Verständnisfrage: Was passiert wenn der äußere Schließmuskel verletzt wird?

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Verständnisfrage: Was passiert wenn der äußere Schließmuskel verletzt wird?

Beitrag #1 von Mickeyfragt » 11 Mär 2008 17:53


Bei mir steht eine offene OP an der Harnröhre an (bin männlich). Dabei wird eine Striktur (Vernarbung) direkt vor dem äußeren Schließmuskel entfernt. Jetzt kann laut Aussage der Ärzte dabei der äußere Schließmuskel verletzt werden.

Blöd ist, die Ärzte reden es entweder schön oder jeder sagt etwas anderes. Also nach meinem Verständnis sind für die Kontinenz wichtig (auch im Zusammenspiel, teilweise aber auch alleine):

- Blasenhals evtl?? (wobei ich jetzt nicht weiß, ob da tatsächlich auch ein Muskel ist)
- Prostata (siehe Text unten)
- äußerer Schließmuskel

Interessant zur Prostata (ich dachte immer das macht der innere Schließmuskel, aber dem ist wohl nicht so): "Die Prostata mit ihrer statischen drüsigen und dynamischen glattmuskulären Kompressionswirkung auf die Urethra ist anders als der Spinkter internus unter Umständen durchaus in der Lage, auch bei kompletter Resektion des externen Sphinkter etwa im Rahmen einer Striktur-OP eine Harnkontinenz aufrechtzuerhalten.
" Quelle: http://www.kontinenz-gesellschaft.de/wiss_beitrag.htm

Tatsächlich willentlich läßt sich wohl am besten der äußere Schließmuskel steuern. Daher wird er ja auch von Männern nach einer radikalen Prostataentfernung trainiert und man kann somit die Kontinenz erhalten bzw. wieder aufbauen.

So, wenn nun bei mir der äußere Schließmuskel verletzt wird, kann ich mit ihm willentlich kein Urin mehr zurück halten. Nach Aussage der Ärzte werde ich aber nicht inkontinent, da immer noch 'innerer Schließmuskel' bzw Prostata (siehe Text oben) da sind.

Erstens ist das aber doch später mal fatal (bin 'schon' fast 40) wenn ich später Prostataprobleme bekomme und dann evtl. nach Prostataentfernung den äußeren Schließmuskel nicht mehr richtig benutzen kann. Außerdem dürfte es doch jetzt schon zu 'kleinen' Kontinenzproblemen wenn der äußere Muskel verletzt wird?

Ich weiß, dass mein Fall eher ungewöhnlich ist. Aber vielleicht weiß ja trotzdem jemand Genaueres zum äußeren Schließmuskel und seiner evtl. Verletzung? Habe nämlich einfach Angst vor der OP, wenn solche Folgen eintreten können. Ich frage mich auch: Wenn der äußere Schließmuskel verletzt wird, ob ich nicht durch Training desselben wieder annähernd seine ursprüngliche Kraft zurück bekommen kann?

Viele Unsicherheiten... Vielleich weiß ja hier jemand mehr. :)

Danke!
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Mickeyfragt
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Beitrag #2 von Nautilus » 05 Apr 2008 00:06


Guten Abend, Micky,

eine nicht einfach zu beantwortende Frage.
Vielleicht hat deswegen niemand geantwortet.
( Ich habe Deinen Beitrag gerade erst gelesen und hoffe, meine Antwort nutzt Dir noch etwas. Oder bist Du bereits operiert worden ? )

Der innere Schließmuskel befindet sich zwischen Prostata und Blase.
Es handelt sich hier um nur einige Muskelfasern, welche sich ringförmig um den Blasenhals legen.
Dieser Schließmuskel wird vegetativ gesteuert, das heißt, man hat keinen Einfluß darauf.
Hauptaufgabe des inneren Schließmuskels ist es, bei einer Ejakulation zu verhindern, dass das Ejakulat in die Blase gepumpt wird.
Der Aussage der GIH, dass die Prostata - unter Umständen - in der Lage sei, aufgrund ihrer statischen drüsigen und dynamischen glattmuskulären Kompressionswirkung die Harnröhre zu verschließen, schenke ich keinen Glauben. Hier wird eine Hoffnung geschürt, die sehr, sehr gering ist.
Die Prostata ist eine Drüse, ( Vorsteherdrüse ), und nicht trainierbar.

Die Blase selbst ist ebenfalls ein Muskel, welcher sich zur Entleerung zusammenzieht.
Rezeptoren in der Blasenwand melden über die Nervenbahnen dem Gehirn, daß die Blase voll ist und sich entleeren muss.
Das Gehirn meldet seinem Eigentümer, dass dieser eine Toilette aufsuchen sollte.
Es entsteht ein Harndrang.
Einiger Zeit lang kann der Mensch diesem Harndrang widerstehen, aber irgendwann macht das vegetative Nervensystem nicht mehr mit und öffnet den inneren Schließmuskel.
Jetzt kann der Mensch durch den äußeren Schließmuskel nur noch kurze Zeit der Leerung der Blase widerstehen.
Dann aber wird der Harndrang so stark, dass auch der bewußt beeinflussbare, äußere Schließmuskel dem vegetativen Befehl des Gehirnes sowie dem Druck der sich zusammenziehenden Blase nicht mehr widerstehen kann und sich öffnet.
Der Mensch muß urinieren, ob er will oder nicht !!

Der äußere Schließmuskel ist im Beckenbodenmuskel eingebettet und willkürlich steuerbar.
Daher kann man diesen Muskel trainieren.
Auch hier handelt es sich nur um einige Muskelstränge.
Dieser Muskel wird natürlich ebenfalls durch Nerven gesteuert, ist aber von Natur aus sehr robust.
Eine nicht ausheilende Verletzung mit Versagen der Schließfunktion ist eher selten, es sei denn, die entsprechenden Nerven würden durchtrennt.
Aber auch dies ist eher unwahrscheinlich, da zum Beispiel bei einer richtig großen Operation wie des Anlegens einer orthotopen Neoblase, ( einer Blase aus einem Darmstück mit Anschluß an die Harnröhre ), die Blase, die Prostata, die Samenbläschen und die umliegenden Lymphknoten großzügig entfernt werden und die Betroffenen trotzdem noch zu über 90% in der Lage sind, tagsüber die Harnröhre mittels des Beckenbodenmuskels zu verschließen.
Die Nerven für den Beckenbodenmuskel bzw. den äußeren Schließmuskel laufen ganz woanders her und sind daher dem Chirurgen nur selten im Wege.

Deine Ängste sind nicht unbegründet, aber die Chancen für eine weiterbestehende Kontinenz sind ungleich höher.
Mehr Sorgen solltest Du Dir um den Erhalt der Erektion machen.
Diese Nerven laufen nämlich direkt an der Prostata vorbei durch den Schließmuskel in das Glied.....
Siehe hier : http://www.prostata.de/b_rpe_erektionsverlust.html

Schönes Wochenende
Nautilus
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