Botulinumtoxin A



Das potente Neurotoxin Botulinumtoxin A gehört wie das Tetanustoxin zur Gruppe der Clostridientoxine und entstammt dem anaeroben Sporenbildner Clostridium botulinum. Der Erreger der gefürchteten Lebensmittelvergiftung Botulismus setzt ein unverzweigtes Protein frei, das aus zwei durch eine Disulfidbrücke verbundenen Polypeptidketten besteht. Die schwere Kette ist für die Endozytose in die präsynaptischen Terminalen von Nervenzellen verantwortlich, während die leichte Kette nach ihrer Aufspaltung im Zytoplasma als Zinkproteaseverschiedene für die Freisetzung von Neurotransmittervesikeln notwendige Proteine hydrolysiert. Die Folge ist eine irreversible Schädigung der präsynaptischen Terminale. Langfristig (mehr als 6 Monate) kann jedoch durch Nervenaussprossung die Funktionalität des Nerven wieder hergestellt werden.

Das Botulinumtoxin A wird in der Urologie schon seit Jahren zur Therapie der Sphinkter-Detrusor-Dyssynergie eingesetzt und dabei in den Sphinkter externus injiziert, was zu einer passageren Schwächung des äußeren Schließmuskels und zur Verbesserung der Blasenentleerung führt. Erst seit kurzem werden querschnittgelähmte Patienten mit kleinkapazitärer hyperreflexiver Blase und konsekutiver Reflexinkontinenz durch multiple Injektionen von Botulinumtoxin A in den Detrusor in großkapazitäre schlaffe Blasen mit wiederhergestellter Kontinenz überführt, allerdings um den Preis, daß die Blase in regelmäßigem Abstand durch Selbstkatheterismus entleert werden muß.

Mitunter konnte das Ergebnis trotz objektiver Verbesserung der Symptomatik nicht immer befriedigen, da die präoperative Blasenkapazität zu klein war, um selbst nach einer Verdreifachung Normalwerte zu erreichen. Kleinkapazitäre Low-Compliance-Blasen wie zum Beispiel radiogene Schrumpfblasen stellen keine guten Indikationen zur Botulinumtoxin A Injektion dar. Der ideale Injektions-Kandidat weist eine urodynamisch gesicherte Detrusorinstabilität bei kleiner funktioneller und normaler anatomischer Kapazität auf.

Erste Erfahrungen mit Botulinumtoxin A Detrusorinjektionen bei nicht neurogener Blasenhyparaktivität sind sehr vielversprechend. Die zystometrische Blasenkapazität vervielfacht sich. Die Drangsymptomatik wird nachweislich reduziert, die Miktionsfrequenz sinkt signifikant. Auch ein Harnverhalt konnte bis jetzt nicht verzeichnet werden. Dabei wurde die Dosierung soweit reduziert, damit keine vollständige Lähmung der Blase entsteht und so dem Patienten den intermittierenden Katheterismus zu ersparen. Weitere Erfahrungeninsbesondere bei nicht neurogenen Fällen sind allerdings noch erforderlich. Langzeitergebnisse stehen noch aus.





Letzte Änderung am:  21 Dez 2013 13:04


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