Die anorektale Manometrie



Die anorektale Manometrie stellt eine gute Möglichkeit dar, die Druckverhältnisse im Rektum zu bestimmen. Diese Untersuchung ist in der Regel nicht schmerzhaft, aber sie wird vom Patienten oft als unangenehm empfunden.

Vorbereitung des Patienten:
Zur Vorbereitung der anorektalen Manometrie ist möglichst eine spontane Stuhlentleerung anzustreben, damit keine Verfälschung der Messung durch die Irrigation auftritt. Bei Stuhlimpaktion muß der Patient vor der Untersuchung ein Klistier erhalten, um seinen Darm entleeren zu können. Auf keinen Fall darf unmittelbar vor der Messung eine Proktoskopie oder Rektoskopie durchgeführt werden. Eine Sedierung ist nicht erforderlich und sollte vermieden werden.

Durchführung der Untersuchung

Der Patient wird zur Messung in eine bequeme Links- oder Rechtsseitenlage gebracht. Nach Einführen des Meßkatheters, der nicht mit Lokalanästhetika-Gel gleitfähig gemacht werden darf, erfolgt nach einer kurzen Äquilibrationszeit von mindestens 2 Minuten die Messung. Es folgen mehrere Untersuchungsschritte, die im folgenden einzeln aufgeführt werden.

Bestimmung des Sphinkter-Ruhedrucks:
Hierzu werden 3 Durchzüge aller radiär angeordneten Druckaufnehmer durch die Hochdruckzone vorgenommen, wobei der Katheter in Stufen von 0,5 bis 1 cm (je nach Katheter) zurückgezogen wird, bis jeweils ein Druck-Plateau erreicht ist, d.h. mögliche Willkürkontraktionen im Sphinkter durch den Patienten abgeklungen sind.

Messung des maximalen Willkürdrucks im Analsphinkter:
Der Katheter wird insgesamt dreimal jeweils 120 Grad radiär versetzt so positioniert, daß immer möglichst viele Aufzeichnungspunkte in der Hochdruckzone liegen. Der Patient wird dann aufgefordert, für 10 Sekunden maximal den Sphinkter anzuspannen (kneifen).

Untersuchung des anorektalen Inhibitionsreflexes:
Der Katheter wird so eingelegt, daß möglichst viele Aufzeichnungspunkte in der Hochdruckzone liegen. Anschließend wird unter rascher Rektumdehnung durch Füllung des Rektumballons auf die reproduzierbare Auslösbarkeit des Reflexes (Absinken des Sphinkterruhedrucks um mindestens 50% des Ausgangswert) geachtet.

Hustentest:
Dieser Test wird nur Prüfung einer Stressinkontinenz ist nur optional durchgeführt. Hierzu sollen erneut möglichst viele Aufzeichnungspunkte in der Hochdruckzone liegen. Unter Aufzeichnung des Rektumdrucks (über Katheter oder Luft-gefülltem Ballon) wird der Patient mehrmals aufgefordert, kräftig zu husten. Verglichen wrid der intrarektale Spitzendruck (gemessen im Ballon) im Vergleich zu dem Maximaldruck im Sphinkterbereich.

Defäkationstest:
Dieser Test dient der Untersuchung des normalen Defäkationsverhaltens. Unter Festhalten des Katheters in der Hochdruckzone wird der Patient aufgefordert wie beim Stuhlgang zu pressen. Kommt es dabei zu einem Anstieg des Sphinkterdrucks besteht zunächst der Verdacht auf eine paradoxe Sphinkterkontraktion. Dann muß der Test mit einem gefüllten Rektumballon, bis ein Stuhldrang-Empfinden gemeldet wird, wiederholt werden. Weitere positive Untersuchungsergebnisse zum Beispiel im EMG oder in der Defäkographie sind für diese Diagnose notwendig. Kommt es aber zu einem regelhaften Abfall des Sphinkterdrucks beim Pressen, ist ein Anismus auszuschließen.

Bestimmung der sensorischen Schwellen:
Dazu wird der Ballon im Rektum mindestens 3 cm (bei Kindern 2 cm) oberhalb des Analkanals positioniert. Gleichzeitig erfolgt die Druckmessung im Ballon. Es erfolgen dann phasische Dehnungen durch schnelle Ballonfüllung (ca. 50ml/Sek.). Im Ballonvolumenbereich von 10-100ml betragen die Voumenschritte 10 ml, darüber bis zur Auslöung von Stuhldrang 20 ml. Wichtig ist, dazwischen den Ballon vollständig zu entleeren. Nach der ersten Perzeption sollte auch zunächst eine erneute Reduktion des Ballonvolumens erfolgen, um die Reproduzierbarkeit der Perzeptionsschwelle zu überprüfen. Nach Erreichen der Stuhldrangschwelle kann auch ohne Ballonentleerung eine stufenweise Dehnung in 20 ml-Schritten bis zur Schmerzschwelle erfolgen. Es ist dabei wichtig zu wissen, daß die sensorischen Schwellen sehr von der Geschwindigkeit der Rektumdehnung, d.h. der Ballonfüllung abhängen. Daher sollte auf eine möglichst standardisierte rasche Ballonfüllung geachtet werden. Die Ermittlung der sensorischen Schwellen mit dem Barostat ist der heutige Standard, kann aber in der Praxis durch die manuelle Ballonfüllung im Rahmen der anorektalen Manometrie ersetzt werden.

Vektormanometrie:
Die Vektormanometrie beinhaltet eine dreidimensionale Darstellung des Druckprofils in der Hochdruckzone, welche sich durch den gleichmäßigen Durchzug eines mehrkanaligen Meßkatheters mit radiär angeordneten Meßpunkten ergibt. Diese Methode, die durch die graphische Darstellung sehr anschaulich Asymmetrien im Sphinkter-Druckprofil aufzeigen kann, hat ihre klinische Bedeutung noch nicht eindeutig bewiesen. Daher ist sie nur als zusätzliche Untersuchungsoption anzusprechen, die nicht generell jedem Untersucher nahegelegt werden muß. Notwendig sind hierzu Katheter mit einer radiären Anordnung der Meßpunkte auf gleicher Höhe. Ein maschineller Zug ist eindeutig zu bevorzugen (5mm/s für den Ruhedruck, 10mm/s für den Kneifdruck).







Letzte Änderung am:  21 Dez 2013 13:35


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