Pin  Aktuelle Nachrichten aus Medizin, Forschung und der Hilfsmittelindustrie

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SVI - Redaktion
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30 Jan 2004 15:45



Informationen zur Neuregelung der Zuzahlung zu Hilfsmitteln




AUGSBURG: Seit 1. Januar 2004 sind einige Neuregelungen in Bezug auf die Zuzahlung bei Hilfsmitteln in Kraft getreten. Für die Patienten ergeben sich dadurch einige Änderungen, so muss jetzt auch eine Zuzahlung zu den Inkontinenzhilfsmitteln geleistet werden, diese Regelung findet sich im SGB V §33 wieder.

Da immer wieder Fragen auftreten weil die Patienten teilweise zu hohe Zuzahlungen für Inkontinenzhilfsmittel leisten müssen, haben wir einige Fragen, die immer wieder gestellt werden, hier zusammengestellt.


1. Wie setzt sich der Monatsbedarf an Hilfsmitteln, die zum Verbrauch bestimmt sind, zusammen?

Der Monatsbedarf an Hilfsmitteln eines Patienten die zum Verbrauch bestimmt sind, errechnet sich aus der Summe der gleichen oder unterschiedlichen Hilfsmittel, die in einem Monat verbraucht werden.


2. Wie viel an Zuzahlung muss der Patient denn nun tatsächlich leisten?

Laut §33 SGB V muss für jede Packung der benötigten Hilfsmittel eine Zuzahlung von 10% maximal jedoch 10,- Euro für den Monatsbedarf je Indikation (Krankheit) insgesamt geleistet werden. Hat der Patient bereits in einer anderen Apotheke schon 10,- Euro für die Hilfsmittel ausgegeben, so darf keine weitere Zuzahlung verlangt werden, wobei der Patient eine entsprechende Quittung vorlegen muss.


3. Von welchem Betrag darf eine Zuzahlung erhoben werden?

Die Zuzahlung zu den Hilfsmitteln richtet sich dabei nach den von der GKV erstatteten Kosten für die Hilfsmittel. Der Apotheker oder das Sanitätshaus darf die Zuzahlung nicht von ihrem eigentlichen Verkaufspreis erheben. Liegt der Verkaufspreis innerhalb der von der GKV erstatteten Kosten, so ist nur die Zuzahlung zu leisten.


4. Was muss der Patient bezahlen wenn er schon 10,- Euro Zuzahlung erreicht hat?

Wenn der Patient schon die maximale Zuzahlung von 10,- Euro für den Monatsbedarf je Indikation erreicht hat, dann muss er keine weiteren Zuzahlungen mehr leisten. Lediglich wenn die Hilfsmittel mehr Kosten, als die GKV erstattet, muss er die Mehrkosten dem Apotheker oder dem Sanitätshaus bezahlen. Der Patient muss dabei die entsprechenden Quittungen über die geleisteten Zuzahlungen vorlegen können. Die meisten GKV halten sogenannte Quittungshefte bereit, in denen der Apotheker oder das Sanitätshaus die geleistete Zuzahlung bestätigt, das ist immer dann Interessant, wenn der Patient die Hilfsmittel bei unterschiedlichen Leistungsbringern holt.

5. Was muss der Patient bezahlen, wenn mehrere Hilfsmittel auf dem Rezept stehen?

Wie bei einem einzelnen Hilfsmittel beträgt auch hier die maximale Zuzahlung 10,- Euro im Monat. Stehen zum Beispiel Windeln und Katheter auf dem Rezept, dann berechnet sich die Zuzahlung aus der Summe der einzelnen Zuzahlungen.


6. Der Patient hat zwei unterschiedliche Rezepte für Hilfsmittel, was muss er bezahlen?

Zunächst muss der Patient für die Rezepte 10,- Euro Praxisgebühr beim Arzt bezahlen. Bei der Zuzahlung muss er jedoch nur insgesamt maximal 10,- Euro an Zuzahlung für seinen Monatsbedarf an Hilfsmitteln leisten, wenn beide Rezepte für die gleiche Indikation sind. Sind jedoch auf dem anderen Rezept Hilfsmittel aufgeführt, die nicht zum Verbrauch bestimmt sind, so ist hierfür extra der entsprechende Betrag an Zuzahlung zu leisten.


7. Der Patient hat eine Dauerverordnung, was muss er an Zuzahlung leisten?

Bei Dauerverordnungen muss der Patient jeden Monat maximal 10,- Euro für seinen Monatsbedarf bezahlen, unabhängig davon, ob er einen Monat nichts an Hilfsmitteln geholt hat, trotzdem maximal 10,- Euro monatlich an Zuzahlung leisten.


8. Und was ist mit bestehenden Zuzahlungsbefreiungen?

Seit dem 1. Januar 2004 gelten die alten Befreiungen nicht mehr. Ab diesem Zeitpunkt werden alle zur Zuzahlung herangezogen bis die entsprechende Zuzahlungsgrenze erreicht ist, danach stellt nach Antrag die jeweilige Kasse für das Kalenderjahr eine Befreiung aus.


Wenn Sie noch weitere Fragen zu den Zuzahlungen und zu Dauerverordnungen haben, dann stehen wir ihnen gerne zu Verfügung. Sie erreichen uns unter folgender Anschrift:

Selbsthilfeverband Inkontinenz e.V.
Geschäftsstelle Augsburg
Bahnhofstraße 14
86150 Augsburg

Tel.: 0821/31983790
Fax: 0821/31983791
E-Mail: verwaltung@selbsthilfeverband-inkontinenz.org


Wer Mitglied in unserem Verein ist, der Erhält neben vierteljährlichen Zeitschrift "Handicap" auch weitere Informationen zum Thema Inkontinenz automatisch per Post. Wie jetzt z.B. die Zuzahlungs- und Chronikerregelung ganz ausführlich auf 10 Seiten.
Also es lohnt sich bei uns Für nur 20,-€ im Jahr Mitglied zu werden.

Quelle:   SVI - Redaktion




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Pressestelle des Gemeinsamen Bundesausschusses
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23 Jan 2004 14:02



Chronikerregelung und Krankentransportrichtlinien verabschiedet




SIEGBURG: Der Gemeinsame Bundesausschuss hat heute die Richtlinie zur Definition „schwerwiegende chronische Krankheiten“ und die Änderung der Krankentransport-Richtlinien beschlossen.

Damit werden die bereits am 1. und 15. Dezember 2003 von dem damals zuständigen Bundesausschuss der Ärzte und Krankenkassen beschlossenen - vom BMGS aber nicht genehmigten - Richtlinien jetzt unter Mitwirkung von Patientenvertretern weiterentwickelt und auf die neue gesetzliche Grundlage gestellt. Wären die damals auf ausdrücklichen Wunsch des BMGS im Vorgriff auf die gesetzliche Neuregelung erarbeiteten Richtlinien als Übergang zum 1. Januar 2004 akzeptiert worden, wäre ein Großteil der Verunsicherungen in der Bevölkerung, beispielsweise bei Dialysepatienten, nicht entstanden. Durch die jetzigen umfassenderen Regelungen der Fahrtkostenerstattung wird der Kreis der Begünstigten um Gehbehinderte erweitert. Die Kriterien zur Definition einer schwerwiegenden chronischen Erkrankung als Grundlage einer Herabsenkung der Belastungsgrenze der Versicherten werden deutlich weiter gefasst; damit wird ebenfalls der Kreis der Begünstigten erweitert.

„Wir sind uns der hohen Verantwortung bewusst, die der Gemeinsame Bundesausschuss mit der wesentlich erweiterten Aufgabenstellung für die Definition von Leistungen und Qualitätsanforderungen in der GKV übernommen hat. Die Übertragung der mit deutlichen Einsparerwartungen der Politik verbundenen Neuregelungen in beiden Bereichen war und bleibt aber wegen der für Fahrtkosten sehr restriktiven und für die Chronikerregelung sehr komplexen Gesetzestexte mit großen Schwierigkeiten verbunden. Wir brauchen operationalisierbare und rechtssichere Regelungen und keine neue Verwaltungsbürokratie. Untätigkeitsvorwürfe gegen den bisherigen Bundesausschuss von Seiten der Politik entbehren daher jeder Grundlage“, so Dr. Rainer Hess, Vorsitzender des Gemeinsamen Bundesausschusses heute in Bonn.

Die sogenannte Chronikerregelung, die der erst seit dem 1. Januar 2004 kraft Gesetzes eingesetzte und am 13.Januar 2004 konstituierte Gemeinsame Bundesausschuss aufgrund der politischen Vorgaben jetzt unter erheblichem Zeitdruck neu beschlossen hat, sieht vor, dass als schwerwiegend chronisch krank gilt, wer sich in ärztlicher Dauerbehandlung befindet (nachgewiesen durch einen Arztbesuch wegen derselben Krankheit pro Quartal wenigstens ein Jahr lang) und außerdem eines der folgenden Kriterien erfüllt:

- Es liegt eine Pflegebedürftigkeit der Pflegestufe 2 oder 3 nach dem zweiten Kapitel SGB XI vor.

- Es liegt ein Grad der Behinderung (GdB) von mindestens 60 % nach § 30 BVG oder eine Minderung der Erwerbsfähigkeit (MdE) von mindestens 60 % nach § 56 Abs. 2 SGB VII vor.

- Es ist eine kontinuierliche medizinische Versorgung (ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung, Arzneimitteltherapie, Versorgung mit Heil- und Hilfsmitteln) erforderlich, ohne die nach ärztlicher Einschätzung eine lebensbedrohliche Verschlimmerung der Erkrankung, eine Verminderung der Lebenserwartung oder eine dauerhafte Beeinträchtigung der Lebensqualität durch die aufgrund der Krankheit nach Satz 1 (wer sich in ärztlicher Dauerbehandlung befindet nachgewiesen durch einen Arztbesuch wegen derselben Krankheit pro Quartal wenigstens ein Jahr lang) verursachten Gesundheitsstörung zu erwarten ist.

Inhalt der Krankentransportrichtlinien ist, dass Fahrten zur ambulanten Behandlung für Versicherte verordnet und genehmigt werden, die einen Schwerbehindertenausweis mit dem Merkzeichen „aG“ (außergewöhnliche Gehbehinderung), „Bl“ (blind) oder H (hilflos) haben, oder die die Pflegestufe 2 oder 3 nachweisen können.


Weiterhin sind die Voraussetzungen für eine Verordnung und eine Genehmigung:

Der Patient leidet an einer Grunderkrankung, die eine bestimmte Therapie erfordert, die häufig und über einen längeren Zeitraum erfolgen muss. Die Behandlung oder der zu dieser Behandlung führende Krankheitsverlauf beeinträchtigen den Patienten in einer Weise, dass eine Beförderung zur Vermeidung von Schaden an Leib und Leben unerlässlich ist.

Fahrten zur ambulanten Dialyse, onkologischen Strahlentherapie oder onkologischen Chemotherapie können als Ausnahmefall weiterhin verordnet werden. Diese Liste ist nicht abschließend.

Die Krankenkassen genehmigen auf ärztliche Verordnung Fahrten zur ambulanten Behandlung von Versicherten in vergleichbaren Fällen auch ohne amtlichen Nachweis. Beide Richtlinien bedürfen auch in Zukunft einer regelmäßigen Überprüfung, um gegebenenfalls erkennbaren Fehlentwicklungen entgegenzuwirken oder veränderte Rahmenbedingen zu berücksichtigen. Die Auswirkungen beider Richtlinien werden zum 31. Dezember 2004 überprüft. Das BMGS hat während der Sitzung die Zustimmung zu beiden Richtlinienbeschlüssen angekündigt.

Quelle:   Pressestelle des Gemeinsamen Bundesausschusses


Anmerkung der Redaktion:

Nach dieser Neufassung gelten nun dauerhaft inkontinente Personen auch zu den chronisch Kranken (nachgewiesen durch einen Arztbesuch pro Quartal wenigstens ein Jahr lang), wenn durch die kontinuierliche medizinische Versorgung mit Hilfsmittel (z.B. Windeln, Katheter, Analtampons, ...) eine dauerhafte Beeinträchtigung der Lebensqualität (Teilnahme am sozialen Leben) vermieden werden kann.


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International Brazilian Journal of Urology 2003;29:502-506
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21 Jan 2004 13:31



Inkontinenzraten nach orthotopem Blasenersatz: Einfluss der Prostatektomie




SÃO PAULO - BRASILIEN: Das Risiko einer Harninkontinenz nach Zystektomie und orthotoper Neoblase wird durch vorherige chirurgische Eingriffe aufgrund einer benignen Prostatahyperplasie (BPH) – transurethrale Resektion der Prostata oder offene Prostatektomie – erhöht. Dies berichtet eine Arbeitsgruppe der Universidade Federal de Sao Paulo um Dr. Homero O. de Arruda in der neuesten Ausgabe des International Brazilian Journal of Urology.

Die Resultate der Wissenschaftler basieren auf der Untersuchung von 62 männlichen Patienten, die aufgrund eines Harnblasenkarzinoms mittels radikaler Zystektomie und orthotoper Ileum-Neoblase therapiert worden waren. Die Männer waren im Durchschnitt 61 Jahre alt und wurden median für 53 Monate nachbeobachtet.

Bei insgesamt acht Patienten (12,9 Prozent) trat eine postoperative Harninkontinenz auf, die als Bedarf von mehr als einer protektiven Einlage tagsüber definiert wurde. Von den drei untersuchten Parametern – Patientenalter, Erhaltung des Apex der Prostata während der Exzision sowie vorangegangene Eingriffe an der Prostata aufgrund von BPH – war lediglich die vorangegangene Prostata-OP signifikant mit einer höheren Harninkontinenzrate assoziiert (33 versus sieben Prozent; Odds Ratio 6,5). Mit oder ohne Erhalt des Apexs trat eine Harninkontinenz ähnlich häufig auf (zwölf versus 13 Prozent), auch das Patientenalter spielte in dieser Hinsicht der Analyse zufolge keine Rolle.

Der ungünstige Einfluss vorangegangener Eingriffe bei benigner Prostataerkrankung sollte durch den Operateur in Betracht gezogen werden, folgern die Autoren, und insbesondere bei Planung eines orthotopen Blasenersatzes mit dem Patienten erörtert werden.


International Brazilian Journal of Urology 2003;29:502-506

Quelle:   International Brazilian Journal of Urology 2003;29:502-506




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13. Jahrestagung der GIHÖ „Der inkontinente Mann“
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15 Jan 2004 10:11



Beckenbodentraining nach radikaler Prostatektomie?




ÖSTERREICH: Die Behandlung der männlichen Harninkontinenz nach radikaler Prostatektomie beinhaltet idealerweise eine Physiotherapie. Während die herkömmliche Methode auf eine Kräftigung des Beckenbodens abzielt, ist bei einem neuen Konzept die gängige Beckenbodengymnastik geradezu verboten.

Die verbesserte Frühdiagnostik des Prostatakarzinoms lässt nicht nur die Zahl der pro Jahr durchgeführten radikalen Prostatektomien ansteigen, sondern rückt damit auch die Stressinkontinenz des Mannes vermehrt in den Vordergrund. „Das Hauptproblem dabei ist die Sphinkterinsuffizienz“, erklärt Prof. Dr. Marijke van Kampen von der Universitätsklinik Leuven. Ein kräftigendes Beckenbodentraining soll dem entgegenwirken.

Dabei lernt der Patienten das unfreiwillige Abgehen von Harn zu verhindern, indem er durch eine Beckenbodenkontraktion intraabdominalen Druckspitzen entgegenwirkt, die bei Änderungen der Körperposition vom Sitzen zum Stehen oder beim Husten und Niesen auftreten. Das entspricht dem herkömmlichen Behandlungskonzept, wobei in randomisierten, kontrollierten Studien, neben dem Beckenbodentraining auch Elektrostimulation und Biofeedback geprüft wurden.

Zur Wirksamkeit der Beckenbodengymnastik liegen insgesamt 13 randomisierte, kontrollierte Studien vor, berichtet van Kampen. In 11 davon gingen die Übungen mit einem eindeutigen Benefit einher.

Die Frage, ob ein präoperativer Beginn einen zusätzlichen Benefit bringt, kann anhand der drei vorliegenden Studien derzeit nicht eindeutig beantwortet werden. Zwar zeigte sich in einer Studie ein signifikanter Benefit, in einer anderen Arbeit war ein solcher nach drei Monaten, nicht jedoch nach einem Jahr zu beobachten und in der dritten Studie brachte der präoperative Beginn des Trainings keinen zusätzlichen Vorteil.

Was Biofeedback und Elektrostimulation betrifft, blieb der Nutzen in fast allen Studien aus, so dass van Kampen von diesen Maßnahmen eher abrät. Dagegen spricht sie sich eindeutig für die Beckenbodengymnastik aus. Allerdings räumt sie ein, dass in Abhängigkeit von der Qualität der Physiotherapie deutliche Unterschiede im Behandlungserfolg bestehen können.

Männer sind anders

Ein geradezu entgegengesetztes Behandlungskonzept stellt Prof. Dr. Ulrich Otto, Chefarzt der Klinik Birkental, Bad Wildungen, vor. Seinen Ausführungen zufolge dürfe ein Beckenbodentraining wie es für die Stressinkontinenz der Frau entwickelt wurde, keinesfalls kritiklos auf Männer übertragen werden.

Otto: „Die Ursachen der Harninkontinenz beim Mann sind völlig anders als bei der Frau, weil die gesamte Anatomie, Physiologie und Pathophysiologie des Harnverschlussapparates der Geschlechter different sind.“ Beim Mann umgreift der M. sphincter vesicae den Blasenauslass elliptisch und verschließt die innere Harnröhrenmündung unabhängig von den Lamellen des M. Detrusor. Der M. sphincter urethrae externus ist eine von der umgebenden Beckenbodenmuskulatur unabhängige Struktur und von dieser durch Bindegewebe getrennt.

Darüber hinaus scheint der in der Vergangenheit beschriebene M. transversus perinei profundus nach aktuellen anatomischen Studien von Dorschner beim Mann nicht zu existieren.

Diesen Gegebenheiten folgt eine wichtiger pathophysiologischer Unterschied: die Stressinkontinenz der Frau beruht hauptsächlich auf einer Beckenbodeninsuffizienz, die des Mannes ist vorwiegend sphinkterbezogen.

Der M. sphincter urethrae externus besteht aus einem glattmuskulären Anteil, der die Harnröhre zirkulär umkreist und einem quergestreiften Anteil, der die Urethra und den Apex der Prostata hufeisenförmig ummantelt. Was die Nervenversorgung angeht, wird der glattmuskuläre Anteil wie üblich vegetativ versorgt. Der quergestreifte Anteil des externen Sphinkters wird aber nicht nur willkürlich, also vom N. pudendus, sondern teilweise auch sympathisch innerviert.

Für die Dauerkontinenz ist in erster Linie der glattmuskuläre Anteil des externen Sphinkters verantwortlich, der überwiegend aus slow-twitch-Fasern besteht. Genau dieser Muskelanteil wird bei der radikalen Prostatektomie unweigerlich irritiert. Aufgrund der Überlappung mit dem Apex der Prostata kommt es zu einer mehr oder weniger starken Traumatisierung des Sphinkters, zu einer funktionellen Verkürzung der Urethra, zu einem Ödem zwischen Blasenhals und Anastomose und zu einer Schädigung der N. pelvici. Die Folgen dieser Veränderungen sind die bekannten postoperativen Speicher- und Entleerungsstörungen der Blase.

Leicht wie ein Lidschlag

Das von Otto vorgestellte Behandlungskonzept beruht darauf, durch Aktivierung des quergestreiften Sphinkteranteils den glattmuskulären Anteil zu unterstützen und so die Dauerkontinenz zu verbessern. Dementsprechend basiert die Physiotherapie in diesem Behandlungskonzept auf drei Säulen: Die propriozeptive Differenzierung zwischen dem Musculus levator ani und dem externen Harnröhrensphinkter einerseits, der gezielten Aktivierung der slow- und fast-twitch-Fasern andererseits und dem Erkennen agonsitischer, antagonistischer und synergistischer Muskeln.

Die Differenzierung des analen und urethralen Sphinkters ist sehr schwierig und meist nur im Rahmen einer videoassistierten Zystoskopie mit optischem Biofeedback erlernbar, berichtet Otto. „Zuerst kontrahieren die Patienten immer den Musculus levator ani. Sie lernen aber rasch um und sind immer sehr erstaunt, wie wenig Kraftaufwand die Kontraktion des Harnröhrenspinkters erfordert.“

Es wird also viel mit dem Beckenboden gearbeitet, aber nicht im Sinne einer Kräftigung, sondern eher in Richtung Lockerung. Denn die Kontraktion des externen Harnröhrenmuskels ist keine Kraftübung, sie erfordert nur soviel Anstrengung wie ein Lidschlag, erklärte Otto.

Seiner Meinung nach sei die Entspannung des Beckenbodens notwendig, damit Patienten nach RPE das feine, differenzierte Spiel des Kontinenzapparates wieder erlernen. Die Physiotherapie sei aber nur ein Teil des Gesamtkonzeptes. Otto: „In Kombination mit medikamentösen Maßnahmen und der Elektrostimulationstherapie, die aber nur bei drittgradiger Inkontinenz zur Anwendung kommt, beenden 80 Prozent unserer RPE-Patienten den Rehabilitationsaufenthalt in kontinentem Zustand. Was unsere wissenschaftlichen Arbeiten betrifft, konnte in all unseren Studien innerhalb von drei bis vier Wochen hochsignifikante Besserungen erzielt werden.“


13. Jahrestagung der Medizinischen Gesellschaft für Inkontinenzhilfe Österreich „Der inkontinente Mann“, Oktober 2003, Korneuburg

Quelle:   13. Jahrestagung der GIHÖ „Der inkontinente Mann“




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SVI - Redaktion
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20 Nov 2003 13:51



1. Berliner Inkontinenztag




BERLIN: Am 15. November fand im A&O Hostel Friedrichshain in der Boxhagener Straße 73 der 1. Berliner Inkontinenztag statt, der vom Selbsthilfeverband Inkontinenz e.V. veranstaltet wurde. Im Anschluß zum GIH Kongress präsentierten wir eine eigene Veranstaltung. Zwar war die Resonanz nicht ganz so groß wie die des GIH Kongresses, aber dennoch kamen einige Besucher zu uns.

Unser Schwerpunkt lag bei dem Thema "Leben mit Inkontinenz" also der tägliche Umgang damit. Die Referenten zeigten bei ihren Vorträgen eindrucksvoll, daß schon alleine die richtige Auswahl der Hilfsmittel einen entscheidenden Beitrag dazu leisten kann, besser mit der Inkontinenz im Alltag zurecht zu kommen.


Besonders bei Stuhlinkontinenz ist es wichtig, sich eingehend beraten zu lassen, um wieder sicher am Alltagsgeschehen teilhaben zu können. Viele wissen nämlich gar nicht, welche Hilfsmittel und Möglichkeiten auch hierbei zur Verfügung stehen, wie sich im Verlaufe der Veranstaltung zeigte. So kannten zwar einige die Analtampons aber die Irrigation war den meisten Teilnehmern unbekannt.

Neben den Fachbeiträgen zu Harn- und Stuhlinkontinenz gab es auch aktuelle Informationen zur Gesundheitspolitik. Für die Betroffenen wird sich demnach schon einiges ändern, nicht zuletzt durch die kommende Zuzahlung zu den Hilfsmitteln in unserem Bereich. Eindrucksvoll schilderte Herr Süß, daß keineswegs alle Detailfragen dazu schon in der Gesetzesvorlage geregelt seien und hier noch Handlungsbedarf besteht.

Weiterhin wurde im Beitrag von Herrn Süß auch die Wichtigkeit der Selbsthilfegruppen vor Ort besonders hervorgehoben, ohne deren Hilfe die Betroffenen kaum von alleine aus ihrer Isolation kommen können. Zwar gibt es immer mehr Betroffene, die Hilfe über das Internet suchen, aber der persönliche Kontakt steht bei der Arbeit des Selbsthilfeverbandes Inkontinenz e.V. immer noch im Vordergrund. So versucht der Verein im Laufe der Zeit ein engmaschiges Netz von Selbsthilfegruppen in ganz Deutschland aufzubauen und in ihrer Arbeit zu unterstützen.

Unser Bild zeigt einen Teil der Vereinsmitglieder, die nach Berlin gekommen sind, um den GIH Kongress zu besuchen und auch um unsere Veranstaltung zu unterstützen. Bei dieser Gelegenheit fand auch gleichzeitig nach der Veranstaltung unserere Mitgliederversammlung des Selbsthilfeverband Inkontinenz e.V. statt. Dabei wurde auch über die zukünftigen Aktivitäten des Vereins und eine etwaige Zusammenarbeit mit der GIH besprochen. So zeigte sich der Vorstand durchaus offen dafür, Gespräche mit der GIH über eine Zusammenarbeit zu führen. Wie diese Zusammenarbeit nun im einzelnen aussehen könnte, darüber gab es noch keine genauen Vorstellungen.

Außer dem offiziellen Programm diente das Treffen vor allem dazu, den persönlichen Kontakt mit den Mitgliedern zu fördern, was jedem Einzelnen zugute kam. Für einen Teil der Mitglieder war es das erste Mal, sich persönlich mit anderen Betroffenen zu treffen. Nach kurzen anfänglichen "Startschwierigkeiten" war schnell die Hemmschwelle überwunden und ein reger Kontakt kam zustande.

Quelle:   SVI - Redaktion




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SVI - Redaktion
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20 Nov 2003 12:26



15. GIH Kongress in Berlin




BERLIN: Wie jedes Jahr veranstaltete auch dieses Jahr die "Gesellschaft für Inkontinenzhilfe e.V." ihren GIH-Kongress. Dieser fand dieses Mal am 14. und 15. November 2003 im Estral Convention Center in Berlin statt und stand unter dem Motto "Prävention der Inkontinenz".

Wie schon im vergangenem Jahr kamen auch dieses Jahr gut 1000 Besucher zu dieser Veranstaltung. Für Betroffene und Interessierte gab es auch Heuer wieder zahlreiche Vorträge aus allen Bereichen der Inkontinenz. Besonderes Augenmerk bei den Vorträgen wurde aber auf die Prävention, also die Vorbeugung der Inkontinenz gelegt. Auch waren wieder einige Hersteller mit ihren Ständen vertreten, um den Betroffenen, Interessieren aber auch dem Fachpublikum mit aktuellen Informationen zu versorgen. Zwar gab es keine herausragenden Neuerungen, aber dennoch stellte die eine oder andere Firma Verbesserungen ihrer Produkte vor.

Bei der GIH selbst gibt es personelle Veränderungen, so wurde Herr Prof. Dr. Klaus-Peter Jünemann zum neuen 1. Vorsitzenden der GIH gewählt. Der bisherige Amtsinhaber Herr Prof. Dr. Hansjörg Melchior stellte sich nach 16-jähriger Amtszeit nicht wieder zur Neuwahl für das Amt des 1. Vorsitzenden und geht in den verdienten Ruhestand. An dieser Stelle möchten wir vom Selbsthilfeverband Inkontinenz e.V. dem neuen 1. Vorsitzenden der GIH alles Gute und eine glückliche Hand bei der Vereinsführung für die Zukunft wünschen.

Eine weitere Änderung gab es durch die Namensänderung des Vereins in "Deutsche Kontinenzgesellschaft e.V. (GIH)" oder im englischen "German Continence Society", als Anlehnung an die "International Continence Society (ICS)".

Quelle:   SVI - Redaktion




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Ärztliche Praxis vom 02.10.03
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05 Nov 2003 12:24



TVT löst nicht jedes Inkontinenzproblem bei Frauen




SCHWERIN: Das spannungsfreie Vaginalband (TVT) bietet eine hoffnungsvolle Op.-Alternative gegen Stressinkontinenz. ÄP-Gynäkologie-Redakteurin Cornelia Weber sprach mit Prof. Dr. med. Eckhard Petri, Schwerin, über Chancen und Risiken des Eingriffs.

Herr Professor Petri, welche Patientin eignet sich für das spannungsfreie Vaginalband? Welche Voraussetzungen muss sie mitbringen?

Es gibt mehrere Kriterien, die zum Teil erwiesen sind, zum Teil fachintern diskutiert werden. Nicht zuletzt aus forensischen Gründen brauchen wir auf jeden Fall eine urodynamisch gesicherte Diagnose. Die Frau muss nachweislich unter einer Sphinkterinkompetenz leiden, eine Dranginkontinenz sollte ausgeschlossen sein. Zudem sollte man die Anatomie und die spezielle Problematik des Beckenbodens der jeweiligen Patientin kennen. Handelt es sich isoliert um einen schlaffen Verschluss, ist die Harnröhre hypoton oder hat sie kein Widerlager? Oder ist die ganze Scheide aus ihrer Verankerung gerissen - was heute bei den immer größer werdenden Säuglingen bei der vaginalen Geburt vorkommen kann.

Die vaginale Geburt stellt ja ein bedeutendes Risiko für Harninkontinenz dar. Bietet das Band hier eine therapeutische Chance?

Wenn ich um eine Scheide, die komplett aus ihrer Verankerung gerissen ist, distal ein Band lege, habe ich das Problem nicht beseitigt. Dann besteht nur das Risiko, dass die Harnröhre über dem Band weiter dezendiert und abknickt. Die möglichen Folgen sind Urgeinkontinenz, Harnverhalte, Restharn und Harnweginfekte. Das ist für mich nach wie vor die Indikation für eine Kolposuspension.

Das Vaginalband ist also doch nicht die Patentlösung?

Wenn ich allen Frauen mit Harninkontinenz ein TVT empfehlen würde, wäre das Unsinn. Ein TVT ist nicht die Lösung für alles. Die Methode ist gut bei der hypotonen Urethra oder bei einer schlechten Druckübertragung, weniger wenn eine Begleitpathologie vorliegt.

Nicht alle Bänder sind gleich

Mittlerweile sind zwölf verschiedene Bänder auf dem Markt. Gibt es überhaupt Unterschiede?

Es ist ein gewaltiger Unterschied, ob das Band gestrickt oder gewoben ist, ob es große Poren oder eine homogene Struktur aufweist. Aus patentrechtlichen Gründen stellen die Firmen ihre Bänder natürlich unterschiedlich her, um nicht gegen das Originalpatent zu verstoßen. Wenn es um die Zulassung geht, behaupten sie dann, das Band sei identisch mit den anderen und ersparen sich damit die Studien. Kollege Kölbl aus Halle und ich kritisieren, dass sich ein Hersteller über Nacht ein Band einfallen lassen kann und es am nächsten Tag implantiert. Sie können die Patientinnen dann nicht über die Risiken aufklären, weil die Erfahrung mit dem Band fehlt und die entsprechenden Daten dazu nicht vorliegen.

Was erwarten Sie von den Herstellern?

Ich erwarte, dass zu den Nachahmerprodukten randomisierte Vergleichsstudien vorgelegt werden, die zumindest über die Komplikationsrate und Kurzzeiterfolge informieren. Das lehnen einige Hersteller aber ab.

Gibt es limitierende Faktoren wie Alter oder Gewicht der Patientin?

Übergewicht ist technisch limitierend und man muss die Risiken kalkulieren. Hier habe ich meine Bedenken. Ich musste in den letzten Jahren einige stark adipöse Patientinnen ablehnen. Wobei bei diesen Frauen aufgrund der ungünstigen Druckverhältnisse häufig ein paravaginaler Abriss vorliegt. Wenn ein Leben lang Tonnen auf dem dünnen Beckenboden lasten, reißt eher die ganze Verankerung heraus, als dass isoliert die Druckübertragung schlecht ist. Ich hatte selbst eine 110 Kilo schwere Patientin, die viermal voroperiert war. Bei dieser Frau ist das Band anschließend durch die Harnröhre gewandert, weil der Druck auf das Narbengewebe zu groß war.

Erfolgsraten um 80 Prozent lassen sich kaum auf Deutschland übertragen

Welche Erfolgsraten bringt das Band?

Die Studien zur Haltbarkeit stammen ausschließlich aus Skandinavien, wo der Eingriff nur in Zentren durchgeführt wird und die Patientinnen nach sehr strengen Kriterien selektiert werden. Dort liegt die Erfolgsrate bei über 80 Prozent. Selbst bei der hypotonen Urethra bringt das TVT noch Ergebnisse um die 77 Prozent. So gut war bis jetzt keine andere Methode der Inkontinenzoperation.

Sind diese positiven Ergebnisse auch auf Deutschland übertragbar?

Daran glaube ich nicht. Bei uns wird die Methode häufig modifiziert, zudem wird zum Teil ohne korrekte Diagnose operiert. Dabei kann es zu erheblichen Komplikationen kommen, wenn beispielsweise das Band falsch gelegt wird oder wenn - entgegen der Originaltechnik - Muskulatur oder Bindegewebe des Beckenbodens mitfixiert werden. Ich habe viele Patientinnen nachoperiert und betreut, die nach so einem Eingriff Schwierigkeiten bei der Kohabitation oder beim Gehen hatten.

Welche Risiken birgt die Operation?

Mittlerweile gibt es weltweit über zehn Todesfälle. Schuld sind offenbar mangelnde Erfahrung und falsche Technik. Die Patientinnen sind an einer Sepsis gestorben oder verblutet.

Das klingt nicht sehr ermutigend ...

In erfahrenen Händen ist das spannungsfreie Band eine wunderbare Methode, wie uns die guten Daten aus Skandinavien zeigen. Wenn sich jeder Wald- und Wiesen-Operateur daran wagt, wird es allerdings gefährlich. Es gibt ein „Kochbuch“ für den Eingriff. Wenn man dagegen verstößt, entstehen lebensgefährlichen Risiken. Insgesamt ist das spannungsfreie Band eine elegante und innovative Technik, die gut ist, wenn die Selektion stimmt und wenn der Eingriff korrekt durchgeführt wird. Zur Ehrenrettung muss man sagen: Komplikationen liegen selten an der Methode, sondern an den Operateuren. Ich habe keine Zweifel an der Methode, sondern an den Operateuren.

Woran kann der überweisende Gynäkologe einen guten Operateur erkennen?

Eine Studie von Carl Gustav Nilsson aus Helsinki zeigt, dass die Anzahl der Komplikationen mit der operativen Erfahrung korreliert. Ab 40 TVT-Operationen pro Jahr lässt sich die Komplikationsrate nicht mehr wesentlich senken. Der nieder-gelassene Kollege oder die Patientin sollte deshalb unbedingt die Fallzahl des Operateurs erfragen.

Quelle:   Ärztliche Praxis vom 02.10.03




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Ärztliche Praxis vom 30.10.03
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31 Okt 2003 09:57



Ersatzschließmuskel ermöglicht wieder vollständige Kontrolle




MELBOURNE: Wissenschaftler der University of Melbourne haben ein Verfahren zur Behandlung von schwerer Inkontinenz entwickelt. Dem Team um John Furness gelang es, einen körpereigenen Muskelring zu schaffen, der in die Blase eingesetzt als Ersatzschließmuskel fungiert.

Dieser Ersatzmuskel wird durch einen ebenfalls implantierten elektrischen Stimulator kontrolliert. Dieses Verfahren soll Patienten wieder die vollständige Kontrolle über ihre Blase ermöglichen.

Die derzeit verfügbaren chirurgischen Verfahren arbeiten mit prothetischen Hilfsmitteln, die laut Furness unter anderem mit Abstoßungsreaktionen zu kämpfen haben. Die häufigste Ursache für eine Schädigung des Schließmuskels ist ein Trauma in diesem Bereich. Es kann durch Komplikationen bei einer Prostataoperation oder durch das Erreichen der Menopause verursacht werden.

Die Wissenschaftler haben die Vermarktungsrechte an ein eigens geschaffenes Unternehmen, Continence Control Systems International P/L (CCS), weitergegeben. Die notwendige Technologie wird von Cochlear Limited zur Verfügung gestellt. Erste klinische Versuche sind für 2005 geplant. Innerhalb von fünf Jahren soll ein entsprechendes Produkt zur Behandlung von Inkontinenz auf den Markt kommen.

Quelle:   Ärztliche Praxis vom 30.10.03




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Stefan
21 Okt 2003 19:26



Gesundheitsreform kommt an




Augsburg: Nun ist es soweit, die Gesundheitsreform kommt und das ist gut so. Das ist zumindest die Meinung über die Gesundheitsreform beim Selbsthilfeverband Inkontinenz e.V.. Der Verband mit der Geschäftsstelle in Augsburg vertritt die Anliegen der ca. 10 Millionen von Inkontinenz Betroffenen in Deutschland und bildet das Sprachrohr für die zahlenmäßig größte deutsche Volkskrankheit.

Was wurde nicht im Vorfeld der Gesundheitsreform für Panik geschürt. Da kam schon fast die Angst auf, ab dem 1. Januar wurde es nichts mehr für die Krankenkassenbeiträge geben und Inkontinente fingen an Hilfsmittel zu hamstern. Mit ruhigem Gewissen kann der 2. Vorsitzende des Selbsthilfeverbandes, Stefan Süß, Entwarnung geben. Nichts wird so heiß gegessen wie es gekocht wird. Ab Januar wird sich vieles in der Versorgung mit Hilfsmitteln ändern, so Süß, und dabei wird nicht Alles schlechter. Leider fällt zum 1. November die Nachtversorgungspreise in einigen Bundesländern weg, dies führt zu einer vorübergehenden Verschlechterung der Versorgung. Man hätte diese Sache auch zum 1. Januar machen sollen, so Süß, somit wäre den Leuten eine Reform vor der Reform erspart geblieben und ein großer Unsicherheitsfaktor wäre erst gar nicht entstanden. Leider waren wohl den Krankenkassen die Hände gebunden, da diese Entscheidung auf einem Urteil des Bundessozialgerichts beruht. Die meisten Krankenkassen zeigen sich kulant und man kann bereits im Oktober die benötigten Hilfsmittel für November und Dezember beim Leistungserbringer abholen. Auf jeden Fall sollte man das Gespräch mit seiner Kasse suchen, so Süß.

Ab Januar kommt dann die große Reform und was ändert sich dann bei der Versorgung mit Inkontinenzhilfsmitteln?

1. Die Krankenkasse errechtet nun den Erstattungspreis aus dem Durchschnitt des unteren Preisdrittels der Preise für ein Hilfsmittel. Hier gilt es, so Süß, Preise zu vergleichen und den günstigsten Anbieter bei der Kasse erfragen. Diese Auskunft muss die Kasse ab 1. Januar geben. Denn nur wer einen Anbieter wählt, dessen Preis nicht höher ist als der Erstattungspreis, braucht nichts zu zahlen. Sollte sich kein Anbieter finden, der ohne Zuzahlung liefert, sollte die Kasse beauftragt werden eben solchen zu finden und notfalls die höheren Kosten zu übernehmen. Hierbei gilt neu, dass auch ein Anbieter gewählt werden kann, der nicht in Wohnortnähe ist (z.B. ein Versandhandel).

2. Die monatliche Zuzahlung wird auf 10€ beschränkt, ist die Zuzahlung höher wird diese auf Antrag von der Kasse bezahlt. Ist der Betroffene von der Zuzahlung befreit, dann muss er gar nicht bezahlen. Achtung bei Zuzahlung gilt, die Kasse hat das Recht den Leistungserbringer zu wählen. Gerade hier sollten die Versicherten darauf achten, dass Ihr Rezept richtig ausgestellt ist, es müssen also Produktname, ggf. Größe, Stückanzahl, Pharmazentralnummer, Indikation (Zur Teilnahme am ...), ggf. bei Dauerverordnung die Gültigkeit ersichtlich sein.

3. Ab 1.Januar 2005 gelten im gesamten Bundesgebiet einheitliche Erstattungspreise, diese lösen die Erstattungspreise auf Landesebene ab. Dies ist ein wichtiger Schritt in Richtung Gerechtigkeit, so Süß, denn bisher waren die Erstattungspreise für ein und dasselbe Produkt recht unterschiedlich. Hierzu gehört auch der Wegfall der Nachtversorgungspreise, die es in einigen Bundesländern gab und höher waren als die einheitlichen Tag + Nachtpreise dort.

4. Das Verfahren für die Zulassung von neuen Hilfsmittel wird auf ein Jahr begrenzt. Gerade im Inkontinenzsektor waren viele neu zugelassenen Hilfsmittel bei der Markteinführung bereits total veraltet, so Süß

Quelle:   SVI - Redaktion




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Allgemeines
Augsburger Allgemeine Zeitung 17.10.2003
Foren-Admin
17 Okt 2003 13:39



Helme aus benutzten Inkontinenzprodukten




von Ursula Katharina Balken

AUGSBURG - VÖHRINGEN: Vöhringer Firma will gebrauchte Hygieneprodukte in Holland recyclen lassen

Wohin mit gebrauchten Windeln? Nach Weißenhorn zum Verbrennen oder nach Holland zum Recyceln? Aus gebrauchten Papierhygieneprodukten werden dort nämlich Rohstoffe gewonnen, aus denen Kunststoffhelme oder Schreibpapier produziert werden kann. Eine neue Technik macht’s möglich. Diese will jetzt das Vöhringer Entsorgungsunternehmen Knittel nutzen. Die Regierung von Schwaben hat die Genehmigung zum Transport der Inkontinenzabfälle erteilt. Der Landkreis hingegen meldet Bedenken an und sagt Nein.

Altenheime kennen das Problem. Die Windelberge wachsen, ihre Entsorgung ist ein nicht unbeträchtlicher Kostenfaktor. Beispiel: Im Caritas-Centrum Vöhringen fallen pro Woche rund 700 Kilogramm Windeln an, die in Säcken gesammelt und dann entsorgt werden müssen. Nach der Statistik werden aus privaten Haushalten pro Jahr und auf 1000 Einwohner gerechnet 7000 bis 8000 Kilogramm gebrauchter Windeln entsorgt. Firmenchef Werner Knittel, Vater von zwei kleinen Kindern, weiß aus Erfahrung, dass selbst in einem Privathaushalt „enorme Windelmengen“ anfallen. Für ihn ergab sich daraus die Überlegung: Welche Möglichkeiten ergeben sich zum Recyceln.

Fündig wurde er im niederländischen Arnheim. Dort gibt es ein Unternehmen, das auf Recyceln gebrauchter Papierhygieneartikel spezialisiert ist. Das Verfahren verläuft im Wesentlichen so: Die Windelsäcke werden vollautomatisch geschreddert und kommen dann in einen Pulper, eine Art Wasserbad, in dem die gebrauchten Windeln in ihre Bestandteile aufgelöst werden. Der herausgetrennte Kunststoff wird gewaschen und getrocknet, vorher grobe Verunreinigungen herausgelöst. Unter Hitzeeinwirkung wird der Kunststoff granuliert. Zu Ballen gepresst, geht das recycelte Material an Firmen zur Herstellung von Schutzhelmen und Plastikgefäßen.

Dann erfolgt die Wiedergewinnung des Zellstoffes. Nach feinem Sieben, bei dem die letzten Verschmutzungen aus dem Zellstoff entfernt werden, kommt das Material in einen Desinfektionstank. Danach wird das Wasser herausgepresst und der Zellstoff zu Ballen gebündelt. Das Wasser wird einer Kläranlage zugeleitet, die im geschlossenen Kreislauf arbeitet. Keime können nicht nach außen dringen. Die Papierindustrie ist Abnehmer des wieder gewonnenen Zellstoffes, Grundprodukt für Briefpapier und Kartonagen. In Labors wird das recycelte Material einer strengen Kontrolle unterzogen, ebenfalls das wieder gewonnene Wasser der Kläranlage.

Das Vöhringer Entsorgungsunternehmen bietet als erstes in Süddeutschland diese Verwertungsvariante Kliniken und Pflegeheimen an. Und das Interesse ist groß, vor allem bei den auf kostensenkenden Maßnahmen bedachten Alten- und Pflegeheimen, wie Firmenchef Werner Knittel wissen lässt. Friedrich Spang vom Caritas-Centrum Vöhringen würde die Offerte des mittelständischen Unternehmens, das in Vöhringen zweitgrößter Arbeitgeber ist, sofort annehmen. „Für uns wäre das für unsere Häuser in Vöhringen und Illertissen interessant, weil diese Art der Entsorgung uns eine Menge Geld sparen würde.“

Während die Regierung von Schwaben nach langen Prüfungsverfahren ihre Zustimmung zum Transport der gebrauchten Windeln erteilt hat, verweigert der Landkreis Neu-Ulm sein Einverständnis zu dieser Art der Verwertung. „Die Regierung von Schwaben hat im Rahmen der Abfallverbringungsverordnung diese Genehmigung erteilt. Der Landkreis hat aber andere Kriterien zu berücksichtigen“, sagt auf Anfrage der Werkleiter des Abfallwirtschaftsbetriebes, Günter Kunz. „Inkontinenzartikel sind nach der Gewerbeabfallverordnung gewerbliche Siedlungsabfälle und unterliegen damit der Beseitigungspflicht.“

Ob eine Verwertung stattfinden kann, entscheide aber der Produzent der Windeln - also die Pflegeheime. Allerdings bleibt diesen die Entscheidung nur dann vorbehalten, wenn er sich selbst in der Lage sieht, diese Inkontinenzartikel zu verwerten. Das heißt im Klartext: Das Heim muss über eine eigene Wiederverwertungsanlage verfügen.

Hindernisse für diese Art des Recyceln sieht Kunz zum einen unter dem hygienischen Aspekt. Außerdem gingen die Fahrten per Lkw nach Holland zu Lasten der Öko-Bilanz. Zum anderen wäre da noch ein wirtschaftlicher Gesichtspunkt: Diese nicht unbeträchtlichen Mengen würden dann der Weißenhorner Verbrennungsanlage fehlen. Ihre Kapazität wäre nicht ausgelastet. Und das, so fürchtet, Kunz, könnte letztendlich zu Lasten der Gebühren gehen.

Dieser Argumentation kann der Leiter des Vöhringer Caritas-Centrums, Spang, nicht folgen: Wenn es nur um die Kapazitätsauslastung gehe, „dann kann man sich ja eigentlich die Recyclinghöfe sparen und gleich alles verbrennen.“

Quelle:   Augsburger Allgemeine Zeitung 17.10.2003


Anmerkung der Redaktion:

Jetzt hat einmal ein Unternehmen eine brauchbare Idee, wie die Rohstoffe der gebrauchten Inkontinenzhilfsmittel sinnvoll teilweise wieder zurückgewonnen werden können und dann streiten sich die Kommunen und Behörden über Genehmigungen.

Bei etwa 8 Millionen Inkontinenten in Deutschland kommt da eine ziemliche Menge an gebrauchten Windeln zusammen. Nehmen wir nur einmal an daß jeder Inkontinente etwa 4 Windeln im Durchschnitt am Tag benötigt und diese im benutzten Zustand etwa 800g pro Stück wiegen, dann sind das im Jahr zirka 9.344.000 Tonnen. Hier sind jetzt aber jetzt noch nicht die Babywindeln mit eingerechnet. Würde man diese auch noch mit in die Rechnung einfließen lassen, dann würden die Windeln etwa 15.000.000 Tonnen im Jahr nur in Deutschland ausmachen.





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