Inkontinenz - ein wiederkehrendes Leiden

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Inkontinenz - ein wiederkehrendes Leiden

Beitrag #1 von matis » 21 Jan 2011 19:31


Hallo zusammen

Vor vielen Jahren war ich schon mal Forenmember, als ich zum zweiten Mal große Probleme mit der Blase bekam. Durch wirklich schwere Blasenentzündungen, gerade die erste hinterließ Spuren, damals verlor ich ein "richtiges" Gefühl für die Blase und deren Kontrolle, beim zweiten ausgeprägten Mal war es ähnlich.
So wie Gefühl+Kontrolle zurück kam, blieb lange Zeit eine Dranginkontinenz.
Durch Dysurgal und später Detrusitol und Training konnte es über eine bedingte Inkontinenz bis hin zu einer bedingten Kontinenz geführt werden.
Irgendwann wurde sie, sagen wir zu 99% erfolgreich wieder hergestellt, ohne weitere Medikamenteneinnahme, bis auf wenige leichte Rückschläge und ein wieder aufgetretendes anhaltendes Bettnässen.
Diese 99%-Kontinenz konnte ich einigermaßen halten.
Ich war dann Jahrelang hier nicht mehr aktiv, irgendwann war sogar mein Account hier gelöscht worden.

Alles blieb relativ gut, bis zum Oktober 2010.
Warum, was genau alles im Körper vorgegangen ist, weiß keiner.
Ich lag zwei mal richtig flach. Eine Woche richtig krank, dann merkte ich, wie ich wieder fit wurde. "Gut, Grippe überstanden" dachte ich, eine Woche gesund, dann wieder eine Woche krank.
Ich habe teilweise 24h, einmal 36h bis auf kurze Unterbrechungen durchgeschlafen.
Mandelentzündung, leicht fiebrig, abwechselnd Durchfall/Verstopfung.
Aber auch hier merkte ich täglich Besserung.
Bevor ich wieder ganz Gesund war, spürte ich wieder eine aufkeimende Blasenentzündung.
Ängste, sie könnten wieder meine Kontinenz beeinträchtigen zeigten sich direkt, wie ich leidvoll erfahren musste.

Als ich dann wenige Tage später bei der Hausärztin war, gingen die üblichen Entzündungsreize und Effekte schon wieder zurück, aber die plötzlichen unbeherrschbaren Anstiege des Drangs mit fast reflexartigen Entleerungen, die nahezu vollständig sein können, waren wieder da.
Die Urinprobe war wieder relativ unauffällig. Zur Sicherheit verschrieb sie aber noch ein Antibiotikum. Unterstützend sollte wieder ein Hemmer wirken, Detrusitol.
Das nahm ein wenig die übermaßig häufigen Reizungen, häufigen kleineren Urinabgänge.
Größere Mengen, die sich schneller in der Blase angesammelt haben, sind weiterhin meist sehr spontan unkontrolliert abgegangen.
Ich ging also noch zum Urologen. Er riet davon ab, Hilfsmittel zu tragen, die seien nicht gut für Intimzone. Ich dachte: "Will der mich veräppeln? Die nasse Hose (und nassen Schuhe) im Oktober im Aufzug hatten mir gereicht".
Letztlich hörte er mich fast vollständig an, verdonnerte mich zum neuen Anfertigen eines Miktionstagebuches und meinte, im !Januar! würde ich den nächsten Termin bekommen, wo dann weitere Untersuchungen starten würden.

Im Dezember war ich wieder dabei, ein gelegentliches "Halten können" zu erfassen und auszubauen (Training). Eine sehr langsame aber stetige Besserung stellte sich ein.
Zwischen den Tagen war ich dann im Schnee, Winterberg.
Ich stand in einer Schlange und plötzlich merkte ich "Au ha, jetzt läuft es wieder los".
Nein, es lief gar nicht los, es fühlte sich so an, als es würde, aber nein.
Kurze Zeit später lief es doch, aber sehr langsam und leicht schmerzend und keinesfalls vollständig, auch wenn ich es in den Moment beinnahe gewollte hätte, um den beißenden Inhalt endlich los zu sein.
"Oh Nein, da wird sich doch nicht schon wieder was entzünden...".
Es legte sich jedoch wieder, noch am gleichen Tag.
Da ich fürs Miktionstagebuch schon eimal Detrusitol absetzen sollte und ich merkte, dass die Unterschiede gar nicht mehr so groß waren, aber die Nebenwirkungen von Detrusitol doch vorhanden, setzte ich es ab. Ich bin kein Freund von regelmäßigen Medikamenteneinnahmen, gerade wenn die Wirkung nicht 100% Erfolg zeigt.

An Silvester dann bei den Schwiegereltern tröpfelte hin und wieder Urin in mein Hilfsmittel, es war rosa.
Am Neujahrstag waren dann ganze Schwalle Urin rosa, zwischenzeitlich tropfte Blut, augenscheinlich fast in Reinform. Fieber breitete sich aus.
Mensch, wie konnte es so spontan wieder so schlimm werden.
Ab zur Notfall-Ambulanz.

Etwas schockiert von meiner stark blutigen Pants, die ich für den Tag gewählt hatte, machte der Notfall-Urologe wieder eine Urinprobe, machte Ultraschall von Blase, Niere und Prostata (kein angenehmer Schlauch), sowie händische Abtastungen.

Diagnose: Blase stark entzündet, Prostata entzündet, Samenleiter entzündet.
Das Fragezeichen zum Thema "Warum" war ihm ins Gesicht geschrieben.
Letztlich ließ er mir die Wahl, mich einzuweisen oder zu Hause zum Urologen zu gehen.
Naja, es war Wochenende, sie könnten direkt eh nichts machen. Also dann lieber zu Hause.

Irsinnigerweise hatte es zumindest mengenmäßig meine Inkontinenz zurückgedrängt, aber so war es natürlich auch nicht besser.
Ich bekam erneut ein sehr starkes Antibiotika.
Dieses brachte zumindest in Entzündungshinsicht sehr schnell merklichen Erfolg.
Nur wenige Tage später ließ ich mich Nachuntersuchen. Diesmal bei einen anderen Urologen, als bei dem Anfang November - war ich doch sauer, dass es überhaupt hatte soweit kommen müssen.
Auch er war überrascht, wie schnell das Urin wieder unauffällig im Vergleich wurde.

Mit dem Abschwellen der Prostata und dem Zurückgehen der Reizungen in der Harnröhre vegrößerten sich die Intervalle zwischen Urinabgängen. Die Mengen unkontrollierter Entleerungen wurden jedoch wieder größer, dafür waren auch wieder vermehrt erfolgreiche gezielte Toilettengänge möglich.

Ich bewege mich also immer zwischen "ich kann nicht machen" und "jetzt aber dringend oder zu spät". Die Range dazwischen ist sehr klein, manchmal im direkten Übergang.

Ob ich ein paar Minuten halten kann oder es nach 2 Sekunden los schießt, ist jeden Tag anders.
Ob jetzt 1 von 4 oder 3 von 4 Entleerungen normal und bewusst geschehen, das ist von Tag zu Tag unterschiedlich.
Ich habe auch Tage, wo ich auf 4 Stunden nur ca. 200 ml Urin lasse, das ggf. sogar bewusst und erfolgreich, mehr kommt nicht, aber am gleichen Tag oder anderen Tag, 500 ml in einer Stunde verliere und das bei gleichen und gleichmäßigen Trinkmengen.

Ich trinke relativ viel, wahrscheinlich auch mehr als die meisten anderen Betroffenen, aber das soll man eigentlich ja auch, ich habe einen Flüssigkeitsbedarf von mehr als 2 L täglich.

Dieser neue Urologe hat mich aber auch nicht gerade umgehauen.
Bisher hat er mir immer nur so wenig Zeit zum Reden gelassen, bzw. so schnell die Sitzung beendet, dass ich bis jetzt immer noch nicht die komplette Vorgeschichte erzählen konnte.
Andererseits frage ich mich auch, wieviel es bringt, wenn er mich bei jedem Besuch erneut fragt: "Aso ja, Inkontinenz. Wie äußert es sich bei Ihnen".

Jedenfalls hab ich jetzt einen Termin zur Blasenspiegelung im Februar.
In allen, was schnell und klar machbar und abzurechnen ist, sind sie gut?! *grr*

Na hoffen wir mal, dass endlich mehr Licht ins Dunkel kommt.
Ich habe Hoffnung, dass ich es wieder (mal) in den Griff bekomme.
Und wenn es nur durch Training und Ausdauer machbar ist.

Falls nicht oder falls nichts deutliches in der Blase zu finden ist, frage ich mich natürlich, was noch in Betracht kommt.
Vielleicht wäre dann ein Neurologe richtig. Neurologische Störungen liegen in der Familie.
Meine Mutter hat beispielsweise eine starke, schwer behandelbare Neurodermitis.


LG
Der Matis
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Beitrag #2 von matis » 24 Mär 2011 17:57


Ich wollte nur mal einen kleinen neuen Zwischenstand durchgeben.
Die schon vor vielen Wochen erlebte langsame aber stetige Verbesserung hielt und hält an.
Leider immer noch in keiner Weise "ausreichend gut".

Insbesondere der durchschnittliche Mengen-Schwellwert, ab wann etwas passieren kann bzw. passiert, ist weiter nach oben getrieben worden.
Das schafft eine höhere Kapazität und das heißt zumindest, etwas öfter gezielt, bewusst und/oder zuvorkommend einen Toilettengang erledigen zu können.
Leider hat so ein Durchschnittswert auch Schwankunen nach unten und andere Parameter, die ihn beeinflussen, naja...

Die Blasenspiegelung brachte nichts besonderes hervor. Alles noch bzw. eher wieder im üblichen Rahmen, also zumindest organisch keine besonderen Auffälligkeiten.
Auch eine Gewebeprobe vom Inneren schaffte eine Erleichterung, nichts in Richtung Krebs o.ä.

Eine Urodynamik spiegelte die beschriebene Situation und die Probleme wieder, auch dass die Kapazität wieder höher liegt.
Bis zu einen gewissen Füllgrad passiert nichts, kein Drang oder dieses leichte Dauerdranggefühl, ohne besondere Alarmierung.
Dann gibt es einen kleinen kurzen schwammigen Bereich und danach den raschen Dranganstieg, anschließend ist alles zu spät.

Durch Blicke auf Details der Kurvenauswertung der Urodynamik hat der Arzt jetzt entschieden, dass Spasmolyt 20mg das für mich richtige Medikament sein müsste, von dem wir uns etwas versprechen können sollten.

Wie sind eure Erfahrungen mit diesem Medikament?
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Beitrag #3 von matis » 23 Jun 2011 15:17


Nun haben wir den 23.06.2011, ich bin einiges an Erfahrungen reicher, aber leider immer noch inkontinent.

Mein lockerer Umgang damit ist ein wenig eingebrochen.
Wie sagte ich es noch Anfang des Jahres einem Freund, der mich schockiert ansah und meinte, er würde sterben, wenn er auf solche Hilfsmittel angewiesen wäre:
"Ach, das geht schon wieder weg, da nehme ich einfach dieses Medikament, probiere und trainiere und dann ist das wieder weg. Und wenn das auch noch nicht hilft, dann das, aber dann...".

Jetzt verstehe ich etwas besser die Leute, die sagen: "Ach hör doch auf mit dem Mittel x, der Behandlung y..., das hilft doch alles nicht ausreichend." und fühle mich gleichzeitig veräppelt, wenn ich ein Werbeplakat eines Pharmaunternehmens wie das beim Urologen in Essen sehe, auf dem steht: "Heute muss keiner mehr inkontinent sein".

Jetzt ist es schon fast ein dreiviertel Jahr her, dass ich nur noch wählen kann, zwischen nasser Hose oder nassem Inkoslip.
Abgesehen von zeitweiligen Schwankungen und dem allgemeinen Trend, dass es immer besser wurde, stagnierte es irgendwann und darüber hinaus bewegt sich nichts mehr.

Der Versuch mit Spasmolyt:
Das Mittel lähmt ein wenig die Blasenmuskulatur.
Leider nicht nur das, es wirkt auch auf den Darm.
Also erlebter Nachteil 1: Verstopfungen. Wenn diese viele Tage anhielten, brauchte ich kein Abführmittel, um dass mein Körper dies mit Durchfall quittierte. So schützt sich wohl der Körper selbst. Irgendwann pendelte es sich etwas ein, aber normal war das nicht.

Vorteil: Die Blase war ruhiger, ich kam manchmal (länger) gegen den plötzlichen Dranganstieg an, der auch nicht mehr so plötzlich war.
Der ungewollte Ausfluss, wenn er denn auftrat, war eher oder leichter stoppbar, wenn er denn stoppbar war (nicht immer).

Nachteil: Ich kann schon ohne diesem Mittel oft mit wenig in der Blase gar nicht bewusst machen.
Mit dem Mittel hatte ich viel mehr Schwierigkeiten, bewusst eine Entleerung zu initiieren.
Mehr noch, manchmal waren anscheinend sogar schon größere Mengen in der Blase, mit Druckgefühl, die ich nicht herausbekam.
Das hieß aber leider nicht automatisch, dass auch nichts mehr selbstständig losläuft.
Wenn ich dann kontrolliert machen konnte und dies auf der Toilette nutzte, lief das Urin nur langsam und stoppte ziemlich deutlich gefühlt, bevor die Blase leer war.
Ähnliches erlebte ich auch bei unkontrollierten Abgängen, die weiterhin vorkamen.

Das hätte eigentlich schon gereicht, um zu dem Schluss zu kommen, das man es eigentlich auch sein lassen kann, weil die negativen Erlebnisse die positiven fast aufheben.
Ob sich die Blase von 200 auf 10 ml entleert oder sie sich von 300 auf 100 ml entleert, wo ist da der große Unterschied, außer, dass es wohl nicht gesund sein wird.
Das Gefühl für die Blase wurde jedenfalls mit dem Mittel schlechter!
Ich kann mir schon vorstellen, wie es wirken soll, aber der Schuss kann auch nach hinten losgehen.
In wenigen Einzelfällen hatte ich sogar einen schon schmerzhaften Druck, ohne dass ungewollt etwas abging, aber eben auch ohne, dass ich es auf der Toilette rausbekam. Mit Pressen und Geduld konnte ich etwas rausdrücken und mit ganz viel Glück entschied sich die Blase danach auch für eine Entleerung, mit ganz viel Pech erst einige Minuten nachdem ich dem WC-Häuschen entschwunden war.
Diese Verkrampfungen können vorkommen, gerade wenn mal mein Wille stärker ist, als die selbstständige Blase.
Mit dem Mittel werden sie ungleich schlimmer als ohne.

Wenn dann noch Nebenwirkungen vom Medikament hinzukommen, ist man dazu geneigt, das Mittel abzusetzen. Damit meine ich nichtmals die Nebenwirkungen auf dem Beipackzettel, die teilweise gar nicht so schlimm sind.
Mit dem eingelagerten Zeug im Körper fühlt und reagiert man anders.
Z.B. Ängste verstärken sich.

Das sei Quatsch, meint mein Arzt, es stehe doch nicht im Beipackzettel.
Der erlebte und gefühtle Unterschied ein paar Tage nach dem Absetzen gab mir Recht.

Machen wir uns nichts vor, 2 von 3 Inkontinenten Leuten haben (andere) schwere Krankheiten, Behinderungen, Altersschwäche, Demenz und ähnliche andere Leiden.
Wer käme da auf die Idee, das Ein oder Andere dem Medikament gegen Dranginkontinenz zuzuschreiben?!
Das könnte ein Grund sein, warum es nicht im Beipackzettel steht.
Ich meine, ich bin eh kein Medikamentenfreund, gerade bei regelmäßigen Einnahmen.
Und wer kennt schon wirklich die Langzeitnebenwirkungen.
Aber wenn es denn mich endlich wieder 100% kontinent machen könnte, dann kann man auch einiges schlucken, im doppelten Sinne, aber so...

Ich fragte also meinen Arzt, was wir noch machen können und ob es kein Mittel gibt, welches gezielter, direkter, schneller aber auch kürzer wirkt, welches sich nicht erst einlagern muss und dafür am Ende lange nachwirkt, eines, welches ich spontan nehmen kann, wenn es gerade schlimm ist, eines, welches ich noch nachdosieren kann, vielleicht sogar die Urinzufur unterbricht, bis ich zu Hause bin, wo ich dann keine Tablette mehr nachschlucke.

Nein, hieß es, so ein Mittel gibt es nicht, die anderen wirken alle ähnlich wie Spasmolyt oder Detrusitol, da können wir dann nichts machen.

Ich war dann noch in einer Gemeinschaftspraxis einiger Psychologen und Neurologen, wo ich dann die Stationen und Ärzte in einer Runde durchlief, wo eine Reihe Standardtests gemacht wurden (Hirnströme, Halsschlagader, langer Nerv in die Beine messen, Gespräche usw.).
Die Ergebnisse lagen in Rahmen des Üblichen, keine besonderen Auffälligkeiten.

Und da stehe ich nun.

Ich meine, saugende Hilfsmittel zu tragen erzeugt keinen großen Leidensdruck bei mir, in den meisten Situationen gehts schon klar, vor allem über Nacht.
Und das werden auch die Ärzte erkannt und beurteilt haben.
Dennoch bedeutet es ein paar Einschränkungen und Schwierigkeiten.
Spätestens wenn es um eine Flugreise und Badeurlaub geht, könnte ich kotzen,
sorry für die Wortwahl.

Meine Aufheiterung nach diesem Kommentar ist, dass ich mich anscheinend sonst guter Gesundheit erfreue.
So ist meine "Windel" wohl doch nur so etwas wie eine Brille für Sehschwache, nur eben bezogen auf die Blase.

Sonst richtig Gesund ist etwas, das ja leider nicht jeder von euch Lesern von sich behaupten kann. Wenn die Inkontinez wie so oft nur ein kleines Symptom von etwas viel schlimmeren ist, dann ist Hilfe noch viel wichtiger.
In diesem Sinne drücke ich euch allen die Daumen, ein Höchstmaß an Gesundheit, Glück und Zufriedenheit zu erreichen.
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Beitrag #4 von Sebald » 23 Jun 2011 19:49


Hi matis,

also ich habe das jetzt nicht alles en detail gelesen, bin mir aber sicher, daß Du mit einer Kombination aus einem dranghemmenden Mittel und Selbstkatheterisierung (ISK) besser über die Runden kämst.

Diese Kombination wird bei neurogenen Entleerungsstörungen, die meistens aus Drang und Harnverhalt bestehen, häufig angewendet und findet sich auch in diesem Forum oft beschrieben. - Verstopfungen sind als Nebenwirkungen von Spasmex usf. bekannt. Da kann man etwa mit Lecicarbon, das die Darmentleerung auf natürliche Weise einleitet, auch gegenarbeiten. Zur Not könnte man über Botox nachdenken...

Alles Überlegungen, auf die (D)ein Urologe schon kommen könnte/sollte. Einfach nochmal drauf ansprechen, oder zur Not es auch noch mal woanders versuchen. So ein Arztwechsel heißt ja nicht gleich Ärztehopping, sondern hilft manchmal wirklich, von einer eingefahrenen Spur wegzukommen.

Dabei viel Erfolg,
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Beitrag #5 von matis » 23 Jun 2011 22:44


Naja, ich weiß nicht, ob ich das als Lösungsvorschlag sehen kann.
Ja, mit dem Mittel ging die benötigte Menge an Inkoslips etwas zurück und phasenweise hätte es vielleicht dabei sogar ein schwächerer Slip plus statt der mittelstarke Slip Super getan.
Aber es hat mir ja nicht ermöglicht, darauf verzichten zu können.
Und ab da stelle ich die Sinnhaftigkeit eines Medikaments schon in Frage, selbst wenn es gar keine Nebenwirkungen hätte.
Eine der Nebenwirkungen hätte man ggf. mit ISK ausgleichen können, aber die Erlebnisse treten auch oft in unmöglichen Situationen auf.
Zum Beispiel wird meine Blase oft beim Autofahren übermäßig und schnell von den Nieren befüllt, keine Ahnung ob es am Wackeln, Rütteln und Vibrieren beim Fahren liegt..
In dieser S-Form-Sitz-Körperhaltung bleibe ich jedoch meist, aber nicht immer über einen eintretenden Drang hinweg dicht.
Steige ich dann z.B. an einer Raststelle aus und stehe, läuft es oft sehr schnell los, noch bevor ich den Eingang zum Örtchen gesehen habe, es sei denn, es ist alles wirklich verkrampft, wie es eben mit Medis eher aber auch nicht immer passieren kann, dann wäre ein ISK hilfreich.
Unter´m Strich würde ich da jedoch keine wirkliche Verbesserung der Gesamtlage sehen.

Und hinzu kommt noch das stark schwankende Urinverhalten.
Dazu jetzt mal ein fiktives jedoch realitätsnahes Beispiel:
18 Uhr: Zum WC, zwar kein Drang, Blase fühlt sich nicht voll an, aber sicher ist sicher, nichts kommt.
19 Uhr: Will gleich weg, nochmal zum WC, geringer Drang, obwohl ich in der letzten Stunde nichts getrunken habe. Es kommt was, gar nicht mal so wenig, gut, die Blase ist leer, ich kann los.
19.20 Uhr: Ich bin unterwegs, Blase ist gefühlt explodiert, der Inkoslip ist so nass, hätte am liebsten direkt einen frischen.

Anderes Beispiel, diese Woche so erlebt:
Vom Aufstehen bis zur Mittagspause ca. 0.5 L getrunken, kurz vor Mittag war ein von zwei Toilettengängen erfolgreich, Blase gefühlt leer, keine spürbare Urinmenge verloren.
Mittags gegessen, ca. 0.3 L getrunken. 13.00 Uhr WC-Versuch ohne Drang, ohne Erfolg.
13.45 Uhr kurzes Aufflackern eines leichten Dranggefühls. Toilettengang ohne Erfolg, Drang verschwand.
Kurz nach 14 Uhr spontan auftauchender schnell stark werdender Drang gefolgt von verselbstständigter Entleerung, subjektiv einen halben Liter verloren.
Noch bis kurz nach 16 Uhr ca. 0.5 Liter getrunken, nichts mehr verloren, nichts mehr gemacht.
Um kurz vor 17 Uhr war ich beim Arzt, sollte eine Urinprobe geben - konnte ich nicht.
Eine Prüfung der Blase mit Ultraschall ergab: Sie ist so gut wie leer, unbedenklich.

Wenig in langer Zeit, viel in kurzer Zeit, Einlagerungszeiten und Ausschüttungszeiten, alles kann vorkommen.


Ansonsten habe ich zwei unterschiedliche Urologen mehrfach besucht, wenn ich mich auch zuletzt auf einen festgelegt hatte.
Der eine empfahl mir urologische und neurologische Untersuchungen in einer Klinik, der andere ambulant in Praxen, wofür ich mich aus div. Gründen entschieden habe.
Die sind ja nun durch.

Hinzu kommen die Ärzte und Helfer, die mich in den letzten 9 Monaten z.B. in den Notfällen behandelt hatten, wie z.B. der Urologe in der Klinik, die Hausärztin sowie der Neurologe und der Psychologe.

Ich glaube, ich mach jetzt eher mal Pause und denke etwas mehr nach, suche wieder selber nach Lösungen oder lerne mich besser zu arrangieren.

Eine Sache möchte ich noch anmerken. Wenn es sehr heiß ist oder ich extrem aktiv bin, scheine ich die meiste aufgenommene Flüssigkeit auszuschwitzen. Da gab es schon ganze Tage, wo mir "nichts passiert" ist. Aber ich bin auch nicht täglich am sporteln, und der Sommer macht seit einigen Wochen und wohl noch bis Sonntag Pause.

Manchmal glaube ich schon, meine Blase sei wetterfühlig, wie bei manchen eine alte OP-Wunde.

Im Umkehrschluss könnte ich auch nur noch so viel oder eben wenig trinken, dass ich überlebe, dann wäre das Blasenproblem vielleicht weg, zumindest bis dann die Folgen von zu wenig Durchspülung (Keime?, Blasenentzündungen?) auftreten könnten.
Ganz ehrlich? Dann lieber Hilfsmittel tragen.

Ich habe mal einen Bericht eines amerikanischen Urologen gefunden, der meinte, bei Dranginkontinenz könnte man die Trinkmenge pro Tag auf 0.5 Liter reduzieren, das sei eine Lösung.
Auch "ja nie was anderes" trinken, als Wasser.
Viel Trinken nötig oder nicht, da gibt es viele Diskussionen drüber.

Ha, für mich ist klar, womit ich mich besser oder weniger schlecht fühle.
Ich brauche genug Flüssigkeitsaufnahme und auch mal Variationen.

Aber das muss jeder für sich selbst entscheiden.

Auch Katheter, Kondomurinale, Medis und die anderen unzähligen Hilfen behandeln meist nur die Symptome, wie die saugenden Hilfsmittel. Warum sollten sie besser sein?

Auch das muss jeder für sich selbst entscheiden.

Ohne Frage, Therapien die gut fruchten sind die optimale Lösung und wenn Medis dabei helfen, sind sie eine wichtige Ergänzung, so habe ich es bisher selbst erlebt.
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Beitrag #6 von Sebald » 24 Jun 2011 08:57


Hallo matis,

da Dich diese Situation augenscheinlich belastet (was leicht nachvollziehbar ist), würde ich aber dennoch mal in ein größeres Kontinenzzentrum (Düsseldorf oder Mönchengladbach bspw.) gehen, wo die urologischen Untersuchungen gebündelt erfolgen und interpretiert werden. Meistens hat man dort auch den größeren Überblick, woran es denn sonst noch liegen könnte.

Im übrigen gibt es bei den hemmenden Mitteln noch jede Menge andere, die nicht alle die gleichen Nebenwirkungen haben. Und auch die Blasenmuskulatur kann man zur Entleerung etwa mit Baclofen leicht entspannen. Therapietreue ist da natürlich wichtig, oft müssen diese Mittel eben doch über lange Zeit eingenommen werden. Neurologische Patienten wissenn das.

Gut, wenn Du sagst, es ist mit den Hilfsmitteln okay, ist es okay. Die Blasenentzündungen kommen aber auch nicht von ungefähr, sondern weisen m.E. schon auf Restharn hin. Ebenso, daß Du meinst, die Blase ist leer (9:00), aber offenbar doch nicht (9:20). Genau hier hilft denn auch der ISK. Nach dem weiß man immerhin: Sie ist wirklich leer.

Beste Grüße,
Sebald
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Beitrag #7 von matis » 24 Jun 2011 12:45


Ah, ok.
Ich mache mich schlau, lasse mir einiges durch den Kopf gehen und entscheide dann, was ich noch probiere, aber ich lasse es ruhig angehen.

Was ich mit dem leer/voll meinte (Dein Beispiel 9 Uhr, 9.20 Uhr):
Um 9.20 Uhr voll, um 9.00 Uhr noch nicht kann vorkommen.

Anfang der Woche, Beispiel "Arzt".
Da habe ich um 14 Uhr einen Blaseninhalt verloren.
Um fast 17 Uhr war die Blase ärztlich kontrolliert noch leer, wirklich leer genug.
Da habe ich trotz trinkens 3 Stunden lang nichts neues in die Blase bekommen.

Und auf der anderen Seite habe ich auch schon mal in Abstand von 20 min zwei mal über 300ml verloren.
Das heißt ja nicht automatisch, dass ich vorher 700ml in der Blase hatte.
So viel könnten sich allenfalls bei Verkrampfungen ansammeln, wenn die Blase heute dazu überhaupt noch in der Lage sein sollte.

Ich nenne dieses Einlagern/Ausschüttungsverhalten für mich den Unberechenbarkeitsfaktor.

Und große Mengen Restharn hatte ich nur mit den hemmenden Mitteln in der Blase.
Ohne die Einnahme von diesen Mitteln habe ich keine bedenklichen Restharn-Mengen, das hat der Arzt schon sehr oft kontrolliert.
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