Das Darm Management



Eine Therapiemodalität, die in Zusammenhang mit operierten Analatresien, daher mit angeborenem Fehlen der Afteröffnung, etabliert wurde, ist das sogenannte Bowel Management. Das Bowel Management kann vielleicht als "die Kunst einen effektiven Einlauf zu applizieren" umschrieben werden. Das Ziel dieses Managements ist eine vollständige Entleerung des Dickdarms 1 x innerhalb von 24 Stunden ohne Stuhlschmieren und Beschwerden zwischen diesen Entleerungen. Anders als bei der Irrigation wird hierbei der gesamte Darm mit Spülflüssigkeit gefüllt, es werden oft auch Abführmedikamente zur Spülflüssigkeit zugegeben.

Voruntersuchungen
Vor dem Bowel Management sind entsprechende Untersuchungen wie zum Beispiel den Colon-Kontrasteinlauf, Kreuzbeinaufnahme, allenfalls Bestimmung der Darmpassagezeit sowie in besonderen Fällen eine Druckmessung (Manometrie) des Enddarmes nebst der klinischen Untersuchung durchzuführen, falls dies nicht schon kürzlich erfolgte.

Erste Schritte
Die Besonderheit dieses Bowel Managements ist das initiale Abwägen der notwendigen Einlaufmenge sowie der Zusätze. Als Faustregel kann eine Einlaufmenge mit ca. 25 ml/kg Körpergewicht als physiologische Salzlösung angegeben werden. Klinisch kann der Effekt durch Anamnese, eine Rektaluntersuchung sowie durch die Palpation des Bauches überprüft werden. Als guter Effekt gelten fehlendes Stuhlschmieren, ein leeres Rektum bei der Rektaluntersuchung und das Fehlen von harten Stuhlknollen (Skybala) im linken Unterbauch.

Die Voraussetzung für ein effizientes Bowel Management ist jedoch immer eine vollständige Entleerung des gesamten Dickdarmes. Dies kann nur mittels eines Röntgenbildes (Abdomenübersichtsaufnahme) überprüft werden, welches zeigt, dass sowohl im rechten wie im linken Colon und im Quercolon keine Stuhlreste mehr vorhanden sind. Falls doch noch Stuhlreste vorhanden sind, würden diese nämlich innerhalb weniger Stunden in den Enddarm weiter befördert, was wiederum zu Stuhlschmieren und Inkontinenz führen würde.

Durchführung
Zur Einleitung dieses Bowel Managements und Abwägen der Menge und Zusätze ist in der Regel ein 1-2 wöchiger Krankenhausaufenthalt notwendig. In dieser Zeit kann meistens Art und Menge des Einlaufes, welcher die Ziele des Bowel Managements erfüllt, ermittelt werden. In der Folge sind in mittelfristigen Abständen Überprüfungen der Effizienz dieses Managements notwendig, auch wenn klinisch der Eindruck besteht, dass alles in Ordnung ist. Generell kann gesagt werden, daß bei Patienten der Effekt wahrscheinlich genügend ist, wenn sie kein Stuhlschmieren haben und keine Skybala tastbar sind. Rückfälle sind aber auch mit diesem relativ rigorosen Management möglich. Wie oben erwähnt, ist zu beachten, daß auch das Bowel Management nicht nur im Sinne einer kurzfristigen Kur oder als intermittierende Maßnahme durchgeführt werden kann, sondern wiederum als kontinuierlicher, meist eben lebenslanger Prozess angesehen werden muß. Nur nach einer vollständigen Entleerung des gesamten Darms kann der Patient relativ sicher sein, daß es in den nächsten Stunden nicht zu unvorhergesehenen Stuhlabgängen kommt. Diese Einläufe können aufsteigend, daher mittels eines rektal eingeführten Ballonkatheters, oder absteigend durch ein katheterisierbares Stoma (Mitrofanoff-Stoma), am Anfang des Dickdarms, durchgeführt werden.






Letzte Änderung am:  21 Dez 2013 13:45


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