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apotheke adhoc vom 21.12.2015
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22 Dez 2015 11:22



Hilfsmittel: Gröhe macht Kassen Druck




BERLIN: Das Bundesgesundheitsministerium (BMG) will die Hilfsmittelversorgung verbessern. Das geht aus einem Eckpunktepapier hervor, in dem zahlreiche gesetzliche Änderungen angekündigt werden. Demnach sollen die Versicherten künftig zwischen mehreren aufzahlungsfreien Hilfsmitteln wählen können, das Hilfsmittelverzeichnis soll überarbeitet werden und der Preis nicht mehr das alleinige Kriterium bei Ausschreibungen sein.

Ausschreibungen zu Hilfsmitteln wird Gröhe nicht abschaffen: Weiterhin sollen nur solche Leistungserbringer versorgungsberechtigt sein, die einen Vertrag mit den Krankenkassen abschließen. „An dieser Grundsatzentscheidung für eine Stärkung des Preiswettbewerbs wird festgehalten“, heißt es in dem Eckpunktepapier. Zu berücksichtigen sei aber auch, „dass der Hilfsmittelsektor zu den sensibelsten Versorgungsbereichen im deutschen Gesundheitssystem zählt“. Mittlerweile sei deutlich geworden, dass es Weiterentwicklungsbedarf gebe.

Zur Stärkung der Versorgung soll das Präqualifizierungsverfahren weiterentwickelt werden. Präqualifizierungsstellen von Leistungserbringerorganisationen sollen unabhängig sein – der GKV-Spitzenverband soll deren Arbeit überwachen.

Patienten sollen „am medizinisch-technischen Fortschritt teilhaben“ und Hersteller einen Anreiz für Innovationen haben. Deshalb soll der GKV-Spitzenverband verpflichtet werden, das bestehende Hilfsmittelverzeichnis zu aktualisieren. Produktgruppen mit einer hohen Innovationsdynamik sollen künftig nur noch zeitlich befristet in das Verzeichnis aufgenommen werden. Die Auswahl dieser Produktgruppen und die jeweiligen Fristen sollen durch die Kassen, Hersteller, Leistungserbringer und Patientenverbände festgelegt werden.

Hersteller und Leistungserbringer sollen verpflichtet werden, den GKV-Spitzenverband über maßgebliche Änderungen bereits gelisteter Produkte zu informieren. Vor einer Fortschreibung des Hilfsmittelverzeichnisses sollen Hersteller, Leistungserbringer und Patienten die Möglichkeit zur Stellungnahme bekommen. Außerdem sollen die Kassen künftig auch Stellungnahmen von medizinischen Fachgesellschaften und Sachverständigen einholen können.

Den Mehraufwand, der durch die kontinuierliche Aktualisierung des Hilfsmittelverzeichnisses entsteht, sollen die Hersteller finanzieren. Sie sollen künftig für die Aufnahme eines Hilfsmittels in das Verzeichnis eine Gebühr an den GKV-Spitzenverband zahlen.

Ausschreibungen sollen zwar nicht verboten, die Möglichkeiten dazu aber eingeschränkt werden: Die Zuschlagserteilung soll künftig nicht mehr ausschließlich nach dem Kriterium des niedrigsten Preises erfolgen. „Die Krankenkassen werden zu einer stärkeren Berücksichtigung von Qualitätsaspekten verpflichtet“, heißt es in dem Papier. Unabhängig von der Vertragsart müssen die Kassen künftig gewährleisten, „dass ihre Versicherten zwischen mehreren aufzahlungsfreien Hilfsmitteln wählen können“.

Außerdem sollen die Krankenkassen die Einhaltung der Vertragsinhalte überwachen. Als Instrumente schweben dem BMG etwa Versichertenbefragungen, die Einrichtung eines Beschwerdemanagements oder stichprobenartige Überprüfungen durch den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) vor.

Schließlich wird die bestehende Verpflichtung der Kassen, ihre Versicherten auf Nachfrage über Vertragsinhalte zu informieren, erweitert: Diese Information wird künftig obligatorisch und muss den Hinweis darauf enthalten, dass der Patient ein Recht auf eine Versorgung ohne Mehrkosten hat.

Der GKV-Spitzenverband hat erst Anfang Dezember einen Entwurf für eine Aktualisierung des Hilfsmittelverzeichnisses im Bereich der Inkontinenzprodukte vorgelegt. Darin geht es vor allem um die Produktqualität, aber auch für die Abgabe selbst sollen erstmals konkrete Kriterien festgelegt werden: Patienten sollen stärker wohnortnah versorgt werden. Bis zum 22. Dezember können die Fachkreise zu den geplanten Änderungen Stellung nehmen, im Januar soll das Verzeichnis dann durch die GKV-Gremien verabschiedet werden.





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Deutsches Ärzteblatt vom 21.12.2015
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22 Dez 2015 10:59



Magnet-Implantat lindert Stuhlinkontinenz




SILVER SPRING - USA: Ein flexibles Band aus miteinander verbundenen Titankugeln mit Magnetkern, das in einem chirurgischen Eingriff um den Analkanal herum positioniert wird, kann den Analkanal bei Patienten mit fäkaler Inkontinenz wieder abdichten. Das Produkt eines US-Herstellers, das in Deutschland vereinzelte Kliniken implantieren, hat jetzt die US-Zulassung erhalten.

Während in Europa Medizinprodukte allein aufgrund ihrer technischen Zuverlässigkeit und Sicherheit über ein CE-Zertifikat eingeführt werden, verlangt die US-amerikanische Food and Drug Administration (FDA) einen Wirkungsnachweis durch eine klinische Studie.

Die Hürden sind allerdings nicht allzu hoch, wenn der Hersteller versichert, dass sein Produkt für weniger als 4.000 Patienten im Jahr infrage kommt. Dann greift eine „Humanitarian Device Exemption“, die ein erleichtertes Zulassungsverfahren ermöglicht. Dies soll verhindern, dass Medizinprodukte nur deshalb nicht eingeführt werden, weil der Hersteller mehr Geld für die klinischen Tests ausgeben muss, als er später als Gewinn erzielen kann.

Bei dem Fenix Continence Restoration System des Herstellers Torax Medical aus Shoreview in Minnesota begnügte sich die FDA mit einer Studie an 35 Erwachsenen, in an zwei Zentren in den USA sowie einem in Dänemark und Frankreich durchgeführt wurden. Die Patienten mussten über mindestens zwei fäkale Inkontinenzen pro Woche (mehr als nur Schmierstuhl) berichten, und sie mussten erfolglos konservative und medikamentöse Therapien versucht haben, um an der Studie teilzunehmen. Zu den etablierten Therapien zählen beispielsweise die Einnahme von Quellstoffen, eine Radiofrequenzablation oder die Sakralnervenstimulation.

Die Operation bestand in der Implantation einer Kette aus mehreren Titankugeln mit jeweils einem Magnetkern. Im ersten Schritt präparierte der Chirurg einen Gewebekanal in der Umgebung des Analsphinkters. Dann nahm er mit einem „sizing tool“ Maß, um schließlich mit einem „introducer tool“ die Kette aus Titankugeln zu platzieren und zu verschließen. Im Normalzustand bilden die Magnete einen geschlossenen Ring um den Analsphinkter. Bei der Defäkation öffnet sich der Ring der mit einem Band verbundenen Kugeln kurzzeitig und dichtet danach den Analkanal wieder ab.

Laut den Studienergebnissen kam es nach 12 Monaten bei 62,9 Prozent der Teilnehmer zu einer Reduktion der Stuhlinkontinenz-Episoden um die Hälfte oder mehr, 54,3 Prozent der Patienten berichteten über eine Verringerung der Stuhlinkontinenz-Tage um die Hälfte oder mehr und bei 37,1 Prozent kam es zu einer Verringerung der Drang-Episoden um die Hälfte oder mehr. Die Studienteilnehmer berichteten zudem über eine bessere Lebensqualität mit einem Rückgang von Depressionen oder Gefühlen der Verlegenheit sowie einer gesteigerten positiven Selbstwahrnehmung.

Die FDA sieht keine Sicherheitsprobleme außer bei Patienten mit bekannten oder vermuteten Allergien auf Titan. Bei ihnen dürfen weder das „sizing tool“ noch das „introducer tool“ eingesetzt werden, heißt es in der Pressemitteilung. Alle Patienten müssen später darauf achten, dass sie keine Kernspintomographie (MRT) bei sich durchführen lassen, da das dabei erzeugte starke Magnetfeld die Position der Titankugeln im Körper verschieben könnte. Die FDA bezeichnet die MRT ausdrücklich als unsicher. Die Zulassung sieht vor, dass die US-Patienten über weitere fünf Jahre jährlich nachbeobachtet werden, um die langfristige Effektivität und Sicherheit zu untersuchen.





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Mitteldeutsche Zeitung vom 09.12.2015
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10 Dez 2015 14:42



Barmer GEK stoppt Windel-Ausschreibung




BERLIN: Die Versicherung sieht sich dem Vorwurf ausgesetzt, Inkontinenzartikel auf Kosten der Patienten auszuschreiben. Nach einer eigenen Prüfung zieht die Barmer GEK nun die Ausschreibung zurück. Jetzt sind wilde Theorien im Umlauf.

Seit Monaten beschäftigt den Patientenbeauftragten der Regierung vor allem ein Thema: Karl-Josef Laumann (CDU) erhält immer mehr Beschwerden von Versicherten darüber, dass die von den Krankenkassen bezahlten Windeln für Inkontinente nichts taugen. Die Patienten beklagen, dass sie vernünftige Produkte nur gegen Zuzahlung aus eigener Tasche erhalten. Im Raum steht der Vorwurf, dass die Kassen das Mittel der Ausschreibung nutzen, um die Preise auf Kosten ihrer Versicherten zu drücken.

Die Krankenkasse Barmer GEK zieht nun nach Recherchen dieser Zeitung als erste Kasse ihre Konsequenzen: Sie hat eine Ausschreibung gestoppt, um die Versicherten künftig wieder mit besseren Windeln zu versorgen. Dabei dürfte sicherlich auch die von Laumann angestoßene öffentliche Debatte eine Rolle gespielt haben. Hauptgrund ist aber ein anderer: Die Barmer GEK hat bei der Ausschreibung eigentümliches beobachtet.

Barmer GEK schöpft Verdacht gegen Anbieter

Die Barmer GEK hatte im Juli Inkontinenzartikel mit einem Auftragsvolumen von über 77 Millionen Euro ausgeschrieben. Dabei hätten alle Bewerber aber bei den Windeln „auffällig niedrige“ Monatspauschalen von deutlich unter zehn Euro angeboten, berichtet Kassen-Sprecher Athanasios Drougias. Das ist in der Tat sehr wenig: Nach allgemeiner Einschätzung sind im Monat um die 20 Euro nötig, um passable Windeln zu bekommen. Die Barmer GEK hatte daher schon früh den Verdacht, die Anbieter hätten in ihrer Kalkulation von Anfang an eingepreist, dass die Patienten notgedrungen zu teureren Windeln greifen müssen, bei denen sie selbst zuzahlen müssen.

Um den Verdacht zu überprüfen, unterzog die Barmer GEK die Gebote einer sogenannten „Auskömmlichkeitsprüfung“. Dabei stellte sich laut Kasse tatsächlich heraus, dass für einen Monatspreis von deutlich unter zehn Euro ohne Zuzahlung „keine qualitativ hochwertige Versorgung“ möglich sei. Um nicht in die Bredouille zu kommen, dennoch den billigsten Anbieter nehmen zu müssen, hob die Kasse die Ausschreibung wieder auf.

Versicherung tritt in Verhandlungen

Die Versorgung soll nun auf herkömmliche Weise geregelt werden. Dabei werden mit Interessenten Verträge über konkrete Preise und Konditionen verhandelt, denen andere Hersteller beitreten können. „Damit wird den Versicherten eine Vielzahl von Anbietern zur Auswahl stehen, die hochwertige und aufzahlungsfreie Produkte anbieten“, betont die Barmer GEK.

Laumann zeigte sich zufrieden. Offenbar setze sich auch bei den Kassen immer mehr die Einschätzung durch, dass bei der Versorgung mit Windeln derzeit „ etwas mächtig schief läuft“, sagte er dieser Zeitung. „Die Verhandlungen über Preise dürfen nicht auf dem Rücken der Versicherten ausgetragen werden. Die Versorgung muss uns gerade in einem so sensiblen Bereich etwas wert sein“, ergänzte er. Die Versicherten hätten einen klaren gesetzlichen Anspruch auf Hilfsmittel, die qualitativ und quantitativ dem aktuellen Stand der Medizin entsprächen – und zwar ohne Eigenbeiträge, so der CDU-Politiker.

Theorie über Absprache im Umlauf

Wie es kommt, dass plötzlich alle Windelanbieter auffällig niedrige Preise anbieten, darüber rätselt nicht nur die Barmer GEK. In der Gesundheitsbranche kursiert eine Erklärung, die aber sehr nach Verschwörungstheorie klingt: Die Anbieter hätten sich abgesprochen, um das für sie ungünstige Mittel der Ausschreibung auf diese Weise ad absurdum zu führen und am Ende mit Hilfe der Politik zu kippen. Kenner der Szene wollen das nicht ausschließen, sie halten es aber für eine gewagte Theorie.

Dabei verweisen sie auf den starken Wettbewerbsdruck in der Branche, der es unwahrscheinlich erscheinen lasse, dass sich ein gut funktionierendes Kartell gebildet habe. Möglicherweise sei es tatsächlich schlicht der hohe Kostendruck durch die Kassen, der die Hersteller zu Tricks zwinge. Klar ist bisher nur eines: Das Bundeskartellamt in Bonn hat nach eigenen Angaben bisher keine Eingaben vorliegen, die sich mit einem Windel-Kartell beschäftigen.





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Urologische Nachrichten vom 30.11.2015
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10 Dez 2015 13:49



27. Kontinenz-Kongress - Neue Standards für eine bessere Versorgung




MÜNCHEN: In zukünftigen Zeiten des Ärztemangels und mit einer zunehmenden geriatrischen Bevölkerung ist es besonders wichtig, die Versorgung im Bereich Inkontinenz heute bereits sicherzustellen. Dies betonten Experten beim 27. Kontinenz-Kongress in München.

Um die Qualität in der Diagnostik und Therapie der Harn- und Stuhlinkontinenz zu verbessern, plädiert Prof. Axel Haferkamp, Erster Vorsitzender der Deutschen Kontinenz Gesellschaft und Direktor der Klinik für Urologie und Kinderurologie am Universitätsklinikum Frankfurt, für ein einheitliches Zertifizierungssystem für Kontinenz- und Beckenboden-Zentren sowie eine Vereinheitlichung der Ausbildung von Pflege - und Assistenzberufen. „Damit können Standards geschaffen werden, von denen zukünftig Patienten profitieren", so Hakeramp auf dem 27. Jahreskongress der Deutschen Kontinenz Gesellschaft, der am 26. und 27.11.2015 in München stattfand.

Der Beckenboden ist ein komplexes System, das uns ermöglicht, Harn und Stuhl zu halten und zur rechten Zeit zu entleeren. Er ist aber auch der Ort im Körper, an dem Sexualität aktiv erlebt wird. Kein Wunder also, dass Beckenbodenfunktionsstörungen vielfältige Folgen haben können: Harn- und Stuhlinkontinenz, Senkung und Vorfall von Scheide und Gebärmutter und auch sexuelle Beeinträchtigungen. Vor allem der ungewollte Verlust von Urin führt häufig dazu, sexuellen Kontakt zu vermeiden. „Dabei steht heute eine Vielzahl an Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung, die zu einer Verbesserung des sexuellen Empfindens beitragen“, betont Prof. Ursula Peschers, Chefärztin für Gynäkologie, Urogynäkologie und rekonstruktive Beckenbodenchirurgie am Kontinenz- und Beckenboden-Zentrum München.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Harninkontinenz als Folge einer Prostataoperation. Mit einer Wahrscheinlichkeit von bis zu 20 Prozent ist sie nach wie vor die gefürchtetste Komplikation bei Prostatektomien. Dabei steht heute zur Behandlung der Inkontinenz ein breites Spektrum an konservativen und operativen Therapien zur Verfügung. „Durch eine fachgerechte Diagnostik und eine gut fundierte Beratung kann heute jedem betroffenen Mann die Chance auf eine individualisierte Behandlung mit guten Erfolgsaussichten und deutlicher Verbesserung der Lebensqualität eröffnet werden“, betont PD Dr. Ricarda Bauer, Leiterin des Kontinenzzentrums an der Urologischen Klinik der Ludwig-Maximilians-Universität München.

Auch die Stuhlinkontinenz stellt eine erhebliche Belastung der betroffenen Frauen und Männer dar. Neben der konservativen Therapie, die auf die Konsistenzverbesserung der Ausscheidung sowie auf die Aktivierung der Beckenbodenmuskulatur und Koordination durch spezielle Beckenbodengymnastik zielt, gibt es auch hier operative Behandlungsmöglichkeiten. Dr. Monika Scheibe, Oberärztin Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Unfallchirurgie und Leiterin der Initiative Beckenboden am Heilig Geist-Krankenhaus (durch die Deutsche Kontinenz Gesellschaft zertifiziertes Kontinenz- und Beckenboden-Zentrum): „Bei idiopathischen und therapieresistenten Stuhlinkontinenzen kann ein Darmschrittmacher implantiert werden. Dieser aktiviert über elektrische Impulse die Nerven des Beckenbodens, wodurch die Kontinenzleistung ganz oder teilweise wiederhergestellt werden kann.“

(Deutsche Kontinenz Gesellschaft/ms)





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apotheke adhoc vom 03.12.2015
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10 Dez 2015 13:33



Inkontinenzversorgung - Kassen: Renaissance für Wohnortnah




BERLIN: Der öffentliche Druck war wohl zu groß geworden. Der GKV-Spitzenverband hat das Hilfsmittelverzeichnis im Bereich der Inkontinenzprodukte komplett überarbeitet und zur Anhörung vorgelegt. In erster Linie geht es um die Produktqualität, doch auch für das Dienstleistungsniveau sollen erstmals konkrete Kriterien festgeschrieben werden. Die Patienten sollen wieder stärker wohnortnah versorgt werden.

Laut Sozialgesetzbuch (SGB V) müssen alle Hilfsmittel, die zum GKV-Leistungskatalog gehören, in einem systematisch strukturierten Verzeichnis aufgelistet werden. Für die Erstellung und Fortschreibung ist der GKV-Spitzenverband verantwortlich. Monatlich werden neue Hilfsmittel aufgenommen; auch die Zuordnung zu bestimmten Produktgruppen wird regelmäßig überprüft.

Zusätzlich soll der GKV-Spitzenverband festlegen, welche Kriterien die Produkte erfüllen müssen: „Soweit dies zur Gewährleistung einer ausreichenden, zweckmäßigen und wirtschaftlichen Versorgung erforderlich ist, können im Hilfsmittelverzeichnis indikations- oder einsatzbezogen besondere Qualitätsanforderungen für Hilfsmittel festgelegt werden“, heißt es im Gesetzestext.

Doch in der Produktgruppe 15 – Inkontinenzhilfen – ist seit 1993 nichts geschehen. Weder die Materialien noch die Rücknässungswerte entsprechend dem Marktstandard. Da die Ausschreibungen der Kassen sich aber nach dem Hilfsmittelverzeichnis richten, müssen die betroffenen Patienten oft mit Produkten zurecht kommen, die nicht zeitgemäß sind.

Auf den Missstand hatte im Juni sogar schon DAK-Chef Professor Dr. Herbert Rebscher hingewiesen: Produkt- und Qualitätsanforderungen seien für die einzelne Kasse nicht verhandelbar – alleine der GKV-Spitzenverband entscheide, welche Hilfsmittel in das Verzeichnis aufgenommen oder gestrichen würden, so der Kassenchef. Wie später auch der Patientenbeauftragte der Bundesregierung, Karl-Josef Laumann (CDU), forderte Rebscher den GKV-Spitzenverband auf, das Hilfsmittelverzeichnis zeitnah zu aktualisieren. Sonst bestehe die Gefahr, dass „die Versorgungsqualität nicht dem aktuellen Stand des medizinischen und technischen Fortschritts entspricht“.

Beim GKV-Spitzenverband ergibt sich bei bestehenden Produktarten selten ein Änderungsbedarf in den Qualitätsanforderungen. Die Vorgaben seien zuletzt 2007 überprüft worden – dabei habe es keine Hinweise auf Anpassungsbedarf gegeben. Dessen ungeachtet beabsichtige man, das gesamte Verzeichnis auf Aktualität hin zu überprüfen, sagt eine Sprecherin. Als Grundlage dient eine neue Prüfmethode, die es seit März 2015 gibt. „Sofern sich der technische Standard bei einzelnen Produktarten geändert hat, werden diese dann aktualisiert. Insgesamt soll die Prüfung innerhalb der nächsten zwei Jahre durchgeführt werden.“

Im Vordergrund steht die Produktqualität, doch künftig sollen der Sprecherin zufolge in allen Produktgruppen auch Anforderungen an die Dienstleistungen, die mit einer Hilfsmittelabgabe einherzugehen haben, definiert werden, die in den Verträgen der Krankenkassen zu beachten sind. „Dies ist bisher nur für einzelnen Produktgruppen erfolgt.“

Mit den Inkontinzenhilfen hat man sich in Berlin bereits befasst – ein Entwurf liegt den Fachverbänden bereits vor. Bis zum 22. Dezember können die Fachkreise zu den geplanten Änderungen Stellung nehmen, im Januar soll das Verzeichnis dann durch die GKV-Gremien verabschiedet werden.

Beobachter sehen den neuen Katalog als Schritt in die richtige Richtung. Durch die Vorgabe einer wohnortnahen Beratung und Bemusterung würden die Versorgung vor Ort gestärkt und der Versandhandel zurückgedrängt. Bereits im Sommer hatten die Grünen im Bundestag im Rahmen einer Kleinen Anfrage auf das Problem hingewiesen: Qualitativ minderwertige Hilfsmittel würden unkoordiniert und nicht termingerecht aus dem gesamten Bundesgebiet verschickt; oft fehle die Beratung. Außerdem bestehe die Gefahr, dass sich jahrelang gewachsene und erprobte, regionale Versorgungsstrukturen auflösten und es zu Leistungs-, Service- und Qualitätsverlusten für die Patienten komme.

Diskutiert werden müsse trotzdem auch über neue gesetzliche Vorgaben für die Ausschreibungen: So sollten Qualität und Preis bei den Zuschlägen gleichwertig berücksichtigt werden. Außerdem müssten die Kassen verpflichtet werden, die Einhaltung der Verträge durch ihre Lieferanten zu kontrollieren. Bislang wisse nämlich niemand, wie viele Patienten mit den Vorlagen zurecht kämen – und wie viele aus dem eigenen Portemonnaie draufzahlten.





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apotheke adhoc vom 27.11.2015
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29 Nov 2015 11:59



Inkontinenzversorgung - Das Geschäft mit den Billigwindeln




BERLIN: Die Versorgung von Kassenpatienten mit Inkontinenzprodukten bleibt ein Zankapfel. Während die Kassen finden, dass auch die Billigwindel ihren Zweck erfüllt, fühlen sich die Betroffenen um ihre Leistung betrogen. Die Markenhersteller halten sich mit Kritik zurück – weil sie auch die Discountvarianten liefern. Viele Apotheken haben den Bereich bereits abgeschrieben.

Inkontinenzprodukte auf Kassenrezept kommen in den Apotheken heute nur noch selten vor. So berichtet ein Inhaber aus Hessen: „In Akutfällen, zum Beispiel nach Prostata-OPs, sind die Billigwindeln in Ordnung.“ Für den Langzeitgebrauch hingegen sei die Qualität der Kassenwindel nicht zumutbar. Er kenne keinen einzigen Versicherten, der nicht sofort auf eine Premium-Variante umgestiegen sei. Habe ein Patient bereits eine Pflegestufe erreicht und verliere nicht nur einzelne Tropfen Urin, könnten die Produkte nicht benutzt werden. Besonders im stationären Bereich sei die Situation katastrophal.

Ihm seien auch Fälle bekannt, in denen Vertragspartner der Kassen nicht die benötigte Stückzahl an Windeln geliefert hätten. Die Versicherten müssten sich in solchen Fällen meist juristisch wehren. Eingeplant würden oft nur drei Windeln pro Tag sowie zwei Netzhosen im Monat. In Fällen von mittel bis stark ausgeprägter Inkontinenz sei das einfach zu wenig.

Als Schuldige für die Preisspirale hat der Apotheker die Hilfsmittelversender ausgemacht, die sich mit Dumping-Preisen an den Ausschreibungen beteiligten. Er vermutet, dass die Kassen durch ihre Aufsichtsbehörde zum Sparen verpflichtet sind. Seiner Meinung nach kann das Dilemma nur politisch gelöst werden; insofern freue er sich, dass das Thema inzwischen auch in Berlin wahrgenommen werde.

Ein Hilfsmittellieferant, der namentlich nicht genannt werden möchte, beurteilt die Situation anders: Die günstigen Windeln seien qualitativ in Ordnung, jedoch würden die Patienten bereits beim Arzt sehr häufig schlecht beraten. Gebe es Probleme, sei dies meist auf Anwendungsfehler zurückzuführen – nicht auf das Material.

„Man muss über auftretende Probleme sprechen und sich durchprobieren“, argumentiert eine Kundenberaterin. Vielen Anwendern sei es unangenehm anzusprechen, dass ihre Windeln verrutschten oder durchnässten. Um den Tragekomfort zu verbessern, müsse eng anliegende Unterwäsche getragen werden. „Keine Boxershorts oder irgend etwas Ausgeleiertes“, rät die Mitarbeiterin. Die Windel könne ansonsten gar nicht korrekt sitzen.

Viele Nutzer machten außerdem den Fehler, im Falle von Durchnässen zwei Einlagen übereinander zu tragen. Das funktioniere natürlich nicht: Die Schichtdicke spiele für das Aufsaugvermögen nur eine untergeordnete Rolle, da die Windeln nicht nur aus Zellstoff bestünden, sondern einen effektiven Superabsorber enthielten. Um ein optimales Produkt zu finden, verschicke man Gratisproben an die Kunden. Auf diese Weise komme jeder Anwender früher oder später zu einem passenden Produkt. Außerdem würden die Versicherten zeitnah versorgt: Die Belieferung gegen Kassenrezept erfolge innerhalb weniger Werktage.

Die Hersteller der Kassenwindeln fahren längst zweigleisig: Namhafte Unternehmen wie Paul Hartmann oder SCA (Tena) haben nicht nur Markenware im Sortiment, sondern auch Billigwindeln. Mitunter beteiligen sie sich auch selbst an den Ausschreibungen der Krankenkassen – und umgehen so die Handelsstufen.

Der Unterschied zwischen Gratis- und Premiumwindel sei gering, heißt es von beiden Unternehmen. Beide Varianten enthielten denselben Superabsorber, der den Urin in ein Gel umwandle sowie einen Geruchsstopper. Die maximal aufnehmbare Flüssigkeitsmenge sei deshalb identisch. Unterschiede gebe es lediglich beim Tragekomfort.

Mittlerweile nehmen die Kassen sogar Einfluss auf die Sortimente: SCA etwa hat eine atmungsaktive Windel auf den Markt gebracht. Nicht immer kommt das gut an: Viele Kunden seien zunächst verunsichert gewesen und hätten die neue Variante nicht akzeptieren wollen, berichtet eine Sprecherin. Je nach Kostenträger müsse jedoch die alte oder die neue Variante genutzt werden. Denn grundsätzlich entscheide die Kasse, aus welcher Serie der Kunde sich ein passendes Produkt aussuchen dürfe.

Eine der wenigen Kassen, die noch auf die Versorgung vor Ort setzt, ist die AOK Rheinland/Hamburg. Grundsätzlich sei man dazu verpflichtet, möglichst wirtschaftlich zu agieren, so ein Sprecher. Im Sinne der sach- und bedarfsgerechten Versorgung habe man sich jedoch für ein mehrstufiges Versorgungsmodell entschieden. Die AOK verpflichtet ihre Vertragspartner in den ersten drei Monaten zur Beratung und auch zur Kontrolle, ob die Versorgung die nötige Qualität erfüllt. An diese Zeit schließe sich eine maximal zwölf Monate lang andauernde Folgeversorgung an.

Der Leistungserbringer kann selbst wählen, welches Produkt er abgibt. Er erhält von der AOK dafür eine monatliche Pauschale, die sich nach dem Schweregrad der Erkrankung richtet. Bei leichter Inkontinenz werden 19,90 Euro, bei mittlerer Inkontinenz 28,52 Euro und bei schwerer Inkontinenz 41,73 Euro brutto vergütet. Über die Beträge war es vor einem Jahr zum Streit mit dem Hamburger Apothekerverein gekommen; am Ende war der Bundesverband Deutscher Apotheker (BVDA) eingesprungen.

Die AOK unterscheidet sich in ihrem Verfahren deutlich von vielen anderen Kassen. Insbesondere große Kassen wie die Barmer GEK oder die DAK setzen schon seit längerer Zeit auf Ausschreibungen. Die Gewinner verpflichten sich, Versicherte gegen eine Pauschale zu versorgen. Der Betrag, den die Kassen dafür zahlen, liegt meist bei weniger als 15 Euro pro Monat.

Laut Barmer GEK-Hilfsmittelreport lagen die GKV-Ausgaben für Inkontinenzartikel 2013 bei 464 Millionen Euro. Davon entfielen rund 350 Millionen Euro auf Windeln und Höschen. Einer Berechnung des Bundesverband Medizintechnologie (BVMed) zufolge liegen die Ausgabe für eine Windeln bei einer Pauschalzahlung durch die Kasse bei lediglich sechs Cent. Aus Kassensicht ist damit eine ausreichende Versorgung der Versicherten gewährleistet.





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amsel.de vom 23.11.2015
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24 Nov 2015 12:10



Öffentliche Toiletten für Schwerstbehinderte




STUTTGART: Vieles wäre möglich. Doch schwerst behinderte Menschen mit Multipler Sklerose kommen oft wenig raus. Und das liegt nicht zuletzt an den fehlenden stillen Örtchen. Sozialministerin Katrin Altpeter will das ändern.

Sozialministerin Katrin Altpeter setzt sich dafür ein, dass in Baden-Württemberg für Menschen mit besonders schweren Behinderungen spezielle öffentliche Toiletten eingerichtet werden. Etwa mit höhen-verstellbaren Liegen und elektrischen Personen-Liftern, um auf die besonderen Bedürfnisse eingehen zu können. Denn "Es ist entwürdigend, dass sich Menschen mit schweren Behinderungen auf dem Boden einer Toilette wickeln lassen müssen", so Katrin Altpeter.
Katrin Altpeter, Sozialministerin Baden-Württembergs, auf einer AMSEL-Veranstaltung.

So sollen zum Beispiel die Betreiber von Sportstadien, Freizeitparks, Einkaufszentren, Museen, Messen, Stadthallen, Hotels und Gaststätten, aber auch die Kommunen im Land für die Einrichtung solcher Toiletten gewonnen und bei deren Realisierung beraten werden. Und ein Webauftritt ist geplant, der landesweit über Standorte, Ausstattung und Zugangsmöglichkeiten informiert.

Für Menschen mit schweren Behinderungen

Noch gibt es in Baden-Württemberg keine so genannte "Toilette für alle". "Ein unhaltbarer Zustand, den wir im Interesse der Betroffenen und ihrer Begleitung dringend ändern müssen", sagte die Ministerin am 8. Oktober in Stuttgart. Partner des mit rund 200.000 Euro ausgestatteten Projekts des Sozialministeriums ist der Landesverband für Menschen mit Körper- und Mehrfachbehinderungen Baden-Württemberg.

Menschen mit schweren Behinderungen können oftmals weder eine allgemeine noch eine Behinderten-Toilette benutzen, weil sie Assistenz und eine Liege zum Wechseln der Windeln brauchen. Deshalb müssen sie und ihre Angehörigen und Assistenten improvisieren, etwa indem sie auf den Boden einer Rollstuhltoilette oder die Rückbank eines Autos ausweichen.

Die "Toilette für alle" für mehr Teilhabe

In einer "Toilette für alle" hingegen finden sie alles, was sie für ihre persönliche Hygiene brauchen. Der Raum soll groß genug für eine höhenverstellbare Liege und einen elektrischen Personen-Lifter sein, der die betroffenen Personen sicher vom Rollstuhl auf das WC oder die Liege hebt. Dort liegen sie bequem und hygienisch, während die Begleitperson die Inkontinenzeinlage wechselt. Wenn genügend Platz ist, können auch bereits bestehende Behinderten-Toiletten nachträglich entsprechend ausgestattet werden.

"Sich auf dem Boden einer öffentlichen Toilette wickeln lassen zu müssen, das empfinden Betroffene zu Recht als entwürdigend und unzumutbar", so Ministerin Altpeter. Die Landesregierung arbeite konstant daran, bestehende Benachteiligungen aufgrund von Behinderungen abzubauen und echte Teilhabe an der Gesellschaft zu ermöglichen. Sie sei sicher, dass das Projekt dazu beitragen wird, "die Alltagsgestaltung von Betroffenen und ihren Angehörigen und Assistenten massiv zu erleichtern. Angesichts der Umstände bleiben bislang viele Familien mit betroffenen Angehörigen lieber zuhause anstatt einen Ausflug oder einen Stadtbummel zu machen. Da fehlt ein großes Stück Lebensqualität", sagte sie.

Nicht nur für Menschen mit schwerer Multipler Sklerose

Zu den Betroffenen zählen vor allem Menschen mit angeborenen schweren und mehrfachen Behinderungen, Menschen mit Schädel-Hirn-Trauma, Menschen, die an Multipler Sklerose erkrankt sind, Menschen mit Querschnittlähmung sowie ältere Menschen, die schwer pflegebedürftig und/oder dement sind. Aber auch Menschen mit Inkontinenzbedarf profitieren davon.

Zwar gibt es weder für Deutschland noch für Baden-Württemberg eine aussagekräftige Statistik zur Zahl der Betroffenen, aber allein der Kreis der Menschen mit angeborenen schweren und mehrfachen Behinderungen geht in die Zigtausende. Angesichts der steigenden Zahl der hochbetagten Menschen kann davon ausgegangen werden, dass die Zahl der Betroffenen künftig weiter zunimmt.

Großbritannien Vorreiter der "changing places"

Europaweiter Vorreiter bei der Einrichtung von "Toiletten für alle" ist Großbritannien. Dort wurde die Kampagne "changing places" aufgelegt, die erfolgreich für "Orte zum Wechseln" wirbt und deren Standorte und Öffnungszeiten im Internet veröffentlicht werden. In Deutschland übernahm die Stiftung "Leben pur" die Kampagne 2013 und wirbt mit der Unterstützung der AKTION MENSCH für die Umsetzung von "Toiletten für alle". Inzwischen sind in Bayern vier "Toiletten für alle" eingerichtet. Als erste Kommune in Baden-Württemberg hat die Stadt Stuttgart vor kurzem angekündigt, die Einrichtung einer "Toilette für alle" zu prüfen.

Quelle: Pressemitteilung des Ministeriums für Arbeit und Sozialordnung, Familie, Frauen und Senioren, 08.10.2015
Redaktion: AMSEL e.V.





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apotheke adhoc vom 10.11.2015
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16 Nov 2015 14:10



Das Windel-Kartell der Kassen




BERLIN: Inkontinenz ist eine Volkskrankheit, mindestens vier Millionen Menschen sind deutschlandweit betroffen. Die Versorgung mit Einlagen und Windeln sei katastrophal, sagt Stefan Süß vom Selbsthilfeverband Inkontinenz. Seiner Meinung nach setzen die Kassen bewusst auf Billigstanbieter – um die kompletten Kosten auf ihre Versicherten abzuwälzen. Er sieht die Apotheken in der Pflicht, gemeinsam mit den Betroffenen zu protestieren.

80 bis 95 Prozent der Kassenpatienten zahlen laut Süß bei Inkontinenzprodukten drauf oder übernehmen die Kosten gleich komplett selbst. Mitunter werde den Betroffenen von vornherein vom Arzt geraten, sich auf eigene Rechnung mit Windeln einzudecken. Pro Monat kommen laut einer Umfrage seines Verbands 50 bis 100 Euro zusammen, die der Versicherte aus eigener Tasche zahlen muss. Die Kasse dagegen beteilige sich nur mit einem Betrag von 15 Euro, obwohl sie für die Versorgung verantwortlich sei.

Auch wenn es seit jeher Billiganbieter gebe und Markenware noch nie ohne Aufpreis zu bekommen gewesen sei: Erst mit der Einführung der Ausschreibungen vor gut fünf Jahren sei der Markt gekippt, so Süß. Anders als bei Arzneimitteln können die Kassen bei Hilfsmitteln Selektivverträge mit einzelnen Leistungserbringern schließen – mit gravierenden Folgen für die Betroffenen.

Laut Süß stellen die Kassen mit ihren Exklusivpartnern zwar in der Theorie eine kostenfreie, ausreichende Versorgung mit Windeln sicher. Die Billigware erfülle ihren Zweck oft aber nicht einmal annähernd. Für die Versicherten gebe es aber keine Alternative, denn sie könnten ihr Rezept ausschließlich beim Vertragspartner ihrer Kasse einlösen. Der Verbandsvize beschreibt die Masche der Lieferanten so: „Die wenigsten Versicherten wollen die meist zu dünnen, wenig saugaktiven Windeln haben. Die Versender spekulieren darauf, dass der Versicherte sich lieber ein Markenmodell zuschicken lässt.“

Da es für Hilfsmittel keine Preisbindung gebe, könne der Verkäufer den Preis selbst bestimmen – laut Süß liegt das Angebot für Markenware bis zu 30 Prozent über Listenpreis. „Die Kasse schießt zwar den gleichen Betrag zu, der auch für die Gratisvariante angefallen wäre. Doch für die Patienten ist der Bezug über den Partner oft sogar teurer als eine Bestellung vor Ort auf eigene Rechnung.“

„Die Versender betreiben echtes Preis-Dumping“, fasst Süß zusammen. Kein Hersteller könne einen Monatsbedarf Windeln für 15 Euro zur Verfügung stellen; das stelle man man schon fest, wenn man sich die Preise für vernünftige Produkte ansehe. „In der Pauschale, die die Versender erhalten, ist sogar noch der Preis für die Logistik enthalten, das muss man sich einmal vorstellen.“ Über die hohen Preise für die besseren Produkte könne der Kassenpreis niedrig gehalten werden.

Doch Süß sieht die Schuld auch bei den Kassen, die ja eigentlich für eine gute Versorgung verantwortlich seien: „Wenn ein Versicherter sein Rezept nicht einlöst, sondern sich die Windeln auf eigene Rechnung in der Drogerie kauft oder im Internet bestellt, ist das das Beste, was der Kasse passieren kann. Denn so wird sogar noch der Preis für die Grundversorgung eingespart.“ Er findet das Geschäftsmodell der Kassen „eine Frechheit“.

Unter den Kassen gibt es laut Süß für Versicherte mit Inkontinenz kaum noch Alternativen. Negativ stechen aus seiner Sicht DAK-Gesundheit, KKH, Barmer GEK und AOK Hessen hervor, die den Zuschlag an den billigsten Anbieter vergeben und Apotheken sowie Sanitätshäuser komplett aus dem Rennen werfen. „Versicherte dieser Kassen haben sehr oft Versorgungsprobleme“, sagt Süß. Besser sei seiner Erfahrung nach die AOK Rheinland/Hamburg, die ihren Versicherten Spielraum lasse und auch die Apotheken einbinde.

Für die meisten Kassen sei mit der Unterschrift unter den Liefervertrag die Sache beendet: Gebe es Probleme bei der Bestellung, etwa weil eine bestimmte Art Windel angeblich nicht Vertragsgegenstand sei, werde in der Regel an den Lieferanten verwiesen. Dieser sei wenig kulant und schiebe die Schuld auf die Kasse. Am Ende werde auf die Vertraulichkeit der Verträge verwiesen – ein Teufelskreis ohne echte Chance auf Entkommen.

Besonders unverschämt findet Süß, dass die Kassen sich der Situation bewusst sind und aus reinem Kalkül handeln: „Wenn ein Versicherter androht, dass er vor Gericht geht, knicken die Kassen regelmäßig ein“, erklärt er. „Sie übernehmen dann zum Beispiel die doppelte Pauschale oder einen Festbetrag – natürlich nur im Rahmen einer Einzelfallentscheidung. Zum Prozess kommt es nie. Die Kassen möchten keinen Präzedenzfall schaffen.“

Die meisten älteren Menschen nähmen die ständig steigenden Aufzahlungen sowieso hin. Nur die wenigsten Betroffenen wüssten, was ihnen eigentlich zustehe. Da die Krankenkassen ihre Verträge nicht offen legten, fehle für eine Verhandlung mit dem Versender jegliche Grundlage. Zudem sei, anders als von den Kassen behauptet, keine ausreichende oder gar zweckmäßige Versorgung gewährleistet. Süß ist sich sicher: „Hätte man so eine Situation in der Arzneimittelversorgung, gäbe das sofort einen Aufschrei.“

Die Apotheken vor Ort verlieren seit Jahren Marktanteile, da immer mehr Kassen von der Versorgung vor Ort auf den Versandhandel umstellen. Sofern Versicherte ihr Rezept dort nicht einlösen, gehen sie laut Süß lieber in die Drogerie, da diese die Produkte meist billiger anbieten. „Die meisten Betroffenen sind Rentner. Für sie ist der Preis umso wichtiger, wenn sie auf den Kosten sitzen bleiben.“

Der Selbsthilfeverband Inkontinenz kämpft gegen die aktuelle Situation, indem er immer wieder Petitionen lanciert. Vor einiger Zeit waren 16.000 Unterschriften zusammengekommen. Die Liste wurde an den Patientenbeauftragten der Bundesregierung, Karl-Josef Laumann (CDU), übergeben. Laumann hat Kassenpatienten aufgefordert, ihm Musterexemplare zu schicken, damit er das Problem vortragen kann.

In dieser Woche endet die Frist für eine neue Petition. Dass die erforderliche Zahl an Unterschriften zusammenkommt, hält Süß selbst für unwahrscheinlich: Das Quorum sei allein deshalb nicht zu erreichen, weil viele der Betroffenen alt seien und über keinen Internetanschluss verfügten. „Für mich ist das eine Form von Altersdiskriminierung.“

Für ihn sind Petitionen die letzte Chance im Kampf für die wohnortnahe Versorgung. „Sonst stellen die Kassen weiter auf die Versender um – dann wären die Apotheken endgültig raus“, argumentiert Süß. Die Apotheke als Bezugsquelle vor Ort sieht er aber nur als einen Leistungserbringern von mehreren, auf die Patienten mit Inkontinenz angewiesen seien. Denn auch die Aufklärung der Versicherten über den sachgemäßen Gebrauch von Einlagen und Windeln sei nicht gut geregelt.

„Die Anwendung von Hilfsmitteln ist wichtig und muss mit dem Kunden praktisch trainiert werden“, sagt Süß. In der Offizin sei dies nicht möglich. Viele Apotheken hätten zwar eine Beratungsecke, die jedoch für einen solch speziellen Fall nicht geeignet sei. Sein Verband fordert einen unabhängigen Freiberufler, der den Versicherten eine Beratung anbietet, die auch ganz praktische Aspekte wie das Anlegen der Windeln umfasst. „Das ist eine Leistung, die nur beim Kunden zu Hause zu leisten ist und die von den Krankenkassen bezahlt werden muss.“





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Evonik Industries vom 09.11.2015
Foren-Admin
16 Nov 2015 13:54



Evonik lizensiert neue Technologie für ultradünnes Windeldesign




ESSEN: Evonik, einer der weltweit führenden Anbieter von Superabsorbern, beabsichtigt, eine neue Saugkissentechnologie für ultradünne Windeln anzubieten. Die Superabsorberpartikel befinden sich hier in kleinen Taschen aus laminierten Vliesstoffen. Dadurch kann der Windelkern Flüssigkeit noch rascher aufnehmen und verteilen. Evonik plant, die Technologie in einem Lizenzverfahren am Markt anzubieten. Die Technologie wurde bereits in diversen Patentanmeldungen beschrieben, beispielsweise WO2012146748, Erfinder: W. Fenske et al.

- Die neue Saugkissentechnologie kommt ohne Flockenzellstoff aus und macht Windeln noch dünner
- Erhebliche Verbesserung der Absorptionsleistung
- Für Nutzer der Technologie entstehen geringere Kosten bei Rohstoffen, Transport und Verarbeitung in der Herstellung ihrer Produkte

Die neue Technologie verleiht dem Windelkern besonders hohe Stabilität. Es ist gewährleistet, dass die Superabsorberpartikel stets an der Stelle bleiben, wo sie benötigt werden. Dieses besondere Design in Verbindung mit einem verbesserten FAVOR® Superabsorber optimiert die Effizienz der Windel: Die Rücknässung wird deutlich reduziert, der Tragekomfort erheblich erhöht.

Evonik sieht großes Potenzial in der Weiterentwicklung dieser Technologie, die dem Trend zu ultradünnen, unterwäscheähnlichen Windeln folgt. Die Nutzer der Technologie profitieren zudem von verringerten Rohstoff- und Logistikkosten. Mit der neuen Saugkissentechnologie positioniert sich Evonik einmal mehr als führender Lösungsanbieter für die Hygieneindustrie.

Superabsorber sind wasserunlösliche kernvernetzte Polymere und damit der Schlüsselrohstoff moderner Hygieneartikel. Sie können bis zum 500-fachen ihres Eigengewichts an wässriger Lösung aufnehmen und aufgrund anderer Merkmale gewährleisten, dass etwa auch die Haut trocken bleibt. Superabsorber von Evonik kommen nicht nur in Babywindeln zum Einsatz. Sie finden sich ebenso in Hygieneartikeln für Frauen wie auch in Inkontinenzprodukten für Erwachsene sowie in einer breiten Palette technischer Anwendungen.

Evonik ist einer der weltweit führenden Hersteller von Superabsorbern mit Produktionsstandorten in den USA, Deutschland und Saudi-Arabien.
Über Nutrition & Care

Das Segment Nutrition & Care wird von der Evonik Nutrition & Care GmbH geführt und trägt dazu bei, Grundbedürfnisse des Menschen zu erfüllen. Dazu gehören Anwendungen in Konsumgütern des täglichen Bedarfs ebenso wie in der Tierernährung und im Bereich Gesundheit. Das Segment erwirtschaftete im Geschäftsjahr 2014 mit rund 7000 Mitarbeitern einen Umsatz von 4,2 Milliarden €.

Über Evonik

Evonik, der kreative Industriekonzern aus Deutschland, ist eines der weltweit führenden Unternehmen der Spezialchemie und in den Segmenten Nutrition & Care, Resource Efficiency und Performance Materials tätig. Dabei profitiert Evonik besonders von seiner Innovationskraft und seinen integrierten Technologieplattformen. Mehr als 33.000 Mitarbeiter erwirtschafteten im Geschäftsjahr 2014 einen Umsatz von rund 12,9 Milliarden € und ein operatives Ergebnis (bereinigtes EBITDA) von rund 1,9 Milliarden €.

Rechtlicher Hinweis

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Büro des Patientenbeauftragen der Bundesregierung
Stefan
28 Okt 2015 16:55



Der Patientenbeauftragte will es wissen - Wie gut sind die Billigwindeln




BERLIN: Ohne dass man hohe Aufzahlungen außerhalb der gesetzlichen Zuzahlung leistet gibt es bei vielen Krankenkassen keine brauchbare Inkontinenzversorgung mehr. Vielen Betroffenen und Angehörigen ist das schon lange bekannt. Nun möchte Staatssekretär Karl-Josef Laumann herausfinden, wie es bei den Ausschreibungskassen, welche man als die schlechtesten der schlechten Krankenkassen bezeichnen kann steht. Hierzu sucht er Versicherte die Ihm eine Packung der Inkontinenzhosen die sie ohne Aufzahlung bekommen zuschickt.

Welche Inkontinenzhosen werden gesucht und welcher Nutzer darf teilnehmen?

WINDELN: Je eine Originaltüte saugende Inkontinenzhosen (z.B. Silps oder Pants).
INKONTINENZSTÄRKE: Nutzer muss mittlere oder schwere Inkontinenz haben.
KOSTEN: Das Hilfsmittel muss vom Leistungserbringer ohne Mehrkosten geliefert worden sein,
TEILNEHMER: Es dürfen nur Versicherte der AOK Hessen, DAK, Barmer GEK, KKH teilnehmen.
EINSENDUNG: Bevor die Packungen auf die Reise gehen, müssen sich die Teilnehmer beim Büro, am Besten per E-Mail anmelden. Es wird zwei Anlagen und ein Paketaufkleber zugesandt.

Welche Inkontinenzhosen werden nicht gesucht und welcher Nutzer darf nicht teilnehmen?

WINDELN: Windeln die nicht in der Gruppe der Inkontinenzhosen sind.
NKONTINENZSTÄRKE: Der Nutzer hat z.B. leichte Inkontinenz.
KOSTEN: Wer für sein Hilfsmittel Mehrkosten, außer der gesetzlichen Zuzahlung bezahlt hat.
TEILNEHMER: Versicherte aller anderen Krankenkassen, außer der genannten Kassen.
EINSENDUNG: Teilnehmer die Slips ohne die ausgefüllten Anlagen und ohne den vom Büro ausgegebenen Aufkleber eingesendet haben. Diese Slips werden vor dem Test leider vernichtet.

Sollten Sie teilnehmen wollen, so melden Sie sich am Besten per E-Mail an das Büro des Patientenbeauftragen. Bitte haben Sie Verständnis, wenn die Plätze in Ihrer Region bereits vergeben sind. Für Teilnehmer die am Test teilgenommen haben gibt es eine Aufwandsentschädigung von 20 Euro.

ANMELDESCHLUSS: 30.11.2015 <- verlängert !!!
ANMELDEEMAIL: pflege-patientenrechte@bmg.bund.de








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