Wie läuft eine Abklärung einer Inkontinenz ab ?

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Wie läuft eine Abklärung einer Inkontinenz ab ?

Beitrag #1 von mollybloom » 06 Dez 2004 22:39


Hallo !
Seit langer Zeit habe ich mit Einnässen wärend der Nacht und Tagsüber zu kämpfen - ich versorge mich zur Zeit selber mit Windeln.
Nach langer "Bedenkzeit" habe ich mich entschlossen, das Problem ärztlich abzuklären lassen.
Wie läuft so etwas ab, was habe ich zu erwarten ?

Über jede ernstgemeinte Antwort bin ich froh und stehe bei Rückfragen zur Verfügung.
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mollybloom
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Beitrag #2 von denny16 » 07 Dez 2004 14:34


Hi Du, hi Ihr alle,

also mal ganz langsam..... ich muss mich erst mal erinnern......
da ich über viele jähre verdammt viele Untersuchungen gemacht habe, ist dass ganze nicht so einfach.

Als erstes wirst du wahrscheinlich zu deinem Hausarzt gehen.
Und wenn du ihm dann gesagt hast dass du ein Problem hast deinen Urin zu halten, wird er dich nach ein paar Fragen zu einem Facharzt überweisen.

Dort angekommen( wohlgemerkt braucht man in den meisten Fällen einen Termin, der bis zu 5 Wochen dauern kann) wird der Arzt(in meinem Fall waren es immer Männer) erst mal die obligatorischen Fragen stellen. ZB.: wie oft passiert es dass Sie Urin verlieren, nur nachts oder auch tagsüber, gab es Veränderungen in der Häufigkeit, wie ist dass Soziale Umfeld, haben sie eine Beziehung und und und. Also alles recht Harmlos.

Da ich die Fachbegriffe nicht falsch schreiben möchte werde ich hier auch keine nennen.

Dann beginnen allgemeine Untersuchungen der Blase wie z.B.: wie groß ist die Blase und bleibt Restharn zurück, ist die Blase frei von Fremdkörpern und gibt es eine Vergrößerung der Prostata(normalerweise, wenn, dann nur bei Männern in einem fortgeschrittenem Alter)
Der Harn wird natürlich auch untersucht.

Und wenn dass alles zu keinem Ergebnis führt, dann ist als nächstes der Neurologe dran.

Beim Neurologen (eigentlich ein Humanmechatroniker) werden erstmal alle möglichen Krankheiten ausgeschlossen(z.B.: MS)
Die Nervenbahnen werden untersucht, um heraus zu finden, ob die Steuerung der Blase vom Gehirn, durch eventuelle Störungen in den Nervenbahnen beeinträchtigt ist.

Sollte der Neurologe zu keinem konkreten Ergebnis kommen, gibt es auch noch die Möglichkeit einer Kernspinntomographie. Zum einen wird meist entweder direkt der Kopf oder das Rückenmark untersucht. In vielen Fällen wird auch ein Kontrastmittel gespritzt, um eine Fehlfunktion deutlich aufzeigen zu können.

Und sollte dass alles nicht zu einer klaren Diagnose führen, gibt es zum einen den Wechsel der Ärzte, da nicht jeder Arzt alles findet, und zum anderen sollte man durchaus in betracht ziehen zu einem Psychologen zu gehen.

Und dass Vorurteil man währe dumm, etwas blem-blem, verrückt oder was es sonst noch so gibt, kann man ruhig vergessen.

Es gibt weit mehr Fälle einer Psychisch bedingten Inkontinenz als viele meinen.
Die Blase als Ausdrucksform des Unterbewusstseins ist nicht unbedingt falsch!
Da ich aber keinesfalls in irgendeiner Art eine Diagnose oder eine Beratung geben möchte, werde ich mit diesem Thema nicht fortfahren.

Ich hoffe du(ihr) hast jetzt mal einen kleinen Überblick wie eine Diagnosestellung aussehen könnte.

Es ist auf alle Fälle nicht allgemeingültig, da individuell entschieden wird ob und wie die Diagnosestellung geschied.

Ich bin in meiner Aufführung von einem Fall ohne klare Erkrankung ausgegangen.



Der von mir dargelegte und angewandte Wortlaut entspricht allgemein sprachlichem Konsens. Sollte es auf Grund gramatikalischer Fehler zu Missverständnissen kommen, so obliegt die Deutung jedem einzelnem.

Euer Denny
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Beitrag #3 von denny16 » 07 Dez 2004 15:26


Nachtrag:

Was Du tun kannst:!!!!!!!!!!!!!!!

Wie stellt man Inkontinenz fest?
1. Häufigkeit des Wasserlassens
mehr als 8 Toilettengänge am Tag
mehr als 2 Toilettengänge in der Nacht
2. Ungewollte Harnabgänge
generell
auf dem Weg zur Toilette
besonders beim starkem Harndrang
beim Husten oder Lachen oder Niesen
3. Probleme mit vollständiger Blasenentleerung
Gefühl, dass die Blase beim Wasserlassen nicht vollständig entleert wird
nach dem Wasserlassen „tröpfelt“ es nach
Treffen ein oder mehrere Punkte zu, handelt es sich um eine Harninkontinenz, die entsprechend behandelt werden sollte.

Was kann ich tun?

• möglichst früh Hausarzt oder Facharzt (Urologe) aufsuchen;
bei Harnwegsinfekten / Blasenentzündungen umgehend!
• Protokoll führen über Trinkmenge, Urinmenge (abmessen!)
und Zeiten des Wasserlassens? – Miktionsprotokoll
• Frauen sollten regelmäßiges Beckenbodentraining durchführen; zuerst
unter Anleitung von Fachkräften wie speziell ausgebildeten Krankengymnastinnen
erlernen, dann regelmäßig weiterführen
• Männer sollten die Vorsorgeuntersuchungen unbedingt wahrnehmen und bei
Prostatavergrößerung diese durch den Facharzt behandeln lassen
• auf geregelte Verdauung achten, damit der Druck im Bauchraum
nicht noch verstärkt wird
• bei Übergewicht: Gewicht reduzieren, um diese Belastung zu verringern
• in Absprache mit dem Arzt zu regelmäßigen Zeiten trinken und
zu regelmäßigen Abständen zur Toilette gehen: ? Toilettentraining
• Einnahme größerer Flüssigkeitsmengen am Abend meiden
nicht aus Sorge die Trinkmenge reduzieren!;
der Körper benötigt mind. 1,5 Liter Flüssigkeit pro Tag!;
am besten eignen sich kohlensäurearme Mineralwässer; -Kaffee und Tee wirken
harntreibend, ebenso alkoholische Getränke und sind daher nicht geeignet
• „Entschlackungs“- und „Blutreinigungs-Tees“ enthalten oft harntreibende
Bestandteile, genauso wie „Blasen- und Nieren-Tees“, diese nur bei
Blasenreizungen oder unterstützend bei Blasenentzündungen trinken, nicht
ständig!
• bei älteren und pflegebedürftigen Personen auf bequeme Kleidung und
einfachen Weg zur Toilette (ohne Hindernisse) achten
• Versorgung mit geeigneten Hilfsmitteln
• bei bettlägerigen Patienten: Krankenunterlagen als zusätzlichen Schutz
• auf gute Hautpflege und Hygiene achten: Infektionen und
Pilzerkrankungen vermeiden

Miktionstagebuch:

Das Miktionsprotokoll ist wie eine Art Tagebuch, in dem Trinkmengen und Urinmengen genau mit der jeweiligen Uhrzeit notiert werden. Außerdem wird vermerkt, ob Harndrang oder unfreiwilliger Harnverlust damit verbunden waren.
Die Aufzeichnungen sollten eine Woche lang geführt werden.

Ein Miktionsprotokoll könnte z.B. so aussehen:
Datum:
Uhrzeit:
Trinkmenge:………mindestens 1,5 Liter am Tag
Urinmenge: ………ml. (man kann entweder den Urin in einem Gefäß auffangen oder das Verwendete Hilfsmittel wiegen)
plötzlicher Harndrang: ja / nein
unfreiwilliger Harnverlust: viel, mäßig, wenig, nichts
Toilettentraining
Um die Blase bei Blasenschwäche gezielt trainieren zu können, ist es sinnvoll, ein Miktionsprotokoll wie oben beschrieben zu führen.
Anhand dieser Aufzeichnungen lassen sich gut die persönlichen Probleme erkennen. Ziel ist es, die Blasenkapazität (Speichermenge) zu erhöhen und die Abstände zwischen den einzelnen Toiletten-Gängen zu vergrößern. Auf keinen Fall darf die Trinkmenge reduziert werden!
Der Körper benötigt mindestens 1,5 Liter Flüssigkeit pro Tag!

So das wars erstmal wieder……vielleicht fällt mir ja noch was ein.

Euer Denny
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Beitrag #4 von frosch » 07 Dez 2004 18:09


Hallo Mollybloom, hallo Denny!

@denny: Toll, dass Du auch auf die psychischen Möglichkeiten einer Inkontinenz eingegangen bist. Mein Einnässen findet genau dort auch ein Teil seiner Ursachen. Oft reicht es doch schon, was man in der Vergangenheit an Scham, Ablehnung, Pein usw. erlebt hat. Mit dem Einnässen stand man in der Familie, Schule, Freizeit oft im Mittelpunkt, aber eben in einem negativen Mittelpunkt. Da leidet die Psyche sehr stark.
Selbst wenn man sich jetzt als Erwachsener in die frühen Erfahrungen zurückdenkt, gibt es viel Wut und Hilflosigkeit. Und genau diese Wut und Hilflosigkeit sind die Gefühle, die das Nässen heute wieder unterstützen. Diesen Kreislauf zu durchbrechen ist mir noch nicht gelungen. Zu gerne würde ich diese alten Verhaltensmuster ablegen, doch noch habe ich kein Erfolg. Und so lange muss ich mit diesem Übel weiterleben. Und solange wird die Krankheit und das Hilfsmittel eine Funktion erfüllen müssen.

@molybloom: Scheue Dich nicht Dich mit voller Offenheit Deinen Ärzten zu öffnen. Du wirst mehr Verständnis und Hilfe finden als Du vielleicht anfänglich glaubst.

Lieber Gruß an Alle, René[/quote]
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Beitrag #5 von Helmut » 08 Dez 2004 12:13


Hallo mollybloom,

Denny hat im Prinzip schon alles gesagt was wichtig ist. Du solltest es aber jetzt auch in die Tat umsetzen und wirklich zum Urologen gehen, denn je länger damit gewartet wird, desdo schwieriger kann die Behandlung werden. Gerade bei einen unerkannten Bandscheibenvorfall zum Beispiel welche als Ursache durchaus in Betracht gezogen werden kann, da kann es zu dauerhaften Nervenschädigungen kommen, die nichtmehr behebbar sind. Darum also, ab zum Doc, bevor es noch ernster werden kann ......

Gruß Helmut :wink:
Ich bin nicht ganz dicht .......na und!
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