Schlingensuspensionen



Schlingensuspensionen von Blasenhals und Harnröhre gehören, insbesondere in Form der operationstechnisch aufwendigen Faszienzügelplastik, zu den Operationsverfahren bei Stressinkontinenz der Frau, welche zu den besten Langzeitergebnissen führen, wenn keine ausgeprägte Zysto-Urethrozele oder gar ein Prolaps vorliegt. Bei ausgeprägter Zysto-Urethrozele sollte eine Schlingensuspensionen stets mit einer Scheidenplastik (Kolporrhaphie) kombiniert werden.

Faszienzügelplastik
Faszienzügelplastiken haben den großen Vorteil, dass autoplastisches Gewebe verwendet wird, sei es als gestielter Faszienstreifen aus der vorderen Rectuscheide, welcher von unilateral retropubisch um Blasenhals und hintere Harnröhre gelegt und kontralateral retropubisch hochgezogen und an der Abdominalwand fixiert wird, dazu können zum Beispiel bilaterale Faszienstreifen aus den Externusaponeurosen rechts und links verwendet werden, welche man in der Technik nach Narik und Palmrich sowie Petri et al. bilateral retropubisch herunterleitet, hinter Blasenhals und Harnröhre vernäht werden, oder als freies Transplantat eines Streifens von der Fascia lata um die Harnröhre gelegt und retropubisch fixiert werden. Durch die Verwendung autoplastischen Gewebes besteht ein nur minimales Infektionsrisiko; auch ist die Vernarbung gering, so dass eine operative Revision (Urethrolyse) möglich ist; selbst die potentiell mögliche Penetration einer Faszienschlinge in die Harnröhre führt nicht zu katastrophalen Folgen, da das autoplastische Gewebe jederzeit endoskopischtransurethral reseziert werden kann und reepithelialisiert. Allerdings ist der operative Aufwand einer Faszienzügelplastik gegenüber der Verwendung konservierter organischer oder frei verfügbarer anorganischer Schlingen beträchtlich größer, da die Transplantate, seien sie gestielt oder frei, erst durch einen gesonderten Zugang gewonnen werden müssen.

Homo- und heterologe Schlingen
Homo- (lyophilisierte Dura, kryokonservierte Faszienstreifen, Kollagenschlingen) und heterologer (lyophylisierte Schweinehaut, bovine oder porcine Kollagenstreifen) Schlingen haben gegenüber den anorganischen Schlingen den Vorteil, dass sie im allgemeinen gut einheilen, nur selten die Harnröhrenwand arrodieren und dann endoskopisch abgetragen werden können, und im Langzeitverlauf mehr oder weniger resorbiert werden, so dass nur eine fibrotische Narbenplatte zurückbleibt, welche Blasenhals und Harnröhre retropubisch fixiert. Solche konservierte organische Gewebe haben auch den Vorteil, dass sie ähnlich wie alloplastische (anorganische) Schlingen auf Lager gehalten werden und somit für den operativen Einsatz jederzeit zur Verfügung stehen können. Im Gegensatz zu den Schlingen aus anorganischen Geweben ”Netze” müssen solche organischen Gewebsstreifen suprapubisch fixiert werden, da sie aufgrund ihrer glatten Oberfläche nicht primär in ihrem Bett haften, sondern bei körperlicher Belastung in der frühen postoperativen Phase ihre Lage verändern können.

Alloplastische (anorganische) Schlingen
Schlingen aus alloplastischen (anorganischen) Geweben haben auch die wesentlichen Vorteile, dass jederzeit zur Verfügung stehen, da sie auf Lager gehalten werden, dass sie individuell angepasst werden können, da sie in unterschiedlichen Größen und Formen angeboten werden, und dass sie nur einen relativ geringen operativen Aufwand erfordern. Es war das große Verdienst von Zoedler, der mit der Kreation einer Suspensionsplastik unter Verwendung eines präformierten monophilen Netzbandes aus Polyester der Forderung Rechnung getragen hat, operative Rekonstruktionen von Blasenhals und Harnröhre vornehmen zu können, unabhängig davon, welche und wie viele Voroperationen vorgenommen worden waren. Die Blasenhalssupension mittels Zoedler-Band war fast zwei Jahrzehnte ”Goldener Standart” in der Hand erfahrener Operateure, bis sich die Berichte über gravierende Spätkomplikationen häuften, die sogar den Blasenverlust mit der Notwendigkeit der Harnumleitung zur Folge hatten. Arrosion der Harnröhrenwand mit Penetration des Kunststoffnetzes in das Lumen, Infektion und Steinbildung waren neben suboptimaler Platzierung und insuffizienter Spannung des Zügelbandes, welche entweder zur Harnretention oder aber zur Inkontinenz-Persistenz führten, die wichtigsten Komplikationen. Revisions-Operationen zur Entfernung des Polyester-Netzes waren außerordentlich mühsam und gelangen in vielen Fällen nur unvollkommen oder unter Hinterlassung großer Defekte an der Harnröhre, unter Umständen sogar mit Fistelbildung.






Letzte Änderung am:  21 Dez 2013 13:16


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