Was ist weniger infektanfällig:ein transurethraler oder suprapubischer Katheter

Hier findet ihr alles zu den ableitenden Hilfsmitteln wie zum Beispiel Urinalkondom, Katheter, Beinbeutel, ISK usw...

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Beitrag #21 von Doreen77 » 06 Okt 2013 17:22


Hallo nochmal Struppi,

da er bereits einen komplizierten Harnwegsinfekt hat, wurde diesmal sogar eine Urinkultur angelegt.
Er bekommt das Reserve-Antibiotikum Ciprofloxacin.
Die Dauer der Einnahme beträgt 10 Tage, am Donnerstag ist er damit endlich durch, nur nutzt das ja nicht viel, wenn er nicht vom Dauer-Katheter los kommt.
Er hat mich gerade gefragt, wie er das mit dem ISK nachts machen soll.
Da er seit Jahren unter einer schlimmen Reizblase leidet, musste er früher nachts ohne Katheter bis zu 8mal raus, um auf die Toilette zu gehen.
Ich hab ihm gesagt, dann muss er sich vor dem Schlafengehen halt nochmal katheterisieren und falls er noch selbst spontan Urin ablassen kann, zu einem Kondomurinal greifen.
Irgendwie hat meine Antwort ihn nicht gerade beruhigt.
Ein wenig verstehen kann ich ihn ja schon, als Nicht-Geübter macht die Vorstellung schon Angst, sich selbst katheterisieren zu müssen.
Er meint, er würde sich damit die Harnröhre verletzen, überhaupt macht er nicht den Eindruck, dass er selbst daran glaubt mit allem klar zu kommen.
Und das ist das Schlimmste daran, wenn er nicht selbst an sich glaubt, kann ihm das keiner abnehmen.
Und in diesem Punkt mach ich wieder den Ärzten den Vorwurf, hätten Sie ihm frühzeitig über die vielen Risiken aufgeklärt, wäre es jetzt nicht so weit gekommen.
Er war 3 Wochen in der Reha, auch dort wurde in der Abschlussberatung nie darauf hingewiesen, dass ein Alltag mit diesem Dauerkatheter ohne Infekte nicht möglich ist.
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Doreen77
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Beitrag #22 von Struppi » 07 Okt 2013 01:42


Hallo Doreen,

zur Beruhigung Deines Vaters: Es ist kaum noch möglich, sich beim ISK selbst zu verletzen. Die Katheter sind sehr dünn (kein Vergleich zum liegenden DK) und flexibel. Die Katheter sind ferner zum sofortigen Gebrauch verpackt und mit einem Gleitmittel beschichtet. Selbst, wen man die Technik nicht erlernt hat (was aber nicht zu empfehlen wäre), ist eine Verletzung zwar nicht unmöglich, die Gefahr aber deutlich minimiert. Lernen kann auch Dein Vater noch diese Technik, es erfordert nur ein wenig Übung.

Wie das im Alltag aussehen würde: Die nötigen Abstände beim ISK liegen zwischen 4 und 5 Stunden, je nach Restharn und Blasenverhalten, der Urologe legt das schlussendlich fest (kann ggf. auch nur 2 x am Tag zur Restharnbeseitigung sein). In der Zwischenzeit kann das Kondomurinal getragen werden (das Uroclean-System bietet sich da an; dies kann ohne Kleber an- und wieder abgelegt werden). Dieses System könnte er auch problemlos in der Nacht tragen und würde ihm im Falle des Harndrangs dann vom Aufstehen entbinden. Tags kann ein unauffälliger Bein-, in der Nacht ein größerer Bettbeutel an das Kondom angeschlossen werden.

Der häufige nächtliche Harndrang kann viele Ursachen haben; von einer vergrößerten Prostata, Medikamenten, Diabetes oder sonstigen Gründen. Das sollte man bei Zeiten auch mal untersuchen lassen.

Ich kann nur nochmals auf einen Urologen-Wechsel hinweisen. Oftmals ist es hilfreich, wenn ein noch nicht mit der Angelegenheit befasster Mediziner einen objektiven Blick auf die Sache wirft und neu an den Patienten und seinen Befund herangeht.

Grüße

Hannes
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Beitrag #23 von Doreen77 » 07 Okt 2013 13:36


Hallo Hannes,

wie ist das eigentlich, wenn mein Vater jetzt beim Urologen - also wenn er eigentlich den nächsten Katheterwechsel hätte - sagt, dass er ihn ziehen lassen will, um zu sehen, ob er selbst noch Wasserlassen kann?
Man kann ihm das ja nicht verweigern, oder? Und ohne Untersuchung kann man ihn unmöglich nach Hause schicken, das wär ja unverantwortlich, oder?
Ich möchte einfach, dass endlich gehandelt wird und so kann der Urologe sich nicht herausreden, außerdem muss man ja endlich mal wissen, was bei ihm überhaupt möglich ist und was nicht.
Er hat übrigens seit Jahren eine gutartig vergrößerte Prostata, die Ursache seines nächtlichen Harndrangs ist also bekannt.
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Beitrag #24 von Struppi » 07 Okt 2013 14:16


Hallo Doreen,

kein Arzt oder Urologe kann Deinen Vater zwingen, den DK erneut nach Entfernung legen zu lassen. Dies obliegt allein der Entscheidung des Patienten.

Ich gebe allerdings zu Bedenken, dass vermutlich nach über 4 Monaten eine vollständige Harninkontinenz vorliegen wird. Also wäre es ratsam, ein paar Hilfsmittel mitzunehmen wenn der DK entfernt wird. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um saugende Hilfsmittel (Vorlagen; mit Tropfenfängern wird er nicht auskommen, oder Inkontinenzslips) oder ableitende Systeme in Form von Kondomurinalen handelt.

Du hast allerdings vollkommen Recht, dass seine Fähigkeiten nur dann ausgelotet werden können, wenn der DK - und sei es nur, um dies überhaupt zu erruieren - nicht in der Blase verbleibt.

Grüße

Hannes
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Beitrag #25 von Doreen77 » 08 Okt 2013 19:27


Hallo Hannes,

erstmal Danke für die Antwort.
Er plant ja einen Katheterauslassversuch.
Was kann denn jetzt schlimmstenfalls passieren, wenn er feststellen sollte, dass er nicht selbst urinieren kann?
Ich dachte eigentlich immer, dass bei einer Katheterentfernung z.B. eine Restharnprüfung Pflicht sei.
Müsste er dazu nicht eine Zeit in der Praxis bleiben?
Kann ihm der Arzt einfach so ohne Untersuchung nach Hause schicken?

Und wie geht das vor sich, wenn er lernen möchte, sich selbst zu katheterisieren?
Ich sollte vielleicht noch hinzufügen, dass er Pflegestufe 1 hat.
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Beitrag #26 von Struppi » 09 Okt 2013 00:25


Hallo Doreen,

zunächst einmal: ja, ein Arzt könnte ihn rein theoretisch ohne weitere Untersuchungen oder Anleitungen entlassen. Dies würde aber nicht gerade für die Qualität dieses Arztes sprechen.

Ich glaube nicht, dass Dein Vater nach der Entfernung des Katheters nicht selbständig Wasser lassen kann (ein Harnverhalt), sondern vielmehr, dass eine Inkontinenz vorliegt, soll heißen: Er kann den Harn nicht kontrollieren und die Wahrnehmung für die Blase wird vermutlich auch nicht oder nur gestört vorhanden sein.

Die Überprüfung des Restharns kann nach der Entfernung des DK nicht gemacht werden, da die ganze Zeit über der Urin abgeleitet wurde, die Blase also beim Ziehen leer/so gut wie leer ist. Um so sinnvoller ist jetzt die "Entwöhnung" von diesem System um vorhandene Schäden und die Speicherfunktion der Blase überhaupt erfassen zu können.

Die Technik für den ISK lernt man im Regelfall vom behandelnden Urologen. Dies nimmt auch nicht viel Zeit in Anspruch, es wird z.B. gezeigt, wie man hygienisch arbeitet, den Katheter richtig handhabt und das Hindernis der Prostata überwindet (die heutigen Katheter gleiten aber recht sanft über diese natürliche Barriere).

Die Pflegestufe ist für den ISK irrelevant aber auch nicht ganz uninteressant - für den Fall, dass er selbst nun überhaupt nicht damit klar kommt, könnte nämlich ein Pflegedienst dies übernehmen, dann wäre es ein IFK (intermittierender Fremd-Katheterismus). Natürlich muss abgewägt werden, wie oft am Tag katheterisiert werden soll, bei Pflegestufe I dürften mehr als 2 Besuche am Tag bereits eng werden, selbst bei bezogener Kombinationsleistung.

Nicht vergessen, den Arzt auf geeignete Hilfsmittelrezepte anzusprechen. Die Selbstversorgung mit diesen Hilfsmitteln ist nicht gerade kostengünstig. Anfangs spricht auch nichts gegen beide Versorungsformen (Urinal und saugende Hilfsmittel) um eventuellen Pannen vorzubeugen.

Grüße

Hannes
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Beitrag #27 von Doreen77 » 10 Okt 2013 00:41


Hallo nochmal Hannes,

ich glaub jetzt sind so weit fast alle Fragen geklärt, ich werde dann nach dem Arzttermin hier nochmal schreiben, wie der neue Stand der Dinge ist.
Hoffentlich kann ich positive Rückmeldung erstatten, das würde vielleicht auch anderen Betroffenen helfen, die gerade in einer ähnlichen Situation sind wie mein Vater.
Auf jeden Fall möchte ich mich so oder so nochmal für die große Hilfsbereitschaft und Kompetenz bedanken.
Es war eine sehr gute Entscheidung, dass ich hier um Hilfe gesucht habe!

Danke an alle!


Gruß,
Doreen
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Beitrag #28 von Sebald » 10 Okt 2013 08:33


Hallo Doreen,

Hannes ist mit Dir ja im umfassenden Dialog.

Von mir kommt jetzt nur noch die kleine Ergänzung, dass es die Katheter für den ISK nicht nur mit Gelbeschichtung gibt, sondern auch solche, die hydrophil beschichtet sind, also in einer Kochsalzlösung liegen. Man reißt oder schraubt die Verpackung auf, und der Katheter ist sofort einsatzbereit.

Vielleicht empfehlen sich für Deinen Vater hier die Katheter VaPro von Hollister. Diese haben eine Schutzhülse, die direkt auf die Harnröhren-Mündung aufgesetzt wird, so dass der Katheter berührungsfrei hineingleitet. Bei eingeschränkter Handfunktion oder Handzittern ist das durchaus empfehlenswert.

Auch Gel-Katheter haben diese Schutzhülse. Das hydrophile System ist aber 'netter' zur Harnröhre, weil das Gel der Katheter auch der Desinfektion dient. Ist ein Gefühl für Blase und Glied noch vorhanden, kann dieser Effekt irritieren oder leicht schmerzen.

Näheres s. hier (wenn's klappt):

http://www.hollister.com/germany/produc ... ly=74&ref=

Beste Grüße,
Sebald
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Beitrag #29 von Doreen77 » 11 Okt 2013 01:48


Hallo Sebald,

hab erst jetzt gesehen, dass du mir geschrieben hast.
Das ist ein ganz hervorragender Tipp von dir, wir werden die Firma Hollister umgehend kontaktieren und uns beraten lassen.
Wie gesagt, vielen lieben Dank für diese sinnvolle Ergänzung, hoffentlich kann ich hier bald positive Rückmeldung erstatten.
Falls jedenfalls alles gut klappen sollte, verdanken wir es den Leuten hier, die wirklich alle so hilfsbereit und nett waren.

Liebe Grüße,

Doreen
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Beitrag #30 von Doreen77 » 14 Okt 2013 13:51


Hallo,

heute war ein Mitarbeiter von Uroclean bei meinem Vater, leider können wir das mit den Kondomurinalen bei ihm vergessen.
Wenn er sich hinlegt, zieht sich sein Penis dermaßen zurück, dass keine Klebefläche mehr vorhanden ist, er könnte die Kondomurinale praktisch nur beim Laufen benutzen, selbst wenn er sitzt geht es bei ihm nicht.
Das ist natürlich ein herber Schlag für uns, wir wollten die Kondom-Urinale ja gerade nachts nutzen, damit er nicht ständig zum Urinieren aufstehen muss.
Hoffentlich läuft es nächste Woche bei der Katheterentfernung besser, mein Vater ist jedenfalls im Moment ziemlich niedergeschlagen, weil er so viel Hoffnung darauf gesetzt hatte, dass
er die Kondomurinale gerade in der Entwöhnungsphase vom Katheter nutzen kann.
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