Weitere Hilfsmittel bei Harninkontinenz



Außer den saugenden und ableitenden Hilfsmitteln stehen noch weitere Möglichkeiten zur Versorgung der Harninkontinenz zur Verfügung. Durch die Anwendung dieser Produkte ist es möglich, dem Patienten ein fast normales Leben zu ermöglichen. Es kann in gewissen Fällen auf weitere Hilfsmittel, wie zum Beispiel die Inkontinenzslips verzichtet werden.

Schutzhosen
Die Schutzhose oder auch Gummihose genannt ist eigentlich kein eigenes Hilfsmittel. Wir wollen sie aber hier trotzdem ansprechen, weil sie in Kombination mit saugenden Hilfsmitteln viel Sicherheit bringt. Wie schon gesagt, steht die Gummihose nie alleine sie wird immer mit Einlagen oder Slips getragen. Hierbei kann man zwischen Mehrweg- und Einwegprodukten entschieden werden. Einwegprodukte sind aber hier, sowohl was den Tragekomfort betrifft, als auch was den Umweltschutz betrifft, deutlich überlegen. Zusammen mit der waschbaren Gummihose bieten sie einen sehr großen Schutz vor Geruch und Auslaufen. Sie werden in verschiedenen Formen hergestellt, entweder bestehen sie komplett aus PVC, PE oder aus Baumwolle und Naturkautschuk, oder sie haben nur im kritischen Bereich einen Schutz eingearbeitet. Auch werden in vielen unterschiedlichen Farben und Schnitten angeboten.

Bindeslips
Die Bindeslips bestehen aus einer anatomisch geschnittenen PVC-Folie. Sie können in Verbindung mit Vlieseinlagen oder anderen Einlagen für leichte Inkontinenz verwendet werden. Diese Bindeslips sind in mehren Größen Lieferbar und werden entweder am Bauch oder an den Seiten durch Schleifen verknotet. Die Bindeslips haben keine Beingummis und darum wird nur durch das straffe Binden an den Beinen eine gewisse Abdichtung erzeugt. Da sie wenig Sicherheit bieten im Vergleich mit den Schutzhosen, werden sie nur für leichte Inkontinenz verwendet.

Bettauflagen
Bettauflagen bestehen meist aus Zellstoff auf der Einen und einer Folie auf der anderen Seite. Der Urin sickert in den Zellstoff ein und wird in ihm gehalten. Da ihnen meist der Superabsorber fehlt kann es zu Rücknässungen und Hautreizungen führen. Man sollte daher dieses Hilfsmittel nur als Sicherung verwenden und zum primären Schutz ein Produkt wählen, welches größeren Schutz bietet. Es gibt Bettauflagen in verschiedenen Größen und Saugstärken.

Pressare
Pressare sind ein recht neues Produkt speziell für Frauen. Es wird mit Gleitmittel in die Vagina eingeführt. Durch ziehen wird der Spreizmechanismus aktiviert. Der daraus resultierende Druck führt zu einer Hebung des Harnleiters und des Blasenwinkels und damit zu Kontinenz. Das Produkt wird nach dem Entfernen gereinigt und ist wiederverwendbar.

Scheidengewichte
Bei den Scheidengewichten handelt es sich um kleine, tamponförmige, verschieden schwere Gewichte, die in die Scheide eingeführt werden. Nach exaktem Zeitschema lernen die betroffenen Frauen, diese Gewichte durch die Anspannung der Beckenbodenmuskulatur zurückzuhalten. Im Verlauf des Trainings können immer schwerere Gewichte benutzt werden.

Harnröhren-Plugs
Harnröhren-Plugs dienen der passiven Unterstützung des Beckenbodentrainings. Sie werden von den Frauen selbst in die Harnröhre eingeführt und verbleiben dort bis zur nächsten Miktion. Zwischen den Blasenentleerungen sind die Frauen dadurch kontinent. Der positive Nebeneffekt ist, daß es durch den Plug zu einer Stimulation im Beckenbodenbereich kommt. Bei Anwendung von Harnröhren-Plugs ist die Verlaufskontrolle, insbesondere die regelmäßige bakteriologische Untersuchung des Urins durch den Arzt unerläßlich.

Für die männlichen Patienten steht nur die unterstützende Behandlung mit Biofeedback und Elektrostimulation zur Verfügung, die auch bei den weiblichen Patienten zum Einsatz kommt.

Biofeedback
Biofeedback ist ein einfaches Verfahren, um die Kontraktion des Beckenbodens optisch und akustisch sichtbar zu machen. Somit erhält man eine Kontrolle darüber, ob auch wirklich die richtige Muskelgruppe trainiert wird. Diese Therapieform setzt wie das Beckenbodentraining selbst ein konsequentes Training voraus. Zum Biofeedbacktraining eignen sich fast alle Formen der Harninkontinenz. Aber das Biofeedbacktraining wird überwiegend bei der weiblichen Belastungsinkontinenz eingesetzt. Aktivert wird die Kontraktionskraft des willkürlichen Schließmuskels, der Teil der Beckenbodenmuskulatur ist. Das Biofeedback wird in Verbindung mit einem Beckenbodentraining eingesetzt. Es stehen unterschiedliche Gerätetypen zur Verfügung, die sich aber nur im technischen Bereich unterscheiden. Alles Systeme verwenden zur Erfassung der Kontraktionskraft eine Vaginalsonde.

Bei den einfacheren Geräten wird der Druck über einen Luftschlauch pneumatisch erfasst und über ein Manometer (Zeigerintrument) angezeigt. Die elektronischen Geräte arbeiten mit einer Vaginalelektrode, die die elektrischen Impluse bei der Kontraktion des Beckenbodens aufnehmen und auf einer grafische Anzeige (Display) sichtbar machen. Beide Systeme haben in etwa die gleichen Erfolge, wobei in der ärtzlichen Praxis die elektronische Variante der Geräte bevorzugt wird, um die Meßdaten bei den Übungen für spätere Auswertungen zu speichern.

Elektrostimulation
Bei der Elektrostimulation wird der Schließmuskel nicht wie beim Biofeedback aktiv vom Patienten angespannt, sondern bei diesem Verfahren wird die Kontraktion des Muskels ohne Zutun des Patienten durch elektrische Stromimpulse ausgelöst. Die zugehörigen Elektroden werden mit einer Sonde in die Vagina oder in den After eingeführt. Nach einer Anlernphase können Patienten die Elektrostimulation stelbsttätig zu Hause anwenden. Die Elektrostimulation mit Hilfe einer Vaginal- oder Rektalsonde ist vergleichsweise Einfach und kann daher leicht im häuslichen Bereich durchgeführt werden. Nach Einweisung durch den Arzt erhält der Patient ein Heimgerät, damit er das Training selbsttätig zu Hause durchführen kann.

Die Anwendung der Elektrostimulation ist ähnlich wie beim Biofeedbacktraining. Zur Durchführung wird eineVaginalsonde vollständig in die Scheide eingeführt oder eine Rektalsonde in den After eingeführt, die über ein Kabel mit dem Impulsgeber verbunden ist. Der Patient braucht selbsttätig nichts zu tun, den durch die Stromimpulse, die eine Stromstärke von etwa 40mA bis 80mA haben, werden die Beckenbodenmuskeln automatisch angespannt. Dabei werden oft Frequenzen im Bereich von 20Hz bis 60Hz verwendet, die Impulsdauer liegt so bei 5 bis 10 Sekunden und die Pausen dazwischen bei etwa 20 Sekunden. Eine Behandlungssquenz liegt bei etwa 30 Minuten ein- bis zweimal täglich. Die genauen Parameter legt natürlich der Arzt fest und ist auch Abhängig von der Art der Harninkontinenz. Bei Dranginkontinenz kann meist innerhalb der ersten 2-3 Wochen ein Behandlungserfolg verzeichnet werden. Bei regelmäßiger Anwendung 2x30 Minuten pro Tag werden nach etwa 6 Monaten Erfolgsraten von fast 90% erzielt. Um eine dauerhafte Besserung zu erzielen, sollte die Stimulation auch nach beendigung der Behandlung fortgesetzt werden.

Seit kurzem stehen auch kombinierte Geräte zur Verfügung, die das Biofeedback und die Elektrostimulation in einem Gerät vereinen und somit noch bessere Ergebnisse erzielen lassen. Dabei wird beim Biofeedback während des Anspannens des Beckenbodens zusätzlich ein Stromimpuls vom Gerät erzeugt, wodurch sich die Beckenbodenmuskulatur noch stärker anspannen lässt. Durch diese unterstützende Maßnahme wird das Trainingsergebnis in noch kürzerer Zeit erreicht, wobei während der Übungen die Stromimpluse immer schwächer werden.

Penisbändchen
Penisbändchen ist heute etwas in Vergessenheit geraten. Dieses Hilfsmittel wird für Sie angefertigt und angepasst. Es ist ein 1,5cm breites Klettband, das durch einen kleinen Ballon einen leichten Druck auf die Harnröhre ausübt und diese dadurch verschließt. Zu beachten ist, das der Ballon langsam abgelassen wird, um "Unglücke" beim Wasserlassen zu vermeiden. Auch muss eine Erektion des Penis kritisch betrachtet werden.

Penisklemme
Penisklemme ist ganz ähnlich dem Penisbändchen. Dieses etwas Gewöhnungsbedürftige Hilfsmittel verschleißt ebenfalls durch Druck auf die Harnröhre den Ausgang. Hier wird anstelle des Ballons eine Art von Klammer verwendet. Probleme können beim Wasserlassen auftreten, da ja der Urin sofort und in voller stärke fließt. Des weiteren kann auch eine Erektion des Penis Probleme bereiten.

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Letzte Änderung am:  20 Mär 2017 20:14


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