Inkontinenzslips - Windelslips - Windeln



Die Windelslips für Erwachsene sind vom Grundprinzip her genauso aufgebaut wie die Höschenwindeln für Säuglinge und Kleinkinder, nur dass sie wesentlich größer sind und auch viel mehr an Ausscheidungen sicher aufnehmen müssen. Natürlich gibt es konstruktive Unterschiede, da schon das Gewicht der Ausscheidungen beim Erwachsenen höher ist und damit höhere Ansprüche an die Passform, Fixierung und die Flüssigkeitsverteilung gestellt werden.

Zu den wesentlichen Aufgaben der Windelslips gehört es, den Urin und Stuhl bei schwer inkontinenten Patienten sicher auf zu saugen bzw. zurück zu halten, die Haut vor Feuchtigkeit zu schützen und die Kleidung oder das Bett trocken zu halten. Erreicht wird das durch eine hohe Saugkraft des Saugkörpers, geringer Rücknässung, guter Passform und einer flüssigkeitsundurchlässigen Außenhaut. Damit bildet der Windelslip ein wichtiges Hilfsmittel um die Behinderung des Patienten auszugleichen, ihm die Teilnahme am Leben der Gesellschaft zu ermöglichen und Folgeerkrankungen, hier vor allem Hauterkrankungen zu vermeiden.

Begrifflichkeiten
In keinem anderen Land werden so viele unterschiedliche Begriffe für den Inkontinenzslip verwendet wie in unserem Land bzw. im deutschsprachigen Raum. Selbst bei den Herstellern, im Handel und beim medizinischen Personal kommen unterschiedliche Begriffe zum Einsatz. Im folgenden Absatz haben wir einmal einige der häufigsten Begriffe zusammen getragen.

Die Inkontinenzslips werden häufig auch als Windelslips, Windelhosen, Windeln für Erwachsene, Höschenwindeln für Erwachsene, Pampers für Erwachsene, Erwachsenenwindeln, Erwachsenenpampers, Pamperwindel, Hosenwindeln, Klebewindeln, Klebeslips, Inkontinenzwindeln, Inkontinenzschutz, Inkontinenzwäsche, Inkoslip, Inkontinenzmaterial, Inkomaterial, Einmalwindeln, Einmalhosen, Spezialslips, Schutzwäsche, Funktionswäsche, Sicherheitsslip, Multifunktionshose oder einfach nur als Windeln bezeichnet.

Den betroffenen Patienten gegenüber sollte man möglichst nicht von Windeln und schon überhaupt nicht von Pampers, pampern, wickeln usw. sprechen sondern eher neutrale Begriffe wie etwa Schutzunterwäsche verwenden, da sie sich sonst häufig als Minderwertig, Behindert oder ins Kleinkindalter zurück versetzt fühlen. Verwendet der Betroffene in seinem normalen Sprachgebrauch selbst diese Begriffe, dann kann man sich in diesem Fall anpassen und mit den selben Begriffen antworten.


Anwender von Windelslips
Zunächst sind Säuglinge und Kleinkinder die Anwender von Höschenwindeln, später gefolgt von inkontinenten Kindern und Erwachsenen. Damit werden Höschenwindeln praktisch von jeder Altersgruppe verwendet und sind daher für jede Größe erhältlich. Durch die hohe Saugkraft der Windelslips werden sie überwiegend bei schwerer und schwerster Harninkontinenz und/oder bei Stuhlinkontinenz verwendet. Auch zur Nachtversorgung bei mittlerer Inkontinenz oder bei Bettnässen kommen die Windelslips zum Einsatz. Da diese Produkte eine sehr hohe Sicherheit bieten, werden sie nicht nur in der Pflege von immobilen Patienten eingesetzt, sondern auch gerne von mobilen Patienten im Alltag getragen.

Außer von inkontinenten Patienten werden Windelslips gelegentlich auch von gesunden Personen aus Bequemlichkeit oder aus beruflichen Gründen wie zum Beispiel von Astronauten, Tiefseetaucher, .... getragen wenn die Möglichkeit der Nutzung einer Toilette nicht gegeben ist. Eine weitere Gruppe sind Personen, welche Windeln zur Befriedigung ihres Fetisches nutzen, wobei wir hier nicht weiter darauf eingehen wollen.

Aufbau von Windelslips
Windelslips für Erwachsene wiegen durchschnittlich etwa 90-220g je nach Größe und Saugstärke, bei den Höschenwindeln für Säuglinge und Kleinkinder beträgt das Gewicht nur etwa 30-90g je nach Größe. Im Gegensatz zu den Säuglings- und Kleinkinderwindeln sind die Erwachsenenwindeln etwas anders im Saugkern aufgebaut, da hier ganz andere Anforderungen an das Produkt gestellt werden. Im folgenden Text werden daher nur Erwachsenenwindeln beschrieben.

Die Windelslips für Erwachsene bestehen hauptsächlich aus Zellstoff-Flocken unterschiedlicher Faserlänge, Polypropylen, Polyethylen, hoch saugfähigem Polymer (SAP; superabsorbent polymer) sowie geringen Mengen an Klebstoffen, elastischen Bündchen und wieder-verschließbaren Klebestreifen bzw. Klettverschlüssen. Im Laufe der Jahre sind die Windelslips ständig dünner, leichter und leistungsfähiger geworden, der Anteil an Zellstoff nimmt dabei stetig ab, während die verwendete Menge an Superabsorber zunimmt. Ein Grund dafür sind in erster Linie die gestiegenen Rohstoffpreise für Zellstoff und die im gleichen Maße leicht sinkenden Preise für SAP, wobei diese auch immer besser werden. Die durchschnittliche Zusammensetzung einer Höschenwindel wird in der nachfolgenden Grafik gezeigt:

Grafik_Windelaufbau

Der größte Teil eines Windelslips macht der Saugkörper mit etwa 70% aus, gefolgt von verschiedenen Vliesen mit ca. 15% und der Außenschicht mit ca. 7%. Die zur Haut gewandten Seite bildet ein weicher Vliesstoff der die Flüssigkeit schnell an die darunter liegenden Saugschichten weiter leiten soll und gleichzeitig mit der Außenhaut des Windelslips den Saugkörper zusammen hält. Darunter folgt eine Verteilerschicht deren Aufgabe es ist, die Flüssigkeit möglichst schnell zu verteilen, an den Saugkern zu leiten und die Haut vor Rücknässung zu schützen. Der eigentliche Saugkern bildet das Herzstück der Höschenwindel, er besteht aus Zellstoff-Flocken unterschiedlicher Faserlänge und dem Superabsorber (SAP) welcher die Flüssigkeit an sich bindet. Darunter befindet sich noch ein Vlies und die Außenhaut aus einer wasserundurchlässigen Folie, welche die Kleidung und die Umgebung des Patienten vor Nässen schützt. Um eine gute Passform zu gewährleisten, sind die Beinabschlüsse nach außen hin mit elastischen Bündchen versehen. Elastische Innenbündchen sorgen dafür, dass kein Stuhl und Urin auslaufen kann. Zur Fixierung des Windelslips sind an beiden Seiten Klebe- oder Klettverschlüsse angebracht. Diese Höschenwindeln werden in verschiedenen Größen angeboten, so dass vom inkontinenten Kind bis zum schwergewichtigen Erwachsenen jeder sie nutzen kann.

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Unterschiedliche Arten von Windelslips
Da die Anforderungen der Patienten an diese Art der Hilfsmittel sehr unterschiedlich sein können, bietet die Industrie eine Vielzahl unterschiedlicher Ausführungen von Windelslips an. Sie unterscheiden sich im wesentlichen in der Größe, der Saugstärke, der Dicke, der Passform, dem Verschlusssystem und der verwendeten Materialien für die Außenhaut.

Bauformen
Moderne Windelslips werden heute in drei unterschiedlichen Bauformen angeboten, wobei sich die dritte Bauform nur minimal von der ersten Bauform unterscheidet. Die erste Bauform bildet die klassische Windel mit zwei oder vier Verschlüssen seitlich wie wir sie schon lange kennen. Etwa 2003 kamen die sogenannten Flex-Windeln dazu, sie sind eigentlich wie große Vorlagen aufgebaut, nur bringen sie ihr eigenes Fixiersystem gleich mit. Im Grunde zählen sie daher nicht wirklich zu den Windelslips, sondern eher zu den Vorlagen.

Als dritte Bauform ist seit kurzem ein Typ von Windelslip auf dem Markt, welcher die Vorteile des klassischen Windelslips mit denen der Pants verbindet. Hier wurden die Seitenteile durch elastische Elemente ersetzt wie sie auch bei den Pants zu finden sind. Dadurch ist es möglich geworden, das Produkt wie einen normalen Windelslip anzulegen und zu verwenden, aber gleichzeitig lässt er sich wie eine Pants hoch und runter ziehen, ohne dass die Verschlüsse geöffnet werden müssen.

Größen
Die Einteilung der Größen erfolgt nicht wie bei den Höschenwindeln für Säuglinge und Kleinkinder über das Gewicht in kg, sondern es wird der Bauch- bzw. Hüftumfang zur Größenbestimmung angegeben. Diese Einteilung wurde deshalb gewählt, da bei größeren Kindern und Erwachsenen die Größe nicht mehr direkt vom Körpergewicht abgeleitet werden kann. Die übliche Größe bei Höschenwindeln für Säuglinge und Kleinkinder ist Frühchenwindeln (0,5-1,5kg) bis XXL (16-30kg) für größere Kinder. Bei Windelslips für Schulkinder, Jugendliche und Erwachsene liegen die Größen zwischen 40cm (XSmall für Schulkinder) bis hin zur Übergröße mit 240cm Bauchumfang für besonders schwergewichtige Erwachsene (XXLarge). Die Größenangaben bei Erwachsenenwindeln werden von den Herstellern unterschiedlich gestaltet, so wird etwa zum Beispiel statt der Größenangabe "Medium" auch mal nur "Größe 2" genannt oder es ist eine Kombination aus beidem "Medium 2".

Der Übergang von Kinderwindeln zu Erwachsenenwindeln liegt bei etwa 50cm, sprich die Größe XXL bei Kinderwindeln liegt so bei etwa 30-60cm Bauchumfang und entspricht damit der Größe XSmall (40-70cm) bei den Erwachsenenwindeln. Da Säuglinge und Kleinkinder schnell an Gewicht zulegen, gibt es auch mehr Zwischengrößen als bei Erwachsene, wobei man hier auf andere Hersteller umschwenken kann, da jeder Anbieter die Übergänge etwas anders gestaltet.

Saugstärken
Je nach Anforderung des Patienten stehen unterschiedliche Saugstärken zur Verfügung, sie richtet sich nach der Menge der Ausscheidung in einem bestimmten Zeitrahmen, der Inkontinenzform und der Tragedauer. Daher bieten die meisten Hersteller 3-5 unterschiedliche Saugstärken an, diese wird dabei in ml nach ISO 11948-1 (Rothwell) angegeben und ist auch von der Größe der Windelslips sowie vom Hersteller und dessen Produktpalette abhängig. Ein Windelslip der Größe Medium in der höchsten Kategorie hat zum Beispiel je nach Hersteller im Durchschnitt eine theoretische Saugleistung von etwa 3100ml nach Rothwell, wobei der tatsächlich in der Praxis erreichte Wert bei etwa 1200-1500ml liegen wird, was etwa 2-3 vollständige Blasenentleerungen entspricht. Als Faustregel kann hier angenommen werden, dass die tatsächliche Saugleistung im Liegen bei etwa 50-60% und im Sitzen bei etwa 30-40% vom theoretischen Wert nach ISO 11948-1 beträgt.

Zur Unterscheidung der Saugstärken verfolgen die Hersteller unterschiedliche Richtungen, so wird zum Beispiel bei Attends auf das Nummernsystem (0-10) gesetzt, während Hersteller wie SCA (Tena), Hartmann (Molicare), Ontex (Euron), ... die Folien in verschiedenen Farben verwenden und diese dann mit Namen und/oder Symbole in unterschiedlichen Kombinationen versehen. Dagegen sind Höschenwindeln mit textilen Oberflächen in der Regel Weiß und werden nur mit Beschriftungen und oder Farbstreifen in unterschiedlichen Farben versehen.

Passformen
Die Passform spielt eine wichtige Rolle und ist Mit-entscheidend ob und wann ein Windelslip ausläuft. Jeder Hersteller verwendet einen eigenen Schnitt, teilweise auch bei Modellen des gleichen Herstellers. Da gibt es Produkte die hoch geschnitten sind, einige mit elastischem Bauch- und Rückenabschluss.

Eine wichtige Rolle bei der Passform spielen die Beinbündchen, sie haben die Aufgabe ein Auslaufen von Urin und/oder Stuhl zu verhindern. Die Beinbündchen werden häufig durch 2 oder mehr parallel verlaufende Lycrafäden gebildet. Diese Lycrafäden sind sehr elastisch und können sich bis zu 300% ihrer ursprünglichen Länge dehnen, ehe sie brechen. Fast alle am Markt befindlichen Windelslips sind zusätzlich mit elastischen Innenbündchen versehen, die einen zusätzlichen Auslaufschutz an den Beinabschlüssen gewährleisten. Für diese Innenbündchen werden ebenfalls Lycrafäden verwendet. Je höher die Innenbündchen sind und je besser sich Innen- und Beinbündchen dehnen lassen, desto besser ist der Auslaufschutz.

Einige Windelslips sind auch mit elastischen Bündchen am Bauch und der Rückenpartie versehen, sie sollen besonders bei immobilen Patienten oder in der Nachtversorgung eine zusätzliche Sicherheit gegen Auslaufen der Höschenwindel bieten. Häufig werden dazu Polyurethanschäume verwendet, sie sind ausreichend Dehnbar und können ich Streifen zu etwa 5cm breite eingearbeitet werden.

Je nach Anforderung bieten verschiedene Hersteller auch relativ hoch geschnittene Höschenwindeln an, dieser reichen dann oft bis über den Bauchnabel. Diese Modelle kommen gerne bei immobilen Patienten in der Pflege zum Einsatz, da der Saugkern dann im Rückenbereich höher hinauf reicht, was bei liegenden Patienten eine höhere Auslaufsicherheit bedeutet. Der Nachteil liegt aber darin dass der Anwender darin schneller ins Schwitzen gerät, weshalb mobile Anwender eher zu niedriger geschnittenen Modellen greifen.

Wäscheschutz
Die Außenhaut eines Windelslips, also der Wäscheschutz sind mit die wichtigste Eigenschaft, um Kleidung und Umgebung des Anwenders trocken zu halten und das Bett vor Nässe zu schützen. Heute kommen drei unterschiedliche Typen von Wäscheschutz zum Einsatz, angefangen von der glatten Folie bis hin zu atmungsaktiven Materialien. Da die Kosten der Folien sich nahezu angeglichen haben, stellen immer mehr Hersteller auf textilähnliche- oder atmungsaktive Folien um.

Die klassische glatte Folie ist von Anfang an ein Bestandteil der Höschenwindel und wird immer noch von fast allen Herstellern angeboten. Früher wurde eine PVC-Folie als Wäscheschutz verwendet, die aber schon bald durch Polyethylen-Folien ersetzt wurde, da das Polyethylen im Gegensatz zum PVC (Polyvinylchlorid) keine Weichmacher an seine Umgebung abgibt. Polyethylen-Folien werden in unterschiedlichen Materialstärken eingesetzt, wobei die Folien immer dünner wurden, sich weicher anfühlen und deutlich weniger Geräusche bei Bewegung des Trägers machen als früher. Das gefürchtete Rascheln, der Anwender meint jeder könne es hören dass er Windeln trägt, gehört also fast der Vergangenheit an. Nur wenige Hersteller, besonders Billigprodukte aus östlichen Nachbarländern und Asien verwenden teilweise noch stark raschelnde Folien.

Erst einige Jahre später nachdem bei Säuglings- und Kleinkinderwindeln die ersten Produkte mit textilähnlicher Oberfläche aufkamen, wurden auch die Hersteller von Erwachsenenwindeln darauf Aufmerksam dass dies ein weiteres Verkaufsargument sein könnte. Die Hersteller argumentierten damit, dass die textilen Folien mehr an normaler Unterwäsche erinnert und dadurch der Träger sich nicht ins Kleinkindalter zurück versetzt fühlt. Für diese textilen Folien wurden normale Folien mit einem weichen Vlies laminiert, so dass diese textilähnliche Oberfläche entstand. Da diese Folien am Anfang noch recht teuer waren, stellten nur wenige Hersteller auf die textilen Folien um bzw. boten diese nur für ihre "Premiumprodukte" an.

Der nächste Schritt waren dann die atmungsaktiven Folien. Im Vergleich zu normalen Polyethylen-Folien oder laminierten Folien sind die atmungsaktiven Folien Wasserdampf- und Luftdurchlässig aber trotzdem Dicht genug um Flüssigkeiten im inneren der Windelslips zu halten. Diese Folien geben etwa 2 bis 4 Prozent der gespeicherten Flüssigkeit in Form von Wasserdampf innerhalb von 24 Stunden an ihre Umgebung ab. Dieser Umstand führt dazu, dass sich die Außenschicht dieser Folien manchmal etwas feucht anfühlt und bei langem Sitzen auf einem Stuhl auch schon einmal feuchte Stellen hinterlassen kann. Dass durch die Atmungsaktivität dieser Folie die Haut sich trockener anfühlt oder man weniger schwitzt, konnte jedoch nicht nachgewiesen werden. Ein Grund liegt wohl darin, dass ein sinnvoller Austausch von Luft nur im trockenen Zustand möglich ist, während im eingenässten Zustand der aufgequollene Saugkörper mit dem Superabsorber diesen Austausch praktisch vollständig verhindert. Somit bieten echte atmungsaktive Folien keinen wirklichen Mehrwert gegenüber den glatten oder laminierten Folien.

Immer mehr Hersteller bieten auch Modelle an, bei denen der Saugkörper im Schrittbereich durch eine undurchlässige Außenschicht, sei es eine glatte Folie, eine laminierte Folie oder eine atmungsaktive Folie versehen ist, die Seitenteile mit den Verschlüssen jedoch aus einem luftdurchlässigen Vlies bestehen. Dieser Aufbau hat tatsächlich einen Nutzen, da nur im notwendigen Bereich, also im Intimbereich der Körper durch das Material "versiegelt" ist, jedoch an den Seiten genug Luft an die Haut kann.

Nässeindikator
Der Nässeindikator kommt überwiegend bei Windelslips für Erwachsene zum Einsatz, aber auch einige Höschenwindeln für Säuglinge und Kleinkinder besitzen ihn. Heute werden zwei Möglichkeiten genutzt um ein Einnässen des Windelslips anzuzeigen. Früher wurden häufig Farbstreifen verwendet, die bei Kontakt mit Urin ihre Farbe änderten oder sich aber auflösten. Neuere Nässeindikatoren bestehen zumeist aus einem Aufdruck, wie er vom Tintenstrahldrucker her bekannt ist. Das hat zudem den Vorteil, dass Herstellerinformationen wie etwa die Saugstärke oder das Herstellungsdatum des Produktes mit aufgedruckt werden. Beim Einnässen des Windelslips verschwimmt die Beschriftung und zeigt einen notwendigen Wechsel an.

Verschlusssysteme
Windelslips für Erwachsene werden überwiegend mit 4 Verschlüssen (2 Verschlüsse auf jeder Seite) angeboten, wobei seit einigen Jahren auch Modelle mit 2 Verschlüssen verfügbar sind wie etwa den Windelslips Attends Slip Active® oder Attends Slip Adjustable®. In den USA sind Modelle von verschiedenen Herstellern auch mit 6 Verschlüssen auf dem Markt, diese Windelslips sind dann häufig von der Passform her recht hoch geschnitten. Bei uns in Europa sind diese Modelle dagegen praktisch nicht auf dem Markt zu finden.

Windelslips mit 4 Verschlüssen haben den Vorteil dass sie sehr gut am Körper angepasst werden können und besonders für mobile berufstätige Personen geeignet sind. Auch Für Patienten mit Stuhlinkontinenz bieten sie einen zusätzlichen Schutz. Einige Modelle verwenden dagegen nur noch zwei Verschlüsse, dadurch lässt sich eine Höschenwindel schaffen, welche an den Seiten mehr Luft an die Haut lässt und auch schneller zu öffnen sind. Besonders für Patienten mit Dranginkontinenz bieten sich die Modelle mit zwei Verschlüssen an, sie können schneller geöffnet werden und dadurch dem Patienten die Möglichkeit verschaffen, die Toilette rechtzeitig zu nutzen, ohne den Windelslip einzunässen.

Bei Windelslips mit Klebeverschlüssen wird weiterhin unterschieden zwischen zweiteiligen mehrfach verschließbaren Klebestreifen und Windelslips mit Fronttape und mehrfach verschließbaren Klebeverschlüssen. Bei den zweiteiligen Klebeverschlüssen bestehen die Kleber zumeist aus einer blauen Klebefolie und einem weißen Kleber. Beim erstmaligen Verschließen des Windelslips werden beide Kleber auf die Vorderseite geklebt und beim Öffnen der Windel dann nur der obere weiße Kleber abgezogen während die blaue Klebefolie auf der Vorderseite der Windel zurück bleibt. Beim Wieder verschließen wird dann der weiße Kleber wieder genau auf die blaue Klebefolie geklebt. Dadurch kann der Windelslip mehrfach wieder verschlossen werden, wobei die Erfahrung zeigt, dass die Klebekraft dann etwas abnimmt je häufiger man die Windel geöffnet hat.

Bei Windelslips mit einteiligen Klebeverschlüssen besitzt der Windelslip ein Fronttape auf dem der Klebestreifen geklebt wird. Dies kann mehrfach erfolgen, wobei der Klebestreifen dann auch an einer anderen Stelle platziert werden kann. Auch hier gilt, je häufiger die Verschlüsse geöffnet werden desto schlechter kleben sie mit der Zeit. Dann gibt es noch einteilige Kleber die bei stärkerer Folie des Windelslips verwendet werden ohne dass diese ein Fronttape besitzen. Diese Folien haben den Nachteil dass sie stärker rascheln und auch teurer sind, daher gibt es auf dem europäischen Markt praktisch keinen Windelslip, welcher dieses System verwendet.

Die Klebeverschlüsse werden ausschließlich für Windelslips mit glatter Folie verwendet. Da Klebeverschlüsse auf textilähnlichen Materialien nur schwer haften, werden hier Klettverschlüsse eingesetzt. Diese Klettverschlüsse bieten den Vorteil dass sie nahezu beliebig oft wieder verschlossen werden können ohne darauf achten zu müssen wo vorher die Verschlüsse waren. Auch auf fettigen textilen Oberflächen halten sie gut, was bei Klebeverschlüssen ein Problem darstellt. Der Nachteil bei Klettverschlüssen ist allerdings dass sie sich mit der Zeit lockern können, besonders wenn der Windelslip schon eingenässt wurde. Außerdem besteht auch hier die Gefahr der schlechteren Haftung je häufiger diese geöffnet werden.

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Wahl des geeigneten Windelslips
Damit der Windelslip seinen Zweck optimal entfalten kann, ist es sehr wichtig, die richtige Größe, Saugstärke und Passform zu wählen, wobei hier auch auf die gute Handhabung durch den Patienten oder das Pflegepersonal zu achten ist. Bei der Auswahl stehen in erster Linie die Größe und Passform im Vordergrund, sie sorgen dafür dass nichts ausläuft und der Windelslip angenehm zu tragen ist. Insgesamt betrachtet soll der gewählte Windelslip einen hohen Tragekomfort und dadurch eine hohe Diskretion bieten.

Auf alle Fälle sollten unbedingt auch die Herstellerinformationen berücksichtigt werden, denn gerade bei saugstarken Windelslips haben einige Hersteller Modelle im Programm, welche speziell für die Nachtversorgung ausgelegt sind. Hier kann es auf Grund des Aufbaues des Saugkörpers durchaus sein, dass der Windelslip in der Nacht beim liegenden Patienten sehr gute Eigenschaften aufweist, jedoch wenn der selbe Windelslip dann zur Tagesversorgung verwendet wird, kann es sein, dass er dann ausläuft da hier die Flüssigkeitsverteilung ganz anders ist. Oft ist hier der Zellstoffanteil im Rückenbereich höher und auch die Verteilung des Superabsorbers mehr zum Rückenteil hin orientiert. Daher neigen diese Windelslips gerade beim stehenden und besonders beim sitzenden Anwender eher zum Auslaufen.

Die Wahl der Größe ist in der Regel kein Problem, dazu wird mit einem Maßband der Bauch- und Hüftumfang gemessen. Das größere Maß von beiden entscheidet dann über die Wahl der Größe. Schwierig wird es nur, wenn die gemessene Größe genau an der Grenze zwischen zwei Größen des gewählten Herstellers liegt, hier muss der Anwender probieren ob er mit der Größe klar kommt oder ob er zur nächst kleineren oder größeren Größe wechseln muss. Manchmal kann es hierbei auch sinnvoll sein, ein anderes Modell oder gar einen anderen Hersteller zu wählen. Bei Kindern stellt sich auch manchmal die Frage "soll ich für meinem Kind noch Pampers nehmen oder schon zu Erwachsenenwindeln greifen?", hier kommt es vor allem darauf an, ob die Hersteller Erwachsenenwindeln auch so kleine Größen anbieten und ob die Saugstärke der angebotenen Größen genügend hoch ist. Gerade für ältere inkontinente oder bettnässende Kinder kann es häufig unangenehm und demütigend sein, noch in "Pampers" gesteckt zu werden da sie ja schon "Groß" sind. Auf alle Fälle sollten die Kinder bei der Wahl der passenden "Windel" mit einbezogen werden, dann akzeptieren sie auch eher dass sie noch solche Hilfsmittel benötigen.

Hier noch einmal die üblichen Größen mit den ungefähren Angaben zum Bauchumfang (fallen je nach Hersteller etwas unterschiedlich aus) von Höschenwindeln für Kinder, Schulkinder, Jugendliche und Erwachsene:

Höschenwindeln für Säuglinge, Kleinkinder und größere Kinder z.B. Babydream, Pampers ...
Frühchen (1,5-3kg)= 5-12cm
New Born (2-5kg)= 8-20cm
Mini (3-6kg)= 10-30cm
Midi (4-9kg)= 12-35cm
Maxi (7-15kg)= 15-40cm
Maxi+ (9-18kg)= 20-45cm
Junior (12-25kg)= 22-50cm
Junior+ (13-27kg)= 25-55cm
XXL (16-30kg)= 30-60cm

Windelslips für Schulkinder, Jugendliche und Erwachsene z.B. Attends, Molicare, Tena ...
XSmall= 40-70cm
Small (Gr. 1)= 50-80cm
Medium (Gr. 2)= 70-110cm
Large (Gr. 3)= 100-150cm
XLarge (Gr. 4)= 140-180cm
XXLarge= 160-240cm


Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Passform, da unterscheiden sich die Modelle und Hersteller teilweise erheblich. Je nach Körperbau und Mobilität des Anwenders stehen unterschiedliche Modelle zur Verfügung. Bei sehr mobilen Anwendern kommt es darauf an, dass der Windelslip auch im eingenässten Zustand noch gut am Körper anliegt, sprich dass die Beinbündchen noch stramm anliegen um ein Auslaufen zu vermeiden. Wenn zusätzlich noch eine Stuhlinkontinenz vorliegt, dann sind auch die Innenbündchen sehr Wichtig, sie sollten in diesem Fall möglichst hoch und stramm sein, um den Stuhl am austreten zu hindern. Generell sind bei Stuhlinkontinenz oder starker körperlicher Betätigung Windelslips mit 4 Verschlüssen zu wählen, da diese besser am Körper anliegen und bei Bewegung im nassen Zustand nicht so leicht runter rutschen können als Modelle mit nur zwei Verschlüssen. Bei einer reinen Harninkontinenz oder wenn die körperliche Aktivität nicht so stark ist, eignen sich auch Modelle mit zwei Verschlüssen. Diese bieten zusätzlich den Vorteil, dass sie bei Dranginkontinenz wenn der Patient noch normal auf die Toilette geht, schneller zu öffnen sind. Auch bei Rollifahrern eignen sich Windelslips mit zwei Verschlüssen gut, da der Windelslip durch die Verschlüsse nicht so sehr in der Leistengegend drückt.

Die Auswahl die geeigneten Saugstärke spielt eine entscheidende Rolle für den Anwender. Nicht immer bedeutet mehr Saugstärke auch mehr Lebensqualität, vielmehr ist es die Kunst zwischen Saugstärke und Diskretion das Optimum heraus zu holen. Oft kann es auch sinnvoll sein, lieber eine geringere Saugstärke zu wählen und häufiger zu wechseln, besonders bei Stuhlinkontinenz. Denn ein dünnerer Windelslip lässt sich leichter unter einer Tageskleidung verbergen, was erheblich zur Diskretion beiträgt. Eine höhere Saugstärke ist immer dann angezeigt wenn zum Beispiel aus beruflichen Gründen ein längerer Wechselintervall sich nicht vermeiden lässt, bei einer Drang- oder Reflexinkontinenz eine große Menge an Urin schnell ausgeschieden wird, oder zur Nachtversorgung um den Schlaf des Patienten nicht zu stören, sowie bei Bettnässen. Besonders die Anwender welche viel Sitzen, sollten bei der Auswahl der Saugstärke darauf achten dass ein guter Kompromiss zwischen Zellstoff und Superabsorber vorhanden ist, um die Auslaufsicherheit zu gewährleisten. Denn Erfahrungsgemäß ist die Flüssigkeitsverteilung im Sitzen bedingt durch die Kompression des Saugkörpers schlechter und der Windelslip neigt eher zum Auslaufen.

Der Anwender sollte bei der Auswahl unbedingt darauf achten dass sich der Windelslip auch im eingenässten Zustand relativ trocken anfühlt, sprich eine geringe Rücknässung aufweist und die Flüssigkeit schnell im inneren des Saugkerns bindet. Diese Eigenschaft ist besonders bei Anwendern wichtig die den Windelslip nicht sofort wechseln können bzw. bei der Nachtversorgung, um Hautreizungen zu minimieren.

Besonders sollte der Anwender auf die Formstabilität des Saugkerns im eingenässten Zustand achten, gerade wenn er sehr Mobil ist, sprich wenn er sich zum Beispiel im Beruf viel bewegen muss. Hier unterscheiden sich die Hersteller voneinander je nachdem ob diese bei der Entwicklung auch auf die Bedürfnisse mobiler Patienten eingegangen sind, oder im wesentlichen nur immobile Patienten im Pflegebereich im Auge hatten.

Ein weiterer Aspekt ist die Handhabung, hier kommt es darauf an, wie gut die körperliche Verfassung des Anwenders ist, ob er von der Handmotorik gesehen dazu in der Lage ist, den Windelslip selbst zu wechseln oder ob er fremde Hilfe benötigt. Bei eingeschränkter Handmotorik sind größere Verschlüsse leichter zu greifen und damit besser in der Handhabung. Auch sollte darauf geachtet werden, wie gut sich die Verschlüsse dazu eignen, den Windelslip mehrfach wieder zu verschließen. Hier bieten Windelslips mit textiler Oberfläche den Vorteil das die Klettverschlüsse sich an beliebiger Stelle wieder verschließen lassen, vergleichbar den Windelslips mit Fronttape. Insgesamt gesehen kommt es bei der Handhabung auch darauf an, wie gut sich der Windelslip aus der Verpackung nehmen und wie einfach er sich vor der Anwendung auseinander falten lässt. Einige Hersteller geben vor, den Slip vor der Anwendung aktivieren zu müssen, in der Form dass der Windelslip zunächst durchgeknetet oder zu einem "Schiffchen" gefaltet werden muss, um die optimalen Eigenschaften zu bringen.

Die Diskretion spielt bei der Auswahl besonders bei mobilen berufstätigen Anwendern oder bei Schulkindern eine bedeutende Rolle. Wie schon gesagt, ist die Wahl der richtigen Größe, Saugstärke und Passform entscheidend, aber auch das Knistern der Folie ist nicht ganz zu vernachlässigen. Hier sind klar die Windelslips mit textilähnlicher Außenhaut im Vorteil, sie produzieren weniger Knister-Geräusche als die meisten glatten Folien. Im Pflegebereich, zur Nachtversorgung oder wenn sich der Anwender wenig bewegt (überwiegend sitzende Tätigkeit), spielt das eher eine untergeordnete Rolle. Beobachtungen von Anwendern haben gezeigt, dass selbst stärker knisternde Folien nicht von anderen Mitmenschen wahr genommen werden, da häufig die Umgebungsgeräusche viel zu hoch sind, um überhaupt etwas davon zu hören. Selbst wenn ein Außenstehender etwas hören sollte, er wird wohl kaum daran denken, dass sein Gegenüber eine Windel trägt. Hier ist das eigene subjektive Empfinden stärker ausgeprägt weil der Anwender gezielt auf Knister-Geräusche achtet, gerade dann wenn er erst kurz Windelslips verwendet.

Aus die Hautverträglichkeit spielt bei der Auswahl des passenden Windelslips eine wichtige Rolle. Der Anwender sollte dabei darauf achten, dass das Innenvlies sehr weich ist, ebenso dass die Außenseite nicht zu rau ist um Hautreizungen an den Innenseiten der Oberschenkel besonders bei mobilen und sehr aktiven Patienten zu vermeiden. Auch sollte darauf geachtet werden, dass die Produkte ebenfalls Latex-frei sind, da Latex bei langem Hautkontakt häufig zu Latexallergien führt.

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Anlegetechniken
Es gibt verschiedene Techniken, um einen Windelslip gut sitzend anzulegen, dabei unterscheiden sich die Anlegetechniken in drei unterschiedlichen Körperhaltungen. Der Windelslip wird entweder im Stehen, im Sitzen oder im Liegen angelegt, wobei die Variante "im Liegen" fast ausschließlich bei Säuglingen und Kleinkindern oder bei schwer pflegebedürftigen Patienten verwendet wird. Dagegen bevorzugen mobile Patienten das Anlagen des Windelslips am häufigsten im Stehen und gelegentlich auch im Sitzen. Die Variante "im Sitzen" ist auch gut für einige Rollstuhlfahrer geeignet, da hierbei der Windelslip sich am besten der Körperhaltung anpasst und die Auslaufsicherheit besser ist. Nachdem alle benötigten Utensilien bereit gelegt wurden sowie nach erfolgter Intim-pflege kann der Windelslip angelegt werden.

Zunächst wird der frische Windelslip auseinander gefaltet, mit der Hand am oberen und unteren Ende festgehalten, etwas auseinander gezogen und der Länge nach wie ein Schiffchen gefaltet. Dadurch bildet sich eine Art Rinne in Längsrichtung aus, die einen besseren Sitz und eine bessere Verteilung der Flüssigkeit bewirkt. Der so vorbereitete Windelslip kann nun angelegt werden.

Im Liegen
Zuerst dreht sich der Patient mit leicht angewinkelten Beinen auf die Seite. Nun wird der gefaltete Windelslip so von hinten zwischen den Beinen hindurch geführt dass die oberen Klebestreifen hinten auf etwa der Höhe des Beckens liegen. Der hintere Teil des Windelslip wird auseinander gefaltet und der Patient dreht sich wieder in die Rückenlage, wobei er nun auf dem Slip liegt. Als nächstes wird das Vorderteil des Windelslips zwischen den Beinen hindurch in einer Zickzack-Bewegung weiter nach oben gezogen, so dass die Beinbündchen sauber in der Leistengegend zum Liegen kommen. Nun wird mit der einen Hand eine Vorderseite des Slips fest in der Leiste gehalten und mit der anderen Hand die Hinterseite mit den Klebestreifen nach vorne gezogen. Jetzt werden zuerst die unteren Klebestreifen leicht schräg nach oben auf der Vorderseite des Windelslips befestigt. Im Anschluss daran werden die oberen Klebestreifen leicht schräg nach unten auf das Vorderteil des Slips geklebt, wobei auf einen strammen Sitz geachtet werden soll. Zum Schluss werden noch die Beinbündchen mit den Fingern zurecht gezogen so dass sie sauber anliegen.

Im Sitzen
Für mobile Patienten eignet sich auch die sitzende Position, um einen Windelslip anzulegen. Zuerst wird der auseinander gefaltete Windelslip mit den Verschlüssen nach hinten so auf der Sitzfläche platziert dass die Beinausschnitte etwa auf Höhe der Sitzkante zu liegen kommt. Nun setzt sich der Patient auf den Windelslip, spreizt etwas die Beine und zieht das vordere Teil zwischen den Beinen hindurch in einer Zickzack-Bewegung weiter nach oben, so dass die Beinbündchen sauber in der Leistengegend zum Liegen kommen. Jetzt wird mit der einen Hand eine Vorderseite des Slips fest in der Leiste gehalten und mit der anderen Hand die Hinterseite mit den Klebestreifen nach vorne gezogen. Nun werden zuerst die unteren Klebestreifen leicht schräg nach oben auf der Vorderseite des Windelslips befestigt. Danach wird der Windelslip vorne und hinten mit der Hand noch einmal hoch gezogen und im Anschluss daran die oberen Verschlüsse schräg nach unten befestigt, wobei auf einen strammen Sitz geachtet werden soll. Zum Schluss werden noch die Beinbündchen mit den Fingern zurecht gezogen so dass sie sauber anliegen, das geschieht am besten im Stehen.

Im Stehen
Ebenfalls für mobile Patienten gut geeignet ist das Anlegen des Windelslips im Stehen, diese Technik wird von mobilen Anwendern am häufigsten verwendet. Zur Unterstützung sollte eine freie Wand, Türe oder etwas ähnliches zur Verfügung stehen. Der auseinander gefaltete und in Schiffchenform gebrachte Windelslip mit den Verschlüssen nach hinten von hinten durch die Beine nach vorne gezogen und am Beinausschnitt mit den Beinen fest gehalten. Der hintere Teil des Windelslips wird noch oben gezogen und der Patient lehnt sich gegen die Wand damit der hintere Teil in Position bleibt. Nun zieht er den vorderen Teil in einer Zickzack-Bewegung weiter nach oben, so dass die Beinbündchen sauber in der Leistengegend zum Liegen kommen. Jetzt wird mit der einen Hand eine Vorderseite des Slips fest in der Leiste gehalten und mit der anderen Hand die Hinterseite mit den Klebestreifen nach vorne gezogen. Jetzt werden zuerst die unteren Klebestreifen leicht schräg nach oben auf der Vorderseite des Windelslips befestigt. Danach wird der Windelslip vorne und hinten mit der Hand noch einmal hoch gezogen und im Anschluss daran die oberen Verschlüsse schräg nach unten befestigt, wobei auf einen strammen Sitz geachtet werden soll. Zum Schluss werden noch die Beinbündchen mit den Fingern zurecht gezogen so dass sie sauber anliegen.


Tipps und Tricks
Bei Windelslips mit 4 Verschlüssen hat sich die Kreuz-Klebetechnik bewährt, dabei werden die unteren Verschlüsse schräg nach oben fixiert, während die oberen Verschlüsse schräg nach unten befestigt werden. Diese Technik sorgt dafür dass der Windelslip gut auf der Hüfte sitzt und auch im eingenässten Zustand bei mobilen Patienten nicht so leicht nach unten rutschen kann. Wie diese Anlegetechnik in der Praxis geht, das wird auf Youtube zum Beispiel an einer Molicare premium soft (ab etwa 5 Min.) oder an einer Abri form (ab etwa 2 Min.) gezeigt.

Eine andere Anlegetechnik welche im asiatischen Raum weit verbreitet ist, kommt vor allem bei Männern mit starkem Harnverlust dort zum Einsatz und wurde durch die Firma SCA auch in Europa bekannt. Hierbei wird der Windelslip praktisch falsch herum angelegt, sprich die Klebestreifen oder Klettverschlüsse werden auf dem Rücken verschlossen. Diese Technik bringt vor allem dann etwas wenn der Saugkörper des Windelslips im Rückenbereich breiter Aus-geformt ist, dadurch erhält man vorne mehr Saugfläche und ein Auslaufen des Windelslips wird verringert. Am Beispiel einer Tena Flex wird bei Youtube gezeigt, wie dieser Windelslip im Stehen angelegt wird.

Da die Windelslips häufig sehr stark in den Verpackungen zusammen gepresst sind um Platz zu sparen, ist es ratsam den Windelslip nach der Entnahme aus der Verpackung etwas zu lockern. Das geschieht dadurch dass der Windelslip zuerst auseinander gefaltet wird, danach den Windelslip in eine Art Rinne der Längsachse nach falten und mit der Hand noch etwas durchkneten. Dadurch lockert sich der Saugkern etwas und er kann die Flüssigkeit schneller aufnehmen, einige Hersteller sprechen hier von Produktaktivierung. Als Günstig hat sich auch gezeigt wenn mehrere Windeln ohne Verpackung gelagert werden, dann lockern sie sich von selbst etwas.

Wichtig ist auch, dass die Beinbündchen sauber anliegen, der Windelslip aber selbst nicht zu sehr an den Körper gepresst wird. Besonders zu enge Kleidung wie etwa körperbetone Jeans sind nicht besonders gut geeignet, da sie den Windelslip sehr stark an den Körper drücken und dadurch die Aufnahme der Flüssigkeit behindern, was dazu führen kann, dass der Windelslip schneller zum Auslaufen neigt.

Immer wieder wird davon berichtet, die Windelslips mit Einlagen "auf-zu-doppeln", um eine höhere Saugkraft zu erlangen. In der Theorie mag das auch zutreffen, aber in der Praxis hat sich gezeigt, dass die Windelslips dann eher dazu neigen, aus-zulaufen. Das liegt vor allem daran dass die inneren Beinbündchen durch die zusätzliche Einlage in ihrer Funktion behindert werden und dadurch ihre Schutzfunktion verlieren. Daher ist von zusätzlichen Vlieseinlagen oder anderen Einlagen zur Erhöhung der Saugkraft abzuraten, lieber einen etwas saugstärkeren Windelslip wählen, ggf. auch eine Nummer größer wenn der Bauchumfang des Anwenders sich in der Nähe der nächsten Größe befindet.

Immer wieder wird davon berichtet dass Windeln gerade im Liegen am Rücken bzw. am Bauch auslaufen. Das ist dann immer sehr unangenehm, vor allem weil das Bett bzw. das Betttuch nass werden kann. Hier hat sich ein einfacher Trick bewährt um das Auslaufen zu reduzieren oder gar ganz zu verhindern, dazu wird nach dem Anlegen der Windel einfach der obere Windelrand einfach nach innen eingeschlagen, so wird der Urin am Auslaufen gehindert.

Bei der Hautpflege im Windelbereich sollte nach Möglichkeit sehr sparsam mit fetten Cremes umgegangen werden, da diese Cremes die Poren des Innenvlieses verschmieren können und dadurch der Windelslip eher zum Auslaufen neigt. Besser ist es, etwas zu warten bis die Creme eingezogen ist oder ein Produkt zu verwenden, das keine fettigen Rückstände hinterlässt, dafür aber einen dünnen Schutzfilm bildet.



Quellenverweise:
David Osebik "Innovatives Stoffflussmanagement von Inkontinenz-System-Abfall (ISA)" VDM Verlag Dr. Müller 2010
"Höschenwindeln" Industrieverband Körperpflege- und Waschmittel e. V. (IKW) 1997
EDANA – The European Disposables and Nonwovens Association
Richer Investment Consulting "The Disposable Diaper Industry Source"
Herstellerinformationen Paul Hartmann AG, SCA Mölnlycke GmbH, Attends GmbH




Letzte Änderung am:  17 Jan 2015 18:32


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