Die Neoblase



Eine weitere operative Methode stellt die Neoblase (kontinenter Anschluss der neuen Blase an die Harnröhre) dar. Dabei bleibt der Schließmuskel und die Harnröhre erhalten und der Patient kann fast normal seinen Urin lassen. Da jedoch die neue Blase keine Muskulatur zur kontraktion besitzt, muß der Patient die Blase mittels Bauchpresse entleeren. Diese Operationsform bei Harnblasenkarzinomen ist sicherlich die eleganteste, da hier gegenüber dem Mainz-Pouch I auf Hilfsmittel verzichtet werden kann und der Patient ein weitgehend normales Leben führen kann.

Indikation
Der Blasenkrebs ohne Beteiligung der Harnröhre. Ist die Urethra (Harnröhre) mit betroffen, so muss diese mit entfernt werden und alternativ z. B. ein Pouch (Bauchnabelblase) angelegt werden. Dies wird schon im Aufklärungsgespräch thematisiert.

Das Operationsverfahren
Prostata mit Samenblasen und die Harnblase werden entfernt. Dann wird ein ca. 60 cm langer Darmabschnitt aus dem normalen Darmverlauf getrennt (unter Belassung der Gefäßversorgung). Der neue Darmabschnitt wird längs aufgeschnitten, in Schlingen nebeneinander gelegt und so vernäht, dass eine Kugel entsteht. Dadurch verliert der Darm seine natürliche Kontraktionsfähigkeit und die neu entstandene Blase fasst eine normale Urinmenge. Die Prostata wird entfernt, da sie durch die gutartige Vergrößerung zu einem Abflusshindernis der neuen Neoblase werden könnte. Die Ureteren (Harnleiter) werden antirefluxiv im oberen Abschnitt der Neoblase implantiert. Der untere Abschnitt der Neoblase wird an die Harnröhre angeschlossen. Zur Schonung der Nahtstellen werden für 14–21 Tage Katheter eingelegt. Außerdem wird die neue Blase hierüber mehrmals täglich ausgespült, da der Darm mit Schleimhaut überzogen ist und dieser Schleim den Abfluss des Urins behindern könnte. Bei Frauen ist es schwierig, die Urethra (Harnröhre) ohne Abknickung an die Neoblase anzubinden. Durch diesen Knick entstehen Miktionsstörungen und sehr häufig Restharn der unter allen Umständen zu vermeiden ist. Erwürde das Infektionsrisiko extrem ansteigen lassen. Diese Patientinnen müssen sich dann regelmäßig selbst katheterisieren. Daher gibt es bei Frauen häufiger die Bauchnabelblase.

Ohne Katheter
Nachdem die Schläuche entfernt sind, kann der Patient auf normalem Wege Wasser lassen, allerdings mittels Bauchpresse, da der natürliche Blasenmuskel fehlt. Die ersten Wochen muss der Patient die Blase nach spätestens drei Stunden (auch nachts) entleeren, da das endgültige Fassungsvolumen erst antrainiert werden muss. Auch nach dieser Trainingszeit soll man sechs Stunden nicht überschreiten. Die Blasenentleerung dauert deutlich länger als früher und geht meist im Sitzen besser.

Anfängliche Inkontinenz
Durch das Entfernen der Harnblase fehlt der innere Schließmuskel, so dass jetzt der äußere Schließmuskel allein den Urin in der Neoblase zurückhalten muss. Dazu muss dieser auftrainiert werden, was in der Regel drei Monate dauert, in Einzelfällen allerdings auch bis zu einem Jahr.

Mögliche Probleme

Strikturen (Verengungen)
Am Übergang der Neoblase zur Harnröhre können Ver-narbungen auftreten. Diese müssen durch eine kleine Operation entfernt werden (Schlitzen der Verengung durch die Harnröhre). Am Übergang Harnleiter-Neoblase kann man die Enge in der Regel durch eine Schlitzung über die Harnröhre beheben.

Vorübergehend Durchfall
Durch Einnahme einfacher Medikamente und/oder stopfender Nahrungsmittel ist für die wenigen Betroffenen (10 %) schnell eine Besserung zu erreichen.

Zu starke Schleimbildung
Die Neoblase produziert weiterhin Schleim, der in seltenen Fällen den Auslass des Urins behindern kann. Der Urologe wird die Blase ausspülen. Bei manchen Patienten kann Preiselbeersaft zur Verringerung der Schleimproduktion führen. Ausreichend trinken ist das Beste (etwa 2–3 Liter am Tag).

Unabdingbar ist der regelmäßige Besuch beim Urologen, auch wenn überhaupt keine Probleme auftreten. Er kümmert sich um die allgemeine Tumornachsorge, Ultraschall der Neoblase, Nieren und Restharnbestimmung, Blutwerte inkl. Vitamin B12 und Blutgasanalyse, Sexualaufklärung, da es zur Verletzung von Nerven kommt und es einen anschließenden Therapiebedarf für ein funktionierendes Geschlechtsleben gibt.





Letzte Änderung am:  21 Dez 2013 13:19


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