Toilettengang als Rollstuhlfahrerin

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Toilettengang als Rollstuhlfahrerin

Beitrag #1 von Engelchen » 28 Aug 2013 22:01


Hallo zusammen,

ich hoffe ihr könnt mir ein paar Tipps geben. Mein Problem ist Folgendes: Ich bin aufgrund einer angeborenen Körperbehinderung Rollstuhlfahrerin, kann stehen und wenige Schritte gehen. Lange Zeit war ich nicht auf Behindertentoiletten angewiesen. Mit der Zeit fällt es mir allerdings zunehmend schwerer normale Toiletten zu benutzen, da sie meist extrem niedrig sind. Behindertengerechte Toiletten nutze ich wann immer diese vorhanden sind und nicht als Lagerraum (wie in vielen Restaurants) genutzt werden, da diese oft deutlich höher sind und Griffe zum Aufstützen haben. Sollte einmal keine für mich erreichbare Toilette vorhanden sein, ist das kein Problem. Dann halte ich einfach an. Nach Jahren des Trainings, ist das für mich kein Problem. Sogar ein Abend mit Freunden in einer Bar mit einer Flasche Wasser (1 Liter), ein bis zwei alkoholfreie Cocktails und evtl. ein Kaffee kann ich halten, bis ich wieder zuhause bin. Auch lange Flüge (Bordtoiletten sind für mich ein Ding der Unmöglichkeit) sind kein Problem. Ich trinke einfach wenig bis nichts. Etwa ein bis zwei mal pro Woche "nutze" ich meine äußerst gut trainierte Blase.

Meine Gynäkologin hat mir dringend davon abgeraten so weiterzumachen. Ich habe ein irres Blasenvolumen. Bis zu 800 ml passen bei mir rein. Gleichzeitig verliere ich aber ungewollt keinen Tropfen und kann - wenn endlich eine Toilette in Reichweite ist - Restharnfrei alles loswerden. Ist also alles tipptopp in Ordnung. Laut Aussage meiner Gyn könnte sich das allerdings ändern, wenn ich nichts an dieser misslichen Situation ändere. Dessen war ich mir vorher schon bewusst, ich habe diese Tatsache aber bislang erfolgreich verdrängt.

Und nun meine Frage: Da ich weiterhin gesund bleiben möchte, bin ich gewillt, etwas an dieser Situation zu ändern. Nur was? Meine Gyn riet mir gelegentlich auf Windeln zurückzugreifen. Das will ich aber nicht. Ich brauche sie ja eigentlich nicht. Ich habe vor einiger Zeit einmal das Whizfreedom ausprobiert - eine Art "Stehpinkelhilfe" für Frauen, die auch im Sitzen funktionieren soll. Mangels Beinspreizung bei mir allerdings Fehlanzeige. Ich habe keine Idee, was ich da machen kann. Habt ihr Ideen? Was kann ich tun, wenn kein Behinderten-WC in der Nähe ist?

Ich weiß nicht, was ich tun soll. Einerseits finde ich es total praktisch, nicht auf erreichbare Toiletten angewiesen zu sein, andererseits will ich meine Gesundheit nicht riskieren...

Liebe Grüße
Engelchen
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Gesundheitliche Probs beim langen "Einhalten"

Beitrag #2 von Chris » 29 Aug 2013 07:40


Hallo Engelchen,

ich bin kein Arzt, aber so wie du das beschreibst sehe ich keinen Anlass an deiner Vorgehensweise etwas zu ändern. Genau kann das aber wohl nur ein Urologe oder ein Kontinenzzentrum beantworten - ggf. einfach mal eine mail an Dr. Kaufmann Maria Hilf in Mönchengladbach, der hilft eigentlich immer.

Wie komme ich zu meiner Aussage - eigentlich ist bei dir doch alles ok - 800ml sind noch nicht so irre viel und wenn ich den Einwand deiner Gyn richtig verstehe, so fürchtet sie einen Rückstau in die Nieren. Das ist aber kaum problematisch, solange der Zustand nicht länger besteht und du wie geschrieben Restharnfrei "alles los wirst" - also keine Gefahr für eine Verkeimung besteht.

Insofern - Klasse, dass du "ohne" klar kommst und nix passiert - den Zustand solltest du so lange wie möglich erhalten. Das hindert ja nicht, dass bei vorhersehbar langer Zeit ohne eine geeignete Toi doch mal ein Slip zum Einsatz kommt, aber regelmäßig - ne, das würde ich versuchen zu vermeiden - das Training ist sicher nicht schlecht, solange die genannten Voraussetzungen gegeben sind.

Also - mach dir keinen Kopf und beobachte deinen Körper - da hast du die beste Richtschnur.

Chris
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Beitrag #3 von Sebald » 29 Aug 2013 16:07


Hallo Engelchen!

Eine besondere Situation. Ich bin nicht sicher, ob die Gynäkologin nicht eher den Beckenboden als die Nieren im Blick hat. Die Nieren interessieren ja mehr den Urologen bzw. Neuro-Urologe (gibt es den bei Dir?) Unter Umständen können sich, so meine laienhafte Vorstellung, ungute Drücke in der Blase aufbauen, die Du als solche gar nicht bemerkst.

Für die Frau gibt es tatsächlich nicht viele denkbare Systeme. - Wäre sporadisches Kathetetisieren eine denkbare Alternative? Es gibt ja auch die geschlossenen Beutelsysteme, wo man auf das WC nicht direkt angewiesen ist. Im Grunde sind die für Rollstuhlfahrer ja überhaupt entwickelt worden.

Letztlich schätze ich eine Windel 'bei Bedarf' nicht ganz so schlimm ein wie Du. Ich würde aber nochmal die Gynäkologin fragen, um was genau sie nun fürchtet, und dann der Abrundung halber auch den Urologen.

Beste Grüße,
Sebald
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Beitrag #4 von Cveta » 30 Aug 2013 01:59


Hallo Engelchen,

mein Urologieprofessor sprach mal von lazy bladder syndrome:

http://de.wikipedia.org/wiki/Hinman-Syndrom

Als Kind und Jugendliche ekelte ich mich vor Schultoiletten.

Demnach sei langes Einhalten ungesund.

LG Cveta
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Beitrag #5 von Struppi » 31 Aug 2013 14:42


Hallo Engelchen,

willkommen hier im Forum.

Mein Rat lautet ganz schlicht, Dich vertrauensvoll an eine(n) Urologen/in zu wenden. Gynäkologen sind lediglich auf die Fortpflanzungsorgane spezialisiert, nicht auf die harnableitenden.

Es ist natürlich gut, wenn Deine Gynäkologin auch da mal einen Blick drauf wirft und Dich auf eventuelle Risiken hinweißt... aber ganz ehrlich, ich würde auch auf Hilfsmittel verzichten, wenn sie nicht nötig sind, und Du bist ja kontinent, lediglich das Aufsuchen der Toilette ist für Dich ein Hindernis.

Gruß

Hannes
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Toilettengang

Beitrag #6 von monile » 31 Aug 2013 20:09


Hallo Engelchen!

Mir ging es früher wie dir, hab immer gehalten und gehalten bis ich wieder zu Hause war.
Es hat mir immer vor jeder Toilette "gekraust".
Jetzt kann ich nicht mehr vollständig die Blase entleeren und bin auf ISK angewiesen.
Das erledige ich jetzt im stehen und ich kann es auf jeder Toilette machen (egal wie schmutzig)
muss ja nichts berühren.
Also bitte gehe immer wieder mal aufs WC, nicht dass du eines Tages das gleiche Problem bekommst.
L.g. monile
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Beitrag #7 von Engelchen » 09 Sep 2013 11:04


Hallo an alle,

vielen Dank für die vielen Antworten. Das hat mich jetzt beruhigt. Ich denke das Lazy Bladder Syndrom habe ich, da ich ja restharnfrei entleeren kann. Einen Urologen werde ich zur Scherheit mal aufsuchen, denke aber, dass ich so weitermachen kann, wie bisher. Das lange einhalten kommt ja nur ein bis zwei mal in der Woche vor... Kennt zufällig jemand eine barrierefreie urologische Praxis in Berlin, die idealerweise auch Erfahrungen mit Rollstuhlfahrern haben?

Ich habe mich mal ein wenig auf dieser Seite umgesehen und viel gelesen. Echt spannend. Ich habe z. B. gelernt, dass mein recht häufiges Einnässen bei starkem Lachen in der Kindheit eine Giggle-Inkontinenz gewesen sein könnte. Und es hat - genau wie hier beschrieben - in der Pubertät nachgelassen bis es irgendwann ganz weg war. Ich konnte also tatsächlich nix dafür :-) Hat mir meine Mutter nie geglaubt. Jetzt habe ich sie eines Besseren belehrt.

Gruß
Engelchen
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Beitrag #8 von rollifrau » 12 Sep 2013 20:56


Ja, es gibt in Berlin eine Urologische Praxis für Rollifahrer, den Namen habe ich vergessen, befindet sich am S-Bahnhof Heidelberger Platz. Wenn du willst, kann ich nochmal recherchieren, ich war vor einem Jahr dort. Kennst du die Toiletten App von Handicap? Sehr hilfreich, ebenso wie die WALL Toiletten in Berlin.
VG rollifrau
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