Völlig überfordert - Tips und Erfahrungstausch

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Völlig überfordert - Tips und Erfahrungstausch

Beitrag #1 von Pari » 13 Mai 2009 10:51


Hallo liebe Gemeinde,

ihr könnt euch nicht vorstellen, wie froh ich über das Medium Internet bin und hoffe, dass mir jemand ein wenig mit Einstiegshilfen und Tips weiterhelfen kann.

Es geht um meinen fast 80-jährigen Vater, bei dem vor einigen Monaten ein Blasentumor festgestellt wurde und medikamtös behandelt wird. Eine Operation würde er er wohl aufgrund des Alters nicht mehr überleben.
Er leidet deshalb momentan sehr stark unter Blasen- und Stuhlinkotinenz und meine Mutter ist wirklich sehr überfordert, habe Angst, dass sie auch noch krank wird. Zudem ist er auch körperlich sehr schwach geworden und hat abgenommen, bewegen kann er sich aufgrund von Schmerzen auch nicht sehr viel und sehr mühselig.

Ich fühle mich mit dem Thema ziemlich überfordert und das Angebot als Pflegemitteln-/ möglichkeiten und Anbietern lässt mich da auch noch nicht durchblicken und würde mich deshalb gerne über ein paar Ratschläge freuen. Wie handhabt ihr das zunächst mit dem Bett so, in Sachen Überzüge etc.? Momentan ist es so, dass meine Mutter mehrmals sehr viel Wäsche und Bezüge waschen muss, weil mein Vater nicht dicht genug ist und jedes Mal ausläuft.

Womit wir schon beim eigentlich Hauptheme sind. Ich habe mich hier und einem Wiki schon ein wenig eingelesen, aber wie gesagt, durch die Hülle bin ich total überfordert. Er muss ziemlich oft urinieren und kann diesen gar nicht mehr halten, ebenso das koten, welches er in kurzen Abständen auch immer wieder hat. Eine zeitlang muss meine Mutter dann sogar alle paar Zeitabstände seine Kleidung und Unterwäsche wechseln. Wie könnte man das hier am optimalsten handhaben und vor allem in der Nacht? Ich habe da gerade was von Urinbeuteln gelesen, kann sowas jeder tragen oder muss da zunächst eine bestimmte ärztliche Vorkehrung erfolgen. Koten muss er auch ziemlich oft, überwiegend normal und manchmal ist halt auch flüssig. Wie könnte man das täglich und nächtlich am besten handhaben? Welche Produkte könnt ihr mir aus eigener Erfahrung empfehlen?

Das ganze wird dann für meine Mutter auch sehr kostenintensiv, gibt es da Möglichkeiten, dass vielleicht die Krankenkasse für einige Dinge aufkommen kann? Wenn ja, für was alles?
Kennt ihr desweiteren diesbezüglich auch einige günstige Bezugsquellen aus dem Internet? Sie wohnen in einer kleinen Gegend und das nächste Sanitätshaus ist z.B. auch ziemlich weit weg, deshalb würde ich das dann für sie über das Internet abwickeln wollen.

Herzliche Grüsse,
Pari
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Beitrag #2 von Struppi » 14 Mai 2009 05:02


Hallo Pari,

das erste, was ich Dir bei dieser Gesamtsituation empfehlen kann, ist die Einschaltung eines professionellen Pflegedienstes. Den Antrag schnellstmöglich bei der Krankenkasse Deines Vaters/Deiner Eltern stellen.

Zum Thema Inkontinenz kann ich nur folgendes ausführen:

Es gibt Unterlagen (für das Bett empfehle ich die Maße 60 x 90 cm) mit einer wasserdichten Folie außen und Zellstoff auf der körperzugewandten Seite. Diese schützen das Bett zuverlässig und verringern erheblich den Wäscheaufwand. Ohne Werbung machen zu wollen, empfehle ich einfach mal die von der Firma Seni (SeniSoft 60x90); sie sind im Preis-Leistungsverhältnis ganz okay.

Gegen die Stuhlinkontinenz gäbe es an aktiven Möglichkeiten die Irrigation - nur ist die Frage, ob man dies einem präfinal Erkrankten noch zumuten sollte. Ansonsten ginge ein sogenannter Anal-Tampon. - Eine Frage am Rande wäre, warum bei einem Blasenkarzinom die Stuhlinkontinenz aufgetreten ist? Sind bereits Metastasen im Spinalgang oder ist dies mal auf andere Ursachen untersucht worden?

Die Harninkontinenz kann sehr gut bei einem Mann mit dem Urinal-Kondom unter Kontrolle gebracht werden, das sich auch problemlos an ein Bett- oder Beinbeutel anschließen läßt.

Was Vorlagen oder (bei der Stärke der Inko in seinem Fall evtl. besser) Inkontienzslips anbelangt, so sind diese natürlich rezeptierbar und werden auch von der Krankenkasse übernommen. Ich persönlich würde hier nicht so sehr auf den Euro schauen und nicht unbedingt die günstige/zuzahlungsfreie Variante nehmen. Laßt Euch bemustern, probiert, was klappt und auch richtig sitzt - und nehmt es dann.

Wenn noch weitere Fragen sind, stehe ich gerne zur Verfügung.

Mit den besten Grüßen

Hannes
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Beitrag #3 von Pari » 15 Mai 2009 19:09


Hallo Hannes,

vielen lieben Dank für deine schnelle Antwort.

Mein Vater war gestern nochmal im Krankenhaus und er hat ein Urinal Kondom bekommen, denn man, wie du beschrieben hast, an so einem Beutel anschliesen kann, zum ersten mal konnte er jetzt durchlafen und er meinte selber auch, das es sehr hilfreich war.

Eine reine Stuhlinkontinenz hat er wohl nicht, hat wohl an seiner Ernährung gelegen und dadurch das er seine Blase nicht unter Kontrolle hatte, der Stuhl dann auch gleich mitkam. Bei ihm wurde ein grosser Blasentumor diagnostiziert, daher ruht das ganze. Das mit dem Stuhl muss sich jetzt wohl antrainieren und nicht gleich mitgehen lassen, wir beobachten das ganze erstmal, weil alles noch recht frisch ist, sonst muss das ganze auch nochmal zusätzlich untersucht werden.

Was die Slips angeht, hatten wir erst so ganz normale Einlagen gekauft, die waren nicht so gut, dann hat uns eine Bekannte noch 2 vesch. Modelle mitgebracht, die man oben mit kletten zuschliessen konnte und auch so in einem besseren Umfang dem Körper angepasst werden können, muss man erstmal wirklich alles ausprobieren, was jetzt das optimalste für ihm ist.

Ich hoffe mal, das es sich jetzt ein wenig gebessert hat und er nicht zu einem derartigem Pflegefall wird, werde mich auf jeden Fall auch nochmal mit der Krankenkasse und einem evtl. Pflegedienst in Verbindung setzen, das war eine gute Idee.

Nochmal recht herzlichen Dank für deine Infos, die einem sehr weiterhelfen, wenn man ganz am Anfang steht und nicht weiss wohin :)

Liebe Grüsse
Pari
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Beitrag #4 von Nautilus » 15 Mai 2009 22:13


Guten Abend, Pari,

einen Blasentumor kann man medikamentös nicht behandeln.

Dein Vater muss sofort, unverzüglich, die urologische Station einer Fachklinik aufsuchen.
Du bist aus Hagen, sorge dafür, dass Dein Vater in das AKH zum Dr. Hahn, Chefarzt der Urologischen Abteilung, überwiesen wird und sich dort untersuchen lässt.
Dr. Hahn ist einer der Besten in NRW.


Es gibt nicht den geringsten Grund, warum ein fast 80-jähriger nicht wegen des Blasenkrebs operiert werden könnte.
Ausser natürlich, er wäre schon so voller Metas, dass sich eine OP erübrigt.
Aber dies muss doch erst einmal disgnostiziert werden !!!

Geh mal ins Blasenkrebsforum ( http://www.forum-blasenkrebs.net/index. ... 87b46bfdfb ), logge Dich dort ein und mach Dich kundig.

Sehr viele Angehörige waren vor Jahresfrist der Meinung, Mutter/Vater/Oma/Opa müssten am Blasenkrebs sterben, heute sind diese Betroffenen wieder putzmunter.

Blasenkrebs medikamentös behandeln, welcher Idiot ist denn auf diese absurde Idee gekommen ????

Gruss
Nautilus
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Beitrag #5 von Nautilus » 15 Mai 2009 23:01


Mein Vater war gestern nochmal im Krankenhaus und er hat ein Urinal Kondom bekommen, den man, wie du beschrieben hast, an so einem Beutel anschliessen kann, zum ersten mal konnte er jetzt durchlafen und er meinte selber auch, das es sehr hilfreich war.


Mit einem, ( 1 Stück ), Kondom-Urinal wird Dein Vater nicht weit kommen.
Er soll sich vom Urologen welche verschreiben lassen, die Kondome gibt es in Paketen von 30 Stück.
Jeden Abend ein neues Kondom aufrollen.
Und keine aus Latex nehmen, sondern die selbstklebenden aus Silicon.
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Nautilus
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