Testbericht: Attends Briefs Waistband Style large

Hier geht es um alle saugenden Hilfsmittel, angefangen von den Einlagen, über Vorlagen und Trainers bis hin zu den Inkontinenzslips.

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Testbericht: Attends Briefs Waistband Style large

Beitrag #1 von Regenmacher » 20 Jul 2014 16:45


Die Idee hätte von mir sein können: eine Windel mit 6 der üblichen 4 Klebestreifen. Jeder Anwender großer Formate (Large) kennt das sicherlich: formstabil ist bei 4 Klebestreifen nicht wirklich gegeben. Ich war begeistert, als ich das Angebot sah, endlich eine zuverlässige Windel mit 6 Tapes zu bekommen. Also: neue Lieferung abgewartet, bestellt und ausprobiert. Diese Windel wurde von Attends für den amerikanischen Markt produziert.

Laut Test soll diese Windel über 2000 ml aufnehmen können. Sie liegt damit im Mittelfeld der Produkte für Tag und Nacht. Das nur zur Theorie. In der Praxis wachte ich beim ersten Feldversuch nach zwei Stunden auf und musste erst mal das Bettlaken wechseln. Die Windel war im Bereich der Klebestreifen ausgelaufen.

Fairer Weise sollte erwähnt werden: Mit Seitenlage haben viele Produkte Probleme. Oft wird eben an der falschen Stelle gespart.

Sehr viel Feuchtigkeit hatte die Windel gar nicht abbekommen. Dafür hatte sie aber schon deutlich an Form verloren. Insgesamt löst sich die Windel recht schnell in ihre Bestandteile auf. Der Saugkörper wird flockig und hat keine feste Verbindung mehr zu Außenfolie. Eben diese Außenfolie ist dafür doch sehr stabil. Von den sechs Klebestreifen kann man das nicht behaupten. Wenn man sie nicht richtig festrubbelt, lösen sich gerne mal ein oder zwei dieser Tapes.

Insgesamt erfüllt diese Windel keine der heutigen Kriterien an zuverlässige Inkontinenzversorgung. Auch in allen weiteren Test's zeigten sich schon nach kurzer Zeit (ein bis zwei Stunden) Leckagen, entweder zwischen den Beinen, am Po oder an den Seiten. Eines ist damit sicher: ein nasses Bett.

Die Windel selbst kommt in weisser Optik, ohne jede Markierung oder Aufdrucke. Seitliche Auslaufbarrieren fehlen komplett, Nässeindikatoren sind auch nicht vorhanden. Der Saugkörper ist für eine Nachtversorgung zu dünn, auch der enthaltene Superabsorber wurde zu sparsam eingesetzt.

Alles in allem wirkt dieses Modell wie eine absolute Billigwindel, bei der der dritte Klebestreifen mehr ein Rettungsversuch eines gescheiterten Konzeptes ist, als eine Komfortzugabe.

Wer eine sichere Inkontinenzversorgung mit mehr als 500 ml Urinmenge braucht, kann diese Windel nicht verwenden.

Für die Anwender, die nach einer geräuscharmen Windel suchen: dieses Modell hat eine sehr geräuschintensive Folie. Selbst mit einem engen Slip drüber raschelt die Folie bei Bewegung deutlich hörbar. Einziger Vorteil: da dieses Rascheln selten mit Windeln in Verbindung gebracht wird und die Eigenwahrnehmung deutlich verstärkt ist, muss der subjektive Eindruck beim Gegenüber nicht so aufdringlich sein.

Noch ein Hinweis zum Schluss: die Größe (Umfang) ist deutlich kleiner, als bei Herstellern wie Tena und Molicare. Bei Leuten, wo L bzw. Größe 3 bei diesen Herstellern schon knapp ist, wird dieses Attends-Produkt wahrscheinlich nicht passen.

Die Packung mit 18 Stück war für 17.99 Euro zu bekommen, was einem Stückpreis von einem Euro entspricht.

Fazit: für eine sichere Versorgung unbrauchbar.
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Re: Testbericht: Attends Briefs Waistband Style large

Beitrag #2 von adrian82 » 20 Jul 2014 21:20


@ Regenmacher

Danke für den aufschlussreichen Bericht. Offenbar eine Wissenschaft Windeln herzustellen.

Erstaunlich dass bei Kenntnis anderer Modelle immer noch die alten Fehler gemacht werden.

Woran liegt das ?
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Re: Testbericht: Attends Briefs Waistband Style large

Beitrag #3 von Regenmacher » 20 Jul 2014 21:25


Ich denke mal, es geht diesen Leuten nicht darum, den Betroffenen zu helfen. Denn wenn das so wäre, gäbe es gute Windeln. Diesen Herstellern geht es darum, mit dem Leid anderer Leute Geld zu verdienen und das nicht zu knapp. Also werden billige Produkte hergestellt, teuer verkauft und der Konsument hat dann den Dreck (im Bett).

Eine Hochkultur des 21. Jahrhunderts zeigt ihre wahren Werte, wie sie dem Leid Kranker und Behinderter begegnet. Und da es keine funktionierenden Hilfmittel gibt, beweist diese Gesellschaft durch ihr Handeln, dass Leid nur einen Markt für Geld öffnet... Wie armselig!
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