Ursachen einer Enuresis



Es gibt viele mögliche Ursachen einer Enuresis, daher ist eine genaue Diagnostik unumgänglich.



Enuresis durch Vererbung ?
Die familiäre Häufung der Enuresis ist seit Anfang der Siebziger Jahre bekannt, sie lässt eine genetische Disposition vermuten. Inzwischen ist ein autosomal dominanter Erbgang mit einer Penetranz von über 90% bekannt, neben dem ENUR-1-Gen auf dem Chromosom 13 sind noch weitere Genloci auf Chromosom 8 und 12 beschrieben, es wird eine Heterogenität vermutet.

Statistiken zufolge beträgt die Wahrscheinlichkeit für ein Kind 43% wenn ein Elternteil betroffen war, und wenn beide Elternteile Bettnässer waren liegt die Wahrscheinlichkeit bei 77% dass bei einem Kind ebenfalls diese Störung auftritt. Dagegen liegt die Warscheinlichkeit bei nur 15%, wenn kein Elternteil betroffen war.

ADH-Plasmaspiegel
Der irische Kinderchirurg Puri hatte bereits 1980 bei Bettnässern niedrigere ADH-Spiegel im Urin nachgewiesen. Als mit ursächlich für die Enuresis wird inzwischen ein Fehlen des circadianen Rhythmus der ADH-Ausscheidung postuliert (Noorgard 1985, Rittig 1989). Der erniedrigte nächtliche ADH-Plasmaspiegel führt zu einer Polyurie mit großen niederosmolaren Harnmengen, die die funktionelle Blasenkapazität übersteigen, die Folge ist das nächtliche Einnässen.

Nächtliches Bettnässen durch gebremste Gehirnentwicklung ?
Wenn ein älteres Kind noch ins Bett macht, sind die Nervenbahnen in seinem Gehirn eventuell noch nicht genügend ausgereift. Bettnässen habe bei vielen Kindern demnach keine psychologische, sondern eine rein körperliche Ursache. Einige der kleinen Patienten sprechen auf Behandlung mit ADH jedoch nicht an. Es wird vermutet, dass bei diesen Kindern die Verbindung zwischen verschiedenen Gehirnbereichen und daher die willkürliche Blasenkontrolle im Schlaf noch nicht genügend entwickelt ist.

Die Mediziner ließen Kinder, die nachts regelmäßig einnässten und mindestens 7 Jahre alt waren, einen Test verschiedener Gehirnfunktionen absolvieren. Bei diesem Rey-Osterrieht-Test gilt es, eine Grafik zunächst abzumalen und später aus dem Gedächtnis zu rekonstruieren. Macht ein Kind dabei besonders viele Fehler, deutet dies auf eine verzögerte Gehirnentwicklung hin. Die Forscher fanden, dass ein Zusammenhang zwischen der Fehlerzahl und dem Erfolg einer Hormonbehandlung bestand. Beispielsweise machten einige Kinder Fehler, aber keines von ihnen sprach auf die Hormongabe an. Es wird vermutet, dass bei diesen Kindern die Verbindung zwischen Sehrinde, Hypothalamus und Hirnanhangsdrüse noch nicht ausgereift ist. Nach Ansicht der Mediziner könnten sich aus diesem Ergebnis neue Ansätze für Behandlung von älteren bettnässenden Kindern ergeben.

Schlafmuster
Das Schlafmuster der Enuretiker ist zwar prinzipiell vergleichbar mit dem beschwerdefreier Kinder. Jedoch sind die betroffenen ausgesprochen schwer erweckbar, es wird heute eine pathologisch erhöhte Aufwachschwelle bzw. eine verzögerte Reifung des Aufwachmechanismus postuliert. Der Reiz der gefüllten Blase reicht nicht aus, das Kind zu wecken.

ADHS und nächtliches Einnässen
Zunächst sollte einmal kurz erklärt werden, was ADHS eigentlich ist. Bei ADHS handelt es sich um eine Gehirnstoffwechselstörung, welche auf eine neurologische Ursache zurückzuführen ist. Die Neurotransmitter, das sind Botenstoffe wie Dopamin, Serotonin und Noradrenalin spielen nach wissenschaftlichen Erkenntnissen eine ausschlaggebende Rolle. Die Funktionen der genannten Neurotransmitter im Gehirn:

  • Noradrenalin ist zuständig für die Aufmerksamkeit (u.a.)
  • Serotonin ist zuständig für die Impulssteuerung (u.a.)
  • Dopamin ist zuständig für den Antrieb (u.a.)
Die Neurotransmitter haben in ihrer Komplexität auch Aufgaben, welche diese nur gemeinsam erfüllen können. Das Noradrenalin und Serotonin sind gemeinsam für Angst und Irritabilität verantwortlich, das Serotonin und Dopamin sind gemeinsam für Appetit, Sex und Aggressionen verantwortlich und das Dopamin und Noradrenalin sind gemeinsam für die Motivation verantwortlich. Die genannten drei Neurotransmitter sind in ihrer Gesamtheit zuständig für Stimmung, Emotion und Kognition. Bei ADHS ist dieses Zusammenspiel der Neurotransmitter je nach Ausprägung stärker oder weniger stark gestört. Um die daraus entstehenden Folgen und Probleme zu kompensieren, gibt es Hilfen von der medizinischen Seite und von der pädagogischen (erzieherischen) Seite.

Viele Kinder mit ADHS werden entweder sehr früh oder sehr, manchmal sehr sehr spät “trocken”, wie man so schön sagt. Diese Tatsache kommt viel häufiger vor, als das man es sich vorstellen kann. Bei ADHS müssen wir kurz einen Ausflug machen und uns eines klar machen: Bei ADHS besteht eine Reizüberflutung bei einer Reizfilterschwäche. Die Aufmerksamkeit wird also an anderer Stelle abgezogen, und anderweitig eingesetzt um mit einer bestimmten Sache fertig zu werden. Beim Menschen wird dies (oft) als erstes bei der Blasenkontrolle gemacht, weil deren Ausfall nicht Lebensgefährlich werden kann. Die Enuresis / Enkopresis ist in diesem Fall eine Sekundärerkrankung des ADHS, welche ebenfalls behandelt werden muss.

Flüssigkeitszufuhr und nächtliches Einnässen
Eine hohe abendliche Flüssigkeitszufuhr hat möglicherweise einen verstärkenden Einfluss auf das nächtliche Einnässen, mehr als 25 ml pro Kilogramm Körpergewicht haben in einer Studie enuretische Episoden hervorgerufen. Die pathogenetische Bedeutung der verminderten funktionellen Blasenkapazität wird unterschiedlich diskutiert. Eigene urodynamische Untersuchungen bei Kindern mit therapierefraktärer klinisch monosymptomatischer Enuresis nocturna konnten einen hohen Prozentsatz pathologischer funktioneller Blasenkapazität nachweisen.

Psychosoziale Ebene
Es gibt keine spezifische Assoziation mit bestimmten psychischen Auffälligkeiten. Risikofaktoren vor allem bei der sekundären Enuresis beziehen sich einerseits auf Verluste im weitesten Sinn wie zum Beispiel Trennung, Scheidung, Todesfälle, Geburt eines Geschwisters, extreme Armut, Delinquenz der Eltern, Deprivation, Vernachlässigung, mangelhafte Unterstützung bei Entwicklungsschritten, anderderseits auf einen Krankheitsgewinn durch Regression, die Ausscheidung zieht Zuwendung in Form von Versorgungshandlungen durch die Eltern nach sich. Eine weitere Erscheinung dieses Verhaltens, das überwiegend in der Pupertät beobachtet wird, sind Kinder die absichtlich in die Hose machen. Sie wollen so die Aufmerksamkeit auf sich ziehen und es macht ihnen oft noch Spass, sich auch von den Eltern "wickeln" zu lassen. Dieses Verhalten solcher Kinder wird in Fachkreisen auch als Teenbaby's bezeichnet. Mehr darüber findet ihr hier. Auch bei starkem Streß, zum Beispiel in der Schule, kann es zum Verlust bereits erlernter Fähigkeiten kommen.






Letzte Änderung am:  21 Dez 2013 14:29


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