Windeln im Krankenhaus/Diskretion

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Re: Windeln im Krankenhaus/Diskretion

Beitrag #11 von Georges » 20 Jan 2018 11:08


Wenn ich so euer Beiträge über Pflege lese, Kosten-/Zeitdruck, macht mich dies immer wieder traurig und wütend. Die Pflege war in viele Ländern schon mal bedeutend besser und wird leider immer mehr und mehr ausgekratzt. Gespart wird immer am falschen Ende.

Gut, private Häuser müssen Gewinne machen, die sind ja wie Firmen, lasse ich mal gerade links liegen. Jedoch warum kann der Staat nicht mal aufhören weniger Geld in unnütze Prestigeprojekte wie Stuttgart 21, Berliner Flughafen und andere bodenlose und geldverschwendende Unnutz zu stecken. Unser gemeinsamen Steuergeld! Hier sollten die öffentliche und gemeinnützig getragene Häuser mal viel mehr Geld bekommen, aber nur zuerst mal für wesentlich mehr Hände am Krankenbett und nicht für dem Benz des Direktors... Die Steigung in z. B. der Pflege (und z. b. Renten) war schon direkt nach dem WO2 voraussehbar. Da hätte die Politik spätestens in den 70-ern reagieren und ständig reservieren müssen. Zurück zum Kranken- und Versorgungshaus, die Leittragenden sind fast immer nur die Leute an der Front: die Patienten mit den Pflegerinnen und Pflegern zusammen!

Ich sehe das große Problem immer wieder in die Budgetierung von Leistungen, durch Menschen die weit, weit weg vom Krankenbett entfernt in deren Sesseln sitzen. Diese Leute, ok nicht alle jedoch die Meisten, haben oft noch keine schmutzige Hände gehabt. Die wissen nicht wie man Leute pflegen muss, die haben noch keine Menschen (im Bett) an- und ausgezogen, gewaschen oder Windeln gewechselt. Die wissen nicht wie man einen Verband anlegen muss, wie sch..ße Kompressionsstrümpfe anzuziehen sind, geschweige dass man diese Handlungen auch bei Menschen vornehmen muss, die aus verschiedene Gründe nicht mehr an deren Versorgung mitwirken können. Dies ist nur eine kleine Ausschnitt von viele Handlungen die ein Krankenpfleger oder -Pflegerin beherrschen muss.

Ich kenne mehrere Leute aus der Pflege. Wenn ich sehe wie viel Zeit die budgetiert bekommen z. B. um jemanden zu duschen, inkl. aus- und anziehen, dann frage ich mich, welche wohl denkenden Mensch dies ausgedacht hat. In 10-13 Minuten habe ich mich auch nicht ausgezogen, geduscht, abgetrocknet, Körperpflege gemacht und wieder angezogen. Ein Toilettenbesuch in 3-5 Minuten... das kann nicht funktionieren. Dann arbeitet einer meiner Bekannten als Pflegerin in den häuslichen Pflege. Was sie manchmal an den Kopf geworfen bekommt, weil sie in der Innenstadt ungeplant 10 Minuten länger im Stau gestanden hat, und sowieso schon zu spät ist da die Pflegezeiten nicht realistisch sind, das ist einfach unfair.

Die Politik wird da ohne massive Druck durch den ganzen Bevölkerung nichts machen, leider. Die Frage ist, wie kriegt man die Politik mal dahin, dass diese einsieht dass es so nicht mehr funktionieren kann? Erst dann wird es Zeit geben, das man Zeit nehmen kann um mit den Patienten z. B. in aller Ruhe auf die Toilette zu gehen, wie zu Hause auch. Das DK und & Co schwere Eingriffe in der Lebensqualität sind, das juckt den Politikern nicht?
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Re: Windeln im Krankenhaus/Diskretion

Beitrag #12 von Frederik » 18 Mär 2018 16:03


Auch wenn der Thread nicht mehr Nagelneu ist. Ich hab mal wieder in´s Forum geschaut und fand diesen Thread interessant. :fleissig:

Was die Ausstattung von Krankenhäusern angeht gibt es wirklich gewaltige Unterschiede.
Ich hab im Bad auf dem Zimmer von nichts bis hin zu den guten Abri-Form Produkten schon alles gesehen. Meistens sind aber mindestens Rechteckvorlagen vorhanden. Eventuell ist das auch abhängig davon ob man wegen der Inkontinenz oder einem anderen Grund eingeliefert wird, könnte mir vorstellen das dann die Zimmer anders bestückt werden. In urologischen Abteilungen hab ich aber bisher immer irgendwelche Hilfsmittel gesehen.

Das Ärzte sich darüber amüsieren das man eine Windel trägt ist ein absolutes no-go. Da werd ich tatsächlich wütend wenn ich das nur hör! Sowas ist unter aller Sau!
An der Sache knabbern die meisten schon genug von sich aus, da ist es katastrophal wenn man dann noch von Leuten gemobbt wird die einem helfen sollen. Widerlich! :evil:
Mir ist noch keiner so entwürdigent begegnet, ich würde es mir aber auch nicht gefallen lassen. Zum einen würde ich das mehr als deutlich selber artikulieren und, je nachdem, vielleicht auch im Anschluss zusammen packen und gehen weil ich mir sowas einfach nicht geben muss. Zum anderen würde ich das zumindest kurz juristisch prüfen lassen ob hier jemand wegen Beleidigung o.Ä. belangt werden kann. Auf jeden Fall würde ich meinem Urologen auch noch davon erzählen und ihn bitten da mal von Arzt zu Arzt ein Gespräch anzusteben. So ein Verhalten ist zutiefst verwerflich und darf keinesfalls toleriert werden!

Ich persönlich habe nur gute Erfahrungen bisher gemacht. Wenn ein Arzt oder eine Fachkraft meine Windel bemerkt hat wurde ich meistens höflich gefragt ob ich deswegen in Behandlung bin, was ich auch gut so finde. Manche brauchen ein wenig Ermutigung um eine Behandlung zu beginnen. Es hilft niemandem wenn man es totschweigt.
Wenn sich abgezeichnet hat, dass Urin abgegangen ist oder ich beim Entkleiden eine benutzte Windel entsorgt habe(bzw. nach einer Möglichkeit dazu gefragt habe) wurde ich immer gefragt ob man mir eine Neue holen soll oder ob ich Material dabei habe. Alles immer in einem professionellen, respektvollen Rahmen.

Ich kann allerdings nicht ganz verstehen warum es ein Problem ist wenn andere Patienten einen in Windel sehen oder man in einem Mehrbettzimmer gewickelt wird. Ich versuche allerdings auch immer offen und abgeklärt an solche Situationen heranzugehen.
Wie soll das denn sonst vonstatten gehen? Klar, wenn man laufen und stehen kann aber dennoch auf Hilfe angewiesen ist, sollte es kein Problem für das Personal sein dies auf der Zimmertoilette durchzuführen. Wenn man an´s Bett gefesselt ist, ist es halt so. Was erwartet man denn sonst? Das man in einen seperaten Raum geschoben, gewickelt und wieder zurück geschoben wird?
Als ich mal Aufgrund eines Unfalls im KH war, wurde ich auch im Bett gewickelt bis ich wieder sicher auf den Beinen war und das selbst erledigt habe. Sicher, das ist einem erstmal etwas unangenehm aber eben auch völlig normal(auch wenn man sich das manchmal selbst in´s Bewusstein rufen muss). Den ersten Gehtest auf dem Flur hab ich auch in Patientenhemd und Windel absolviert - so what? Ich war auch einverstanden als ich gefragt wurde ob die Praktikantin mir mal die Windel wechseln darf. Die ist rot geworden, nicht ich. :sm1:
Aber gut, das Schamgefühl ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Ich habe grundsätzlich kein Interesse daran, dass jeder sieht das ich Windeln trage - auf der anderen Seite versuche ich aber auch mich nicht selbst in die Ecke zu drängen und keine irrationalen Schamgefühle aufkommen zu lassen. Man muss sich grundsätzlich nicht dafür schämen Krank zu sein - egal was man hat. Das gilt auch für das tragen von saugenden Hilfsmitteln aller Art bei Inkontinenz. Gerade in einem Krankenhaus sind nun mal kranke Menschen und da sollten Windeln niemanden vom Hocker reißen.
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Re: Windeln im Krankenhaus/Diskretion

Beitrag #13 von Mick » 19 Mär 2018 12:59


Frederik, sehr guter Beitrag!
Sehe ich genauso und deine Erfahrungen im Krankenhaus decken sich mit meinen!
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Re: Windeln im Krankenhaus/Diskretion

Beitrag #14 von MSN » 21 Mär 2018 20:37


Grüßt euch,

@Frederik
da hast du recht, es gibt echt Unterschiede!

Im Epilepsieklinikum in Kork gibt es Tena Produkte. Saugstärke und Art kann man selbst wählen.

Wenn ich mal wieder ins Krankenhaus bei mir muss (sei es um eine Verletzung die ich mir bei einem Anfall zu gefügt habe zu beseitigen oder einfach nur zum aufpeppeln), gibt es nur No Name Produkte, die liegen einfach auf einem Regal im Zimmer. Auf den Teilen stehen echt keine Namen drauf nix.

LG
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