operative Behandlung der Stuhlinkontinenz



Es gibt eine ganze Anzahl operativer Methoden. Bei einem Sphinkterdefekt ist eine Rekonstruktion möglich, bei Rektumprolaps die transabdominale Rektopexie oder perineale Verfahren. Ist der Sphinkter schwach, aber zirkulär intakt, kommt eine Raffung in Frage. Manche dieser Operationen führen nicht zu einer Dauerheilung, wohl aber zur Besserung meist für einige Jahre. Alle Eingriffe in der Region des Kontinenzorgans sind kaum belastend und somit auch für ältere Patienten noch durchführbar.

Die operative Therapie der Stuhlinkontinenz sollte nicht zu früh als die letzte Möglichkeit einer Behandlung angesehen werden, denn in vielen Fällen führt eine Ergänzung der verschiedenen konservativen Behandlungsarten bereits zu einem ausreichenden Afterverschluss und verbesserten Einhaltevermögen. Da auch die konservative Therapie durch allgemeine Maßnahmen und die spezielle konservative Therapie mit Geräten nur bei intakter Muskulatur funktionieren kann, hat die sehr anspruchsvolle chirurgische Therapie drei Strategien entwickelt.

Reparaturoperationen des Schließmuskels

Defekte im Muskelring des äußeren Schließmuskels am After oder eine Überdehnung des Beckenbodens rühren häufig von Geburtsverletzungen oder Dammschnitten her. Durch narbige oder bindegewebige Veränderungen ist die Muskulatur nicht mehr in der Lage, den Analkanal hinreichend zu verschließen. Mit den so genannten Sphinkter-Repair-Operationen wird zum einen durch überlappende Naht des Schließmuskels oder Einengung der Beckenbodenschlinge die anatomische Funktion des Schließmuskels wieder hergestellt, zum anderen der Beckenboden gerafft oder in einer Kombination mehrerer Operationsmethoden der Schließapparat so verändert, dass ein normaler Stuhlgang wieder möglich ist.

Schließmuskelersatzoperation

Sollten die Reparaturoperationen am Schließapparat nicht zum gewünschten Erfolg einer zufriedenstellenden Kontinenzleistung führen, so kann chirurgisch ein Ersatz für den Schließmuskel geschaffen werden. Dazu wird ein schlanker Muskel (M. gracilis) von der Innenseite des Beins schleifenförmig um den Analkanal gelegt und mit Nähten befestigt, daher auch die Bezeichnung Grazilisplastik. Mit einem speziellen Schrittmacher, der am Unterbauch unter die Haut implantiert wird, kann der Muskel über zwei Elektroden gereizt werden, so dass er sich zusammenzieht und den Analkanal verschließt. Wird der Stimulator vom Patienten mittels eines Magneten von außen abgeschaltet, dann erschlafft der Muskel und die Stuhlentleerung kann erfolgen. Wird das Gerät wieder eingeschaltet, dann spannt der Muskel wieder an. Durch die anhaltenden elektrischen Impulse ändern sich die Skelettmuskelfasern in ermüdungsarme Muskelfasern, die eine Dauerspannung aufrechterhalten können. Es bedarf einer längeren Schulungs- und Übungsphase der Patienten, bis bei etwa zwei Dritteln der sonst auf andere Weise nicht zu behandelnden Inkontinenz zufriedenstellende Ergebnisse erzielt werden und anfängliche Schwierigkeiten überwunden sind.

Künstlicher Schließmuskelersatz

Falls die bis hier genannten Operationsverfahren die Stuhlinkontinenz nicht beseitigt haben, so kann ein künstliches Schließsystem (Artificial bowel sphincter) als Sphinkterersatz für den nicht funktionierenden Schließapparat eingebaut werden. Ein ähnliches System hat sich bei der Blasenschwäche bereits bewährt. Ein manschettenartiger Ballon wird um den Analkanal gelegt, der mit einer Pumpe über ein Ventil mit Flüssigkeit aus einem Reservoir gefüllt oder entleert werden kann. Die Schließmuskelprothese wird vollständig unter die Haut eingepflanzt. Dieses System ist die letzte Hoffnung für Patienten, denen früher häufig nur noch ein künstlicher Darmausgang (Anus praeternaturalis) angelegt werden konnte, weil es keine Aussicht auf eine Wiederherstellung der Stuhlkontinenz gab.





Letzte Änderung am:  21 Dez 2013 13:47


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