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SVI - Redaktion
Stefan
13 Dez 2013 18:21



Nur mehr 2 der 12 größten Krankenkassen sind noch versichtertenfreundlich




AUGSBURG: Ausschreibungen und Beitrittsverträge mit Dumpingpreisen sind seit Jahren der Grund dafür, dass Betroffene oft keine ausreichende Versorgung mehr bekommen, obwohl die Kassen dies gewährleisten müssten. Von den 12 größten Krankenkassen, stemmen sich lediglich noch zwei Kassen gegen das Preisdumping und erstatten versichertenfreundlich generell die allgemeingültigen Festbeträge nach Stück.

Nur die AOK Rheinland Hamburg und die AOK Rheinland-Pfalz – Saarland rechnen derzeit "ausreichend" versichertenfreundlich nach den allgemeinen Festbeträgen pro Stück ab, welche einst im Konsens unter allen Krankenkassen festgeschrieben wurden.

Alle anderen Krankenkassen zahlen nur noch eine Kopf/Monat – Pauschale, egal wie schwer der Versicherte inkontinent ist.

Bei der Abrechnung nach Beitrittsvertrag drückten die Krankenkassen die Monatsbeträge solange, bis die Gefahr bestand, dass die Versorgung nicht mehr sichergestellt werden konnte. Gerade an dieser Grenze befindet sich der Erstattungsbetrag für die beigetretenen Leistungserbringer. Diese Praxis ist nicht ausreichend versichertenfreundlich.

So zahlen aktuell (inkl. Mehrwertsteuer) ...
die AOK Bayern 33,50 EUR
die IKK Classic 32,00 EUR
die AOK Nordwest 32,89 EUR
die AOK Baden-Württemberg 29,00 EUR
die Techniker TK 26,18 EUR
die AOK Plus 25,00 EUR
und der DAK sind die Versicherten nur 23,78 EUR im Monat wert.

Hierfür garantieren die Leistungserbringer laut der jeweiligen Krankenkasse eine ausreichende, zweckmäßige Versorgung, die nicht ausläuft und keine wirtschaftliche Aufzahlung kostet.

Jedoch unterstützt keine der Krankenkassen den Versicherten bei der Wahrnehmung seiner Rechte gegenüber dem Lieferanten ausreichend.

Aber es geht noch schlimmer.

Der Barmer GEK, der AOK Hessen und der KKH ist die Versorgung nur 20,23 EUR (inkl. MwSt) wert ist. Die Versicherten können bei diesen Kassen nicht mal den Leistungserbringer aus einer Gruppe auswählen, denn die Versorgung übernimmt der Gewinner der regionalen Ausschreibung. Dies war meist der Anbieter mit den billigsten Windeln. Auch diese Kassen beteuern, dass eine ausreichende Versorgung ohne Aufzahlung erfolgt. Sie unterstützen ebenfalls den Versicherten nicht ausreichend bei der Wahrnehmung seiner Rechte gegenüber dem Lieferanten. Dieses Verhalten ist sehr versichertenunfreundlich.





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Forschung & Medizin
Urologische Nachrichten vom 21.11.2013
Foren-Admin
28 Nov 2013 16:36



Katheterlose Langzeiturodynamik - Mini-Kapsel in der Blase verbessert Diagnose




CHEMNITZ: Chemnitzer Elektrotechniker und Kölner Mediziner entwickeln ein Messsystem, mit dem der Druck in der Harnblase über 72 Stunden hinweg ermittelt werden kann. Sie wurden dafür von der Deutschen Gesellschaft für Urologie (DGU) ausgezeichnet.

Messungen des Drucks in der Harnblase über einen gewissen Zeitraum – sogenannte urodynamische Messungen – werden seit mehr als 40 Jahren durchgeführt. „Allerdings sind die Ergebnisse gemäß Literatur in bis zu 58 Prozent ohne einen pathologischen Befund, obwohl deutliche klinische Beschwerden bestehen“, sagt Prof. Jan Mehner, Inhaber der Professur für Mikrosystem- und Gerätetechnik an der Technischen Universität Chemnitz. Dies könne daran liegen, dass die bisherigen Messungen nur über 20 bis 30 Minuten Dauer stattfinden. „Der Bedarf einer Langzeiturodynamik war immer gegeben, konnte allerdings bislang ohne Messkatheter nicht realisiert werden“, erklärt Mehner den Hintergrund eines Forschungsprojektes, bei dem die Professur für Mikrosystem- und Gerätetechnik der TU Chemnitz und die Klinik und Poliklinik für Urologie an der Uniklinik Köln kooperieren. Das Projekt wird an der Universität Köln vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert.

Diagnostik bei Überaktiver Blase und Detrusorüberaktivität

Die Chemnitzer Elektrotechniker und die Kölner Mediziner entwickelten ein Mess-System, das eingesetzt werden soll zur Diagnostik bei einer Überaktiven Blase und bei Detrusorüberaktivität. „An Überaktiver Blase leiden hauptsächlich Frauen - etwa 71 Millionen in Europa“, sagt PD Dr. Sebastian Wille von der Uniklinik Köln. Symptome sind unter anderem plötzlicher heftiger Harndrang und häufiges Wasserlassen. „Bei betroffenen Patienten muss abgeklärt werden, ob auch eine Detrusorüberaktivität vorliegt“, erklärt Wille. Dies ist eine unwillkürliche Kontraktion des Blasenmuskels, die häufig zu Urinverlust führt. „Nur wenn hier eine eindeutige Diagnose gestellt werden kann, ist auch eine optimale Therapie möglich, da Überaktive Blase und Detrusoraktivitäten unterschiedlich behandelt werden“, so Wille weiter.

Mess-System mit drei Komponenten

Mit dem auch als Wille-Kapsel (WiKa) bezeichneten Messsystem haben die Chemnitzer und Kölner Wissenschaftler nach eigenen Angaben erstmals die Grundlage für eine katheterlose Langzeiturodynamik geschaffen. Von dem Konzept, bestehend aus drei Komponenten, verspricht sich das Team wegweisende Diagnosen, die eine gezieltere Therapie gestatten und Patienten vor unangenehmen medikamentösen Nebenwirkungen verschonen. Herzstück des Sensorsystems ist die Messkapsel, die endoskopisch in die Harnblase eingebracht wird und über einen Zeitraum von drei Tagen den Druck misst.

„Der Einsatz eines MEMS-Drucksensors ermöglicht im medizinischen Anwendungsbereich erstmals Baugrößen, die eine endoskopische Implantation ermöglichen“, so Dr. Dirk Tenholte, der das Projekt an der Professur für Mikrosystem- und Gerätetechnik betreut. MEMS steht für „Mikro-Elektro-Mechanisches System“ – die Bauteile haben eine Größe von circa vier mal vier Millimetern. „Trotz der geringen Baugröße und der damit verbundenen Limitation bei der Energieversorgung ist es uns durch die Entwicklung effizienter Messalgorithmen gelungen, eine Messzeit von über 72 Stunden zu erreichen“, ergänzt Tenholte. Die beiden weiteren Komponenten des Systems sind eine Inkontinenzhose/-vorlage zur Detektion von unwillkürlichem Urinverlust und ein digitales Miktionstagebuch.

Die ersten Tests des Messsystems, das bisher noch nicht am Menschen erprobt wurde, bewerten die Wissenschaftler als Erfolg. „Da auch die Untersuchungen zur Biokompatibilität ohne Beanstandung waren, planen wir für Anfang 2014 die ersten klinischen Tests des neuen Sensorsystems“, sagt Wille und ergänzt: „Nachdem wir erfolgreich die Funktions- und Einsatzfähigkeit des Systems nachweisen konnten, werden wir in den nächsten Monaten einen Industriepartner für die kommerzielle Produktentwicklung suchen.“

Studierende an Forschung beteiligt - Vortragspreis

„Das Forschungsprojekt passt inhaltlich in das Profil des Studiengangs Biomedizinische Technik, der dieses Wintersemester im zweiten Jahr gemeinsam von der Fakultät für Elektrotechnik und Informationstechnik sowie der Fakultät für Informatik der TU Chemnitz in enger Kooperation mit dem Klinikum Chemnitz angeboten wird“, sagt Mehner und erklärt: „Einige der inhaltlichen Schwerpunkte des Studiengangs sind der Einsatz von MEMS in der Medizin und die Entwicklung neuer Algorithmen zur Messdatenerfassung und -analyse.“ Mehrere Studenten sind in Form von Abschlussarbeiten und als studentische Hilfskräfte an diesem Projekt beteiligt. Aktuell arbeitet ein Student an der Software zum Auslesen und Auswerten der Messdaten.

Für Aufsehen gesorgt hat die Forschung aus Köln und Chemnitz bereits bei der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Urologie (DGU) in Dresden Ende September 2013. Die Wissenschaftler erhielten hier den ersten Vortragspreis. Im Vorfeld war die Präsentation über das Kapselsystem zur katheterlosen Langzeiturodynamik bereits auf dem nordrhein-westfälischen und südwestdeutschen Regionalkongress auf großes Interesse gestoßen.





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Schwarzwälder-Bote vom 10.10.2013
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11 Okt 2013 12:12



Neue Pauschale bringt Patient in Bedrängnis




VILLINGEN-SCHWENNINGEN: Wer an Inkontinenz leidet, ist schon genug gestraft. Wie schwierig es mitunter für Patienten jetzt sein kann, an entsprechende Hilfsmittel zu kommen, zeigt der neue Versorgungsvertrag der AOK.Die allgemeine Ortskrankenkasse (AOK) hat zum 1. Oktober einen neuen Vertrag über aufsaugende Inkontinenzprodukte ausgearbeitet, der das Erstattungsniveau für eine pauschale Versorgung der Patienten im Vergleich zum Altvertrag um vier auf 29 Euro senkt. Das heißt, dass Apotheken, die mit der AOK einen Vertrag über Inkontinenzhilfsmittel abschließen, dem Patienten für die Pauschale von 29 Euro bei Vorlage des Rezepts vom Arzt die Produkte nach Haus liefern. "Bei dem Geschäft legt man drauf oder versorgt die Patienten vorsätzlich schlecht", empört sich Hans-Otto Hengstler von der Rietenapotheke in Schwenningen. Bei einem Bedarf von vier bis fünf Pants pro Tag, von denen eines etwa 70 Cent kostet, gehe die Rechnung eben nicht auf, vor allem, wenn der Apotheker zuerst den Patienten beraten und dann noch frei Haus liefern müsse. Viele Apotheker wollen deshalb mit der AOK keinen Vertrag mehr abschließen. Für die meist älteren Patienten heißt das, dass sie sich erst eine Apotheke suchen müssen, die ihr Rezept annimmt.

Es könne nicht zu einem Versorgungsengpass kommen, meinte Frank Wehinger, Leiter Kommunikation und Politik bei der AOK in Villingen. Schließlich könnten die Patienten auch auf Sanitätshäuser und Homecare-Unternehmen ausweichen, die frei Haus liefern. Wie viele Apotheken den neuen Vertrag unterzeichnen, werde sich demnächst zeigen. Viele wollten die Entscheidung des Landesapothekerverbands abwarten. Der ist dem Vertrag beigetreten, aber mit "Bauchschmerzen". Den bisherigen Vertrag mit einer Pauschale von 33 Euro hatten eine Apotheke in Villingen und vier in Schwenningen abgeschlossen.





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Forschung & Medizin
Medical Tribune vom 04.10.2013
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11 Okt 2013 11:15



Sakrale Nervenstimulation bei Stuhlinkontinenz?




WIESBADEN: Wenn konservative Möglichkeiten bei analer Inkontinenz ausgeschöpft sind, empfehlen Experten, verstärkt auf die sakrale Nervenstimulation zu setzen. Wie hoch sind die Erfolgschancen?

Über unwillkürlichen Stuhlabgang oder Stuhlschmieren sprechen Patienten nur ungern freiwillig. Die Prävalenzrate schwankt je nach Studie und untersuchtem Kollektiv zwischen zwei und zwölf Prozent. Bekannt ist, dass Frauen häufiger und schwerer als Männer von derartigen Symptomen betroffen sind – mit zunehmendem Lebensalter steigt die Rate. Anamnestisch sollte zunächst das Ausmaß der Inkontinenz erfragt werden: Gehen nur gelegentlich unfreiwillig Winde ab, ist manchmal die Unterwäsche verschmiert oder wird regelmäßig unwillkürlich fester Stuhl ausgeschieden?


Stuhlinkontinenz selten in Folge internistischer Erkrankungen

Auch relevante Risikofaktoren stehen auf der Checkliste: Dazu zählen insbesondere hohes Lebensalter, Schwangerschaften und Geburten (Beckenbodenschwäche, Dammriss) oder Schäden am Schließmuskel nach proktologischen Eingriffen. Seltener tritt eine Stuhlinkontinenz infolge internistischer Erkrankungen oder durch anhaltende Obstipation auf.


Zur körperlichen Untersuchung gehört auch die anale Palpation:

Sphinktertonus, Kneifdruck und Koordination des Beckenbodens lassen sich so gut ertasten. Kontrahiert der äußere Schließmuskel nicht, wenn die anorektale Haut berührt wird, weist dies auf eine periphere sensorische oder motorische Störung bzw. zentrale Läsion hin. Zusätzlich kommen anale Sonographie sowie Manometrie infrage.


Ballaststoffe und Quellmittel normalisieren Stuhlkonsistenz

Therapeutisch stehen konservative Maßnahmen an erster Stelle – allem voran die Stuhlregulation. Ein höherer Ballaststoffanteil in der Nahrung und die Einnahme von Quellmitteln können die Stuhlkonsistenz normalisieren und die Darmpassage verlängern. Ein erschlaffter äußerer Schließmuskel und eine gestörte Beckenbodenkoordination lassen sich evtl. erfolgreich mit Biofeedback-Training behandeln. Als weitere Therapieoption kommt die sakrale Nervenstimulation (SNS) in Betracht. Hierbei werden bestimmte Beckenbodennerven stimuliert, die für die Kontinenz entscheidend sind. Die Erfolgsrate der Methode liegt bei 85 % – unabhängig von der Ätiologie (idiopathisch, muskulär, neurologisch). Außerdem hält der Effekt auch nach zehn Jahren noch an.


Neurostimulator lässt sich in Lokalanästhesie legen

Im Anschluss an eine kurze Testphase wird den Patienten ein Neurostimulator implantiert. Der Eingriff ist wenig invasiv, in Lokalanästhesie durchführbar und reversibel – daher empfehlen Experten eine großzügige Indikationsstellung. Erfolge werden z.B. auch bei Sphinkterdefekten (bis 120 °), Cauda-equina-Syndrom und autonomen Neuropathien berichtet. Eine Operation kommt bei Sphinkterdefekten v.a. für jüngere Patientinnen nach Geburtstrauma infrage – der Eingriff sollte spezialisierten Zentren vorbehalten bleiben.


Den Schließapparat mit Silikon verstärken

Bei leichtgradiger Inkontinenz ist ein Therapieversuch mit Füllstoffen wie Silikon, Kollagen oder Hyaluronsäure (Bulking Agents) zu erwägen. Sie werden zur Verstärkung des Schließapparates injiziert. Die Erfolgsrate liegt bei bis zu 50 %.

Quelle: Friederike Remmen et al., Therapeutische Umschau 2013; 70: 403-406





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Urologische Nachrichten vom 23.09.2013
Foren-Admin
27 Sep 2013 11:44



Netzimplantat-Operationen - Bessere Patientenaufklärung erforderlich




KASSEL: Die Deutsche Kontinenzgesellschaft fordert eine bessere Patientenaufklärung über mögliche Nebenwirkungen einer Inkontinenztherapie mit Netzimplantaten. Die Gesellschaft reagiert damit auf einen Beitrag des NDR-Fernsehmagazins „Visite“. Gezeigt wurde der Fall einer Patientin, die seit dieser Operation unter starken Schmerzen leidet.

„Der Umgang mit Netzimplantaten zur Korrektur einer Blasensenkung ist nicht unproblematisch", kommentiert Prof. Klaus-Peter Jünemann, Vorsitzender der Deutschen Konentinenzgesellschaft die Fernsehsendung. "Netzimplantate nahmen ihren Ursprung in den USA und führten auch dort zu nicht unerheblichen Komplikationsraten. Aus diesem Grund hat die Food and Drug Administration (FDA) bereits im Jahre 2008 darauf hingewiesen, dass aufgrund der sehr hohen Komplikationsraten Implantate nur bei Rezidiv-Eingriffen, also einem erneuten Auftreten von Inkontinenz, indiziert sind. Seit dem Jahre 2011 stehen diese Implantate darüber hinaus unter Beobachtung der FDA."

Der Direktor der Klinik für Urologie am Universitäts-Klinikum Schleswig-Holstein weist darauf hin, dass Netzimplantate durchaus ihren Stellenwert haben, da bei mehrfach voroperierten Patientinnen kein ausreichendes Gewebe mehr vorhanden sei, um der Betroffenen helfen zu können. Bei Primäreingriffen hätten diese Netze allerdings nichts zu suchen. Entscheidend sei, dass derjenige, der mit Netzimplantaten arbeitet, ausreichend Erfahrung habe. Jünemann verweist auf die zertifizierten Kontinenz- und Beckenboden-Zentren der Deutschen Kontinenz Gesellschaft, die einen hohen Standard in Diagnostik und Therapie von Patientinnen mit dem dargestellten und geschilderten Problem vorhielten.

"Es bleibt zu fordern, dass Netze nur dann eingesetzt werden sollten, wenn vor der Operation Beschwerden vorliegen und diese genauestens einer diagnostischen Prüfung unterzogen wurden", so der Vorsitzende weiter. "Bei jüngeren Patientinnen sollte der Einsatz von Netzimplantaten eher zurückhaltend Einsatz finden und es bedarf einer sehr sauberen OP-Technik und maximaler Hygienevoraussetzungen."

Die heute zur Verwendung kommenden Netze sollten nach Angaben der Kontinenz Gesellschaft grundsätzlich vom "Typ 1 polypropylene Netze (makroporös, monophil und low weight)" hergestellt sein und das Training des Chirurgen sowie dessen Erfahrungen im Umgang mit diesen Netzen sollte vor der Operation erfragt werden. Auch erführen Patienten eine Menge über die Qualität der operierenden Klinik, wenn sie sich erkundigten, ob die Ergebnisse prä- oder postoperativ dokumentiert werden.

"Summa summarum bleibt festzustellen, dass der Beitrag im NDR einer Wachrüttelung gleichkommt, die korrekt recherchiert wurde und die Möglichkeit von Komplikationen nach einer Netzimplantation aufzeigt. Andererseits muss man auch feststellen, dass Netzimplantate schon indiziert sein können, wenn dafür entsprechende Voraussetzungen keine andere Lösung zulassen", fasst Jünemann zusammen. "Wie so oft zeigt sich, dass in der Medizin Qualität nicht ubiquitär, sprich flächendeckend vorhanden ist und dass auch hohe Fallzahlen nicht notwendigerweise den Erfolg garantieren. Eine adäquate Aufklärung jedoch, welche möglichen Nebenwirkungen auftreten können, ist eine unabdingbare Voraussetzung, die jedem Patienten vor einer Therapie - ob chirurgisch oder konservativ - mitgeteilt werden muss.“

Beitrag vom NDR Fernsehen Sendedatum: 17.09.2013 20:15 Uhr





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Deutsches Ärzteblatt vom 19.09.2013
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23 Sep 2013 14:32



Stressinkontinenz: Ambulante Operation schlägt Physiotherapie




UTRECHT - NIEDERLANDE: In einer der wenigen randomisierten Vergleichsstudien zur Behandlung der weiblichen Stressinkontinenz erzielte eine ambulante Operation zur Einlage eines spannungsfreien Vaginalbands nach einem Jahr für die Patientinnen bessere Ergebnisse als eine Physiotherapie zum Beckenbodentraining. Die in den Niederlanden landesweit durchgeführte Studie wurde im New England Journal of Medicine (2013; 369: 1124-1133) veröffentlicht.

Die Operationsverfahren bei der Stressinkontinenz haben sich im letzten Jahrzehnt deutlich gewandelt. Die meisten Zentren bevorzugen heute die Einlage eines Tension-free Vaginal Tape (TVT) oder eines Tension-free Vaginal Tape Obturator (TVT-O). Dabei wird über einen Schnitt in die vordere Scheidenwand ein Kunststoffband aus Polypropylen unterhalb der Urethra platziert.

Die beiden Enden der Schlinge werden mit einer Spezialnadel in Richtung zweier kleiner Hautschnitte oberhalb des Schambeinknochens geführt. Die Einlage der Schlinge erfolgt spannungsfrei. Nach der Fibrosierung bietet sie jedoch ein Widerlager. Es verschließt die Urethra, wenn die Patienten beim Husten, Lachen oder Heben schwerer Lasten den Druck im Bauchraum erhöhen, was vor der Operation typischerweise zum Harnabgang führte.

Julien Labrie vom Universitair Medisch Centrum (UMC) Utrecht und Mitarbeiter haben die neue Operation in einer randomisierten Studie mit einer Physiotherapie verglichen, bei der die Patientinnen lernen, durch ein Beckenbodentraining einen unwillkürlichen Harnabgang zu unterdrücken.

An der Studie beteiligten sich 4 Universitäten und 19 Kliniken in den Niederlanden (ein Viertel aller behandelnden Kliniken des Landes). 460 Frauen mit mittelschwerer oder schwerer Stressinkontinenz (im Severity-Index von Sandvik) wurden auf eine Operation oder eine Physiotherapie randomisiert. Die Studie ermöglichte bei Unzufriedenheit einen Wechsel des Therapiearmes.

Davon machten 49 Prozent der Frauen im Physiotherapie-Arm, aber nur 11,2 Prozent der operierten Patientinnen Gebrauch, was für das Team um Huub van der Vaart vom UMC Utrecht bereits ein Hinweis auf die Überlegenheit der Operation ist. Sie zeigte sich auch nach einem Jahr im primären Endpunkt der Studie, der globalen Einschätzung der Patientinnen: 90,8 Prozent waren mit den Ergebnissen der Operation zufrieden gegenüber nur 64,4 Prozent der Frauen, die dem Beckenbodentraining zugelost worden waren. Auch die Zahl der Frauen, die nach einem Jahr völlig frei von Symptomen war, war nach der Operation (85,2 Prozent) größer als nach der Physiotherapie (53,4 Prozent).

Nur etwa eine von 10 Frauen erlitt durch den minimal-invasiven Eingriff leichtere Komplikationen (wie Blutergüsse oder eine Dranginkontinenz). Zu den seltenen schweren Komplikationen gehörte eine Blasenperforation, die Perforation des Vaginalepithels oder eine Freilegung des Kunststoffbands. Die Autoren vertreten aufgrund der Ergebnisse die Ansicht, dass Frauen mit Stressinkontinenz neben der Physiotherapie frühzeitig auch die Wahl auf eine Operation eingeräumt werden sollte.





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Gesetze & Versicherungen
Deutsches Ärzteblatt vom 18.09.2013
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19 Sep 2013 13:17



Ausgaben für Heil- und Hilfsmittel steigen




BERLIN: Die Ausgaben für Heil- und Hilfsmittel sind im Jahr 2012 um 2,3 Prozent beziehungsweise um 2,7 Prozent angestiegen. Seit 2007 lag der Ausgabenanstieg für Hilfsmittel bei 17 Prozent und für Heilmittel bei 27,6 Prozent. Das geht aus dem Heil- und Hilfsmittelreport 2013 der Barmer GEK hervor, der heute in Berlin vorgestellt wurde. „Alterung und technischer Fortschritt treiben den Bedarf in die Höhe. Trotzdem wird der Heil- und Hilfsmittelbereich total unterschätzt, obwohl er mittlerweile ein Ausgaben­volumen von rund 11,5 Milliarden Euro beansprucht“, erklärte der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Barmer GEK, Rolf-Ulrich Schlenker.

Die meisten Heilmittel wurden 2012 im Bereich der Physiotherapie verordnet (532 Millionen Euro, +2,8 Prozent), gefolgt von der Ergotherapie (102 Millionen Euro, +1,2 Prozent), der Logopädie (66 Millionen Euro, +/- 0 Prozent) und der Podologie (13 Millionen Euro, -0,3 Prozent). Unter den Hilfsmitteln wurden vor allem Inhalations- und Atemtherapiegeräte verschrieben (97 Millionen Euro) sowie Inkontinenzhilfen (77 Millionen Euro) und Hörhilfen (74 Millionen Euro).

Bei den Heilmitteln habe der Report auffällige regionale Verordnungsunterschiede festgestellt, betonte Schlenker. So liege in Bremen und dem Saarland der Anteil der Physiotherapie-Verordnungen für Krankheiten wie Osteoporose, Bandscheibenschäden oder Rheuma bei unter 60 Prozent, in Nordrhein-Westfalen, Sachsen und Sachsen-Anhalt jedoch bei über 90 Prozent. „Allein medizinische Erklärungen reichen für solche Unterschiede nicht aus. Hier spielen sicherlich auch noch regionale Verordnungs­traditionen eine Rolle“, befand der Barmer GEK-Vize.

Einer der Autoren des Reports, Gerd Glaeske vom Zentrum für Sozialpolitik der Universi­tät Bremen, forderte, Hilfsmittel künftig einer Nutzenprüfung zu unterziehen. „Bei der überwiegenden Anzahl der Medizinprodukte, zu denen die meisten Hilfsmittel gehören, reicht heute eine Selbsterklärung des Herstellers aus, um ein Produkt vermarkten zu können“, so Glaeske. Stattdessen sei eine substanzielle Zulassung überfällig, die einen konkreten Nutzen für bestimmte Indikationen nachweise.

Zurzeit diskutieren die Parlamentarier der Europäischen Union über eine Medizin­produk­te-Verordnung, die regeln soll, wie Medizinprodukte künftig auf den Markt kommen dürfen. Bislang sind dafür „Benannten Stellen“ zuständig, unter denen die Hersteller bei der Zulassung wählen können. Schlenker forderte hingegen, „ein einheitliches, zentrali­siertes Zulassungsverfahren für risikoreiche Medizinprodukte“ einzuführen.

Zusätzliche müsse eine Nutzenbewertung auch für Medizinprodukte eingeführt werden, die wie die Nutzenbewertung für Arzneimittel infolge des Arzneimittelmarkt­neuord­nungsgesetzes funktionieren könne.

BARMER GEK Heil- und Hilfsmittelreport 2013





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Hilfsmittel
Bundesverband Medizintechnologie e.V. vom 18.09.2013
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19 Sep 2013 12:05



BVMed-Filmservice: Neuer Informationsfilm zur Versorgung von Inkontinenz-Patienten




BERLIN: Ein neuer Patientenfilm des BVMed informiert über "Lebensqualität trotz Inkontinenz - Versorgung mit modernen Hilfsmitteln". Ergänzt wird der Informationsfilm durch ein Experteninterview "Hilfe bei Inkontinenz" mit Dr. Elke Heßdörfer vom Berufsverband der Deutschen Urologen. Der BVMed will damit über das Thema Inkontinenz aufklären, von dem Millionen Menschen in Deutschland betroffen sind, das aber noch immer tabuisiert wird. Der Film und das Experteninterview sowie ein Radiobeitrag zum Thema sind abrufbar unter http://www.filmservice.bvmed.de. Die Adresse des Youtube-Kanals des BVMed mit über 20 Informationsfilmen lautet http://www.youtube.de/medizintechnologien.

In Deutschland sind rund 6 Millionen Menschen von Inkontinenz betroffen. Expertin Dr. Elke Heßdörfer, Urologin mit einer Fachpraxis in Berlin, schätzt die Zahl sogar auf 9 Millionen, da die Dunkelziffer sehr hoch ist. Denn das Thema, das vor allem Frauen betrifft, wird von vielen Betroffenen aus Scham totgeschwiegen. Viele Menschen mit Harninkontinenz fühlen sich hilflos und nicht mehr gesellschaftsfähig. Dabei gibt es für jede Form der Inkontinenz geeignete Therapien und moderne saugende Inkontinenz-Produkte, die bequem, unauffällig und sicher in allen Lebenslagen schützen. Die modernen Hilfsmittel ermöglichen den Betroffenen eine sichere und geruchsfreie Versorgung.

Der Film stellt auch klar: Jeder Betroffene sollte wegen einer Diagnose und einer eventuellen Verordnung von Inkontinenzprodukten zum Arzt gehen. Jeder Patient hat dabei ein Anrecht darauf, das für ihn medizinisch notwendige und geeignete Inkontinenz-Produkt von seiner Krankenkasse erstattet zu bekommen. Wer zum ersten Mal saugende Inkontinenz-Produkte benötigt, sollte sich an seine Krankenkasse wenden und von einem Qualitätshersteller, einem Homecare-Unternehmen, in der Apotheke oder einem Sanitätshaus beraten lassen, welches Produkt für ihn am besten geeignet ist.

Der Film, das Experteninterview sowie Zusatzmaterial wie eine Liste des Schnittmaterials oder der Sprechertext sind unter http://www.filmservice.bvmed.de/cat/film abrufbar.

Im Filmservice des BVMed sind bereits folgende Themen erschienen:
    - Neurostimulation - Hilfe bei Epilepsie und Migräne
    - Sicherheit und Qualität beim Gelenkersatz
    - Neue Therapie gegen Krampfadern
    - Telekardiologie: mehr Patientensicherheit, weniger Kosten
    - Schonender Herzklappenersatz per Katheter
    - Bauchfell-Dialyse: Unabhängig leben trotz Nierenversagen
    - Wirbelkörper-Brüche: Schmerzfrei durch moderne Technologien
    - Gebärmutter-Myome: rettender Infarkt statt Totaloperation
    - Neurostimulation: Impulse für neue Lebensqualität
    - Künstliche Bandscheiben: neue Beweglichkeit ohne Schmerzen
    - Krankhafte Fettsucht: Hilfe aus der Chirurgie
    - Technik ohne Nebenwirkungen: Diagnose im Darm
    - Nanotechnologie - schonende Therapie gegen Tumore
    - Heilen mit Biotechnologie - Knorpelersatz im Knie
    - Patientenmobilität durch Infusionstherapien
    - Fortschritte beim Gelenkersatz
    - Sicherheitsprodukte vermeiden Nadelstichverletzungen
    - Neue Verfahren in der Augenchirurgie
    - Moderne Wundversorgung
    - Medikament-freisetzende Stents
    - Kardio: "Schrittmacher Medizintechnologie"
Medienkontakt:
Manfred Beeres
Leiter Kommunikation/Pressesprecher
Tel: +49 30 246 255-20
E-Mail: beeres(at)bvmed.de





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kostenlose-urteile.de vom 27.08.2013
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30 Aug 2013 15:34



Keine Befreiung von der Rundfunk­beitrags­pflicht bei Harn- bzw. Stuhlinkontinenz




STUTTGART: Eine Befreiung von der Rundfunk­gebühren­pflicht bzw. ab dem 1. Januar 2013 Ermäßigung der Rundfunk­beitrags­pflicht wegen des Unvermögens, aufgrund einer gesundheitlichen Beeinträchtigung an öffentlichen Veranstaltungen teilzunehmen, kommt nur dann in Betracht, wenn der Betroffene wegen seines Leidens allgemein und umfassend vom Besuch solcher Veranstaltungen ausgeschlossen ist. Eine Harn- bzw. Stuhlinkontinenz, die für den Betroffenen das Tragen von Windelhosen erforderlich macht, hat keinen solchen allgemeinen Ausschluss von der Teilnahme an Veranstaltungen zur Folge. Dies geht aus einer Entscheidung des Sozialgerichts Stuttgart hervor.

Der 1932 geborene Kläger des zugrunde liegenden Streitfalls, bei dem das Versorgungsamt 1992 einen Grad der Behinderung (GdB) von 80 unter Berücksichtigung von neurologischen und psychischen Auffälligkeiten sowie Halswirbelsäulenbeschwerden festgestellt hatte, beantragte im Mai 2011 die Zuerkennung des Merkzeichens RF für die Befreiung von der Rundfunkgebührenpflicht und legte ärztliche Atteste vor, wonach er bei öffentlichen Veranstaltungen in einen psycho-physischen Erschöpfungszustand mit Atembeklemmung gerate. Mit seiner gegen den Ablehnungsbescheid erhobenen Klage machte der Kläger zudem Inkontinenz geltend.

Tragen von Windeln zur Teilnahme an öffentlichen Veranstaltungen zumutbar

Das Sozialgericht Stuttgart hat die Klage mit der Begründung abgewiesen, dass die Voraussetzungen für eine Befreiung von der Rundfunkgebührenpflicht bzw. ab dem 1. Januar 2013 Ermäßigung der Rundfunkbeitragspflicht nicht vorlägen, da der Kläger nicht allgemein und umfassend vom Besuch öffentlicher Veranstaltungen ausgeschlossen sei, da ihm das Tragen von Windelhosen zumutbar sei und dadurch sowie durch psychiatrische Behandlung auch den durch die Inkontinenz ausgelösten Ängsten vor dem Besuch öffentlicher Veranstaltungen begegnet werden könne.

Sozialgericht Stuttgart, Urteil vom 08.05.2013 - S 2 SB 5412/11 -





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nachrichten.at vom 09.08.2013
Foren-Admin
10 Aug 2013 18:01



Stuhlinkontinenz: Rechtzeitig darüber reden




SCHÄRDING - ÖSTERREICH: Es ist peinlich und unangenehm und deshalb sprechen so wenige Betroffene über ihr Problem. Mit einer Stuhlinkontinenz muss man sich aber nicht abfinden. Welche Therapiemöglichkeiten Abhilfe verschaffen, erklärt Dr. Christoph Kopf.

Wenn man den Stuhl nicht willkürlich zurückhalten kann und unfähig ist, ihn an einem bestimmten Ort und/oder zu einer bestimmten Zeit abzusetzen, spricht man von einer Stuhlinkontinenz. Betroffene können den Darminhalt also nicht bewusst ausscheiden, stattdessen kommt es zum ungewollten und unkontrollierten Abgang von Stuhl. Man schätzt, dass fünf Prozent der Bevölkerung davon betroffen sind. Dabei gilt: "Der größte Risikofaktor ist das Alter. Bei den über 65-Jährigen sind es bereits zehn bis 15 Prozent, die darunter leiden", sagt Prim. Dr. Christoph Kopf, Leiter der chirurgischen Abteilung am Landeskrankenhaus Schärding und Vorstandsmitglied der Medizinischen Kontinenzgesellschaft Österreich (http://www.kontinenzgesellschaft.at). Doch welche Faktoren sind dafür verantwortlich?

Breit gefächerte Ursachen

Damit der Stuhl willentlich zurückgehalten werden kann, müssen Schließmuskeln, Beckenboden, Nerven und Mastdarm zusammenarbeiten. Sind einzelne Faktoren gestört, kann eine Stuhlinkontinenz auftreten. „Die Ursachen sind breit gefächert“, sagt Kopf und fügt hinzu: „Sie fangen mit der Beschaffenheit des Stuhls an. Ist dieser sehr flüssig, hat man Schwierigkeiten, rechtzeitig auf die Toilette zu kommen. Flüssiger Stuhl begünstigt also eine Stuhlinkontinenz.“ Gerade bei älteren Menschen kann hingegen eine Schwäche der Beckenbodenmuskulatur und der Schließmuskeln für die Stuhlinkontinenz verantwortlich sein. Hier tritt auch häufiger eine sogenannte Überlaufinkontinenz auf: Dünner Stuhl fließt um einen harten Kotballen im Mastdarm, was als Durchfall fehlinterpretiert wird. „Ein geschwächter Schließmuskel kann aber auch eine Folge von Operationen, wie zum Beispiel einer Fisteloperation am After, sein. Bei Frauen wiederum stellen Geburten einen Risikofaktor dar, bei denen es in einigen Fällen zur Schädigung des Beckenbodens kommt“, sagt der Primar. Zudem spielen Nervenschädigungen eine Rolle, die durch Überdehnung entstehen können. „Frauen sind häufiger verstopft als Männer. Das starke Pressen kann dann zur Überdehnung der Nerven und der Beckenbodenmuskulatur führen und eine Stuhlinkontinenz begünstigen“, so Kopf. Aber auch bestimmte Erkrankungen können dafür verantwortlich sein, dass man den Stuhl nicht halten kann. Dazu zählen beispielsweise Enddarmentzündungen, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn sowie Tumoren des Enddarms oder Stoffwechselkrankheiten wie Diabetes. „Es gibt auch Menschen, die einen intakten Schließmuskel haben, aber deren kognitive Fähigkeiten eingeschränkt sind. Sie nehmen nicht wahr, dass sie auf die Toilette müssen. Ist hingegen die Mobilität eingeschränkt, schafft man es vielleicht nicht rechtzeitig dort hin“, ergänzt der Mediziner. Oft bleibt es dann nicht nur bei der Stuhlinkontinenz: Durch den ständigen Kontakt mit dem Stuhl und das permanente Feuchtigkeitsgefühl können Hautreizungen, wie ein Ekzem, oder hartnäckiger Juckreiz im Analbereich entstehen.

Ausmaß individuell unterschiedlich

Je nach Ausmaß der Beschwerden unterscheidet man verschiedene Schweregrade der Stuhlinkontinenz. Während einige Betroffene unter gelegentlichem Stuhlschmieren oder unwillkürlichem Abgang von Darmwinden leiden, können andere dünnen oder flüssigen Stuhl nicht halten. Bei schweren Formen der Stuhlinkontinenz verläuft die Darmentleerung völlig unkontrolliert. Auch fester Stuhl kann nicht zurückgehalten werden.

Tabuthema, das isoliert

In allen Fällen gilt jedoch meist: Die Betroffenen leiden stark darunter. „Über eine Harninkontinenz redet man öfter, über eine Stuhlinkontinenz überhaupt nicht. Das stigmatisiert unglaublich. Betroffene haben Angst, durch mögliches Stinken angesprochen zu werden. Sie ziehen sich zurück und leben sozial isoliert. Das Ausmaß des Leidens ist aber subjektiv verschieden: Während für eine äußerst gepflegte Person ein einmaliges Stuhlschmieren bereits ein einschneidendes Ereignis sein kann, können andere, die immer wieder größere Mengen Stuhl verlieren, zum Teil gut damit umgehen“, so der Mediziner.

Rechtzeitig thematisieren

Umso wichtiger ist es, das Thema rechtzeitig beim Arzt anzusprechen – auch wenn das schwerfällt. Kopf: „Üblicherweise sprechen es Betroffene nicht an, aber auch wir Ärzte fragen nicht immer nach. Das ist das Traurige. Es tut sich jetzt aber Gott sei Dank einiges. In Oberösterreich wurde von der Landesgruppe der Medizinischen Kontinenzgesellschaft Österreich ein Kontinenzstammtisch gegründet, um die interprofessionelle Zusammenarbeit zu verstärken. Das ist insofern wichtig, weil – sieht man sich die demographische Entwicklung an – die Stuhlinkontinenz noch ein schlagendes Thema werden wird.“

Therapie: Von der Ernährungsumstellung zur Operation

Ist die Diagnose gesichert und die zugrundeliegende Ursache ausgemacht, kann man mit der Therapie beginnen. Neben konservativen Methoden – wie gezieltem Beckenbodentraining, Elektrostimulation oder Biofeedback-Therapie zur Unterstützung der Beckenbodenmuskulatur oder einer individuellen Umstellung der Ernährung, weil fester Stuhl in der Regel leichter zu halten ist – können auch Medikamente zum Einsatz kommen. Sie verlangsamen die Darmtätigkeit und vermeiden Durchfälle. „Bei der Beckenbodengymnastik geht es darum, wieder ein Körpergefühl zu entwickeln und die Restfunktion des Schließmuskels zu trainieren“, so Kopf. Führt das alles nicht zum gewünschten Erfolg, ist bei 15 bis 20 Prozent der Betroffenen eine Operation notwendig sein. Hier gibt es verschiedene Verfahren, die zur Verfügung stehen – beginnend bei einer Rekonstruktion des Schließmuskels bei umschriebenen Defekten über eine Modulation der Beckennerven durch Implantation von Elektroden bis hin zu einem künstlichen Analschließmuskel. Zudem finden Patienten mit Stuhlinkontinenz eine Reihe von Produkten zur Unterstützung vor. Dazu gehören Analtampons oder Einlagen. „In manchen Fällen hilft aber leider nur ein Seitenausgang“, erklärt der Mediziner.

Beckenbodengymnastik zur Vorbeugung

Taucht noch die Frage auf, ob man einer Stuhlinkontinenz vorbeugen kann? „Frauen sind etwas häufiger betroffen als Männer, weil ihr Beckenboden muskulär schwächer ausgebildet ist. Hier wäre es wichtig, Beckenbodengymnastik ins lebenslange Fitnessprogramm einzubauen. Entscheidend ist natürlich auch, auf einen regelmäßigen Stuhlgang zu achten und heftiges Pressen zu vermeiden“, so Kopf.








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