Was ist weniger infektanfällig:ein transurethraler oder suprapubischer Katheter

Hier findet ihr alles zu den ableitenden Hilfsmitteln wie zum Beispiel Urinalkondom, Katheter, Beinbeutel, ISK usw...

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Was ist weniger infektanfällig:ein transurethraler oder suprapubischer Katheter

Beitrag #1 von Doreen77 » 27 Sep 2013 19:16


Hallo,

ich habe mich hier neu angemeldet, weil ich meinen Vater helfen will, der von seinen Ärzten nicht richtig aufgeklärt wird.
Kurz zur Vorgeschichte:
Mein Vater (86) hatte im Juni diesen Jahres seine zweite Hüft-Op, aufgrund von Komplikationen(paralytischer Darmverschluss) war er mit anschließender Reha fast 2 Monate im Krankenhaus.(Er ist jetzt Zuhause und wird von mir und meiner Schwester abwechselnd betreut)
Der transurethale Dauerkatheter, den er seit dieser Zeit hat, bereitet ihn jetzt zunehmend Schwierigkeiten, weil er ständig von Harnwegs-Infekten geplagt wird.
Da ich selbst keine Medizinerin bin, hab ich versucht mich im Internet schlau zu machen, immer wieder lese ich dort, dass sich ein transurethaler Katheter als Dauerlösung gar nicht eignet.
Als ich seinen Hausarzt darauf angesprochen hab, ob nicht ein suprapubischer Dauerkatheter für meinen Vater besser wäre, wiegelte der ab und meinte die Infektrate wäre ungefähr gleich.
Auch hab ich von silberbeschichteten Kathetern gehört, die ebenfalls die Keimzahl verringern sollen, nur wie gesagt finde ich keinen richtigen Ansprechpartner, der mir zuverlässig Auskunft geben kann.
Ausserdem würde ich gerne wissen, ob nach 4 Monaten die Entfernung eines Dauerkatheters überhaupt noch möglich ist.
Da das hier ein Forum für Betroffene ist, erhoffe ich mir etwas mehr Klarheit.
Vielen Dank im Voraus, ich bin für jede Antwort dankbar!
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Doreen77
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Beitrag #2 von Marilee » 27 Sep 2013 19:57


Hallo Doreen,

erstmal ein herzliches Wilkommen hier im Forum.
Zu deiner Frage: die Entferung eines tranurethralen DK ist auch nach so langer Zeit immer problemlos möglich. Als Dauerlösung ist diese Art der Ableitung aber m. E. nicht zu empfehlen.
Hierbei ist ein SPK die bessere Lösung. Die Infekionsgefahr ist da deutlich niedriger, die Pflege ist wesentlich leichter und für den Patienten weniger belastend.
Liebe Grüße, M. :fleissig:
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Beitrag #3 von Struppi » 28 Sep 2013 10:38


Hallo Doreen,

auch von mir ein herzliches Willkommen.

Ein transurethal geführter Katheter ist in der Tat so gut wie nie (es gibt sehr seltene Ausnahmen) als eine permanente Lösung zur Harnableitung gedacht sondern nur als Akutmaßnahme, so z.B. bei Harnverhalt oder - wie bei Deinem Vater - nach einer Operation. Die Verweildauer sollte dabei 7 - 10 Tage nicht überschreiten (siehe auch Robert-Koch-Institut).

Marilee sagte ja schon: Die Entfernung des DK ist jederzeit möglich, vermutlich wird er aber nach so langer Tragezeit a) ein deutlich verkleinertes Blasenvolumen haben und b) eine ggf. vorübergehende Inkontinenz vorliegen.

Insbesondere für den Mann gäbe es neben dem SPK auch eine nicht-invasive Methode, nämlich das Kondomurinal, welches wie ein Kondom über den Penis gerollt und dort verklebt wird. Hier erfolgt die Harnableitung ebenfalls wahlweise in einen Bein- oder Bettbeutel, es kommt nur nicht länger zu einer unvermeidbaren Keimverschleppung in die Blase. Zudem ist mit dem Urinal ein Toilettentraining möglich, die Kontinenz könnte gar wiedererlangt werden (was auch ein angestrebtes Ziel sein sollte, da Dein Vater ja vor dieser Geschichte kontinent war, wenn ich das richtig verstanden habe).

Ausprobieren würde ich die Entfernung des DK auf jeden Fall, schon um zu sehen, welche Folgen dieser Versorgungsform in dieser langen Zeit bereits aufgetreten sind.

Grüße

Hannes


P.S.
wenn dieser Katheter lediglich zur Erleicherung der Pflege gelegt wurde, so gilt dies heute als schwerer Pflegefehler.
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Beitrag #4 von Doreen77 » 29 Sep 2013 14:26


Vielen Dank für die hilfreichen Antworten!
Die Idee mit dem Kondomurinal hatte ich auch schon, nur ist das bei meinem Vater etwas kompliziert:
Er hat aufgrund seines starken Übergewichts (100 Kilo bei 1.73m Körpergröße) einen retrahierten Penis.
Mittlerweile soll es ja Anbieter geben, die auch für dieses "Problem" Lösungen anbieten.
Weiß da zufällig jemand eine Anlaufstelle, bei der man mal eine ausführliche und gute Beratung bekommen könnte?
Inkontinent war er vor dem Krankenhausaufenthalt nicht, aber er leidet gerade nachts unter sehr starken Harndrang und musste bevor er den Katheter bekam manchmal bis zu 8mal in der Nacht auf die Toilette.
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Beitrag #5 von Helmut » 29 Sep 2013 16:05


Hallo Doreen77,

Kondom-Urinale für Männer mit retrahierten Penis gibt es inzwischen von einigen Herstellern wie etwa von Hollister die InView Kondom-Urinale. Wichtig bei der Auswahl von passenden Kondom-Urinalen ist dass sie aus einem allergenfreien und hautfreundlichen Material (zumeist aus Silikon) bestehen und dass sie einen relativ kurzen Schaft haben. Diese Hersteller bieten meistens auch eine gute telefonische Beratung an und haben auch gutes Informationsmaterial, das man sich zusammen mit Mustern der Kondom-Urinale schicken lassen kann.

Ich hoffe doch sehr dass der transurethale Dauerkatheter in der Zwischenzeit mindestens einmal gewechselt wurde, denn sonst wird es nicht einfach, ihn wieder heraus zu bekommen. Mit der Zeit lagern sich auf der Außenseite Kristalle aus Harnstoff ab und diese können bei der Entfernung des Katheters die Harnröhre verletzen. Selbst die Vollsilikon Dauerkatheter sind nur dafür gedacht, nicht länger als 4-6 Wochen am Stück zu liegen und müssen dann gewechselt werden. Harnwegs-Infekte sind bei Dauerkatheterträger nichts ungewöhnliches, denn nach spätestens 2 Wochen finden sich bei fast 90% der Träger schon Keime im Urin, das lässt sich auch nicht verhindern. Der Katheter ist ja ein Fremdkörper in der Harnröhre und diese versucht mit vermehrter Schleimbildung den Fremdkörper los zu werden. Der Schleim zwischen Katheter und Harnröhrenwand ist für die Keime wie eine Autobahn zur Blase, die wandern da einfach entlang, da sie ja nicht ausgespült werden.

Ein suprapubischer Katheter (SPK), auch oft als Blasenfistel bezeichnet ist dagegen deutlich weniger Anfällig für die Verschleppung von Keimen in die Blase und daher auch für Harnwegs-Infekte. Diese Form der Harnableitung wird gerne eingesetzt wenn die Ableitung über einen langen Zeitraum erfolgen soll.

Gruß Helmut
Ich bin nicht ganz dicht .......na und!
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Beitrag #6 von Doreen77 » 29 Sep 2013 18:17


Vielen Dank für die Info und den nützlichen Link, Helmut.
Ja, sein Katheter wurde in der Zwischenzeit zweimal gewechselt, er muss alle 4 Wochen zum Urologen, der dann den Austausch selbst vornimmt.
Leider haben wir von dem Arzt selbst keinerlei Beratung bekommen, auch nicht, warum man ihm bislang nicht angetragen hat, einen suprapubischen Dauerkatheter zu legen.
Sogar sein Hausarzt wundert sich, meinte aber auf Nachfrage, welcher Katheter besser für ihn wäre, das sei einerlei.
Du siehst, man stößt bei Ärzten in erster Linie auf große Indifferenz, ich fühle mich da wirklich sehr allein gelassen.

Ich hätte da noch eine Frage zum suprapubischen Dauerkatheter:
Mein Vater hatte 2009 eine Not-Op im Bauchraum, weil er einen eingeklemmten Bruch hatte.
Könnte das ein Hindernis für die Legung eines suprapubischen Dauerkathers sein?
Also, ich meine wegen der alten Vernarbungen, die aus diesem Eingriff resultiert haben.
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Beitrag #7 von Struppi » 30 Sep 2013 10:45


Hallo Dorren,

bei allem Respekt, aber Dein Vater war ein mal kontinent und diese Kontinenz sollte als oberstes Ziel wieder in den Mittelpunkt rücken.

Klar ist: eine nichtinvasive ableitende Maßnahme (z.B. das Kondomurinal) ist jeder Form von invasiven Optionen vorzuziehen, auch ein SPK hat seine Risiken und auch dort ist eine Keimbesiedelung der Blase im Regelfall nicht vermeidbar.

Bei den häufigen nächtlichen Toilettengängen hätte es auch eine Urinflasche getan; warum hier allein deshalb ein Katheter gelegt wurde, ist mir völlig unverständlich.

Zu Deiner Frage: Ja, Vernarbungen in der Bauchhöhle können eine Komplikation für das Legen eines SPK sein, diese Eventualitäten werden vorher aber gründlich vom Arzt überprüft. Auch ein SPK kann zudem jederzeit wieder entfernt werden. Allein das Erleichtern eventueller pflegerischer Maßnahmen kann nicht die Indikation für das Legen eines wie auch immer gearteten Dauerkatheters sein.

Gruß

Hannes
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Beitrag #8 von Doreen77 » 30 Sep 2013 21:13


Das Problem bei meinem Vater ist, dass er anatomisch nicht dazu in der Lage ist, eine Urinflasche zu benutzen.
Er hat es versucht, aber es ging nicht.
Das liegt in erster Linie an seinem retrahierten Penis.
Deshalb ist er auch skeptisch, dass es mit dem Kondomurinal besser klappen wird.
Überhaupt muss ich mit Engelszungen auf ihn einreden, dass er selbst endlich einsieht, dass sein Katheter auf lange Frist gesehen für ihn sehr schlecht ist.
Er glaubt den Ärzten mehr als mir und wenn die ihm nicht über Alternativen aufklären, werden sie schon wissen, warum...
Ich möchte ihn einfach vor weiteren Infekten und anderen Komplikationen bewahren.
Er ist trotz seiner 86 Jahre geistig noch sehr fit und hat in den letzten Jahren viel mitgemacht.
U.a. wäre er zweimal fast an einem Darmverschluß verstorben (einmal war es ein mechanischer und jetzt nach seiner Hüft-Op ein paralytischer)
Ich möchte wirklich nicht, dass er in seinem hohen Alter in Zukunft von Infekt zu Infekt schlittert, er soll so gesund und selbstständig wie möglich seine letzten Jahre verbringen dürfen.
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Beitrag #9 von Struppi » 01 Okt 2013 13:38


Hallo Doreen,

speziell für den retrahierten Penis gibt es seit einiger Zeit das "uroclean®men rt" von der Firma Uroclean.

Hier der Link, dort können auch Muster bestellt werden.

http://www.uroclean.eu

Mit dem (wenn passend gewählten) Urinal ist auch wieder ein sinnvolles Toilettentraining möglich.

Gruß

Hannes
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Beitrag #10 von Doreen77 » 01 Okt 2013 18:37


Vielen Dank, Hannes!
Und Danke auch an die anderen, die mir geantwortet haben, habe meinen Vater endlich dazu gebracht, dass er jetzt auch vom Katheter weg will.
Er hat heute schon ein Beratungsgespräch bei der Firma Uroclean geführt, er ist jetzt etwas zuversichtlicher, dass er damit zurecht kommt.
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