Das Biofeedbacktraining



Biofeedback ist ein einfaches Verfahren, um die Kontraktion des Beckenbodens optisch und arkustisch sichtbar zu machen.Somit erhält man eine Kontrolle darüber, ob auch wirklich die richtige Muskelgruppe trainiert wird. Diese Therapieform setzt wie das Beckenbodentraining selbst ein konsequentes Training voraus. Ist die Kooperation durch den Patienten nicht oder nur unzureichend gegeben, dann sind die Erfolgsaussichten nicht gerade gut.

Wann kann Biofeedback eingesetzt werden
Zum Biofeedbacktraining eignen sich fast alle Formen der Harninkontinenz. Aber das Biofeedbacktraining wird überwiegend bei der männlichen und weiblichen Belastungsinkontinenz eingesetzt. Aktivert wird die Kontraktionskraft des willkürlichen Schließmuskels, der Teil der Beckenbodenmuskulatur ist. Das Biofeedback wird in Verbindung mit einem Beckenbodentraining eingesetzt.

Durchführung des Biofeedbacktrainings
Um das Biofeedbacktraining Erfolgreich durchführen zu können, muß der Patient eine genaue fachliche Anleitung erhalten. Nach Einweisung durch den Arzt erhält der Patient ein Heimgerät, damit er das Training selbsttätig zu hause durchführen kann. hierbei sind regelmäßige Kontrollen durch den Arzt unerlässlich für den Erfolg. Diese Kontrollen sollten mindestens einmal in der Woche stattfinden. Die Durchführung des Trainings richtet sich nach den Angaben des Herstellers der Geräte. Das Grundprinzip des Trainings ist aber bei allen Herstellern solcher Geräte gleich. Zur Durchführung wird eine Sonde entweder in die Vagina oder in den After eingeführt, die über ein Kabel mit dem Meßgerät verbunden ist.Der Patient spannt nun den Beckenboden an, dabei entstehen in den Muskeln kleine elektrische Impulse, die im Gerät verstärkt werden. Diese Impulse werden im Gerät mit den vorgegebenen Werten verglichen und bei Erreichen des eingestellten Wertes zur Anzeige gebracht. Es gibt unterschiedliche Anzeigearten wie zum Beispiel eine LED-Linienanzeige, bei der mit zunehmender Muskelanspannung immer mehr LED's leuchten. Die akustische Variante der Geräte erzeugt einen Signalton bei Erreichen einer bestimmten Muskenkontaktion. Der Vorteil der Geräte liegt darin, daß der Patient eine optische oder akustische Anzeige seines Trainings erhält und somit auch leichter zum Training motivieren ist, da er ja direkt seinen Erfolg sehen und hören kann.



Die Elektrostimulation

[align=justify]Bei der Elektrostimulation wird der Schließmuskel nicht wie beim Biofeedback aktiv vom Patienten angespannt, sondern bei diesem Verfahren wird die Kontraktion des Muskels ohne Zutun des Patienten durch elektrische Stromimpulse ausgelöst. Die zugehörigen Elektroden werden mit einer Sonde in die Vagina oder in den After eingeführt. Nach einer Anlernphase können Patienten die Elektrostimulation stelbsttätig zu Hause anwenden.

Wann wird die Elektrostimulation eingesetzt
Diese Behandlungsmethode zur Kräftigung des Schließmuskels und der Beckenbodenmuskulatur ist bei Patienten sinnvoll, deren Nervenbahnen im kleinen Becken oder im unteren Rückenmark geschädigt sind, da die Muskulatur durch die elektrischen Impulse direkt angeregt wird und eine Verbesserung des Ruhedrucks des Schließmuskels erreicht wird. Es wurden damit gute Erfolge bei der Behandlung von neurologischen Störungen erziehlt.

Wirkungsmechanismus
Der Wirkungsmechanismus der Elektrostimulation bei der Behandlung von Inkontinenz ist noch nicht eindeutig geklärt. Es wird angenommen, daß durch den direkten Einfluß auf den Nn. pudendi eine Kontraktion der Beckenbodenmuskulatur hervorgerufen wird. Diese sogenannte automatische Beckenbodengymnastik führt zu einer Hypertropie der Muskulatur, einer Steigerung des Muskeltonusund zu einer Verbesserung der Kontraktionsfähigkeit des Beckenbodens. Es wird angenommen, daß die Elektrostimulation eine Normalisierung des Reflexmusters des Sphinkters bewirkt. Durch die Aktivierung des N. pudendus wird neben der Beckenbodenkontraktion und Kontraktion des externen urethralen Sphinkters auch eine rein reflektorische Hemmung des N. pelvicus im Sinne eines Pudendus-an-Pelvicus Reflexes angenommen, was zu einer Entspannung des Detrusors führt. Daher kann die Elektrostimulation bei Belastungsinkontinenz und motorischer Dranginkontinenz eingesetzt werden. Die positive Wirkung bei Belastungsinkontinenz wird erklärt durch die Verbesserung der urethralen Verschlussfunktion infolge Reinnervation des Beckenbodens, durch die Aktivitätszunahme der slow-twitch-Fasern (Haltemuskulatur) und durch Stärkung der pubourethralen und pubovesikalen Ligamente.

Durchführung der Elektrostimulation
Es gibt mehrere verschiedene Methoden bei der Durchführung einer Elektrostimulationsbehandlung. Dabei kann der Strom entweder über einen in der Blase ligenden Katheter und Klebeelektroden am Körper direkt an die Blasen gebracht werden, oder aber die Behandlung erfolgt mit Hilfe von Vaginal- oder Rektalsonden. Welche Art der Behandlung nun in Frage kommt, das Entscheidet letztlich der Arzt.

intravesikale Elektrostimulation
Bei der intravesikale Elektrostimulation wird wie bei der EMDA-Therapie der Strom direkt in die Blase übertragen. Die intravesikale Elektrostimulation bewirkt eine Aktivierung von Mechanorezeptoren in der Blase, die zu einer reflektorischen Induktion einer Detrusorkontraktion führt. Dazu wird ein Katheter eingeführt bis Harn kommt. Danach Katheter sofort mit Stöpsel abdichten. Der Harn in der Blase stellt eine Elektrode dar. Sollte sich kein Harn in der Blase befinden, so muß die Blase mit einer 0,9 %igen NaCl Lösung ca. 50 - 100 ml aufgeflutet werden. Die Gegenelektrode wird in der Oberschenkelbeuge unter dem Hoden, abdominal oder am Rücken beim Wirbel K4 angebracht. Die Anwendung wird in speziellen Zentren mehrmals pro Woche durchgführt und dauert in der Regel 90 Minuten.

Vaginal- oder Rektalsonde
Die Elektrostimulation mit Hilfe einer Vaginal- oder Rektalsonde ist vergleichsweise Einfach und kann daher leicht im häuslichen Bereich durchgeführt werden. Nach Einweisung durch den Arzt erhält der Patient ein Heimgerät, damit er das Training selbsttätig zu Hause durchführen kann. Die Anwendung der Elektrostimulation ist ähnlich wie beim Biofeedbacktraining. Zur Durchführung wird eineVaginalsonde vollständig in die Scheide eingeführt oder eine Rektalsonde in den After eingeführt, die über ein Kabel mit dem Impulsgeber verbunden ist. Der Patient braucht selbsttätig nichts zu tun, den durch die Stromimpulse, die eine Stromstärke von etwa 40mA bis 80mA haben, werden die Beckenbodenmuskeln automatisch angespannt. Dabei werden oft Frequenzen im Bereich von 20Hz bis 60Hz verwendet, die Impulsdauer liegt so bei 5 bis 10 Sekunden und die Pausen dazwischen bei etwa 20 Sekunden. Eine Behandlungssquenz liegt bei etwa 30 Minuten ein- bis zweimal täglich. Die genauen Parameter legt natürlich der Arzt fest und ist auch Abhängig von der Art der Harninkontinenz. Bei Dranginkontinenz kann meist innerhalb der ersten 2-3 Wochen ein Behandlungserfolg verzeichnet werden. Bei regelmäßiger Anwendung 2x30 Minuten pro Tag werden nach etwa 6 Monaten Erfolgsraten von fast 90% erzielt. Um eine dauerhafte Besserung zu erzielen, sollte die Stimulation auch nach beendigung der Behandlung fortgesezt werden.





Letzte Änderung am:  18 Aug 2017 09:13


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