Neurostimulation



Eine sehr neue Art der Behandlung ist die Implantation einer Elektrode in den Rücken, welche die Nerven die zur Blase führen regelt. Es sollte jedoch durch eine Probestimultaion getestet werden, ob man für diese Behandlung in Frage kommt. Da sich diese Behandlung noch in der Erprobung befindet und nur bei einigen Formen der Inkontinenz sich beweisen konnte. Bei der Neurostimulation werden die Nerven im Bereich des Steißbeins mit schwachen elektrischen Impulsen stimuliert. dadurch können die Symptome der Harninkontinenz gelindert werden. Da bei diesem Operationsverfahren keine Nervenbahnen durchtrennt werden, kann die Operation jederzeit wieder rückgängig gemacht werden.

Teststimulation

Mit Hilfe des Neurostimulators können die Symptome der Inkontinenz gelindert oder gar beseitigt werden. Um die Linderung der Symptmatik bestimmen zu können, wird vor des Implantation eine Teststimulation durchgeführt. Dabei kann vom Patienten ausprobiert werden, welche Linderung seiner Beschwerden er zu erwarten hat. Eine Teststimulation dauert in der Regel etwa 3 - 7 Tage, dabei muß auch ein Miktionstagebuch geführt werden, um den Einfluß der Stimulation auf die Inkontinenz zu bestimmen. Erst jetzt kann über den Einsatz des Neurostimulators nachgedacht werden.

Vorbereitung zur Teststimulation
Eine besondere Vorbereitung zur Anlage der Stimulationselektroden ist nicht nötig. Das ganze Verfahren dauert in der Regel nicht mehr als 60 Minuten. Nachdem der Rücken freigemacht wurde und eine Bauchlage auf der Behandlungsliege eingenommen wurde, wird die Neutralelektrode am Rücken angeklebt. Anschließend wird vom Arzt eine örtliche Betäubung im Bereich des Kreuzbeins durchgeführt. Danach führt der Arzt eine Nadel in diesem Bereich ein, um eine geeignete Stelle für die Stimulation zu finden. Nun werden schwache elektrische Impulse auf die Nadel abgegeben. Manche Patienten verspüren dabei ein Ziehen oder Kribbeln ihrer Beckenbodenmuskulatur oder in der großen Zehe. Bei Frauen kann zusätzlich im Vaginalbereich und bei Männern im Hodenbereich eine Stimulation verspürt werden. Der Arzt steigert die Stärke der Stimulation solange bis eine deutliche Empfindung stattfindet. Einigen Patienten haben keine Empfindung, dann wird der Arzt eine andere Stimulationsstelle suchen. In einigen Fällen kann die Stimulationsempfindung völlig ausbleiben, dann wird der Arzt versuchen, die Reaktion des Anus oder der großen Zehe zur Bestimmung des geeigneten Stimulationsortes heranzuziehen. Beide Reaktionen werden durch die selben Nerven ausgelöst.

Ist ein geeigneter Ort gefunden, so wird im nächsten Schritt die Teststimulationselektrode an dieser Stelle über die Nadel eingeführt. Danach wird die Nadel entfernt und die dünne Elektrode mittels Klebeband an der Haut befestigt. Nun werden die Kabel der beiden Elektroden mit dem Stimulationsgerät verbunden. Zur Kontrolle der Lage der Elektrode kann eine Röntgenaufnahme angefertigt werden.

Besondere Vorsichtsmaßnahmen
Während der Teststimulation sollten körperliche Anstengungen auf ein Minimum reduziert werden. Um die Position der Elektrode nicht zu verändern, sollen keine schweren Gegenstände gehoben werden, nicht übermäßig gestreckt oder gebeugt und auch keine ruckartigen Bewegungen ausgeführt werden. Auch sollte während der Testsimulation auf sexuellen Kontakt verzichtet werden. Auch darf während der Teststimulation nicht gebadet oder geduscht werden, damit der Bereich der Elektroden nicht eingenässt wird. Treten Hautrötungen oder Schwellungen im Bereich der Elektrode auf, so muß der Arzt unverzüglich benachrichtigt werden. Zum Wasserlassen soll der Stimulator abgeschaltet werden. Auch sollte der Stimulator beim Autofahren und beim Bedienen von Maschinen ausgeschaltet werden, um sich und andere nicht zu gefährden. Diese Vorsichtsmaßnahmen gelten größtenteils nur für die Teststimulation. Nach erfolgter Teststimulation kann die Wiederholung der Teststimulation erwägt werden, oder aber andere Behandlungsmethoden in Betracht gezogen werden.


Implantation des Neurostimulators

Zuerst wird der Arzt das Verfahren der Operation erklären. Dabei wird auch der beste Ort für den Stimulator besprochen. Der Ort ist abhängig von der beruflichen Tätigkeit und des Körperbaues. Das ist wichtig um später keine Probleme im Alltag wegen des Stimulators zu haben. Der Arzt muß auch darüber informiert werden, ob ein Herzschrittmacher getragen wird, um damit eventuelle Probleme mit elektrischer Interferenz beurteilen zu können. Im schlimmsten Fall muß von einer Operation abgesehen werden.

Die Operation
Die Operation dauert in der Regel etwa 2 bis 3 Stunden und wird in Vollnarkose durchgeführt. Es werden 2 oder 3 kleine Hautschnitte durchgeführt. Den ersten Schnitt macht der Arzt über dem Sakum und plaziert die Elektrode nahe des Sakralnervs. Dann legt der Arzt einen kleinen "Tunnel" unter der Haut an, um die Elektrode vom Rücken zu einem Hautschnitt an der Seite zu führen. Danach macht der Arzt einen Hautschnitt im Unterbauch und legt eine "Tasche" im Fettgewebe an. In diese Tasche wird der Neurostimulator platziert. Sie wird an der zuvor festgelegten Stelle angelegt, damit der Stimulator bei den Körperbewegungen nicht stört. Anschließend legt der Arzt einen Tunnel unter der Haut vom Neurostimulator zum Hautschnitt auf der Seite, um den Draht vom Stimulator mit der Elektrode zu verbinden. Alle Teile des Systems liegen nun unter der Haut. Die Hautschnitte werden nun wieder zugenäht und mit einem Verband abgedeckt.

Nach der Operation
Die Patienten werden meistens bereits am nächsten Tag aus dem Krankenhaus entlassen. Die Operationsnarben können in den ersten 2 Wochen noch etwas schmerzhaft sein, insbesondere die Narbe auf dem Rücken. Dies ist jedoch normal und wird in den nächsten Tagen allmählich abklingen. Für die Schmerzen werden Medikamente verordnet. Sollten die Schmerzen länger dauern oder Hautrötungen auftreten, so ist der Arzt unverzüglich zu benachrichtigen. Eine Woche nach der Operation ist die erste Nachuntersuchung, bei der dann auch die Parameter für den Stimulator eingestellt werden. Diese Einstellung wird in gleicher Weise durchgeführt, wie bei der Teststimulation. Schon bald kann mit den normalen Aktivitäten wieder begonnen werden, wichtig ist dabei nur, daß dies langsam geschied um sich nicht zu überanstrengen. Um die optimalen Werte für den Neurostimulator zu erhalten, sollen die Nachuntersuchungstermine regelmäßig war genommen werden.

Größe des Neurostimulators
Der Neurostimulator ist etwa so Groß wie eine Stoppuhr. Da alle Teile des Stimulators unter der Haut liegen, sollte normalerweise nichts davon zu sehen sein. Nur bei einigen Patienten, die einen schlanken Körperbau haben, kann eine kleine Beule an der Haut sichtbar werden, die aber unter normaler Tageskleidung nicht sichtbar ist.

Mögliche Probleme
Wie bei allen Operationen muß auch hier mit Komplikationen gerechnet werden. Diese Probleme decken den ganzen Bereich ab und führen von Hautreizungen bis zu technischen Problemen. Die wichtigsten Probleme sind:

# Schmerzen an der Implatationsstelle des Neurostimulators
# Neue Schmerzen ausgelöst durch den Neurostimulator
# Elektrodenmigration
# Infektionen
# Transistorischer (rascher/kurzer) Elektrodenschock
# Schmerzen an der Elektrodenstelle
# Nebenwirkungen auf den Verdauungsapparat
# Störungen anderer Nervenbahnen mit Lähmungserscheinungen
# Technische Probleme mit dem Neurostimulator

Nicht alle Probleme führen wangsläufig zu einer weiteren Operation. Bei technischen Problemen überwiegen die Störungen, die mit der richtigen Einstellung der Parameter zu tun haben. In einigen Fällen muß die Elektrode neu platziert oder ausgetauscht werden. In einigen Fällen wurden Schmerzen im Bereich des Neurostimulators und der Elektrode beobachtet. Auch sind bei einigen Patinenten neue Schmerzen aufgetreten, bei denen Vermutet werden muß, daß sie im Zusammenhang mit der Stimulation stehen. In wenigen Fällen sind Infektionen und Vereiterungen der Operationsnarben beobachtet worden.

Ein weiterer Punkt der bei wenigen Patienten aufgetreten ist, sind Bewegungsstörungen und Lähmungserscheinungen der Beine. Hier muß noch in weiteren Studien abgeklärt werden, in wiefern sich die Neurostimulation auf andere Nervenbahnen auswirkt.

Da der Neurostimulator direkt die Nerven im Sakralbereich stimuliert, muß auch mit Störungen des Verdauungsapparates gerechnet werden. Besonders störend können hier Durchfall und Verstopfung sein, aber auch andere Symptome wie Unwohlsein. Aber auch andere Symptome können auftreten, wie zum Beispiel Änderungen im Menstruationszyklus, Verlust der Orgasmusfähigkeit, starke anale Empfindungen, Vaginalkrämpfe, anhaltende Hautreitzungen und Hautperforation durch den Neurostimulator. Wenn solche Symptome gehäuft auftreten und nicht zu beseitigen sind, so sollte über die Entfernung des Neurostimulators nachgedacht werden.





Letzte Änderung am:  21 Dez 2013 13:19


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