Überlaufblase???

Du hast allgemeine Fragen zum Thema Blasen-, Darmschwäche oder Inkontinenz? Oder Du weißt nicht wo Deine Frage hingehört? Dann bist Du im allgemeinen Inkontinenzforum richtig!

Moderatoren: Helmut, Benjamin, MSN, Marco N., Georges

Überlaufblase???

Beitrag #1 von teider » 13 Feb 2009 19:15


Hallo,

vor 35 Jahren hatte ich einen sehr langen Krankenhausaufenthalt, Lähmungserscheinungen waren da der Grund, daß ich über einen längeren Zeitraum katheterisiert wurde (Einmalkatheter).

Irgendwann setzte das spontane Wasserlassen wieder ein und alles schien soweit gut. So richtig mit Druck urinieren konnte seitdem eigentlich nie - es war eher so eine Art "Herauslaufenlassen". Trotzdem habe ich nie irgendwelche Probleme gehabt.

Vor gut zwei Wochen verspürte ich plötzlich ständigen Harndrang, es kamen aber immer nur Kleinstmengen u. es brannte ganz schön. Na gut, Blasenentzündung oder so, dachte ich in meiner laienhaften Vorstellung - geht schon wieder vorbei. Viel getrunken, noch mehr gepinkelt, aber es wurde nicht besser.

Schließlich bin ich zum Hausarzt, der mir ohne Untersuchung eine bakterielle Harnweg-Infektion attestierte u. mich mit einem Antibiotika versah.

Nachdem ich das Zeug einen Tag lang eingenommen hatte, konnte ich schließlich überhaupt kein Wasser mehr lassen - es wurde richtig unangenehm u. schmerzhaft.

Schließlich bin ich zum Urologen, der mit einem Einmalkatheter gut einen Liter Urin ableitete.

Untersuchungen ergaben, daß die Prostata wohl angeschwollen sei. Der Doc gab mir einen Blocker mit (Tamsulosin) und meinte, wir sollten jetzt erst einmal abwarten, welche Entwicklung die Geschichte nimmt.

Bei den folgenden beiden Arztterminen wurde per Ultraschall gesehen, daß es, obwohl ich inzwischen wieder in mehr oder weniger kleinen Mengen pinkeln konnte, wohl doch 'ne Menge Restharn in der Blase gäbe. Auch heute wurde das wieder festgestellt.

Der Urologe meinte, das, was ich ausscheiden würde, wäre lediglich eine Art "überlaufender" Urin. Erst einmal weiter warten und wenn das nicht definitv besser würde, wäre vielleicht ein Katheter durch die Bauchdecke eine sinnvolle Maßnahme...

Ihr könnt Euch vielleicht ausmalen, daß ich recht kariert aus der Wäsche geguckt habe.

Es scheint mir, daß sich tatsächlich die Blase nicht vollständig entleert, aber kann das nicht auch ein vorrübergehendes Problem sein - ausgelöst durch eine Infektion o.ä.? Kann ich etwas machen, um die Situation vielleicht zu verbessern?

Ich habe so ein bißchen das Gefühl, daß der Urologe da vielleicht vorschnell mit einer doch recht radikalen Methode 'rüberkommt, zumal er auch überhaupt nicht sicher ist, ob da evtl. die Lähmungen auch Auswirkungen auf die Blase gehabt haben könnten.

Und, wenn es denn keinen anderen Weg gibt als zu katheterisieren, muß es denn so'n Ding durch die Bauchdecke sein oder wäre da ISK vielleicht ein sinnvollerer Schritt?

Es wäre schön, wenn jemand aus seinen Erfahrungen raten kann - ich bin völlig ahnungslos von diesem Zustand auf kaltem Fuß erwischt worden...

Schon jetzt meinen Dank für Hinweise!

Gruß,
Dieter
Benutzeravatar
teider
(Themenstarter)
Starter (bis 15 Beiträge)
Starter (bis 15 Beiträge)
 
Beiträge: 3
Alter: 70
Registriert: 13 Feb 2009 17:04
Wohnort: Wuppertal
Land: Germany (de)
Geschlecht: Männlich
 
Art der Inkontinenz: Überlaufblase

Beitrag #2 von Nautilus » 13 Feb 2009 20:25


Guten Abend, Teider,

es kann sein, dass die damaligen Lähmungserscheinungen auch einen der Nerven betraf, welche für die Kontraktion der Blase mitverantwortlich sind.
Daher musstest Du wohl mehr über die sog. Bauchpresse entleeren.

Aber Deine heutigen Beschwerden sind sicherlich nicht darauf zurückzuführen.
Hier scheint es mir eher so, als hättest Du eine vergrößerte Prostata.
Die Prostata ist mit einer sehr festen Haut umgeben, welche kaum nachgibt.
Wenn sich also die Prostata vergrößert, dann nicht nur nach aussen, sondern auch - vor allem - nach innen, da sich das Organ nach aussen hin nur wenig vergrößert.
Der erhöhte Druck, den das Gewebe ausübt, muss irgendwo hin, und da sind Harnröhre und Samenleiter genau richtig.
Diese werden “zusammengepresst” und verursachen dadurch eine Hyperkontinenz.

Primär scheint mir eine Prostatauntersuchung unbedingt erforderlich, und zwar eine richtige Untersuchung, nicht nur die “Hafenrundfahrt” und einen PSA-Test, ( prostataspezifisches Antigen ), sondern auch eine Spiegelung und möglichst eine Röntgenuntersuchung mit Kontrastmittel.
Dadurch sind Engstellen besser zu erkennen.
Insbesonders solltest Du Dich auf eine Hyperplasie untersuchen lassen, ( Vergrößerung der Prostata durch vermehrte Zellteilung, im Allgemeinen gutartig )

Aber auch benigne, ( gutartige ), Prostataerkrankungen können sehr wohl zu einer Hyperkontinenz oder zumindestens zu sehr erschwertem Wasserlassen führen.
Gutartig bedeute aber nur, dass es keine maligne, ( bösartige ) Erkrankung ist !

Mach Dich im Internet schlau, es gibt genügend Seiten.

Die Aussage des Urologen, Du hättest eine “Überlaufinkontinenz” und er würde Dir zu einem suprapubischen Blasenverweilkatheter, ( Bauchkatheter ), raten, ist blanker Unsinn und grenzt schon an Körperverletzung, solange die Ursachen nicht gefunden, ja nicht einmal gesucht wurde !!
Überlaufen kannst Du nur dann, wenn irgendwo eine Öffnung ist, und diese scheint mir durch die Prostatavergrößerung kaum noch vorhanden zu sein.
Dass Du inzwischen etwas mehr oder weniger pinkeln konntest, liegt an dem Medikament, welches die Prostata hat abschwellen lassen.
Aber das reicht nicht !!!!

Du solltest unbedingt ein Kontinenzzentrum aufsuchen, in welchem Du von verschiedenen Fachärzten gründlich untersucht und diagnostiziert wirst.
Ein suprapubischer Blasenverweilkatheter kann zu einer Schrumpfblase oder auch zu einer Balkenblase führen, und wenn das einmal da ist, kannst Du alles verlieren, was einen Mann so ausmacht.

Also bloss keine Hemmungen, such ein Kontinenzzentrum auf, es geht um Deine zufriedenenstellende Lebensqualität in den nächsten 30 Jahren !.
Den betreffenden Urologen würde ich an Deiner Stelle ab heute meiden.

Im Übrigen ist ein Bauchdeckenkatheter wohl etwas sicherer als die Einmalkatheter beim ISK, da die Gefahr der Bakterieneinschleppung beim Einmalkatheter etwas höher ist.

Gruss
Nautilus
Benutzeravatar
Nautilus
Standardautor (min. 15 Beiträge)
Standardautor (min. 15 Beiträge)
 
Beiträge: 47
Alter: 54
Registriert: 16 Dez 2007 00:07
Wohnort: Dortmund
Land: Germany (de)
Geschlecht: Männlich
 
Art der Inkontinenz: Drang
Hilfsmittel: Vorlagen, Urinalkondom

ISK - Suprapubischer Kath.

Beitrag #3 von Chris » 14 Feb 2009 16:37


Hallo Teider,

mir ist ein Schauer über den Rücken gelaufen, als ich las, wie deine Untersuchung abgelaufen ist, und was für weitreichende Folgen "so nebenbei" in Aussicht gestellt wurden. Ich schließe mich voll Nautilus an, das grenzt an Körperverletzung - also schleunigst zu einem Kontinenzzentrum!!!

Was den Suprapubischen im Vergleich zum ISK angeht - da bin ich allerdings anderer Meinung. Die Gefahr einer Infektion ist bei einem suprapubischen nach meiner Meinung doch deutlich größer als beim ISK, wenn er denn richtig und steril durchgeführt wird. Dadurch, dass nicht ständig ein Fremdkörper in der Blase liegt ist auch die Gefahr einer Reizung wesentlich geringer. Alles in Allem also ziehe ich einen ISK deutlich vor, zumal er auch mehr an Freiheit übrig läßt - Schwimmen, viele weitere Sportarten, die mit einem Suprapubischen doch deutlich eingeschränkt sind.

Was die Prostata angeht, so auch von mir die dringende Aufforderung, lass das genau untersuchen - Eckhard hat hier eine Weile gepostet, der hatte auch "plötzlich" und ohne Vorwarnung einen Blasenkrebs - das muss schnellstens genau untersucht werden, denn mit deinem Alter bist du genau im "kritischen Bereich".

Soviel für jetzt, machs gut

Chris
Kinder sind uns als Lehen gegeben, wir müssen sie sorgfältig behandeln
Benutzeravatar
Chris
Profiautor (min. 150 Beiträge)
Profiautor (min. 150 Beiträge)
 
Beiträge: 299
Alter: 65
Registriert: 04 Mai 2003 21:07
Wohnort: Bad Oldesloe
Land: Germany (de)
Geschlecht: Männlich
 
Art der Inkontinenz: Harn / Stuhl
Hilfsmittel: Slips / Pants / Vorlagen

Beitrag #4 von teider » 15 Feb 2009 14:32


Hallo,

erst einmal vielen Dank für Eure ausführlichen Erklärungen!

Mit etwas Abstand finde ich, auch ohne jetzt über einen Arzt herzuziehen, dessen "Hilfe" schon recht "bemerkenswert". Er hat mich zwar darüber aufgeklärt, daß er lediglich 26 Euro für die "Behandlung" an mir erhalten würde (bin ganz normaler BEK-Kassenpatient), praktisch jeder weitere Handgriff nur zu seinen Lasten ginge und Geld eigentlich nur durch Privatpatienten zu verdienen sei - aber genau betrachtet, ist das eigentlich eine Frechheit! Die Folgen irgendwelcher Gesundheitsreformen sollten zwischen Verbänden und der Politik ausdiskutiert werden - den Patienten die Ohren vollzuhängen ist sicher nicht der beste Weg. By the way, niemand ist doch gezwungen, die Kassenzulassung zu behalten, oder?

Aber ich schweife ab - mich an engagierterer Stelle schlauer zu machen, dürfte wohl die vernünftigste Lösung sein.

Derzeit ist es so, daß es sich in meinem Fall gebessert hat. Nicht ganz so, wie gewohnt, aber dieser permanente Drang und dann kommen lediglich ein paar Tropfen, ist vorüber. Die "Menge" ist wieder "nennenswerter".

Ich werde noch ein paar Tage abwarten, wie's weitergeht, und werde dann, Euren Rat befolgend, nach besseren Ansprechpartnern suchen, um ein klareres Bild zu erhalten.

Nochmals vielen Dank, Eurer Rat hilft mir wirklich weiter.

Gruß,
Dieter
Benutzeravatar
teider
(Themenstarter)
Starter (bis 15 Beiträge)
Starter (bis 15 Beiträge)
 
Beiträge: 3
Alter: 70
Registriert: 13 Feb 2009 17:04
Wohnort: Wuppertal
Land: Germany (de)
Geschlecht: Männlich
 
Art der Inkontinenz: Überlaufblase

Beitrag #5 von Brandy » 15 Feb 2009 16:39


Hallo Teider,

ich glaube schon, dass ein Bauchdeckenkatheter bezüglich Keimverschleppung sicherer ist, als der ISK. Nur hat man beim Bauchdeckenkatheter das Problem, dass man öfter ins Krankenhaus bzw. zum Facharzt muss, weil man diesen selbst nicht wechseln kann.

Den ISK führe ich selbst seit Jahren durch. Ich muss zwar öfter zum Hausarzt, wenn ich einen Harnwegsinfekt habe, aber der Besuch beim Urologen steht bei mir nur alle 6 Monate an.

Gruß
Brandy
Benutzeravatar
Brandy
Profiautor (min. 150 Beiträge)
Profiautor (min. 150 Beiträge)
 
Beiträge: 229
Alter: 40
Registriert: 31 Jul 2005 19:26
Wohnort: Niederösterreich
Land: Austria (at)
Geschlecht: Männlich
 
Partner: ledig
Art der Inkontinenz: neurog. Blasenentleerungsstörung bei Spina bifida
Hilfsmittel: ISK, Vesicare (Tabletten), Einlagen

Beitrag #6 von Nautilus » 15 Feb 2009 22:01


Guten Abend, teider,

Dein Beitrag lässt mich irgendwie daran zweifeln, dass Du die Sache ernst genug nimmst.

Tu Dir selbst den Gefallen und vertraue nicht auf die Selbstheilungskräfte des Körpers, nur
weil der Harndrang jetzt etwas nachgelassen hat, sondern geh wirklich zu einer intensiven Untersuchung.

Auch eine gutartige Prostatavergrößerung kann sehr unangenehm werden, da es durch den Harnstau zu einem
Reflux des Harnes in die Nieren und dadurch zu Nierenbeckenentzündungen/Nierenentzündungen kommen kann.

Es ist müssig, darüber zu diskutieren, ob der Arzt eventuell recht hat oder unrecht.
Wenn man genau hinschaut, erfährt man, dass so mittlerweile fast ein Drittel der zugelassenen Kassenärzte lamentiert.
Dies führt in absehbarer Zeit zu einer Unterversorgung der Kassenpatienten.

Tatsache ist, dass Du als Patient darunter zu leiden hast, daher solltest Du diesen Arzt meiden, denn seine Einstellung
wird sich sicherlich nicht ändern, auch nicht, wenn Du in absehbarer Zeit durch die notleidende Behandlung chronisch
krank geworden bist.

Gruss
Nautilus
Benutzeravatar
Nautilus
Standardautor (min. 15 Beiträge)
Standardautor (min. 15 Beiträge)
 
Beiträge: 47
Alter: 54
Registriert: 16 Dez 2007 00:07
Wohnort: Dortmund
Land: Germany (de)
Geschlecht: Männlich
 
Art der Inkontinenz: Drang
Hilfsmittel: Vorlagen, Urinalkondom


Zurück zu Inko Forum

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast

cron