Harn-Renitenz (Harnverhalten)

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Harn-Renitenz (Harnverhalten)

Beitrag #1 von walle62 » 26 Nov 2007 05:53


liebe Freunde
ich bin neu hier und aus zürich, schweiz.
von einem unfall ist meine blase gelähmt (nervenschaden an der blase selbst und im bereich 3. bis. 5. lendenwirbel).
darum habe ich eine mittelschwere blasen-renitenz. (RH nach BE ca. 300..500ml).
ich habe 5 jahre einen suprapubalen direktkatheter gehabt, hab dann 10 jahre kathetrisiert.
durch diesen katheterismus hatte ich oft infekte, auch wurde meine blase immer 'fauler', der RH wurde grösser, nicht kleiner.
darum lebe ich seit 4 jahren ohne katheterimsus, es geht gut.
ich trinke sehr viel. zur anregung der blase nehme ich kaffee, blasentee und preiselbeersaft.
hat jemand erfahrungen mit renitenz oder kann mir tipps geben. zb. bringt akkupressur etc. etwas?
lieber gruss walti
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Beitrag #2 von Helmut » 26 Nov 2007 11:55


Hallo walti,

ich habe mal deinen Beitrag ins Inko Forum verschoben.

Der Begriff "blasen-renitenz" ist bei uns eigentlich nicht üblich, wir sprechen da eher von neurogenener Blasenentleerungsstörung. Mich wundert ein wenig dass du mit dem ISK aufgehört und auch keinen Bauchdeckenkatheter mehr hast. Die Katheter sind ja wegen deiner Blasenentleerungsstörung und dem davon resultierenden Restharn verwendet worden. Was sagt denn dein Urologe dazu, dass völlig auf eine mechanische Blasenentleerung verzichtest?

Ich kann mir gut vorstellen dass du nach wie vor einen größeren Restharn hast falls dein Schließmuskel nicht richtig arbeitet, was sehr wahrscheinlich ist. Was für Ergebnisse brachte denn eigentlich deine letzte urodynamische Untersuchung in Bezug auf Restharn und Druckverhältnisse?

Eine Akkupressur bringt bringt nicht in jedem Fall etwas, es kann sich auch nachteilig auswirken, das hängt von deiner genauen neurogenen Funktionsstörung der Blase und des Schließmuskels ab. Wenn sich zwar die Blase durch die Akkupressur zusammenzieht, der Schließmuskel aber nicht oder nicht vollständig öffnet, dann hast du ein sogenanntes Hochdrucksystem mit Bildung von Restharn, was nicht sehr gut für die Nieren ist und auf Dauer zu Nierenschäden führen kann.

Gruß Helmut :wink:
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ohne katheterismus leben..

Beitrag #3 von walle62 » 26 Nov 2007 22:53


lieber helmuth
danke für deine antwort.
natürlich war der urologe gegen meinen entscheid, aber wie gesagt, durch das dauernde kathetrisieren wurde die blase eher grösser und 'faul'; jedenfalls bringe ich mittels akkupressur den restaharn auch auf die ca. 300ml.
ich muss sagen, dass ich in der urologischen poliklinik hier in zürich sehr schlecht behandelt wurde, man beantwortete meine fragen nicht und 'machte einfach etwas'.
lieber gruss walti
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Beitrag #4 von Helmut » 27 Nov 2007 10:00


Hallo walti,

also 300ml Restharn ständig, das ist schon eine ganze Menge welche nicht sehr Gesund ist. Durch den ständigen Restharn können sich Krankheitserreger sehr leicht in der Blase vermehren und zu weiteren Entzündungen führen.

Warum du mit dem Katheterismus aufgehört hast, das ist mir eigentlich immer noch unverständlich, da genau dadurch ein Restharn in solcher Menge vermieden werden kann. Ich kann mir nur vorstellen dass du den ISK nicht richtig gemacht hast bzw. deine Blase zu selten damit entleert hast. Denn in der Regel macht man den ISK etwa alle 3 bis 6 Stunden und mit der richtigen Technik und dem passenden Katheter sind Entzündungen und Harnröhrenreizungen sehr selten. Beim Bauchdeckenkatheter hätte sich deine Blase eher verkleinern müssen wenn der Katheter nicht abgestöpselt war.

Ich hoffe du meinst mit Akkupressur nicht das "Ausdrücken" der Blase mit dem Handrücken. Diese Technik der Blasenentleerung wurde früher gerne bei neurogenen Blasenentleerungsstörungen besonders bei Querschnittpatienten eingesetzt. Heute weis man, dass es dadurch zu Nierenschäden kommen kann, da durch das Ausdrücken des Urins gegen den Wiederstand des Schließmuskels ein hoher Druck in der Blase entsteht und der Urin zurück in die Nieren gepresst wird, was häufig zu Nierenbeckenentzündungen führt und sogar bei dauernder Anwendung die Nieren zerstören kann.

Ja, eine gute Klinik zu finden, das ist auch bei uns nicht so einfach. Urologische Kliniken und Urologen gibt es auch bei uns wie Sand am Meer, aber die wirklich guten Urologen und Kliniken die sind selten. Ich weis nicht wie das Gesundheitssystem bei euch funktioniert bzw. ob ihr freie Arzt und Klinikwahl habt, bei uns ist das in der Regel so wenn diese Ärzte und Kliniken von den Krankenkassen eine Zulassung haben. Inzwischen kann man sich bei uns schon teilweise in einem anderen EU Land auf Kosten der Krankenkasse behandeln lassen.

Ich rate dir daher, dass du dich nach einer anderen Klinik umschaust, am besten vielleicht eine Rehaklinik die sich auf Querschnittpatienten spezialisiert hat. Dort sind in der Regel auch die Ärzte mit entsprechendem Fachwissen in Richtung neurologische Störungen, auch Urologen mit entsprechendem Wissen sind hier eher zu finden.

Gruß Helmut
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zweit Meinung einholen

Beitrag #5 von klaro (+16.05.2008) » 27 Nov 2007 11:50


hallo walle

zu deinem Problem kann ich nichts sagen.

die urologische Poliklinik ist aber sicherlich mit dem Uni Spital verbunden? bin ich da richtig?

Wenns so ist, würde ich dir vorschlagen, einen Urologen der eine Prxis hat aufzusuchen.

in Polikliniken hab ich selber, meine Mutter und meine Tochter alle dasselbe erfahren.
Genau so, wie du es schilderst. Jeder macht irgendwas und am Ende war keiner zuständig
und man wird nicht wirklich beraten.

such dir einen in deiner Nähe, zu kannst 2.Meinungen einholen, das wird von der Krankenkasse erlaubt.

das kannst du dem Urologen so sagen, dann wirds auf der Rechnung so vermerkt und gut ist.

Viel Mut, halte durch.. es wird einen Weg geben, Grüsse aus dem Berner Oberland,
klaro :fleissig:
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einen urologen finden.. schliessmuskel gelähmt?

Beitrag #6 von walle62 » 02 Dez 2007 08:58


hallo helmuth, hallo klaro!

danke euch sehr für Eure Hilfe!

ich werde mir schleunigst einen guten urologen suchen oder eine spezialsierte klinik aufsuchen.

ich möchte wirklich umfassend beraten werden, die idee mit der zweitmeinung ist gut, klaro.

..das problem vor 15 jahren war, einen spezialisten zu finden, der neupatienten nimmt.
da muss man beziehungen haben und wirklich nur gehen, wenn der arzt einem empfohlen wurde.

..ich muss mich da überwinden es nochmals anpacken!

noch eine frage:

kein arzt sagte mir je den grund für meinen RH 300ml.
was meint Ihr? ist der schliessmuskel gelähmt oder kann die blase sich nicht mehr zusammenziehen?
ich habe vom unfall nervenschäden im 3..5 lendenwirbel, auch die blase wurde durch den unfall zerrissen.

liebe grüsse & lieben dank für Eure wervolle Hilfe!!!

walti
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Beitrag #7 von Struppi » 02 Dez 2007 11:08


Hallo Walti,

das klingt nach einer "typischen" neurogenen Blasenstörung bzw. einer Reflex-Inkontinenz. Was bei dir allerdings vorliegt - eine Lähmung der Schließmuskel, der Blase oder ein reflektorisches/spastisches Zusammenziehen der Blase oder eine Blasenlähmung... all diese Fragen können nur durch eine ausführliche Diagnostik geklärt werden.

Da Restharn in so großen Mengen vorliegt (Mengen von < 50 ml) sollte die Blase regelmäßig "manuell" vollständig entleert werden, z.B. über einen Katheter (ISK - intermittierender Selbstkatheterismus) oder eine suprapubische Blasenfistel (z.B. Cystofix etc.). Wie auch immer, die Blase muss jedenfalls mal wieder leer werden.

Als Laie tippe ich auf eine unvollständige Blasenentleerung durch Lähmung. Dabei kommt es aber insbesondere bei Rückenmarksverletzung zu Spastiken der Blase. Die Blase zieht sich reflektorisch zusammen und entleert sich schwallartig aber zumeist unvollständig... aber wie gesagt, ich bin ein Laie und kann nur aus meiner Erfahrung heraus tippen/raten.

Vom "Ausdrücken" der Blase kann ich Dir nur dringend abraten - es kann leicht sein, dass Harn bei diesem Vorgang zurück in die Nieren gedrückt wird und dort große Schäden anrichten kann. Auch ist dieser Vorgang nicht sonderlich gut für eine gelähmte Blase. Also Vorsicht und doch lieber zurück zum ISK o.ä.

Grüße

Struppi
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neurlogische blase

Beitrag #8 von walle62 » 02 Dez 2007 11:25


hallo struppi

danke für Deine info, ich werde mir Deinen rat zu herzen nehmen.

ich denke, ich muss wieder IK trainieren; sie habens mir in der poliklinik gelehrt, aber die waren so was von schlampig: die sagten doch voll, ich könne zb. auf einem öffentlichen klo ohne betadyne, ohne handschuhe etc. kathetrisieren!

dabei muss ich unbedingt die kath-hygiene verbessern, das braucht viel übung, gutes material und ein sauberes bad/klo.

lieber gruss & schöner advent

walti
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weisst du das schon wegen Eurokey?

Beitrag #9 von klaro (+16.05.2008) » 02 Dez 2007 12:38


hallo Wale

was saubere Klos angeht, haben solche Menschen mit Inko problemen etc, oft auch das Recht auf einen Eurokey Schlüssel, welcher für Behinderten klos geht, der Schlüssel.
(gesamtschweizerisch mindestens Ausland weiss ich nicht)

(aber keine Garantie, dass die sauberer sind) Aber mehr Platz und so.

der Eurokey kann in der Schweiz über Pro Infirmis deiner Region bezogen werden. Tel, Angabe deines Handicaps und evtl ein Arztzeugnis. Musst mal anrufen.

gegen 20 sFr. ist der erhältlich, für alle, die Anrecht auf so einen Klo- Zugang brauhcen.


Wobei halt sehr häufig, die Behindertentoilette wie auch schon erwähnt an derern Stellen, MEIST bei den Frauen integriert ist.

Dir auch, schöne Adventszeit, klaro :fleissig:
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klaro (+16.05.2008)
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Beitrag #10 von Brandy » 02 Dez 2007 18:18


Hallo Walle 62,

solltest du noch Ansprechpartner bezüglich ISK (Hygiene, Durchführung ...) brauchen, stehe ich auch gerne zur Verfügung.

Gruß
Brandy
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