Wie wickelt man sich selbst?

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Beitrag #21 von Struppi » 20 Nov 2007 16:33


Hallo zusammen!

Ich widerspreche meinen beiden Vorschreibern da ganz entschieden und möchte den guten Beitrag von klaro aufgreifen... es macht einen ganz eklatanten Unterschied, wie auf den Patienten zugegangen wird und auch in diesem Zusammenhang, wie das Hilfsmittel benannt wird.

Ein kleines Beispiel aus der "Praxis":

Ich bin nicht in der Lage, mir selbst die Windel (gegen diese Bezeichnung habe ich nichts, höre Inko-Slip aber lieber) zu wechseln, ein Pflegedienst oder meine Frau müssen mir auf Grund meiner körperlichen Einschränkungen dabei helfen bzw. es vollständig übernehmen.

Vor einigen Wochen kam eine neue Mitarbeiterin meines Pflegedienstes (im übrigen war die gute Frau examinierte Altenpflegerin!) zu mir und fragte: "Soooo, wollen wir mal die Pampers wechseln?!" - übrigens in einer Ton- und Stimmlage, als würde sie mit einem geistig behinderten Kind reden.

Mein Umgang mit dieser Thematik ist echt nicht mehr zimperlich, aber was zuviel ist, ist zuviel! Ich habe sie "achtkant" rausgeworfen und war durch mit dem Thema.

Das ist eine Respektlosigkeit und Degradierung meiner Person auf die geistige Ebene eines Kleinkindes. Dies stört mich schon in meinem Alter und es würde mich noch viel mehr stören, wenn ich ein alter Mensch wäre. Das kann und darf so nicht sein!

Selbstredend ist ein unverkrampfter Umgang mit dem Thema Ausscheidung/Inkontinenz in der Pflege ein Muss und es ist auch klar, dass das Personal sich "Überlebensstrategien" zurecht legt, um mit bestimmten Situationen umgehen zu können - dies darf aber nicht zu Lasten der Menschen gehen, die sie betreuen. Ich und alle anderen Menschen, die Pflege benötigen, haben das Recht auf einen würdevollen und menschenwürdigen Umgangston - und mit solchen "Kleinigkeiten" fängt es an.

Grüße

Struppi
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Beitrag #22 von Martin83 » 20 Nov 2007 19:11


Ich gebe Dir Recht, in Bezug auf Respektlosigkeit und Degradierung. Wie gesagt, der Ton macht die Musik.

Als Beispiel, könnte ich Dir auch Kommentare von Freundin, Freunden oder Bruder nennen.

Aber ich häng mich da jetzt nicht, wegen dem Wort Pampers auf. Sicherlich mag es nicht gerade passend sein, aber jeder weiß was in diesem Moment gemeint ist.
Natürlich kommt es noch auf den Ort einer solchen Unterredung an.
Zu Hause komme ich damit noch eher klar, als wenn das jetzt in der Öffentlichkeit herausposaunt wird.....

Bitte versteh mich nicht falsch, ich respektiere Deine Einstellung und Deine Meinung und will diese auch nicht schlecht machen.
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Martin83
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Beitrag #23 von klaro (+16.05.2008) » 20 Nov 2007 19:41


ich denke, hier können wir alle Beiträge und Gedanken einfach so zur Kenntnis nehmen
und alle Beiträge sind völlig in Ordnung.

Auch ich habe nicht wirklich was gegen das Wort Windel oder wickeln,

aber wird /ist man dann auf einmal selber ein schwerer Pflegefall, wie ich im Frühjahr 1999,

Wo ich einfach vor meinen kleinen 4 Kindern udn dem Ehemann, vom Personal

gesagt, wurde..

" na jetzt tun wir euer Mami schön wickeln, dann stinkt es nicht mehr so".

Zu der Zeit, es war gleich nach dem 3 wöchigen Koma, war nicht nur die linke Seite gelähmt, sondern
alles und reden ging auch nicht. Ich war völligst ausgeliefert.

Meine Kinder sahen mich vorher NIE nackt und auf einmal wird Mami wie ein Baby,
das in die Windeln gemacht hat, vor den eigenen Kindern wie ein Baby degradiert und vor
4 Kindern gewickelt... und eine neue **Windel** angezogen.
(14 Jahre, 12 Jahre, knappe 10 Jahre und 8 jährig war die kleiste Tochter.)

Und ich, Mama, (35 Jahre) liege abgedeckt,** nackt mit vollen Windeln einfach da... **

(stellt mal EUCH in Gedanken diese Szene vor)


Mit dem Geist war ich VOLL bei der Sache und ich hätte das Personal, wäre ich imstand gewesen,

HOCHKANT rausgeschmisse.. so unverschämt kam mir dies vor.

Keine Würde.. nur weil ich auf Pflege angewiesen war und auch mich mit Worten nicht wehren konnten.

das Tolle ist ja, dass die Aerzte LANGE NICHT glaubten.. dasss ich noch *hugo* bin.

dass ich noch alles schnalle.. das tscheckten die gar nicht, obwohl ich mich per Händedruck mit Besuchern und Personal verständigen konnte indessen.

Ich denke, wer so ENDTWüDRIGENDE Szenen hinter sich hat, der wird seine Denkweise
als Erwachsener zum Thema Windeln, Pampers oder wickeln

dann auf einmal selber umstellen....Grüsse mit schlechten Erinnerungen an dies schlimme Jahr 99.


klaro :fleissig:

NICHT NUR DER TON, macht DIE MUSIK!! Wortwahl auch

Struppi weiss auch, wovon er redet. Ich auch. Nicht nur vom Lernen her in der Pflege, auch vom eigenen ERFAHREN!

Mit 16 Jahren war ich schon nach einem Verkersunfall GANZ gelämt, ich weiss auch seit daher, wie es ist, hilflos ausgeliefert zu sein.(diese Erfahrung prägte mich positiv für die Lehre im Spital.)

Von da an wusste ich, WAS ES HEISST FALSCHE WORTE ZU BENUTZEN.

Die Wortwahl... ist massiv.. ausschalggebend. Nicht nur der Ton
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Beitrag #24 von Martin83 » 20 Nov 2007 21:41


Das ist hart! Das schießt echt den Vogel ab...... Ich kann Dich vollauf verstehen. An einer solchen Stelle könnte man austicken.
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Re: NICHT NUR DER TON, macht DIE MUSIK!! Wortwahl auch

Beitrag #25 von Ingo » 20 Nov 2007 23:31


klaro hat geschrieben:Wo ich einfach vor meinen kleinen 4 Kindern udn dem Ehemann, vom Personal

gesagt, wurde..

" na jetzt tun wir euer Mami schön wickeln, dann stinkt es nicht mehr so".


Das ist ja richtig übel.
Kaum vorstellbar das es so dumme Menschen gibt.

:?:
Ist der Berg auch noch so steil, a bisserl was geht allerweil
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Beitrag #26 von papa0861 » 20 Nov 2007 23:32


also ich lege die "!windel" sozusagen im freien stand an und habe dabei meine technik gefunden.


das wichtigtste dabei ist, daß ich nach dem anlegen die "windel" in art schiffchen forme. sozusagen damit dem kleinen mann eine art freiraum schaffe und gleichzeitig die bündchen gut anliegen lasse.

lg
jürgen
:-)) Wer Rechtschreibfehler findet kann sie behalten und einrahmen. :-))
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Beitrag #27 von tobbi99 » 22 Nov 2007 17:15


oh, da habe ich anscheinend eine Diskussion angefangen ...

Wobei ich zur Vollständigkeit noch dabei sagen will, dass ich m.E. eigentlich gar nicht über-empfindlich bin (auch wenn ich anscheinend den Eindruck erweckt habe).

Und eins noch: Im Krankenhaus habe ich das regelmäßig erlebt, dass von "Pampers" gesprochen wird. Tlw. "Schutzhose". Aber wie ein Baby behandelt worden bin ich eigentlich nicht (wahrscheinlich, weil ich gottseidank körperlich fit genug bin, um denjenigen beissen zu können ;-).

So,
schöne Grüße und bis dann.
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Beitrag #28 von klaro (+16.05.2008) » 24 Nov 2007 16:45


ja, Nasenbär, das war so.

das war nach dem fast 3 wöchigen Koma im 1999. zu der Zeit danach, konte ich nur die Augen öfffnen, und sah alles doppelt, weiss noch heute nicht, ob ich jeweilen die leute angekuckt habe oder das Doppelbild.

die Aerzte gingen ECHT davon aus, dass ich

NICHT MEHR BEI SINNEN BIN, dabei schnallte ich ALLES zu 100 %,
nur konnte ich mich nicht verständlich machen, oder auch nicht bewegen.

so wird man dann behandelt, wenn man* abgeschoben wird*

mich wollte man damals mit 35 Jahren, ins Altenheim vergraben.

Einer einzigen Pflegeperson, verdanke ich,dass ich eine mehrmonatige REHA bekam.

(für meine Reha, riskierte sie, gegen die ganze Aerzteschaft, um ein Haar ihren Job)

... dummerweiise wurde ich wieder.. gesunder.. zum Leid meines Ehemannes,

der mich sehr gerne losgeworden wäre.. :lach:


na, ja, heut bin ich glücklich geschieden.. dass ER mich so wortlos hätte abschieben lassen,
das hab ich ihm

und werd ich ihm, NIE verzeihen.

aber was das personal da bot, das war echt der Hammer. klaro :fleissig:
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