Was ist weniger infektanfällig:ein transurethraler oder suprapubischer Katheter

Hier findet ihr alles zu den ableitenden Hilfsmitteln wie zum Beispiel Urinalkondom, Katheter, Beinbeutel, ISK usw...

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Beitrag #11 von Doreen77 » 02 Okt 2013 20:43


Ich hab noch einige offene Fragen, gerade was die Katheterentfernung betrifft:
Ein Arzt meinte heute zu mir, dass mein Vater wohl Probleme haben wird, vom Katheter weg zu kommen, weil er kein Blasentraining gemacht hat.
Außerdem würde es auch von der Menge seines Restharns in der Blase abhängen, ob er in Zukunft ohne Katheter leben kann.
Was kann ich mir unter "Blasentraining" eigentlich vorstellen?
Er hat doch einen Katheter, wie kann man da die Blase überhaupt "trainieren"?
Und gibt es nicht auch Medikamente gegen Restharnbildung?

Gibt es eigentlich hier einen Betroffenen im Forum, der auch schon mal längere Zeit einen
transurethralen Dauerkatheter hatte und es geschafft hat, wieder ohne ihn auszukommen?

Danke im Voraus für jede Antwort!
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Doreen77
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Beitrag #12 von Struppi » 03 Okt 2013 19:49


Hallo Doreen,

ich kenne alle 3 Systeme (also transurethal, suprapubisch u. intermittierend) aus eigener Anwendung.

Ein Blasentraining ist in der Tat nicht möglich, solange ein Katheter liegt, schon gar nicht, wenn so lange ein transurethaler lag. Nur würde ich mich nicht mit diesem Umstand anfreunden sondern versuchen, an daran aktiv zu arbeiten. Dieser "Aktionismus" ist auch gut für das Selbstbewußtsein Betroffener, welches ja nicht selten stark unter der Belastung einer Inkontinenz zu leiden hat.

Medikamente gegen den Restharn direkt gibt es nicht, dieser könnte aber sehr gut mittels ISK (also intermittierendem Selbstkatheterismus) behandelt werden. Dabei legt man sich mehrfach am Tag selbst einen dünnen Einwegkatheter, um den Restharn aus der Blase zu bekommen. Die erforderliche Technik kann ein Urologe zeigen, er kann auch die nötigen Katheter verschreiben. Das Lernen nimmt im Regelfall nur ein paar Minuten in Anspruch.

Ein Toiletten- und Kontinenztraining kann unter professioneller Physiotherapie gelernt werden und ist gerade in dem Fall Deines Vaters sehr angebracht. Hier kann die Wahrnehmung der Blase wieder erlernt und gezielt trainiert werden.

Gruß

Hannes
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Beitrag #13 von Doreen77 » 04 Okt 2013 16:02


Danke für die ausführliche Antwort, Struppi.
Mein Vater hat große Angst, dass er dazu nicht mehr in der Lage ist "sich selbst zu katheterisieren", meinst du, dass man das auch mit 86 noch leicht lernen kann?
Er ist mittlerweile völlig durcheinander, gerade von den Ärzten haben wir eigentlich nur Blödsinn zu hören bekommen.
Dieses "Blasentraining" ist ja tatsächlich eine total veraltete und auch gefährliche Technik, die zudem überhaupt nicht bei transurethalen Kathetern möglich ist.
Genauso hieß es auf unsere Frage, ob es noch Alternativen für ihn gibt, immer nur "Nein".
Manchmal hat man wirklich den Eindruck, dass ein alter Mensch bei den Ärzten nur noch als lästiger Ballast gesehen wird.
Am 20.10 hat er seinen nächsten Termin beim Urologen, eigentlich soll da nur turnusmäßig sein Katheter ausgetauscht werden, er hat heute angerufen und gefragt, ob er auch eine Beratung bekommen kann.
Man sagte ja, der Arzt würde "kurz" mit ihm sprechen, ehrlich gesagt, erhoffe ich mir davon gar nichts.
Was sollen wir jetzt tun?
Wie würdest du vorgehen? Ich weiß ehrlich gesagt im Moment nicht, wie ich ihm noch Mut machen kann.
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Beitrag #14 von Doreen77 » 04 Okt 2013 16:30


Noch ein kurzer Zusatz:
Es stimmt doch, dass kein Urologe das Recht hat, meinen Vater dazu zu zwingen, dass er den Katheter behalten muss, oder?
Mein Vater ist leider echt der Meinung, dass er selbst keinerlei Entscheidungsgewalt hat und das machen muss, was ein Arzt anordnet.
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Beitrag #15 von Struppi » 04 Okt 2013 17:05


Hallo Doreen,

solange die Handfunktion Deines Vater nicht eingeschränkt ist, kann er selbstverständlich den ISK erlernen.

Die recht einseitige Beratung des Urologen würde ich so nicht stehen lassen, ggf. einen anderen Urologen aufsuchen und um kompetente und umfassende Beratung bitten.

Klar ist im Grunde: Der DK muss raus - so oder so. Zum Wechsel ohnehin, bei dieser Gelegenheit könnte man ihm dann die Alternativen zu dieser Versorgung "schmackhaft" machen, was bedeuten würde: Gezieltes Blasen- und Beckenbodentraining, um die Kontinenz unter fachkundiger Anleitung (Physiotherpie; einige Praxen sind sogar darauf spezialisiert) wieder zu erlangen oder die Symptomatik zumindest stark zu verbessern.

Gegen den Restharn den ISK zeigen lassen, auch ein älterer/alter Mensch kann dies in wenigen Minuten erfassen und auch anwenden. Der retrahierte Penis stellt dabei auch kein Hindernis dar, es bedarf nur etwas Übung und des "sich-trauens", sich selbst einen Katheter einzuführen. Die heutigen Katheter sind aber so dünn, flexibel und mit einem Gleitmittel bereits gebrauchsfertig vorbereitet, dass im Grunde niemand davor Angst haben muss.

Optional zum erneuten Legen eines DK ruhig schon mal Muster von o.g. Herstellern anfordern und - falls er den DK tatsächlich loswerden sollte - in Ruhe probieren. Sollte es Probleme geben, kann ein Homecare-Unternehmen ins Boot geholt werden, dann wird im eigenen Hause die Technik gezeigt. Dies kann unter dem Stichpunkt "Kontinenzberatung" auch ärztl. verordnet werden, es wird auch gerne bzgl. des ISK bei Unsicherheiten unterstützt und beraten.

Grüße

Hannes
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Beitrag #16 von Doreen77 » 04 Okt 2013 18:02


Hallo nochmal Struppi,
vielen, vielen Dank für die umfassende Antwort.
Wenigstens findet man hier im Forum umfassende Beratung und vor allem EHRLICHE und KOMPETENTE.
Ich werde auf jeden Fall ALLES versuchen, dass er von dem transurethalen Katheter wegkommt.
Ich lasse mich auch nicht durch die manchmal sehr demotivierende Art meines Vaters davon abhalten.
Er ist 86 und ich fühle mich einfach für ihn verantwortlich, wäre er an meiner Stelle würde er ja auch alles tun, dass für mich die beste Lösung gefunden wird.
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Beitrag #17 von Struppi » 05 Okt 2013 12:22


Hallo Doreen,

noch ein kleiner Zusatz zu den ständigen und unvermeidlichen Harnwegsinfektionen.

Der Urin kann "künstlich" angesäuert werden. In einem sauren Klima gedeihen die Keime schlechter. Dies wird ihn selbstredend nicht von der Infektion ansich befreien, kann aber die Symptome dämpfen und bei der Kurierung hilfreich sein.

Als natürliches Mittel gern genommen ist z.B. die Cranberry, es gibt sie als Kapseln oder aber Saft (Drogerie, Reformhäuser) oder medikamentös den Wirkstoff "Methionin", der auch auf Rezept zu bekommen ist, z.B. Acimol.

Und selbstredend kann kein Arzt die Therapie vorschreiben. Alle Behandlungen sind im Grunde nur "Vorschläge", wie eine Krankheit behandelt werden kann, und diese Vorschläge können selbstverständlich auch abgelehnt werden - dies gilt auch bei lebenswichtigen oder gar lebensverlängernden Maßnahmen.

Die Generation Deines Vaters gehört leider noch zu den Menschen, bei denen das Wort eines Arztes oberstes Gebot ist; der "mündige Patient" ist erst in den letzten Jahren aufgekommen.

Gruß

Hannes
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Beitrag #18 von Doreen77 » 05 Okt 2013 15:25


Hallo nochmal Struppi,

vielen Dank für die hilfreichen Tipps.
Cranberry-Kapseln habe ich ihm schon bestellt und wegen dem Medikament werden wir beim Arzt anfragen.
Mein Vater versteht halt in erster Linie nicht, dass ich ihm doch nur helfen will.
Er fühlt sich von mir "bevormundet", er hat im Krankenhaus sehr viel durchgemacht und jetzt will er in erster Linie "nur seine Ruhe", nur wird er die erst recht nicht haben, wenn er am transurethalen Katheter festhält.
Dass die Ärzte so desinteressiert an ihm sind, macht es nicht gerade leichter...
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Beitrag #19 von Doreen77 » 05 Okt 2013 18:57


Ich hab noch eine kurze Zusatzfrage:
Wie ist das eigentlich, wenn die Blase schon signifikant geschrumpft sein sollte?
Kann man dann trotzdem den Dauerkatheter entfernen und sich selbst katheterisieren?
Wie gesagt, er hat jetzt genau 4 Monate seine transurethalen Katheter, von Ärzten hab ich bislang nur gehört, dass man den nach "so langer Zeit" wohl nicht mehr entfernen könne, warum, wieso, weshalb, wurde natürlich nicht gesagt.
Wahrscheinlich ist es bequemer für den Arzt "Nein" zu sagen, dann kommen weniger Nachfragen und das "Beratungsgespräch" ist kürzer.
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Beitrag #20 von Struppi » 06 Okt 2013 00:25


Hallo Doreen,

nach vier Monaten Liegezeit des DK ist das Blasenvolumen mit Sicherheit kleiner geworden, von einer signifikanten Schrumpfblase würde ich aber noch nicht sprechen.

Trotz dieser Diagnose (bzw. zunächst Vermutung) ist selbstverständlich die Entfernung möglich und sogar indiziert denn nur so kann ein Kontinenztraining erfolgen, der Harnwegsinfekt effektiv und dauerhaft behandelt werden und das Blasenvolumen wieder gesteigert werden. Gegen den ISK spricht kein einziger der vorgenannten Punkte, auch hat der ISK keinen negativen Einfluss auf das Blasenvolumen, da nur zu bestimmten Zeiten katheterisiert wird und die Blase in der Zwischenzeit wieder als Reservoir dienen kann.

Wegen des bestehenden Infekts wäre es ratsam, eine Harnkultur anzulegen, den Keim zu bestimmen und eine gezielte Antibiose zu starten. Einen DK in dieser Zeit liegen zu lassen wäre kontraindiziert - mal ganz abgesehen von den ganzen anderen Gründen, die dagegen sprechen. Es scheint mir sogar ein grobes Versäumnis der Ärzte zu sein, den Dauerkatheter nicht schon längst entfernt zu haben...

Gut wäre auch, wenn ein weiterer Urologe hinzugezogen werden könnte, der objektiv nochmals einen Blick auf Deinen Vater wirft und ihm bei der "Entwöhnung" vom DK behilflich ist statt mit Standartfloskeln die Angelegenheit vom Tisch zu wischen.

Gruß

Hannes
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