Frage nach Alternativen

Hier geht es um alle saugenden Hilfsmittel, angefangen von den Einlagen, über Vorlagen und Trainers bis hin zu den Inkontinenzslips.

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Frage nach Alternativen

Beitrag #1 von Heike64 » 07 Jul 2009 14:58


Hallo, falls die Fragen nicht neu sind sorry, aber ich bin nun zum ersten Mal mit der Problematik konfrontiert und ziemlich ratlos. Ich sitze seit zehn Jahren wegen meiner MS im Rollstuhl, war zuerst nur leicht Inkontinent, konnte mir mit Einlagen helfen und benutze jetzt seit fünf Jahren Tenapants Super in Größe s. Zusätzlich katheterisiere ich mich abends um Restharn abzuleiten. Ich bin ziemlich aktiv und immer auf Achse. Soviel zur Vorgeschichte. Ich bin schwerer Allergiker vor allem Latex und jedes nicht supersanfte Waschmittel führt sofort zu Ekzemen. Bislang hatte ich die Versorgung komplett von meiner Kasse Tk Köln bezahlt bekommen. Jetzt übernimmt die Kasse ja nur noch Festbeträge von monatlich 26 Euro und ich soll bei dem einzigen Anbieter der mir von der Kasse genannt wurde, 103 Euro monatlich zuzahlen. Das ist bei einer monatlichen Rente von 480 Euro natürlich nicht machbar. Nun meine Fragen kennt Ihr irgendwelche gleichwertigen Alternativen die von der Kasse zumindest weitgehend bezahlt werden? Ich will nämlich nicht wieder mit Dekubitus im Krankenhaus landen, und oder habt ihr Erfahrung wie man sich gegen die Kasse wehren kann um die Versorgung weiter bezahlt zu bekommen? Ich bin wirklich für jeden kleinen Tip dankbar. Heike
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Alternativer Versorger für TK Mitglieder

Beitrag #2 von Chris » 07 Jul 2009 15:47


Hallo Heike,

ich bin auch bei der TK versichert und da du in Köln wohnst, hast du verschiedene Möglichkeiten.

Tena bekommst du so ohne weiteres nicht von der Kasse voll erstattet, aber ...

An deiner Stelle würde ich zur TK ins Hilfsmittelzentrum nach Düsseldorf fahren und dem Leiter dort den Fall drastisch schildern und ihn auffordern, dir eine gangbare Alternative auf zu zeigen. Im Zweifel - lass dir Attestieren, dass die von dir gewählte Versorgung notwendig ist und besprich mit einem Mitarbeiter, wie das dann abgerechnet werden kann - lass dich nicht einschüchtern, die können sich kaum in einen Betroffenen hineindenken, da musst du sehr sicher auftreten.

Ansonsten - die TK hat Bundesweit eine ganze Reihe von Versorgern - ich bekam eine Liste von ca. 30 verschiedenen Lieferanten, die ich durchtelefoniert habe. Es stellte sich heraus, dass nicht alle wirklich Bundesweit liefern, aber doch sehr viele.

Ergebnis der Recherche: - Tena Produkte kosten immer ordentlich Zuzahlung, aber - es gibt da noch Abena oder Seni und da sind Lieferanten darunter, die diese Produkte recht günstig anbieten - "normale" Windeln ohne Zuzahlung - das sind bei Seni auch Air Produkte, mann muss allerdings ganz genau mit den Leuten reden, es wird viel am Telefon versprochen und dann kommt die Lieferübersicht mit den Mustern und alles ist anders.

Ich vermute mal, dass du die Pants Super verwendest, weil im Zweifel auch ein Toilettengang kein Problem ist und die doch noch recht luftig, aber im Zweifel sicher sind.

Viel Glück

Chris
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Esrt mal ganz herzlich danke

Beitrag #3 von Heike64 » 07 Jul 2009 21:11


Hallo Chris, Ich werde dann wohl die Tage mal nach Düsseldorf hinfahren. Ich komme durchaus noch mit dem Rolli auf die Toilette, bin aber fast immer unterwegs und da sich bei mir plötzlicher Harndrang mit, Harnverhalt aber auch spontane Blasenentlerung abwechseln (wie das halt bei MS immer wieder vorkommt) sind die Tena nicht nur sicher sondern auch bei meinen Allergien bislang das beste, da ich durch das lange sitzen halt zu Dekubitus neige. Aber interessant mit den verschiedenen Anbietern, ich habe von der Tk insgesamt fünf Adressen bekommen von denen nur die Firma Ultrapharm in Bad Rothenfelde überhaupt Tena anbietet, ich werde auch daher auch deswegen noch mal nachhaken. Beste Grüße Heike
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Beitrag #4 von Helmut » 08 Jul 2009 11:46


Hallo Heike,

nach der Beschreibung deiner Situation hast du gute Aussichten, auch weiterhin deine Tena Pants im bisherigen Umfang der Leistung zu bekommen. Du schreibst dass du Allergiker bist, das ist für dich in diesem Fall von Vorteil. Denn unter bestimmten Umständen muss dir die Kasse deine gewohnten Hilfsmittel auch weiterhin bezahlen. Damit du das erreichst, gehst du folgendermaßen vor:
  1. Du lässt dir von den Lieferanten welche du von der Kasse genannt bekommen hast, die für dich passenden Hilfsmittel schicken und testest diese einige Tage.
  2. Danach besorgst du dir von deinem Arzt ein Rezept auf den die genaue Bezeichnung des Hilfsmittels (bei dir Tena Pants super s), die Hilfsmittelnummer und ggf. die PZN Nummer sowie die Menge proTag/Monat steht.
  3. Der Arzt muss dazu ein Attest ausführlich schreiben, warum gerade nur dieses Hilfsmittel, in deinem Fall die Tena Pants super, infrage kommen. Bei dir ist es die allergische Reaktion auf Hilfsmittel anderer getesteter Hersteller.
  4. Mit dem Rezept (Kopie einreichen) gehst du zu deiner Kasse und lässt dir die Lieferanten nennen, welche dein Hilfsmittel zu den Vertragsbedingungen ohne Aufzahlung in der von dir benötigten Menge liefern können.
  5. Wenn du keinen Lieferanten genannt bekommst, bzw. wenn diese die Hilfsmittel nicht, oder nicht zu den genannten Konditionen (Festbetrag/Menge) liefern können, dann kannst du zu einem zugelassenen Leistungsbringer (Apotheke/Sanitätshaus, ...) deiner Wahl gehen und dir dort die Hilfsmittel holen.
  6. Die Kasse wird dann natürlich versuchen, den Leistungsbringer z.B. deine Apotheke dazu zu bringen, den Vertrag den sie mit den anderen "Billiglieferanten" geschlossen hat, beizutreten. Das soll der Leistungsbringer auf keinen Fall machen, denn dann bekommt er nichtmehr den Festbetrag wie er im Hilfsmittelverzeichnis steht, sondern nur noch den Betrag was für die Monatspauschale z.B. 25 Euro vereinbart wurde.


Die Kasse wird sich vermutlich erst einmal dagegen streuben und versuchen, dich mit entsprechenden Gesetzestexten (SGB IV §33 Abs.7) einzuschüchtern. Lasse dich darauf nicht ein und bestehe auf der Recht!

Im letzten Satz steht auch drinnen .... höchstens bis zur Höhe des Festbetrags., was bedeutet, dass sehrwohl bis zum Festbetrag bezahlt wird.

Weiter wird die Kasse wohl versuchen, mit dem Text in SGB IV §33 Abs.6 dich einzuschüchtern Abweichend von Satz 2 können Versicherte ausnahmsweise einen anderen Leistungserbringer wählen, wenn ein berechtigtes Interesse besteht; dadurch entstehende Mehrkosten haben sie selbst zu tragen.. Das trifft in deinen Fall aber nicht zu, da du ja aufgrund der Allergie gezwungen bist, das Hilfsmittel eines anderen Lieferanten zu wählen.

Im SGB IV §33 Abs.1 findest du noch weitere Argumentationshilfen für deinen Arzt:
(1) Versicherte haben Anspruch auf Versorgung mit Hörhilfen, Körperersatzstücken, orthopädischen und anderen Hilfsmitteln, die im Einzelfall erforderlich sind, um den Erfolg der Krankenbehandlung zu sichern, einer drohenden Behinderung vorzubeugen oder eine Behinderung auszugleichen, soweit die Hilfsmittel nicht als allgemeine Gebrauchsgegenstände des täglichen Lebens anzusehen oder nach § 34 Abs. 4 ausgeschlossen sind. Der Anspruch auf Versorgung mit Hilfsmitteln zum Behinderungsausgleich hängt bei stationärer Pflege nicht davon ab, in welchem Umfang eine Teilhabe am Leben der Gemeinschaft noch möglich ist; die Pflicht der stationären Pflegeeinrichtungen zur Vorhaltung von Hilfsmitteln und Pflegehilfsmitteln, die für den üblichen Pflegebetrieb jeweils notwendig sind, bleibt hiervon unberührt. Für nicht durch Satz 1 ausgeschlossene Hilfsmittel bleibt § 92 Abs. 1 unberührt. Der Anspruch umfasst auch die notwendige Änderung, Instandsetzung und Ersatzbeschaffung von Hilfsmitteln, die Ausbildung in ihrem Gebrauch und, soweit zum Schutz der Versicherten vor unvertretbaren gesundheitlichen Risiken erforderlich, die nach dem Stand der Technik zur Erhaltung der Funktionsfähigkeit und der technischen Sicherheit notwendigen Wartungen und technischen Kontrollen. Wählen Versicherte Hilfsmittel oder zusätzliche Leistungen, die über das Maß des Notwendigen hinausgehen, haben sie die Mehrkosten und dadurch bedingte höhere Folgekosten selbst zu tragen.


Wenn es also durch schlechte Hilfsmittel zu Folgeerkrankungen kommt, dann entsprechen sie nicht den Vorgaben im Gesetzestext und sind auch nicht angemessen, um deine Behinderung auszugleichen.

Ich hoffe du kannst damit was anfangen und dich bei deiner Kasse durchsetzen.

Gruß Helmut :wink:
Ich bin nicht ganz dicht .......na und!
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