Katheter oft verstopft... oder spielt meine Tochter mit der Physik... dem Vakuum ?

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Katheter oft verstopft... oder spielt meine Tochter mit der Physik... dem Vakuum ?

Beitrag #1 von Helmut60 » 31 Okt 2009 23:48


Hallo zusammen,

da dachte ich, als Vater einer schwerst mehrfach behinderten, Tochter ( 25.J. alt, nach einer schweren Erkrankung im Alter von 2 Wochen aber auf dem Stand von 9 - 15 Monaten. ICP, HC, Epi. gehörlos, kaum Verständigung ) das wir das gröbste hinter uns hätten... da stellte sich vor 4 Wochen heraus, das es wohl noch eine Zugabe gibt... oder wie soll ich anfgangen...? ;-)


Sonja, kann mit Hilfe laufen, kein Gleichgewicht, voll Windelversorgt, kommt aber regelmäßig auf die Toilette, fing vor ca. einem Jahr an, die Windel immer öfter trocken zu halten, und das meiste regelmäßig auf der Toilette zu machen. Schön wenn sie jetzt noch trocken werden würde, dachte ich. Dann viel mir immer öfter auf, das die Mengen die sie machte, als auch der Druck mit dem sie ihr Geschäft machte, langsam immer größer wurde. Dadurch kam es zu einigen blöden Malören, die mich beim unserem Hausarzt nachfragen ließen, "ob da was böses hinter stecken könnte". Das ihr Urin und das Blutbild in Ordnung waren, gab er Entwarnung. Gut dachte ich, dann muß das wohl so sein. Bei nächsten Kontroltermin beim Gynäkologen sprach ich das Thema auch an, was außer dem Hinweis, doch mal zum Urologen zu gehen, nix brachte.... Wenn sie trocken wird zum Urologen ? ... ne, das war mir doch zu dumm.

2 Wochen später auf der Rehacare, wo wir eigentlich nur einen neuen Rolli suchten, landete ich dann irgenwie bei einem Stand eines Katheteranbieters, und schilderte in groben Zügen das erlebte. Die Antwort haute mich dann fast um. Damit ist ihre Tochter nicht alleine.....selbst sehr fitte sportliche Menschen haben "so ein Problem", das böse Folgen haben kann ...wenn man es zu spät bemerkt. Ich ging etwas bekolmmen 10 m weiter, und machte sofort per Handy einen Termin bei einem Urologen bei uns im Dorf. Dessen Diagnose war einfach aber deutlich. Sonja hatte kurz vorher 600 g Urin in der Windel... auf dem Ultraschall ergab sich dennoch ein Blasenvolumen von über 800 ccm. Das wiederholte sich bei einem 2. Termin 3 Tage später. Urin und Blutbild oke + riesige Blase im Überdruckbetrieb = Gefahr von Nierenschäden = vorbeugen mittels Katheteriesieren, empfahl und verordnete er.

Nach einigem stöbern im Internet und hier im Forum war klar, das wir es fürs erste mittels ISK selbst versuchen. Nachdem sie auf der Toilette war wird jetzt zur Kontrolle katheterisiert. ( Primo 12 ) Das klappt eigentlich ganz gut. Der Restharn ist schnell deutlich weniger, sie einiges mobiler geworden... ihr Urin.. so der Urologe ist überdruchschnittlich gut... also kein Grund zur Sorge. Dennoch bekommen wir jetzt ein Problem.

Da ihr Urin mitunter sehr flockig... aber völlig oke ist, kann der Katheter verstopft sein = es kommen nur wenige Mililiter in den Beutel... 10 Minuten Später läuft ihr aber die Windel aus.... oder sie kann ihre Blasenmuskulatur "so ungeschickt einsetzen", das trotz optimal sitzendem Katheder, "mittels Vakuumbildung" oder sowas .. nix raus kommt.

Bevor ich nun deswegen den Urologen frage, hätte ich gern gewußt wie das bei betroffenen Frauen ist. Bei Kat. gr. 10 hatte ich das Gefühl, das der zu weich ist, und sie ihn irgendwie abdrücken kann. Mit dem etwas festeren 12ver klappt es zwar besser, man kann beim einführen aber deutlich fühlen, wie die Löcher mit runden Kanten.. vom Kath. an Engstellen vorbei schrammen... was die Frage aufwirft, ob es sinnvoll ist, zu noch größeren.. die nicht so leicht verstopfen zu wechseln, weil die da noch mehr Reibung verursachen würden. Blöder weise ist der gezogenen Kath. nicht verstoft... eine Verstopfung der Löcher kann sich aber beim ziehen auflösen. Bleibt "die andere Möglichkeit". Spastiken hat meine Tochter eigentlich nicht so ausgeprägt, das sie ein Problem sind...Da sind ihre Problemem durch die Ataxie wesentlich größer.... aber warum zum *Dings* klappt das Katheterisieren nicht so wie es soll ? Wie sind die Erfahrungen von Betroffenen selbst ?

:-) Helmut
Vater ....einer 34 J. alten, schw. mehrf. behinderten Tochter, die neben Windeln mit ableitenden Hilfsmitteln ISK, und wg. Darmproblemen mit analer Irrigation versorgt werden muß...... und nun selbst Prob. mit dem Harndrang hat.
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Beitrag #2 von Helmut » 01 Nov 2009 12:15


Hallo Helmut,

deiner Beschreibung nach hat deine Tochter eine neurologische Blasenentleerungsstörung mit Überlaufblase und "Hochdrucksystem". Hier stimmt das Zusammenspiel zwischen Blasenmuskel und Schließmuskel nicht, sprich die Blase zieht sich zusammen aber der Schließmuskel macht nicht auf bzw. nicht so wie er soll. Die Blasen muss also gegen den Widerstand des Schließmuskels einwirken was dann zu einer Drucksteigerung im inneren der Blase führt. Wenn das länger anhält, dann kann es zu einem Rückstau in die Nieren kommen und dadurch zu ernsten Nierenschäden.

Ich hoffe doch sehr, dass der Urologe auch schon eine urodynamische Untersuchung gemacht hat, um die genaue Funktion und das Zusammenspiel von Blase und Schließmuskel zu testen. Wenn er das noch nicht gemacht hat, dann bestehe beim nächsten Besuch darauf.


Die Flockenbildung im Urin deutet schon auf eine Störung hin, weist du aus was die Flocken bestehen?

Nicht immer ist die Ausflockung harmlos, wenn die Flocken aus Eiweiß bestehen, dann deutet das auf eine Entzündung bzw. eine Störung der Nieren hin. Es können aber auch Flocken der Schleimhaut in der Blase sein. Auf alle Fälle soll geklärt werden, woher die Flocken kommen.


Wenn der Katheter durch die Flocken verstopft wird, dann sollte auf alle Fälle ein größerer Katheter gewählt werden. Ich schlage dir einen 14er vor, das ist noch eine normale Größe für Frauen. Der Katheter sollte abgerundete Augen haben und wenn möglich auch eine etwas konische weiche Spitze wie etwa der Liquick® Base von Medical Service. Dieser Katheter hat auch eine hydrophile hochgleitfähige Beschichtung. Damit lässt sich der Katheter auch bei spastischem Schließmuskel leichter einführen.

Gruß Helmut :wink:
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Beitrag #3 von Helmut60 » 01 Nov 2009 14:11


Helmut hat geschrieben:
Ich hoffe doch sehr, dass der Urologe auch schon eine urodynamische Untersuchung gemacht hat, um die genaue Funktion und das Zusammenspiel von Blase und Schließmuskel zu testen. Wenn er das noch nicht gemacht hat, dann bestehe beim nächsten Besuch darauf.



Hallo Helmut,

eine eine urodynamische Untersuchung hat er 2 mal versucht, mußte aber abgebrochen werden, weil meine Tochter nicht mitgemacht hat. Da der Druck beim Wasser lassen, und die Blase selbst schon viel größer als Normal, alle Laborwerte aber völlig oke sind, haben wir fürs erste mit dem ISK angefangen. Dabei macht sie gut mit, so das wir demnächst noch mal so eine Untersuchung ohne Narkose versuchen wollen. Wenn das nicht klappen sollte werden wir weiter sehen. Einen 14 ner haben wir heute morgen versucht, den hat sie jedoch nicht zugelassen, bzw. deutlich abweisender als beim kleineren reagiert. Daher haben wir es damit nicht weiter versucht.

Das Problem mit dem 12ver ist nicht das einführen. Das klappt Problemlos. Mitunter laufen einige Milliliter in den Schlauch... so 20 cm weit, dann sieht es so aus, als wenn sie teilweise von ihr wieder einsaugt werden.. und per Kath. nicht wieder raus kommen. 10 Minuten später hat sie dann 300 ml in der Windel. Ich hab sie "bei solchem Geschehen" schon 15 Minuten mit dem Kat. drin liegen lassen, in der Hoffnung, das sie nachgibt... aber nix kam. Daher kam ich auf die Idee mit dem Vakuum.... bzw. die Fragen, ob Man.. bzw. Frau, bei optimal eingeführtem Kat. den Harnfluß durch die Blasenmuskulatur stoppen... oder wieder ansaugen können. Anders kann ich mir das was ich sehen nicht erklären.

Wenn das so sein sollte, haben wir ein Problem, denn so kann sie dann wohl jeden Kath. "boykottieren". Ich denke, das sie sich durch das Spielen mit "der Muskulatur" reize verschafft... und schon gespannt ist was als nächstes passuiert. Um organische Störungen zu finden, wird wohl nur eine aussagefähige Untersuchung "in Narkose" helfen... Was gegen "solches Boykottverhalten" und mögliche schlimme Folgen hilft, ... ist mir jetzt eigentlich noch viel zu radikal... Da werden wir wohl verschiedenen Urologen fragen, und tun müssen was die Mehrheit empfiehlt.

:-) Helmut
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Beitrag #4 von Helmut » 01 Nov 2009 16:31


Hallo Helmut,

katheterst du deine Tochter im Liegen oder im Sitzen. Im liegen kann es schon sein, dass die Blase mit dem Katheter sich nicht richtig entleert weil sie vermutlich mit den Jahren und dem unerkannten Blasenüberdruck soweit ausgeweitet ist, dass der Urin einfach nicht mehr richtig ablaufen kann. Probiere daher mal den ISK im Sitzen und schaue ob dann mehr Urin abgeht.

Es ist vermutlich besser, die Urodynamik unter Narkose zu machen, da werden die Ergebnisse dann nicht beeinflusst weil sie nicht bewusst dagegen arbeiten kann.

Dass sie den 14er Katheter nicht so gut toleriert, das kann gut sein. Du wirst bestimmt einen starken Widerstand merken wenn du mit dem Katheter den Schließmuskel passierst, das ist natürlich unangenehm für sie.

Wenn bei der Urodynamik heraus kommt, dass der Schließmuskel zu fest gegen die Blase arbeitet, dann gäbe es da die Möglichkeit, den Schließmuskel zu Schlitzen um die Verschlußkraft etwas zu verringern.

Gruß Helmut :wink:
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Beitrag #5 von Lucky » 12 Nov 2009 11:18


Ich habe eine ganze Weile über die einleitende Frage nachgedacht und sehe eigentlich nur eine Möglichkeit; Du bist mit dem Katheter nicht richtig in der Blase, sondern nur kurz davor. D.h., die Katheterspitze steckt im oberen Teil der Harnröhe, so daß auch etwas Urin in den Katheter hineinläuft, doch das reicht noch nicht. Schiebe den Katheter mal ruhig gleich 2-3 cm tiefer rein. Keine Sorge, da geht nichts kaput. Zum einen ist eine volle Blase viel größer und außerdem ist die Blase ziemlich fest. Selbst wenn Du mit dem Katheter an die Blasenwand kommst, wird er sich dort nur umlegen.
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Beitrag #6 von Gabi » 12 Nov 2009 20:56


Hallo Helmut 60

So, wie du den ISK schilderst, denke ich doch an eine Spastik. Ich habe beim ISK eine Spastik ( nur beim ISK). Nach Auskunft meines Doc kann die Blase so reagieren. Da geht dann nichts mehr. Den Kath. führt man so weit ein, bis der Urin zu fließen beginnt. Wenn der Strahl aufhört, ziehe den Kath.erst ein wenig heraus, dann kommt evtl. noch etwas. Den Kath. zu weit einführen, ist nicht so ganz gut. Ich hatte öfters Blut im Kath., wenn ich an die Blasenwand gestoßen bin. Ist zwar nicht so schlimm, muss aber nicht sein. Gegen die Spastik gibt es Medikamente, die die Blase beruhigen.

Viele Grüße

Gabi
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