Ein schöner Urlaub und Inkontinenz, das schließt sich nicht aus!



Kann ich mit einer Inkontinenz überhaupt noch in den Urlaub fahren?

Warum nicht?
Inkontinenz ist eine Erkrankung, die euer Leben so bestimmt wie ihr es zulasst. Klar man muss gewisse Sachen beachten und hat auch zwangsläufig etwas mehr Gepäck. Es ist aber bei weitem kein Grund, nicht in den Urlaub zu fahren und Spaß zu haben. Ihr braucht nur eine gute Vorbereitung und Planung. Die Vorbereitung beginnt beim Packen beziehungsweise der Planung des Gepäcks und des Reisetags.

Macht euch eine Liste als Gedächtnisstütze:
Bedenkt dabei wie lange ihr auf Reisen seit und wie ihr verreist. Davon hängt ab was ihr beachten solltet.

Zum Beispiel:

  • habe ich Gewichts- oder Größenbeschränkungen beim Gepäck (z.B. bei Flugreisen)
  • was muss ich alles mitnehmen und was brauche ich nicht unbedingt
  • u.s.w.

Setzt euch in Ruhe hin und denkt darüber nach. Notiert alles was euch einfällt und fangt am besten mit den Medikamenten und/oder Hilfsmittel an.

Rechnet euch aus, wie viel Hilfsmittel ihr für den Urlaub braucht:
Ihr wisst ja am besten, wie viel Hilfsmittel ihr am Tag benötigt. Rechnet das auf die geplante Urlaubszeit hoch und rechnet darauf noch einmal die Menge für 2 bis 3 Tage (ähnlich wie es auch für Medikamente empfohlen wird).
Der Hintergrund ist ganz einfach. Eure Rückreise kann sich auch einmal kurzfristig verzögern (aus gesundheitlichen Gründen, Unfall, Streik, Unwetter, …) oder ein defektes Hilfsmittel kann dabei sein. Dann wollt ihr ja nicht ohne dastehen.
Dieser Puffer ermöglicht euch gegebenenfalls in Ruhe Ersatz zu beschaffen oder sogar diesen Schritt zu vermeiden.

Legt euch alles zurecht bevor ihr es endgültig in den Koffer packt:
Legt euch alles aufs Bett, einen Tisch oder Stuhl was ihr mitnehmen wollt und müsst. So habt ihr vor Augen ob alles da ist oder noch etwas fehlt. Dadurch habt ihr auch die Gelegenheit nachzuzählen ob die erforderliche Stückzahl stimmt.

Bei Flug-, Bus- oder Zugreisen verteilt die Hilfsmittel auf mehrere Gepäckstücke:
Packt niemals eure Hilfsmittel nur in einen Koffer. Es kann immer vorkommen, dass ein Gepäckstück nicht am Urlaubsort ankommt, im Gedränge vergessen oder geklaut wird. Wenn dieser Fall eintritt habt ihr so etwas Zeit die Gepäckfrage zu klären und gegebenenfalls Ersatz zu beschaffen.
Wenn ihr nur einen Koffer habt, nehmt noch einen Rucksack dazu, wo eure Alltagssachen (Ausweis, Papiere, Medikamente, ...) und Hilfsmittel für bis zu 2 Tage reinpasst. Achtet darauf, dass der Rucksack groß genug für alle Sachen aber klein genug für das Handgepäck ist.
Wenn ihr zu Verwandte oder Bekannte fahrt, fragt doch einfach ob ihr die Hilfsmittel vorausschicken könnt. Gerade bei saugenden Hilfsmitteln, die viel Platz brauchen, ist das eine gute Option. Schickt sie eine Woche vor Reiseantritt ab und lasst euch eine kurze Info geben, dass das Paket angekommen ist. So seit ihr auf der sicheren Seite, dass die Hilfsmittel da sind wenn ihr ankommt.

Besorgt euch einen Hilfsmittelpass:
Viele Hersteller von Inkontinenz-Hilfsmitteln bieten einen sogenannten Hilfsmittelpass an. Der ist mit dem Implantate-Pass aus der Chirurgie vergleichbar. Dieser kann euch bei Reisen mit Personenkontrollen vor der ein oder anderen peinlichen Situation bewahren.

Reisen mit dem PKW:
Macht euch vor Antritt der Reise schlau, wo auf eurer Reiseroute Rasthöfe mit anständigen Toiletten sind. Dem entsprechend könnt ihr eure Pausen planen. Die meisten Rasthöfe haben auch Behindertentoiletten mit dem europäischen Schließ-System (Eurokey). Wer den Schlüssel besitzt kann da meist kostenfrei die Toilette benutzen.

Wo ihr diesen bekommt und was ihr dafür braucht findet ihr hier: svisuite/euroschluessel.php

Alle die saugende Hilfsmittel verwenden kennen das Problem: Sie laufen gern einmal aus, wenn ihr Maximum erreicht ist. Berücksichtigt bitte Staus oder Vollsperrungen. Hört regelmäßig den Verkehrsfunk und wenn etwas auf eurer Route angesagt wird, passt eure Pausen an. Auch wenn es nicht geplant ist, fahrt lieber bei der nächsten Möglichkeit an einen Rasthof und geht so auf Nummer sicher. Denkt eventuell über einen zusätzlichen Schutz für den Autositz nach. Das bewahrt euch vor bösen Überraschungen wenn ihr unverhofft im Stau steht oder die geplante Route verlassen müsst und so nicht wie geplant pausieren könnt.

Tipp: Ich verwende beispielsweise, bei Reisen, eine Inkontinenz-Sitzauflage im Auto.

Das Hotel in Kenntnis setzen:
Nun über diesen Punkt lässt sich streiten: Ich persönlich mache es.
Wenn das Hotel Bescheid weiß kann es sich auf euch einstellen und selbst Vorbereitungen treffen. So kann es sein, dass bei Bedarf bereits ein Matratzenschutz vorhanden ist und ein größerer Mülleimer im Bad steht.

Wahl der Getränke und entwässernde Medikamente am Reisetag:
Über die Wahl der Getränke kann man zum gewissen Maß die Inkontinenz beeinflussen. Vermeidet am Reisetag Getränke, die harntreibend sind. Alle Getränke mit z.B. Koffein sollten in Maßen getrunken oder besser vermieden werden.
Bei entwässernden Medikamenten fragt euren Arzt ob ihr diese etwas später am Tag (am Reiseziel) nehmen dürft.

Kurz vor der Abreise:
Geht kurz vor der Abreise noch einmal auf die Toilette und leert eure Blase. Es spielt keine Rolle ob ihr müsst oder nicht. Ihr werdet merken das meist trotzdem noch etwas kommt.

Wenn ihr diese Punkte beachtet, steht einem schönen Urlaub ohne böse Überraschungen nichts im Weg. Ihr werdet sehen, dass es keinen großen Unterschied macht ob ihr nun inkontinent seid oder nicht. Außerdem wird man von einem unbeschwerten Urlaub auf andere Gedanken gebracht und das hilft euch auch vielleicht ein klein wenig Urlaub von den ständigen Gedanken um die Inkontinenz zu machen.




Letzte Änderung am:  19 Apr 2018 12:40


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