Desinfektion vor dem Selbstkatheterismus bei der Frau

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Desinfektion vor dem Selbstkatheterismus bei der Frau

Beitrag #1 von Hummelchen » 30 Nov 2015 19:36


Hallo,

ich weiß nicht, ob ich hier richtig bin mit meiner Frage.
Ich habe eine Detrusor-Sphinkter-Dyssynergie, auf Deutsch spielen der Blasenschließmuskel und der "andere" nicht richtig zusammen und somit bleibt viel Restharn, manchmal bis zum vollständigen Harnverhalt.

Ich kathetere jetzt selbst und das nun zweimal täglich.
Dabei merke ich jetzt, dass sich eine Blasenentzündung ankündigt.
Meine vorbeugende Einnahme von Cranberrysaft scheint nun zu versagen.

Wie macht ihr das, Frauen?

Habt ihr immer wieder Blasenentzündungen?
Wenn ja, was hilft euch?
Nur Antibiotika?

Wenn ihr keine Blasenentzündungen habt, wie habt ihr sie vermieden?

Wie kathetert ihr?

Mit sterilen Handschuhen, Sterilium, Octenisept?

Oder seid ihr der Meinung, wie meine Katheterschwester, dass es ja meine eigenen Keime dort sind, und ein zu viel an Desinfektion eher das Gegenteil bewirkt, also die Flora schwächt und dadurch Infektionen erst entstehen können?

Ich bin ja noch nicht so lange dabei, bin selbst Schwester gewesen, habe also andere kathetert.
Und ich habe natürlich total keimfrei gelernt.

Es wäre so schön, wenn sich Frauen melden könnten auf meine Frage.


Vielen Dank im voraus für Eure Mühe und Zeit :)

Viele Grüße
Hummelchen.
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Re: Desinfektion vor dem Selbstkatheterismus bei der Frauen und Männern

Beitrag #2 von Hummelchen » 19 Dez 2015 19:41


Gibt es niemanden hier, der nicht auch das Problem der Blasenentzündung infolge Kathetenrs kennt?

Wie ist es bei Euch Männern?

Habt ihr das Problem auch?

Was tut ihr dagegen?

Wie desinfiziert ihr?

Oder desinfiziert ihr eher nicht, und wascht nur vorher ordentlich?
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Re: Desinfektion vor dem Selbstkatheterismus bei der Frau

Beitrag #3 von Tschi » 20 Dez 2015 19:44


Hallo Hummelchen,
bei mir wurde vor ca. 5 Jahren festgestellt, dass ich eine Blasenentleerungsstörung (350ml Restharn) habe. Bekam einen HWI nach dem anderen. Mein Urologe hat mir den ISK empfohlen. War total geschockt, und hab mich erst nach ca. 6 Monaten dazu entschlossen. Habe von Anfang den Speedicath Compact benutzt. Dieser wurde mir auch verschrieben. Hatte trotz ISK immer wieder HWI. Hab mich dann selbst an den Computer gesetzt und gesucht. Habe im Klinikum Großhadern (München) eine Ärztin gefunden, die auf diese Blasenentleerungsstörung spezialisiert ist. In dieser Spezialsprechstunde wurde dann erst eine Urodynamische Untersuchung gemacht. Daraufhin hatte ich die gleiche Diagnose wie bei dir: Detrusor-Sphinkter-Dyssynergie. Es wurde nach dem Auslöser gesucht. Hatte MRT von Hals- und Lendenwirbel und Kopf (wegen Verdacht auf MS) 100% ig wurde das dann noch mit einer Lumbalpunktion abgeklärt. War auch i. O. Daraufhin habe ich eine Intravesikale Muskelstimmulation gemacht. Ohne Erfolg. Danach eine Testphase mit Neuro-Stimmulation (Blasenschrittmacher) Auch ohne Erfolg. Vor einem Jahr habe ich mich noch mit Strovac impfen lassen.
Bin eigentlich wieder am Anfang. Mein Urologe hat mir nun eine Langzeittherapie mit einem niedrig dosiertem AB empfohlen, dass ich 100 Tage lang abends einnehme. Momentan ist alles gut. Ich gehe auch noch zur Psychotherapie, da ich Angst vor Blasenkrebs hatte. Meine Mama ist daran gestorben. Diese Ängst konnte ich allerdings schon "besiegen".
Nun zu deinen Fragen:
Mir hilft nur AB! Habe alles pflanzliche schon durch auch TCM
Ich kathetere zwischen 2 und 4x täglich. Sterilium und Octenisept, keine Handschuhe
Habe auf Anraten einer Beraterin die Katheter gewechselt. Benutze jetzt Teleflex mobile (sind mit Gel), da ich nach dem kathetern immer ein Brennen hatte. Dies ist jetzt besser. Zur Zeit gehe ich regelmäßig zur Fußreflexzonenmassage, trinke Cistrosen-Tee und nehme Cantaris-Blasen-Globuli (kann nicht schaden)
Meine Frauenärztin hat mir auch empfohlen, Östrogenzäpfchen 1x wöchentlich zu benutzen, damit die Schleimhäute besser durchbluten. (bin schon im Wechsel)
Trinke am Tag ca. 2 Liter Wasser, zusätzlich Tee und Kaffee.
Das ist meine "Leidensgeschichte"
Hoffe, dass ich dir eine bißchen helfen konnte.
Schönen Sonntag noch
Liebe Grüße
Tschi
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Re: Desinfektion vor dem Selbstkatheterismus bei der Frau

Beitrag #4 von Tom252 » 21 Dez 2015 14:21


Hallo Hummelchen,

ich habe immer zur Desinfektion Octenisept genommen. Für die Hände kann man dies auch nehemen, aber habe da Sterillium gekauft.

Beim ISK hatte ich eigentlich nur gelegentlich einen HWI, während meiner langen Dauerkatheterphase bin ich von einem zum nächsten HWI gekommen. Da konnte ich desinfizieren und aufpassen wie ich wollte. Die Bakterien waren schneller und besser da wie ich gründlich sein konnte. Mittlerweile nehme ich so gut wie keine Katheter mehr, da ich sie nicht mehr in die Blase bekomme. Nur in der OP-Phase bzw. bei längeren Untersuchungen (MRT) trage ich einen Dauerkatheter.

Viele liebe Grüße
Tom
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Re: Desinfektion vor dem Selbstkatheterismus bei der Frau

Beitrag #5 von Hummelchen » 07 Jan 2016 15:20


Ich danke Dir für Deine Antwort, lieber Tom.

Erstmal allen ein gesünderes und friedliches Jahr 2016.

Und @tschi, wie ist das, hast Du nie Unverträglichkeitszeichen gegen Octenisept verspürt?

Ich habe jetzt - nach einigen Wochen regelmäßigen Katheterns - Zeichen einer Entzündung in dem Bereich.
Die Ärzte kümmern sich nicht darum, lediglich die Schwester meinte dann, dass Octenisept zelltoxisch wirke und daher von vielen Patienten nicht genommen wird.
Und es sei so wie bei den Diabetikern, die auch nicht groß desinfizieren vor dem Spritzen.

Man wird echt allein gelassen mit all dem.
So viel Inkompetenz wie ich hier grad erlebe.
Hauptsache man kann abrechnen...



Jetzt bin ich am Überlegen, ob es sinnvoller ist, dass sich das natürliche Schleimhaut-Milieu wieder ausbilden kann (denn das wird ja definitiv zerstört durch Desinfektionsmittel).
Also, nach Intimwäsche mit mildem Waschmittel nur noch mit sterlier Kompresse abwischen.
Und dann mit sterilem Katheter ... möglichst steril kathetern.



Gibt es da Erfahrungen bei Euch?
Ohne Desinfektionsmittel zu kathetern?


Liebe Grüße
Hummelchen
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Re: Desinfektion vor dem Selbstkatheterismus bei der Frau

Beitrag #6 von Tom252 » 07 Jan 2016 17:03


Hallo Hummelchen,

Dir auch gutes neues Jahr.

Die Erfahrungen, die Du machen musstest, habe ich leider auch erleben dürfen. Katheter in die trockene Harnröhre schieben bis hin zum Katheter in der Harnröhre blocken, sodass ich es nun komplett alleine mache, da schlechter wird es sicher nicht.

Doch nun zu Deinem Problem. Auf jeden Fall vor dem Katheterisieren ein Desinfektionsmittel verwenden. Auch nicht geizen. Man kann in seiner Unterwäsche, beim Wasserlassen usw. Keime im Intimbereich bekommen, was nicht problematisch ist solange man sie nicht mit dem Katheter in die Blase "schiebt". Auch in der Klinik, in der ich nun immer in Behandlung bin, wird vor jeder Untersuchung der Blase gründlichst desinfeziert, alles andere wäre fahrlässig.

Viele liebe Grüße
Tom
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Re: Desinfektion vor dem Selbstkatheterismus bei der Frau

Beitrag #7 von Brandy » 07 Jan 2016 17:11


Hallo Hummelchen!

Ich katheterisiere mich schon beinahe 20 Jahre und habe auch mit Harnwegsinfektionen so meine Erfahrungen.

Kürzlich habe ich - bei einer Präsentation von Kathetern - den Tipp bekommen, nur dann vor dem Kathetern zu desinfizieren, wenn ich nicht zuhause bin, wenn also du Toilette von vielen unterschiedlichen Personen genutzt wird. Zuhause ist man ja nur mit den eigenen Keimen (und ggf. denen naher Verwandter) konfrontiert, da ist das Desinfizieren nicht so wichtig.

Wenn man zuhause nicht desinfiziert hat das lt. dieser Vortragenden den Vorteil, dass die Schleimhaut weniger oft gereizt wird und das Desinfektionsmittel (dann , wenn es wirklich notwendig ist) besser wirkt.

LG
Brandy
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Re: Desinfektion vor dem Selbstkatheterismus bei der Frau

Beitrag #8 von Hummelchen » 07 Jan 2016 19:16


Hallo Tom, hallo Brandy,

danke für Eure Antworten :).

Ja, und so gegensetzlich wie Eure Antworten sind, sieht es nun in mir aus.

Wir haben es ja damals auch so gelernt, immer alles desinfizieren.

Nur, wenn das Octenisept zelltoxisch wirkt (die in der Praxis meinten, man solle es höchstens 14 Tage am Stück nehmen - was bei täglichem Kathetern ne sehr witzige Aussage ist ;-))), weil es sonst eben den Zelltod bewirkt), was ich ja nun an mir selbst erlebe...

... dann bleibt eigentlich nix außer:

Kathetern ganz lassen und mit dem Restharn leben, oder aber ohne Desinfektionsmittel kathetern oder aber ein anderes besser verträgliches Desinfektionsmittel nutzen - aber leider darf ich auch kein Jod nehmen, was ja in Braunol enthalten ist. Gibts noch n anderes? (wir haben ja früher im Osten wirklich Alkohol genommen - das muss furchtbar gebrannt haben :/ )

Und das, was Du - Brandy - meinst, das habe ich eben nun auch öfter gehört - mit den eigenen Keimen und so - , daher interessiert es mich, ob jemand so "arbeitet".

Also der Professor gestern in der Sprechstunde meinte, wenn man keimarm arbeitet, ist das ausreichend, da passiert nix.
Ist aber eben ein Gynäkologe und kein Urologe oder Nephrologe...

Na, vielleicht meldet sich ja noch jemand hier, der es so keimarm und nicht keimfrei macht ???

Liebe Grüße und einen schönen Abend für Euch :)
Hummelchen
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Re: Desinfektion vor dem Selbstkatheterismus bei der Frau

Beitrag #9 von Helmut » 08 Jan 2016 21:05


Hallo Hummelchen,

also ich würde sagen es reicht wenn du vor dem ISK den Bereich ggf. mit einem Feuchttuch reinigst und ggf. vielleicht so Alkoholtupfer verwendest. Die modernen ISK Katheter kannst ja direkt aus der Verpackung einführen, du kommst mit dem Katheter ja nicht in Berührung. Daher brauchst ja auch keine Handschuhe oder musst sonst noch besondere Vorkehrungen treffen.

Desinfektionsmittel würde ich nur verwenden wenn du unterwegs bist und hier auch nur wenn es dir als notwendig erscheint. Nützlich könnten höchstens Desinfektionstücher zur Reinigung der Ablagefläche sein, wenn du deine Sachen irgendwo ablegen musst und dir die Flächen nicht gerade sauber vorkommen.

Dein Prof. hat da schon recht, wenn du Keimarm arbeitest dann passiert wirklich nichts. Keimfrei wirst es nie ohne größerem Aufwand hinbringen und ist auch beim ISK nicht notwendig wenn dich an die Anleitung der Hersteller hältst.

Viele Grüße Helmut
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Re: Desinfektion vor dem Selbstkatheterismus bei der Frau

Beitrag #10 von Hummelchen » 09 Jan 2016 09:11


Hallo Helmut,

vielen Dank für deine Antwort :).

Ich glaube auch, dass ich lernfähig bin und eher dazu tendiere, es so zu sehen wie Du...

Mal sehen, wie es damit dann geht :).

Liebe Grüße von Hummelchen
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