Blasenkatheter-Neuling HILFE

Hier findet ihr alles zu den ableitenden Hilfsmitteln wie zum Beispiel Urinalkondom, Katheter, Beinbeutel, ISK usw...

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Blasenkatheter-Neuling HILFE

Beitrag #1 von rode » 05 Dez 2008 16:50


Hallo an alle
bin neu hier im Forum, was eigentlich seltsam ist, da ich mein gesamtes Leben bisher unter kompletter Stuhl-/Harninkontinenz leide. Dies ist durch zahlreiche Operationen an Darm, Harnleitern und Blase aufgrund einer Krebserkrankung im Seuglingsalter begründet. Lange Rede - kurzer Sinn: Ich habe bisher immer Windeln getragen, doch nun habe ich zu Diagnosezwecken einen Blasenkatheter bekommen, der ca 6 Wochen liegen soll. Ich weiß, dass dieser (auch zusätzlich durch meine Stuhlinkontinenz) ein enormes Infektionsrisiko hat und wollte nun hier aus dem Bauch heraus fragen:
WIE
WANN
WIE OFT
WOMIT pflegen, desinfizieren, wechseln usw
Hab leider keine Ahnung von Null bis jetzt was Katheterpflege angeht. Wie geht man damit um? Bitte entschuldigt, dass ich keine konkrete Fragestellung habe, ich weiß nicht wo ich anfangen soll.
Wäre über Antworten aller Art sehr erfreut! :-)

grüße
rode
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rode
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Beitrag #2 von Nautilus » 05 Dez 2008 22:56


Hallo rode,

das kommt ganz darauf an, ob Du einen transurethralen, ( durch die Harnröhre geleiteten ), oder eine suprapubischen, ( durch die Bauchdecke oberhalb des Schambeines - suprapubisch - geleiteten ) Blasenverweilkatheter hast.
Grundsätzlich jeder Katheter - ob suprapubisch oder transurethral - führt nach wenigen Tagen zu einer Keimbesiedlung der Harnblase.
Deshalb aber sollte nicht sofort mit Antibiotika behandelt werden, denn sobald die Behandlung abgesetzt wird, kehren die Bakterien zurück, dann aber eventuell resistent gegen das Antibiotikum.
Und nicht vergessen : Jeder Katheter bahnt den Bakterien den direkten Weg in die Blase !

Bei einem transurethralen Katheter ist die Infektionsgefahr erheblich größer, hier muss mit besonderer Sorgfalt vorgegangen werden.
Gerade bei einer zusätzlichen Darminkontinenz ist ein transurethraler Blasenverweilkatheter nicht anzuraten.
Vor und nach jeder Manipulation am Blasenverweilkatheter oder am Drainagesystem ist eine hygienische Händedesinfektion erforderlich.
Transurethrale Katheter sollten auch nicht länger als max. 5 Tage gelegt werden.

Daher wird es sich wohl um einen suprapubischen Katheter handeln

Bei suprapubischen Kathetern ist die Infektionsgefahr deutlich geringer.
Der suprapubische Katheter wird vom Arzt durch die Bauchdecke in die - vorher gefüllte - Harnblase gelegt und an der Bauchdecke fixiert
Die Punktionsstelle wird mit einem sterilen Verband versorgt.
Der Verbandswechsel erfolgt bei problemloser Punktionsstelle, ( Katheteraustritt ) , 1 bis 2 mal wöchentlich.
Bei Veränderungen an der Punktionsstelle solltest Du den Arzt informieren.

Der Katheter sollte zur Vermeidung von Kristallbildung zwischendurch mittels einer Spritze mit einer sterilen 10%ige Glycerinlösung gespült werden.
Also ruhig in die Blase reinspülen, es kommt schon wieder raus.
Das beste Mittel gegen Bakterienbefall ist : Sehr viel trinken, nicht unter mindestens 3-4 Litern täglich, bevorzugt Mineralwasser oder Obsttee .bzw. Blütentee.
Können aber auch ruhig mal einige Glas Bier sein.

Es wäre aber interessant, zu erfahren, welchen “Diagnosezwecken” dieser Verweilkatheter dienen soll, denn unter diesen Diagnosezwecken kann ich mir absolut nichts vorstellen.
Du solltest hier einmal sehr intensiv Deinen Arzt befragen!

Und setz Dich mit einem Stomaberater oder der Mitarbeiterin eines Sanitätshauses in Verbindung.
Diese können Dir bei der Auswahl der Pflege gezielt helfen.

Viele Grüße
Nautilus
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Beitrag #3 von rode » 06 Dez 2008 08:18


hey nautilus
zunächstmal danke für deine ausführliche antwort.
allerdings hat die sache einen, nein mehrere, Haken:
- es handelt sich um einen transurethalen katheter
- vom arzt geplante liegezeit 6 wochen
- diagnosezweck harnstauungsursache, ob harnleiter, ob blase etc.(also regelm. sono und später nierenszintigraphie). hab nämlich starke niereninsuffizienz/harnstauungsnieren und zusammen mit dem blasenkatheter auch 2 ureterkatheter bekommen. jetzt fließt quasi alles von den nieren direkt in den beutel.
- dementsprechend so wie so schon genug mit Infekten zu kämpfen. darum nehm ich auch seit Jahren eine dauerprophylaktische antibiose (zZ Infectotrimed). ich weiß das ist alles ziemlich riskant, aber ich hab keine Alternative

meine Stuhlinkontinenz hat sich vor allem dahingehend entwickelt, dass permanent ziemlich weicher Stuhl abgeht. das macht die ganze sache nicht unbedingt leichter.
es gäbe natürlich die möglichkeit mittel zu nehmen, die den stuhl festigen, so dass er seltener und fester abgeht. allerdings kann ich mit dem katheter nicht pressen, also entfällt das auch.

momentan handhabe ich die katheterpflege so:
-morgens wie abends und bei bedarf zwischendurch mit feuchtem tupfer katheter vom harnröhreneingang weg säubern.
ansonsten hab ich noch wunddesinfektionsspray und braunol(?)-salbe. hab aber noch nicht raus, wie ich alles ideal kombiniere.

ist schon ziemlich anstrengend alles



lg
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Beitrag #4 von Struppi » 06 Dez 2008 10:25


Hallo Rode,

zur Katheterpflege hat mein Vorschreiber eigentlich schon alles gesagt - der Verweilzeitraum von 6 Wochen erscheint mir auch ein wenig lang, aber gut, das entscheidet schlußendlich ja Dein Arzt.

Zusätzlich zur Dauer-Antibiose kann auch eine Begleittherapie mit Cranberry sinnvoll sein (egal, ob als Saft oder Tablette). Diese säuert den Harn an und Bakterien können sich schlechter vermehren bzw. bilden.

Da ich mir nicht sicher bin, in wie weit dies bei Dir indiziert ist solltest bzw. kannst Du Deinen Doc ja mal auf die Irrigation ansprechen (Irrigation ist nicht vergleichbar mit einem Klistier o.ä.!). Mit diesem Verfahren kann der Darm zuverlässig entleert und eine bis zu 24-stündige Kontinenz erreicht werden. Zum Thema "Irrigation" steht hier sehr viel unter der Rubrik "Stuhlinkontinenz".

Grüße - und schönes Wochenende

Hannes
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Beitrag #5 von rode » 06 Dez 2008 20:38


hallo,
ja also irrigation muss ich mich wirklich mal informieren. weil meine stuhlinko auch ohne blasenkatheter n echtes problem ist. der stuhl kommt eigl permanent, ist sehr aggressiv (greift die haut stark an, blutige haut keine seltenheit) und stinkt ziemlich :-(

zur katheterpflege hab ich jetzt folgende abläufe für mich "entdeckt" die ich natürlich noch perfektionieren muss.
-regelm. am Tag mit nem feuchten Tupfer den Harnröhreneingang+Schlauch säubern. evtl zusätzl wunddesinfektionsspray
-nachtbeutel können 1 woche lang verwendet werden, beinbeutel nur 3 Tage
-ich klebe mit leuosilk den katheter in höhe des penis mit ein wenig spiel am oberschenkel fest, um zu verhindern, dass bei einer blöden bewegung Zug drauf kommt und dass er zuweit richtung stuhlzone rutscht.
-duschen normal, in der region weniger seife wegen ablagerungen

hat jemand dazu noch weitere tipps?

lg
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Beitrag #6 von Nautilus » 07 Dez 2008 02:18


Guten Morgen, rode,

ein transurethraler Blasenverweilkatheter über sechs Wochen ist, gelinde gesagt, sehr ungewöhnlich !!!!!!!!
Neuerliche Blasenentzündungen sind dadurch vorprogrammiert !

Wenn Du Uretherschienen hast, verstehe ich ganz einfach diesen Einsatz des transurethralen Blasenverweilkatheters nicht.
Normalerweise kommt aus der Blase nichts mehr raus, wenn Dir Uretherschienen gelegt sind.
Diese werden nämlich z.B. bei einer radikalen Zystektomie, ( komplette Blasenentfernung ) extra deswegen gelegt, um zu verhindern, dass überhaupt Harn in die - neue - Blase gelangt, bevor diese richtig verheilt ist.
Warum also bei Dir dieser Katheter ??????
Eine Harnstauungsursache, ob Harnleiter, ob Blase etc., wird Dein Urologe dadurch nicht feststellen können, denn durch die gleichzeitig gelegten Uretherschienen werden ja gerade sowohl Harnleiter als auch Blase verlässlich ausgeschaltet !

Tut mir leid, aber ich habe das Gefühl, Dein Arzt sucht krampfhaft mit ungeeigneten Mitteln nach irgendetwas, um überhaupt was zu tun.......

Mein Rat : Wechsel einmal, und dies in Kürze, den Urologen.
Geh in eine urologische Klinik, es muss nicht ( !! ) die Charité Benjamin Franklin sein !!
Da gibt es in Berlin bessere !!
Das Franziskus hat einen guten Ruf : http://www.franziskus-berlin.de/
ebenso wie das St. Hedwig : http://www.hedwig-krankenhaus-berlin.de/
und besonders das Vivates Auguste Viktoria : http://www.vivantes.de/

Du bist ganz einfach zu jung, um Dein Leben lang unter so einem Sch eiss zu leiden !!!!
Also tu was dagegen und hole Dir eine zweite Meinung von Fachleuten ein.....

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Beitrag #7 von rode » 08 Dez 2008 08:22


Hi nautilus,
also da bringst du glaub ich einigies durcheinander. (Oder meine Bezeichnungen waren falsch ;-)
harnleiterschienen (JJ-Ureterkatheter) werden in die Harnleiter eingesetzt, um einen guten Abfluss aus den Nieren zu ermöglichen und Engstellen wie Vernarbungen zu "umgehen". Der Urin sollte also dann ungehindert aus den Nieren in die Blase laufen.
Ergänzt man das ganze um einen Blasenkatheter, läuft von der Blase aus alles direkt weiter in den Beutel - man hat im Idealfall eine komplett hindernisfreie Ableitung, damit die Niere sich "frei entfalten" kann. Damit wären wir beim Diagnosezweck. Ohne Behandlung habe ich starke Harnstauungsnieren (Grd 4). Die Einlage von JJ-Kathetern im Herbst brachte nur kurzzeitige Verbesserug, die Schienen verstopften nach einigen Wochen. Beim neuerlichen Schienenwechsel wurden wohl noch ein, zwei kurze Untersuchungen mit Kontrastmittel gemacht, bei denen festgestelt wurde, dass zusätzlich zu den Harnleitern die Blase auch stauen kann. Weil bei mir waren die Ärzte immer von einer "Durchlaufblase" ausgegangen.
Das zum Zweck der ganzen Schläuche ;-)

Jetzt zu den Ärzten:
Das was ich grade oben beschrieben habe, wurde alles im Hedwig-Krankenhaus in Bln-Mitte gemacht. Die sind einigermaßen bekannt für eine gute Urologie, allerdings kann ich das so nicht widergeben. Mag sein, dass die gute herkömmliche urologische Sachen machen. Aber was besonders bei Spezialfällen wie mir wichtig ist, nämlich der Draht zum Patienten, die genaue Absprache/Abwägung/ und das evtl notwendige Hinzuziehen anderer Disziplin, das ließ bis jetzt zu wünschen übrig.
Da bin ich sehr sehr froh einen ausgesprochen netten, guten und engagierten niedergelassenen Urologen zu haben. Der das bis jetzt teilweise alles aufgefangen hatte. Kurzes Bsp.:
Ich wurde im KH direkt den nächsten Tag nach der OP (!!!, obwohl ich davor 4 Wochen Schmerzen hatte!) entlassen. Zum Blasenkatheter sagten sie nur "der soll jetzt 6 Wochen liegen.." Keine Anweisungen zur Pflege etc., keine Ersatzbeutel. Das hat alles mein Urologe übernommen, der mich noch am selben Tag in der Sprechstunde zwischen geschoben hat.

So also mal wieder alles in Kurzform ;-)

Ps: denke tats. darüber nach, mich mal ans B. Franklin oder ans Franziskus zu wenden. Aber es ist immer sch**** mit anbehandelten Sachen das KH zu wechseln.

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