Woran liegt es ?

Du hast allgemeine Fragen zum Thema Blasen-, Darmschwäche oder Inkontinenz? Oder Du weißt nicht wo Deine Frage hingehört? Dann bist Du im allgemeinen Inkontinenzforum richtig!

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Persönliche Betroffenheit

Beitrag #21 von Sirius » 06 Jun 2005 07:33


Guten morgen an alle,

nach den letzten Beiträgen muss ich nun doch meine Gedanken zum Thema beisteuern, vor allem in Verbindung mit dem Thread "Psyochologen, Psychiater und Neurologen", so dass ich gar nicht genau weiß, wohin ich den folgenden Beitrag stellen soll.

Eine ganz wichtige Voraussetzung ist die eigene Akzeptanz, um überhaupt an einem solchen Forum teilzunehmen. Ich sehe dies zur Zeit bei mir selber sehr deutlich. Meine Prostata-Geschichte mit dem teilweise unerträglichen Harndrang ist nun schon einigen Wochen hinter mir. Die letzte Untersuchung beim Urologen im März ergab keinerlei Befund mehr. Organisch bin ich zumindest in diesem Bereich gesund. Aber dennoch nässe ich nächtens etwa zweimal die Woche ein.

Und nun beginnt erst einmal das rein persönliche Problem. Organisch ist alles in Ordnung, aber dennoch kommt es zum „Aufschrei der Seele“. Die Beziehung ist völlig in Ordnung, im Beruf bin ich zur Zeit ziemlich erfolgreich – aber vielleicht zu großer Stress, zu große Anspannung? Fragen über Fragen, die alle sehr persönlich sind, und für die ich überall Antworten suchen würde, aber erst mal nicht aktiv.

Ich würde die Beiträge im Forum durchstöbern, die andere zu diesem Problem so geschildert haben (habe ich auch wieder so gemacht). Als nächstes würde ich die erste persönliche Frage stellen. Vermutlich sehr nebulös, vielleicht auch nicht die volle Wahrheit, damit wirklich keine Rückschlüsse auf meine eigene Person gezogen werden könnten, in der Hoffnung auf diese Art zumindest Zuspruch zu finden. Wenn die Rückmeldung für mich positiv ausfällt, käme eventuell der nächste Beitrag, nun schon näher an der Wahrheit, offener, vertrauensvoller.

Ich glaube, dass man bei manchen Diskussionsbeiträgen diese Entwicklung sehr genau nach vollziehen kann. Und dies mag auch eine Erklärung sein, warum sich manche Beiträge ein und derselben Person häufiger in sich widersprechen. Ich denke da so an einige, wo das Problem erst seit ein paar Tagen bestehen soll, und dann kam des weiteren heraus, dass schon reichlich Erfahrungen mit diversen Hilfsmitteln vorliegen...

Der große Unterschied für mich war folgender: Das erste betraf meinen „Körper“, das zweite betrifft mein „Ich“, wobei das letztere ungleich schwerer zu akzeptieren ist. Mit der körperlichen Erkrankung bin viel offensiver an die Sache herangegangen, war Feuer und Flamme um die Ziele des Vereins zu unterstützen (und sei es nur durch meinen Mitgliedsbeitrag). Praktisch alle Freunde wussten Bescheid, warum sollte man das auch verheimlichen.

Jetzt sieht die Sache anders aus: Ich muss sozusagen eine persönliche Schwäche zugeben (Ich habe ja auch lange im Forum nichts mehr von mir hören lassen). Aus Gründen, die hier zu nennen auch mir noch zu persönlich sind, hat sich meine „Seele“ dieses Ventil geschaffen. Ich glaube mittlerweile, die bei mir vorhandenen Baustellen zu wissen. Ich weiß jedoch noch nicht, ob ich dort hinschauen möchte und ob ich dies mit professioneller Unterstützung irgendwann mal tun werde.

Abschließend nur noch die Anmerkung: Es fällt mir persönlich viel schwerer, mein seelisches, psychosomatisches Problem auch mir selbst gegenüber einzugestehen, als meine Prostataerkrankung. Wie viel mal schwerer ist dann die Akzeptanz der Gesellschaft zu erreichen?

In diesem Sinne eine schöne Woche und bis Freitag in Ulm
Sirius
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Beitrag #22 von eckhard11 » 06 Jun 2005 10:03


Guten Morgen, alle Mitleidenden,

es scheint mir, als hätte ich - zumindestens, was die Akzeptanz einer Behinderung aufgrund eines “körperlichen” Schadens angeht - nicht ganz unrecht.
Hinsichtlich eines psychischen oder psychologischen Grundes wage ich keine Beurteilung, da ich mich in eine solche Situation nicht hineindenken kann ( und will )
Allerdings wage ich es, die Behauptung aufzustellen, daß ein ganz erheblicher Teil von psychischen und/oder psychologischen Gründen ganz profane neurologische ( also körperliche ) Ursachen hat.
Und dies ganz besonders nach Operationen an Blase oder Prostata.
Diese Organe sind sehr komplex und daher gar nicht so einfach, wie es aufgrund der Häufigkeit des Krankheitsbildes scheint, zu operieren.
Ein kleiner Schnitt daneben kann die Beschädigung eines Nerven bedeuten, was - eventuell - in der postoperativen Phase noch gar nicht auffällt.
Der Patient hat zwar noch Schwierigkeiten mit dem Urinhalten, aber dies ist kurz nach entsprechender Operatione normal "und wird sich über kurz oder lang legen, Herr Soundso"
Dem Patienten wird bedeutet, daß er jetzt organisch gesund ist.
Der Patient verlässt sich auf die Diagnose des Arztes und ist sehr erfreut. Schließlich hat er eine schwere, wenn nicht gar lebensbedrohliche Erkrankung überwunden. Da hört man eine solche Diagnose nur zu gern......
Und dem Onkel Doktor, welcher ihm geholfen und eventuell das Leben gerettet hat, kann man doch schon aus Dankbarkeit keinen Kardinalfehler zumuten....
Wenn ihm jetzt passiert, daß er - trotz der Operation und der positiven Diagnose - weiterhin undicht ist, suchen er selbst und der Arzt erst gar nicht mehr nach neurologischen Schäden, sondern sofort und unmittelbar nach seelischen Ursachen.
Da diese sehr schwer zu finden sind, ist die Abschiebung auf die psychische Schiene vorprogrammiert.

Und nun beginnt erst einmal das rein persönliche Problem. Organisch ist alles in Ordnung, aber dennoch kommt es zum „Aufschrei der Seele“. Die Beziehung ist völlig in Ordnung, im Beruf bin ich zur Zeit ziemlich erfolgreich – aber vielleicht zu großer Stress, zu große Anspannung?


Diese Aussage sehe ich als einen typischen Fall an.
Sirius hatte vor Wochen Probleme mit der Prostata, ist erfolgreich operiert worden und lt. Aussage seines Arztes jetzt organisch gesund. Trotzdem nässt er sich - nach der Operation - etwa zweimal die Woche nächtens ein.
Warum sollte hier plötzlich ein zu großer Stress dafür verantwortlich sein ?
Sirius hatte vorher nicht eingenässt und in seinem Beruf hatte er - auch vor seiner Prostataerkrankung - Stress und Leistungsdruck.
Ergo ist es doch viel wahrscheinlicher, daß sein Problem, als Folge der Operation, rein körperlicher Natur ist.
Auch wenn dieser körperliche ( neurologische ) Schaden nicht so schnell ( oder gar nicht ) gefunden wird.
( Welcher Operateur würde schon zugeben, daß er einen Nerven zerschnippelt hat.... )
Hier jetzt eine psychische Ursache zu suchen, ist meiner Meinung nach müssig.

Der - psychisch stabile, körperlich gesunde, sich aber trotzdem vollpinkelnde - Ecki legt sich jetzt wieder hin .sleep:
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Beitrag #23 von Sirius » 06 Jun 2005 10:48


Guten Morgen Eckhard,

Danke für Deine Antwort! :-)
Du könntest natürlich recht haben. Ich wurde zwar nicht operiert, sondern habe "nur" reichlich Antibiotika bekommen, aber es war eine chronische Geschichte, und was alles wohin ausstrahlen kann, wenn ein Nerv erst einmal gereizt ist, kann ich gerade mit meinen Zähnen erfahren :(

Es könnte natürlich sein, das eine chronische Reizung, auch nur langsam wieder besser wird. Andererseits begannen die ganzen Probleme erst im Vorfeld einer beruflichen Veränderung.

Es ist halt so, dass man "Körper" und "Seele" nicht trennen kann. Nur zu entscheiden, welches die Ursache und welches die Auswirkung ist, gleicht der Frage, was denn zuerst da war: Die Henne oder das Ei.

Es grüßt ein weiterhin nachdenklicher Sirius, der versucht sich so zu akzeptieren, wie er ist
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Beitrag #24 von Matti » 06 Jun 2005 12:51


Lieber Eckhard,

du hast mit deiner Sichtweise unter Umständen Recht.

Ich stelle mir bei deiner Therorie nur diese Fragen: Wenn ein Nerv defekt ist, müsste es dann nicht dauernd zum Ausfall dieses führen?. Welche Ursachen führen zum zeitweiligen Aussetzen des Nervs?. Sind wir da nicht evtl. schon wieder auf der Psychischen Ebene?

Ich möchte Betonen das ich deinen Beitrag für eine gute Theorie halte, kann mir die oben gestellten Fragen nicht Beantworten.

Lieben Gruß

Matti
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Beitrag #25 von eckhard11 » 06 Jun 2005 17:58


Hallo Sirius,
hallo Matti,
hallo die anderen,

@ Sirius :

Ich willl gar nicht abstreiten, dass derartige Probleme ( chronische Prostataentzündung oder ähnliches ) mit einer Veränderung im Berufsleben zusammenhängen kann ( ähnlich wie ein Magengeschwür oder so ), aber wenn Du ausschließlich mit Antibiotika behandelt wurdest, liegt doch die Vermutung viel näher, dass diese Geschichte doch nicht ganz ausgeheilt wurde und Deine - momentan noch vorhandenen - Probleme darauf zurück zu führen sind, oder ??

@ Matti :

Wenn ein Nerv angegriffen wurde, muß er ja noch nicht komplett zerstört sein.

Es gibt genügend Fälle, in welchen ein Querschnittgelähmter - gegen jede Regel - wieder anfängt zu laufen, wenn auch unter größten Mühen.
Aus medizinischen Seite völlig unmöglich und ausgeschlossen.
Er schafft es trotzdem.

Weisst Du, Matti, manche Sachen erinnern mich an das berühmte Beispiel mit der Hummel:
Es ist wissenschaftlich nachgewiesen und in unzähligen Abhandlungen berechnet worden, dass eine Hummel aufgrund ihres Körperbaues im Verhältnis zur Flügelgröße und zum Gewicht nicht fliegen kann.
Da die Hummel diese Berechnungen aber nicht kennt und sich somit auch keinerlei Gedanken darum macht, dass sie eigentlich nicht fliegen können darf, fliegt sie trotzdem.....

Und ich erinnere an die "Phantomschmerzen", z.B. bei Amputierten.

Wie diese Schmerzen, bei erwiesenen Komplettverlusten eines Gliedes, zustande kommen, ist bisher ein unerforschtes Geheimnis......

Natürlich kann man solcherlei Vorkommnisse jetzt "psychisch" nennen, aber damit wird man einem solchen Phänomen keinesfalls gerecht.

Ich lege mich - den Hummelflug anhörend - wieder hin .sleep:
Eckhard
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Hummelflug

Beitrag #26 von Sirius » 06 Jun 2005 18:49


Hallo Ihr Beiden
und natürlich auch alle anderen

Das Bild mit dem Hummelflug ist wunderbar. Es gibt viele Dinge, die die Schulmedizin mit ihrem eher naturwissenschaftlichen Ansatz nicht oder noch nicht erklären kann. Warum tut es mir links unten im Kiefer weh, treten dort Taubheitsgefühle bis hin zum Ameisenkribbeln (so wie wenn gerade eine Betäubung aufhört) auf, wenn oben rechts eine Wurzel entzündet ist? Ich war im ersten Moment doch sehr erstaunt, als mein Zahnarzt in dieser Ecke die Ursache fand.

Ist also erst einmal eine Irritation im doch recht komplizierten Gebilde Mensch vorhanden, so sind die Auswirkungen manchmal recht erstaunlich. Von daher könntest Du völlig Recht haben Eckhard. Und oben geschilderte Erfahrung sollte auch die Frage von Matti beantworten, doch ich glaube schon, dass das möglich ist.

Aber, um wieder ein wenig zum Ausgang dieser Diskussion zu kommen. Kann es sein, das es uns so schwerfällt eine seelische (und ich schreibe hier ganz bewusst seelische und nicht psychologische oder sonstwas) Ursache zu akzeptieren, dass uns jede körperliche Ursache - und sei sie doch sehr unwahrscheinlich - wesentlich lieber ist, da sie einfach leichter greifbar ist. Uns in unserem Sein zu sehr in Frage stellt? Und aus diesem Grund wenig darüber zu hören ist?

Nun Hummeln beobachtend und immer noch nachdenklich, Sirius
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Beitrag #27 von eckhard11 » 06 Jun 2005 21:28


Guten Abend an alle Interessierten,

ich möchte die Gelegenheit nutzen und meiner Freude, nein, meiner Begeisterung darüber Ausdruck verleihen, daß es in diesem Forum möglich ist, über ein so ernstes und komplexes Thema derart sachlich und angenehm und trotzdem so intim zu diskutieren.

Zur Sache :

Aber, um wieder ein wenig zum Ausgang dieser Diskussion zu kommen. Kann es sein, das es uns so schwerfällt, eine seelische (und ich schreibe hier ganz bewusst seelische und nicht psychologische oder sonstwas) Ursache zu akzeptieren, dass uns jede körperliche Ursache - und sei sie doch sehr unwahrscheinlich - wesentlich lieber ist, da sie einfach leichter greifbar ist. Uns in unserem Sein zu sehr in Frage stellt? Und aus diesem Grund wenig darüber zu hören ist?


Ganz sicher ist es so.

Es liegt einfach in der menschlichen Natur, einer Sache ( und sei es eine Behinderung ) einen körperlichen Aspekt geben zu können.
Ein körperlicher Aspekt ist greifbar, vorzeigbar und dadurch nachvollziehbar.

“Seht her, ich habe beide Unterschenkel verloren. Scheiss Motorrad, hat nicht so gewollt wie ich.”

Diese Person wird ob des erlittenen Schadens aggressiv bemitleidet, eventuell sogar insgeheim auch noch bewundert, vor allen dann, wenn sich diese Person in absehbarer Zeit wieder auf ein - umgebautes - Motorrad schwingt, ( obschon dieser Schaden viel, viel schlimmer ist als eine wie auch immer geartete Inkontinenz ).

Dieselbe Person würde eventuell an einer nicht nachvollziehbaren Inkontinenz ( oder wenn sie plötzlich anfinge zu stottern oder mit dem Kopfe zu wackeln oder was auch immer ) zerbrechen.
Und die momentanen Bewunderer der beiden verlorenen Unterschenkel, ergo der Freundeskreis, würden dies nicht verstehen, geschweige denn akzeptieren.....

Warum nicht ?

Weil es sich um einen seelischen, eventuell psychischen, auf jeden Fall nicht greifbaren Schaden handelt, welcher etwas mit dem Unterbewusstsein, dem Unnatürlichen, Unerklärlichen, geistigem oder seelischem Ungreifbaren oder Unbegreifbarem handelt, vor welchem - auch in unserem aufgeklärten Land - noch immer eine große Scheu herrscht.

Mit fehlenden Unterschenkeln ist besagte Person zwar auch anders als die anderen, aber eben greifbar und begreifbar anders.

Verzeiht mir, wenn ich solch ein Beispiel heranziehe, aber ich wüßte sonst nicht deutlicher auszudrücken, was ich meine.

Ich leg mich jetzt - nachdenklich - wieder hin .sleep:
Eckhard

Ps.: Meiner im ersten Satz erwähnten Begeisterung werde ich insofern Ausdruck verleihen, indem ich in Ulm auf dem Treffen einige Runden Mineralwasser schmeissen werde..... :lol: :lol:
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