Die ableitenden Hilfsmittel bei Harninkontinenz



Bei den ableitenden gibt es eine ganze Reihe von Produkten, nur bei den weiblichen Patienten ist es anatomisch Bedingt schwierig, ableitende Hilfsmittel zu verwenden. Hier stellt sich auch das Problem der sicheren Befestigung am Körper. Es wurden zwar immer wieder von Seiten der Industrie Versuche mit solchen Produkten gemacht, aber eine befriedigende Lösung für mobile Patienten konnte bislang nicht gefunden werden. Zu den ableitenden Hilfsmitteln zählen auch die Katheter, die es in vielen verschiedenen Ausführungen sowohl für Männer als auch für Frauen und Kinder gibt.

Kondomurinal
Das Kondomurinal wird über den Penis gerollt und mit Hilfe von Hautkleber fixiert. Dieser Hautkleber kann im Kondom selbst, als Tube, oder als Klebestreifen vorliegen. Ein richtig fixiertes Kondom hält ca. 24 Stunden und stellt eine komplikationslose Versorgung des männlichen Betroffenen dar. Ein weiterer Vorteil ist, dass die Haut nicht mit dem Urin in Berührung kommen kann, da der Urin in Beuteln gesammelt wird. Auch hat es als praktisch erwiesen, dass man ohne Probleme einfach den Beutel leeren kann und das komplette System nur einmal am Tag wechseln muss. Von dem Beutel stehen verschiedene Größen zur Verfügung, von kleinem Oberschenkelbeutel, bis hin zum Nachtbeutel. Aber dieses Produkt hat auch Nachteile. So stören bei mobilen Trägern oft der Schlauch und das Gluckern im Beutel.

Diaphragma-Urinale
Es gibt auch noch eine zweite Variante der Urinale. Diese werden mit Bändern am Körper fixiert. Der Penis wird in eine Art Sack gesteckt, der am unteren Ende einen Schlauchanschluß trägt. Daran wird dann ein Urinbeutel befestigt. Die Urinbeutel haben etwa 100ml bis 750ml Volumen und werden entweder frei hängend getragen oder mit Bänder am Oberschenkel befestigt. Da es sich bei diesen Urinalen um Mehrwegsysteme handelt, ist eine ausreichende Reinigung unbedingt erforderlich. Auch die Körperpflege ist hierbei besonders Wichtig um Hautirritationen vorzubeugen.

Das Incogyn System
Dieses Produkt sollte den weiblichen Patientinen auch die Möglichkeit eröffnen, durch die Verwendung des Systems auf die Versorgung mit saugenden Hilfsmitteln wie Vorlagen und Windeln zu verzichten. Die Idee war nicht schlecht nur konnte sich das System aufgrund verschiedener Probleme nicht durchsetzen und wurde dann auch nicht weiter entwickelt. Inzwischen wird dieses System nicht mehr produziert und ist somit auch nicht mehr im Handel erhältlich.

Die Anwendung war sehr Einfach, denn das Incogyn-System bestand aus einem Zapfen der die Form eines Trichters mit darunter liegender Schale hatte und in die Scheide eingeführt wurde. Der mit diesem Trichter eingefangene Urin wurde über einen Schlauch in den Urinbeutel am Oberschenkel geleitet. Zur Fixierung des Systems wurde eine spezielle Unterhose mitgeliefert, die für einen sicheren Halt des Zapfens sorgen sollte. Für mobile Frauen war das System durchaus eine Alternative, es konnte aber nur tagsüber verwendet werden, da in liegender Körperhaltung auf Grund der Anatomie kein sicherer Abschluß zur Scheide hin und damit eine sichere Ableitung des Urins gewährleistet werden. Wegen dieser Problematik war das System Nachts nicht zuverlässig und setzte sich auch nicht durch. Der zweite Grund warum das System sich nicht bewährte war der, daß es durch den Trichter der sich in der Scheide befand, immer wieder zu Reizungen der Schleimhaut kam und auch das Risiko einer Blasenentzündung sich erhöht hatte.

externer Urinableiter
Es gibt aber auch einen externen Urinableiter für immobile Frauen. Vom Aufbau her sind es kleine Plastiksäckchen, die direkt über den Schamlippen angeklebt werden. Da das System bei den weiblichen Patienten nicht sehr beliebt ist, wird es Heute nur selten eingesetzt. Die immobilen weiblichen Patienten greifen lieber zu saugenden Produkten.

Subrapubische Blasenfistel
Bauchdeckenkatheter (Subrapubische Blasenfistel) wird von der Bauchdecke aus über eine Punktionskanüle in die Blase geschoben. Hierzu muss allerdings der Blasenschließmuskel genügend Verschlussdruck aufweisen, um nicht trotzdem inkontinent zu sein. Der Vorteil liegt in der fehlenden Reizung der Harnröhre. Leider ist auch hier das Infektionsrisiko sehr groß und man bedenke, dass es sich hier um einen Eingriff mit Betäubung handelt und das mit allen Risiken. So sollte man zuerst den ISK ausprobieren und diese Form der Versorgung weit nach hinten stellen. Diese Form der Versorgung wird auch Heute nur mehr selten verwendet.

Dauerkatheter
Dauerkatheter ist eine Notlösung. Denn bei diesem Hilfsmittel sind die Risiken exorbitant groß, da er schon nach 72 Stunden mit Bakterien infiziert ist und es sehr oft zu Infektionen und Komplikationen kommt. So sollte immer versucht werden den ISK zu erlernen und der Dauerkatheter immer als allerletzte Möglichkeit der Versorgung angesehen werden. Darum werden Dauerkatheter nur verwendet, wenn es zum Beispiel nach Operationen notwendig ist oder bei bestimmten Erkrankungen der ableitenden Harnorgane eine Entlastung der Blase notwendig ist.

Einmalkatheter zum ISK
Der Einmalkatheter ( im Rahmen des intermittierenden Selbstkatheterismus - ISK) ist eine einfach zu lernende Art die Blase zu entleeren. Hierbei wird ein dünner Kunststoffschlauch in die Blase eingeführt und der Urin abgelassen. Es gibt viele Systeme von Einmalkathetern. Bei Manchen muss man erst in die Harnröhre Gleitmittel einspritzen, Andere müssen mit Wasser oder Kochsalzlösung aktiviert werden und die modernsten Systeme sind bereits gebrauchsfertig verpackt. Sehr wichtig sind jedoch immer die Hygiene und das korrekte Erlernen des Katheterismus. Nur können die Gefahren von Infektionen und Verletzungen nahezu ausgeschlossen werden. Dieses überaus praktische System kann auf Dauer angewendet werden. Der Patient gewinnt durch dieses System fast die Freiheiten des Kontinenten zurück und selbst für Schulkinder ist das Erlernen des ISK ein Kinderspiel. Da die Technik sehr leicht erlernt werden kann, ist der ISK inzwischen sehr weit verbreitet und ist somit außer den saugenden Hilfsmitteln die beste Lösung zur Versorgung der Inkontinenz.

Inflow-Harnröhrenturbine
In seltenen Fällen, wenn der intermittierende Selbstkatheterismus unmöglich ist, kann bei Frauen mit einem untätigen Blasenmuskel eine “Inflow-Harnröhrenturbine" versucht werden. Das in Israel entwickelte neue Harnröhrenimplantat besteht aus einem kurzen etwa 5cm langen Silikonkatheter, worin ein Innenventil und eine Flügelradpumpe integriert sind. Diese lassen sich mit einem Magnetstimulator von aussen aktivieren, so dass die Blase leergepumpt wird. Die Entfaltung der distalen Teile erlaubt eine gute Fixierung im Bereich des Blasenhalses. Die Einpflanzung und die Entfernung des Implantats sind einfach und brauchen keine speziellen Massnahmen. Es ermöglicht den betroffenen Frauen, auf einer normalen Toilette sitzend Wasser zu lösen. Rezidivierende chronische Infekte, häufige technische Störungen und fehlende Erfahrungen im Langzeitverlauf sind nicht unerhebliche Probleme, die noch gelöst werden müssen, bevor dieses Implantat systematisch eingesetzt werden kann. Leider hat diese Methode nur etwa in der Hälfte der Fälle Erfolg.

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Artikel noch unbearbeitet !




Letzte Änderung am:  24 Jan 2012 00:25


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