Wir brauchen ein wenig Aufmunterung :(

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Wir brauchen ein wenig Aufmunterung :(

Beitrag #1 von Fellchen » 22 Jan 2013 16:11


Hallo, ich bin das Fellchen, weiblich, 25 Jahre alt und es geht hier eigentlich nicht um mich, sondern um meinen Freund, mit dem ich nun schon seit 5 Jahren zusammen bin. Ich dachte mir, ich komm mit unserem Problem mal zu anderen Betroffenen mit der Hoffnung auf ein wenig Hoffnung :O)

Mein Freund ist ebenfalls 25, eigentlich gesund, fit und ein völlig normaler junger Mann. Auch beruflich ist er erfolgreich und er macht im Großen und Ganzen einen glücklichen Eindruck. Wir reisen sehr viel, haben keine Geldsorgen und wir würden eigentlich auch gerne bald heiraten. Es könnte eigentlich alles perfekt sein.
Aber er hat ein Problem: Seit etwa 2 Jahren hat er Probleme mit seiner Blase und pullert in die Hose. Nicht immer, aber schon ziemlich oft. Es ist so ein bisschen wie bei einem Kleinkind, das gerade lernt aufs Töpfchen zu gehen (sorry für den Vergleich, aber er sagt selber, dass er sich so fühlt) und es wird irgendwie immer schlimmer.
Er merkt meistens nur sehr spät, dass er muss und dann ist es so dringend, dass er es nicht zur Toilette schafft. Selbst zuhause nicht, wo das Klo nur wenige Schritte entfernt ist. Zur Vorsicht gehen, ohne spürbaren Harndrang zu haben, klappt auch nicht, denn dann kann er kein Wasser lassen. Manchmal läuft es sogar einfach los, wenn er einen Moment nicht aufpasst.

Er ist total verzweifelt deswegen, weiß nicht, warum das passiert und was er machen soll und es ist ihm so unendlich unangenehm. Laut zwei verschiedener Urologen ist er körperlich völlig in Ordnung, sie sagen beide, dass es psychische Ursachen haben muss. Ein Psychologe riet ihm nun zu Entspannungstechniken und einer Art Toilettentraining, halt regelmäßig gehen, egal ob man muss, oder nicht und üben die Kontrolle wieder zu bekommen und die Signale der Blase frühzeitiger zu bemerken.

Jetzt trägt er jeden Tag und jede Nacht so Windelhosen, die er bei Bedarf auch runterziehen kann. Natürlich fühlt er sich absolut unwohl damit und er schämt sich sogar vor mir, auch wenn ich ihm immer wieder sage, dass ich ihn liebe, so wie er ist (und das kein Mensch weiß, was er drunter trägt und man das auch nicht erkennen kann)
Kann es wirklich sein, dass so was von heute auf morgen einfach so anfängt? Und hat er wirklich eine Chance, dass das mit ein bisschen Entspannung und Toilettentraining wieder gut wird? Hat jemand sonst noch Tipps?

Und hat vielleicht jemand ein paar aufmunternde Worte für ihn? Wäre toll, danke :)
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Beitrag #2 von Sebald » 22 Jan 2013 18:45


Hallo!

Die Schilderung deines, eures Problems fand ich eindrucksvoll nachvollziehbar, insbesondere was die zusätzlichen Aspekte der Inkontinenz angeht. Aufmunternde Wort, wie 'das wird schon', helfen deinem Freund da sicher nicht, weil sie pauschal bleiben, also eigentlich zu jeder Erkrankung gesagt werden können.

Eine Inkontinenz kratzt nämlich doch erheblich am Selbstbild oder aber sie lässt einem die Spanne zwischen Sein (eben 'kindlich' einzunässen) und Schein (berufliche Anforderungen zu meistern, sozialer Status) verletzend groß erscheinen. Daher mal konkret: Ich selbst bin etwas über 40, bei mir setzten die Blasenprobleme massiv so um die 30 ein. Und obwohl sie und auch die Hilfsmittel für mich Alltag sind, komme ich doch immer wieder in Situationen, wo ich diesen Zustand doch irgendwie unakzeptabel finde, wenn ich mit den Augen anderer auf mich blicke. Aber das sind meist nur Augenblicke oder mal ein Tag. Dann geht es wieder.

Deinem Text entnahm ich, dass dein Freund bereits bei zwei Urologen war und die ihn für gesund erklärt haben. Wie tief ist denn da Diagnostik gegangen? Wurde auch einmal an eine neurologische Komponente gedacht: Also eventuell eine Urodynamik gemacht, oder ein MRT angeregt? Gerade im Bereich der vielfältigen neurologischen Erkrankungen können Blasenprobleme nämlich durchaus das Erstsymptom sein.

Psychogene Faktoren halte ich zwar durchaus denkbar im Sinne einer Verstärkung des Problems, als eigentlich Ursache einer Blasenentleerungsstörung sind sie aber m.E. doch mit Vorsicht zu akzeptieren.

Beste Grüße,
Sebald
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Beitrag #3 von Fellchen » 22 Jan 2013 21:28


Ich mag eigentlich auch nicht so einfach glauben, dass das nur psychische Ursachen haben kann.
An eine neurologische Untersuchung haben wir auch schon gedacht, leider hat keiner der Aerzte mal davon gesprochen.
Aber vielleicht sollten wir auch mal einen Termin bei einem Neurologen machen.

Es macht einen einfach fertig, das alles :( Mich fast genau so sehr, wie ihn ...
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Beitrag #4 von Sebald » 23 Jan 2013 09:45


Hallo!

Neurologische Ursachen sind bei Urologen nicht immer die oberste der Diagnoseschubladen. (Und in Schubladen muss man als Arzt schon denken, sonst kommt man nie zu einer Diagnose...) Insofern wundert es mich nicht, wenn keiner der Ärzte das zur Sprache gebracht hat. Aber es kann halt schon sein. Spreche da aus Erfahrung.

Dein Freund kann natürlich direkt zum Neurologen. Oder aber, er versucht es nochmal bei einem dritten Urologen und spricht den neurologischen Verdacht an. Gibt es Hinweise darauf, dass sich die Blase deines Freundes vielleicht nicht ganz entleert (auch wenn sie sich von selbst entleert)? Das wäre ein wichtige Beobachtung für das Arztgespräch.

Was ich eben für mich persönlich nicht akzeptieren könnte, wären Gleichungen wie 'Stress = Inkontinenz'. Zumal vor dem Hintergrund, dass die Belastungsinkontinenz aus dem Englischen abgeleitet früher Streßinkontinenz hieß. Meiner Meinung nach müsste dieser innere, psychische Konflikt sich dann noch irgendwie anders, d.h. zusätzlich äußern.

Viel Erfolg!
Sebald
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Beitrag #5 von SquareLoop » 23 Jan 2013 17:15


Hallo Fellchen!

Habt ihr schon mal an eine Diagnostik in einer Spezialklinik gedacht? Das DKD in Wiesbaden macht beispielsweise solche komplexen Untersuchungen, wenn ein niedergelassener Arzt die Notwendigkeit dafür bescheinigt. Ich würde diese Möglichkeit mal beim Arzt meines Vertrauens ansprechen.

Viele Grüße,
Jan
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Beitrag #6 von Chris24 » 27 Feb 2013 00:32


Moin Fellchen.

Blöde Situation.
Seid ihr bei der Diagnostik schon etwas weiter?
Bei mir liegen die Probleme, einfach ausgedrückt, im Rücken. Undicht bin ich zum Glück nur gelegentlich und Nachts - allerdings merke ich den "Blasenfüllstand" dann tagsüber wesentlich später als normal.
Das geht also in eine ähnliche Richtung wie bei deinem Freund.

Good luck.
Wäre schön, wenn ihr euch mit einem Ergebnis zurückmeldet - das tun leider sehr wenige hier...

Chris
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