen. In diesem Zusammenhang beforscht werden jedoch auch inflammatorische Zytokine und Chemokine wie CRP, IL-8, MCP-1 etc.

Die überaktive Blase und die Prostata

Zu Unrecht wird die OAB als Problem der Frau wahrgenommen. Dabei sind Miktionsprobleme bei Männern durchaus häufig, wobei oft auch die Prostata im Spiel ist. LUTS – ein Überbegriff für Speichersymptome, Entleerungssymptome sowie Symptome nach Blasenentleerung – sind nicht nur untereinander überlappend, sie decken sich auch teilweise mit dem Symptomenkomplex OAB. „Hier spielen Blase, Prostata, Urethra sowie das Nervensys­tem zusammen. Rund 45% aller Männer mit einer Obstruktion der Harnröhre leiden infolge einer BPH auch an OAB-Symptomen“, sagt PD Dr. Matthias Oelke, stv. Direktor der Klinik für Urologie und Urologische Onkologie der Medizinischen Hochschule Hannover. Bei den betroffenen Männern treten meist Speicher- und Entleerungssymptome gleichzeitig auf. Überraschenderweise zeigen epidemio­logische Daten (SIFO- und EPIC-Studie), dass die OAB-Symptomatik bei Männern und Frauen ungefähr gleich häufig ist (bei Männern sogar geringfügig häufiger) und ihre Prävalenz bei beiden Geschlechtern mit dem Alter zunimmt. Allerdings muss die Symptomatik einer OAB nicht immer progredient sein. Eine über 10 Jahre dauernde Longitudinalstudie[3] zeigte, dass von den Patienten, die zu Beginn der Studie OAB-Symptomatik ohne Inkontinenz angaben, 12,6% im Beobachtungszeitraum inkontinent wurden, gleichzeitig jedoch 37,9% ihre OAB-Symptome wieder verloren. Von jenen Patienten, die zu Studienbeginn unter OAB mit Inkontinenz litten, wurde fast die Hälfte wieder kontinent; 6,7% hatten am Ende des Follow-ups auch keine OAB-Beschwerden mehr. Wenig überraschend sind Daten zur Lebensqualität männlicher Patienten mit OAB: Sie zeigen eine deutliche Beeinträchtigung, die am stärksten ausgeprägt ist, wenn im Rahmen der OAB auch Inkontinenz auftritt. Oelke betont, dass hinter LUTS eine Vielzahl von Erkrankungen und pathologischen Veränderungen stehen können. Eine Detrusor­überaktivität kommt genauso infrage wie eine Infektion des unteren Harntraktes. Eine häufige Ursache liegt beim Mann in benignen oder malignen Veränderungen der Prostata: „In der Diagnostik müssen also zunächst maligne Ursachen, also z.B. ein Prostata- oder Blasenkarzinom, ausgeschlossen werden.“ Nach Ausschluss bleiben drei Störungen übrig, die sich schließlich nur mittels Urodynamik unterscheiden lassen: die OAB, die unteraktive Blase und die BPH mit Harnwegsobstruktion. Diese Unterscheidung hat Konsequenzen für die symptomatische Therapie. Während bei OAB Antimuskarinika Mittel der Wahl sind, sind bei BPH α-Blocker und/oder 5α-Re­duk­taseinhibitoren indiziert. In der Praxis wird jedoch bei Männern mit OAB-Beschwerden meist davon ausgegangen, dass es sich um ein Prostataproblem handelt. Daher kommen Antimuskarinika weit seltener zum Einsatz, als das sinnvoll wäre. Die meis­ten männlichen Patienten mit OAB bleiben unbehandelt, was den Guidelines zuwiderläuft, die Antimuskarinika auch bei Männern mit LUTS als Therapie der Wahl empfehlen, sofern keine Hinweise auf Obstruktion vorhanden sind. Antimuskarinika und α-Blocker können auch kombiniert werden, wenn die Monotherapie mit einer der beiden Substanzgruppen keinen zufriedenstellenden Erfolg bringt. Auf dem EAU-Kongress in Wien wurden Daten der SATURN-Studie zur Kombination von Solifenacin und Tamsulosin präsentiert.[4] Die placebokontrollierte, achtarmige Studie zeigte für die Kombinationstherapie überlegene Wirksamkeit im Hinblick auf den IPSS-Gesamtscore (Internationaler Prostata-Symptom-Score).

Referenzen:

[1] Serati et al, Int Urogynecol J Pelvic Floor Dysfunct 2010; 21: 1405
[2] Liu HT et al, BJU Int 2009; 103: 1668-72
[3] Malmsten U et al, Eur Urol 2010; 58: 149-56
[4] EAU 2011: Poster #327

Bericht: Reno Barth

Quelle: EAU-Kongress 2011, „Advances in the management of OAB“ der Firma Astellas, 20. März, Wien





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Forschung & Medizin
Informationsdienst Wissenschaft vom 15.06.2011
Foren-Admin
15 Jun 2011 23:47



Tabuthema Inkontinenz: Häufig gut behandelbar




HEIDELBERG: Das Kontinenz- und Beckenbodenzentrum des Universitätsklinikums Heidelberg lädt am 22. Juni 2011 zum Informationsnachmittag ein. Was tun bei Blasen- oder Darmschwäche? Wie beuge ich dem auch im Alter vor? Am Donnerstag, 22. Juni 2011, veranstaltet das Kontinenz- und Beckenbodenzentrum des Universitätsklinikums Heidelberg einen Informationsnachmittag zu Harn- und Stuhlinkontinenz sowie Beckenbodenerkrankungen: Von 13.30 bis 17 Uhr sprechen Heidelberger Mediziner im Kommunikationszentrum des Deutschen Krebsforschungszentrums, Im Neuenheimer Feld 280, über Vorbeugung, Diagnose und Therapie der Inkontinenz. Danach stehen Experten der Fachbereiche Urologie, Neurourologie, Gynäkologie, Kinder- und Altersheilkunde für Fragen und Diskussion zur Verfügung. Der Eintritt ist frei.

Anlass des Informationstages ist die 3. Welt-Kontinenzwoche vom 20. bis zum 26. Juni 2011, zu der die Internationale Kontinenz Gesellschaft (ICS) und die Deutsche Kontinenzgesellschaft (DKG) alljährlich aufrufen.

Rund neun Millionen Menschen in Deutschland leiden an Blasen- oder Darmschwäche (Inkontinenz), darunter jeder vierte im Alter über 60 Jahre. Die Dunkelziffer liegt vermutlich weit höher: „Trotz starker Beeinträchtigungen im Alltag trauen sich nur Wenige, mit ihrem Arzt über diese Beschwerden zu sprechen. Dabei ist Inkontinenz häufig gut behandelbar,“ sagt Professor Dr. Markus Hohenfellner, Ärztlicher Direktor der Urologischen Universitätsklinik und Leiter des Kontinenz- und Beckenbodenzentrums Heidelberg. „Mit unserem Informationstag wollen wir das Thema Inkontinenz aus der Tabuzone rücken und Betroffenen zeigen, dass es Behandlungsmöglichkeiten gibt.“

Fachärzte beraten in Einzelgesprächen

Die Vorträge für Betroffene und Angehörige bieten Informationen zu verschiedenen Formen der Inkontinenz sowie Beckenbodenschwäche mit Gebärmuttersenkung. Dabei gehen die Experten insbesondere auf Ursachen, Vorbeugung sowie aktuelle Behandlungsmöglichkeiten ein. Besondere Themengebiete der diesjährigen Veranstaltung sind u.a. „Harninkontinenz nach der Prostataoperation“, „Behandlung der Stressinkontinenz“, „Die überaktive Blase“ und „Wie vermeide ich eine Beckenbodenschwäche?“. Besucher können direkt bei der Veranstaltung Gespräche mit den Ärzten führen sowie Termine für weiterführende Einzelgespräche oder zur Therapie vereinbaren.

Umfassende Betreuung im Heidelberger Kontinenz- und Beckenbodenzentrum

Das Kontinenz- und Beckenbodenzentrum Heidelberg ist von der Deutschen Kontinenz Gesellschaft e.V. geprüft und zertifiziert. Hier behandeln ausschließlich ausgewiesene Spezialisten, die über langjährige Erfahrung in der interdisziplinären Behandlung der verschiedenen Formen der Inkontinenz und Beckenbodenerkrankungen verfügen. Die Auswahl der geeigneten Therapie richtet sich nach Art und Ausprägung der Erkrankung sowie den Bedürfnissen des Betroffenen. Das Behandlungsspektrum reicht von Diät, Beckenbodentraining, Magnetstuhl- und Elektrostimulationstherapie, über medikamentöse Therapien bis hin zu operativen Verfahren wie dem minimal invasiven Einsatz spannungsfreier Bänder, Harnröhrenschlingen oder eines künstlichen Schließmuskels.

Die Informationsveranstaltung des Heidelberger Kontinenz- und Beckenbodenzentrums zum Thema Inkontinenz findet am 22. Juni 2011 von 13.30 Uhr bis 17 Uhr im und vor dem Großen Hörsaal des Kommunikationszentrums Heidelberg (DKFZ, Im Neuenheimer Feld 280), statt. Der Eintritt ist frei.

Kontakt:
Kontinenz- und Beckenbodenzentrum Heidelberg
Urologische Universitätsklinik Heidelberg
Im Neuenheimer Feld 110
69120 Heidelberg
Tel.: 06221 / 56 62 68 (werktags von 9 bis 13 Uhr)

Weitere Informationen im Internet:
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/f ... D10289.pdf

Universitätsklinikum und Medizinische Fakultät Heidelberg
Krankenversorgung, Forschung und Lehre von internationalem Rang
Das Universitätsklinikum Heidelberg ist eines der größten und renommiertesten medizinischen Zentren in Deutschland; die Medizinische Fakultät der Universität Heidelberg zählt zu den international bedeutsamen biomedizinischen Forschungseinrichtungen in Europa. Gemeinsames Ziel ist die Entwicklung neuer Therapien und ihre rasche Umsetzung für den Patienten. Klinikum und Fakultät beschäftigen rund 10.000 Mitarbeiter und sind aktiv in Ausbildung und Qualifizierung. In mehr als 50 Departments, Kliniken und Fachabteilungen mit ca. 2.000 Betten werden jährlich rund 550.000 Patienten ambulant und stationär behandelt. Derzeit studieren ca. 3.600 angehende Ärzte in Heidelberg; das Heidelberger Curriculum Medicinale (HeiCuMed) steht an der Spitze der medizinischen Ausbildungsgänge in Deutschland.

http://www.klinikum.uni-heidelberg.de

Bei Rückfragen von Journalisten:
Dr. Annette Tuffs
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Universitätsklinikums Heidelberg
und der Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg
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69120 Heidelberg
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aerzteblatt.de vom 21.03.2011
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15 Jun 2011 23:38



Hyaluronsäure-Depots mindern Stuhlinkontinenz




UPPSALA: Die Injektion von Hyaluronsäure-Depots, die bei der Behandlung der Harnwegsinkontinenz eine etablierte Therapie ist, kann offenbar auch bei der Anwendung im analen Sphinkter Kontinenzprobleme lindern. Zu diesem Ergebnis kommt eine randomisierte Studie im Lancet (2011; 377: 997-1003).

Die Stuhlinkontinenz ist weitaus häufiger als angenommen. Die Prävalenz soll bereits bei 20- bis 30-Jährigen 3 Prozent betragen und im Alter auf über 70 auf 15 Prozent ansteigen. Nur wenige Patienten wenden sich an den Arzt, dem aber lange Zeit auch keine effektiven Therapien zur Verfügung standen. Seit einiger Zeit gilt die Injektion von biologischen Substanzen in den Sphinkter als eine Möglichkeit. Die Wirksamkeit wurde allerdings niemals in randomisierten klinischen Studien untersucht. Die „NASHA Dx“-Studie ist vermutlich die erste derartige Studie.

An 13 Zentren in vier Ländern (deutsche Beteiligung: Erlangen) wurden 206 Patienten mit einem CCFIS (Cleveland clinic Florida faecal incontinence score) von 10 oder höher im Verhältnis 2 zu 1 auf die submuköse Injektion von stabilisierter Hyaluronsäure mit Dextranomer oder auf Kochsalzinjektionen randomisiert. Endpunkt war eine Reduktion der Inkontinenzepisoden um 50 Prozent oder mehr. Dieses Ziel erreichten 52 Prozent der Patienten nach Injektionen des Destranomens gegenüber 31 Prozent unter Placebo (Odds Ratio 2,36; 95-Prozent-Konfidenzintervall 1,24–4,47). Bei zwei Patienten kam es zu einem Abszess, einmal im Rektum und einmal in der Prostata, die als schwerwiegend eingestuft wurden. Der rektale Abszess musste chirurgisch drainiert werden, der Prostataabszess besserte sich unter einer antibakteriellen Therapie.

Die Studie liefert erstmals den Beweis, dass perianale Injektionen wirksam sein können. Und vermutlich wird die Cochrane Collaboration, die die Therapie im letzten Jahr noch als Placebo eingestuft hatte (Cochrane Database Syst Rev 2010: 12: CD007959), ihre Einschätzung ändern. Dennoch ist die Editorialistin Christine Norton vom St Mary’s Hospital in London nicht vollkommen zufrieden.

Sie vermisst wichtige Angaben zu der Art der Inkontinenz (passiv oder Drang) und Messergebnisse zu den Auswirkung der Injektionen auf Analdruck, Ultraschallbild und Sensibilität. Entscheidender als die numerische Reduktion der Inkontinenzepisoden ist ihrer Ansicht nach die Einschätzung der Patienten zum Therapieerfolg, der nicht erfragt worden sei.








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