Harninkontinenz und Rollstuhl im Alltag und Beruf

Hier findet ihr alles zu den ableitenden Hilfsmitteln wie zum Beispiel Urinalkondom, Katheter, Beinbeutel, ISK usw...

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Harninkontinenz und Rollstuhl im Alltag und Beruf

Beitrag #1 von Rabe » 18 Okt 2017 14:15


Hallo,

ich hatte mein Thema erst woanders platziert.
Marco: Danker für Deinen Hinweis.
Seit einiger Zeit versuche ich, das Thema Harninkontinenz irgendwie für mich in den Griff zu bekommen.
Emotional ist das für mich noch nicht abgeschlossen, aber auch bzgl. Hilfsmittel bin ich nicht durch damit.

Hintergrund für mein Problem ist eine Muskelerkrankung, die seit Jahren (noch) nicht diagnostiziert werden konnte.
Symptome sind z.T. extrem starke Muskelschmerzen und deutliche Muskelschwäche. Das betrifft mittlerweile auch den Harnapparat, oder vielmehr den Beckenboden. Muskeltraining geht gar nicht, sondern macht die Sache nur viel schlimmer. Ich bin quasi immer auf Messersschneide unterwegs: Belaste ich die Muskeln zu sehr, werden sie geschädigt. Belaste ich sie zu wenig, funktioniert der Muskelstoffwechsel nicht. Das Ergebnis ist das gleiche……

Seit einem Jahr bin ich auf den Rollstuhl angewiesen, und seither gibt es auch deutlich das Problem mit der Inkontinenz.
Mit dem Rolli bin ich natürlich nicht so mobil. Bin ich dann mal unterwegs, ist es problematischer, manchmal fast unmöglich, eine Toilette zu erreichen.
Dann geht es richtig in die Hose........

Auch wenn ich auf der Suche nach dem richtigen Hilfsmittel bin, kann ich - glaube ich - die sog. saugenden Inkontinenzhilfen ausschließen.
Damit käme ich definitiv nicht zurecht. Außerdem sind die Urinmengen zu groß. Da ich den ganzen Tag sitze, frage ich mich, wie und ob das mit der Ableitung funktioniert. Die bisherigen Informationsmaterialien (u.a. YouTube, etc.) stellen immer Situationen da, in denen der Mensch steht. Klar, da hilft die Schwerkraft……..

Ich bin in Vollzeit berufstätig und will das auf jeden Fall auch bleiben.

Andere Selbsthilfegruppe / Foren zum Thema Muskelerkrankungen konnten mir nicht die Infos geben, die ich brauche.
Nun bin ich einfach mal hier und versuche in das Thema weiter einzusteigen.

Derzeit ist es mit der Inkontinenz im Alltag so, dass ich es i.d.R. immer schaffe, rechtzeitig eine Toilette zu finden (es gib ja einige Apps für das Smartphone dazu). Allerdings bin ich da erheblich eingeschränkt, bzw. plane meine Wege vorab mit der App. Da ich aktuell viel Arbeit habe, komme ich kaum aus dem Büro. Bei meinem Arbeitsgeber gibt es zum Glück ausreichend Behindertentoiletten. Aber außerhalb ist es dann schon kritisch.
Allerding wird sich die Sache auf jeden Fall verschlechtern, sodass ich mich rechtzeitig informieren und tätig sein möchte.

Euch besten Dank schonmal.

Rabe
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Re: Harninkontinenz und Rollstuhl im Alltag und Beruf

Beitrag #2 von Helmut » 20 Okt 2017 12:49


Hallo Rabe,

nun ganz ausschließen musst du saugende Inkontinenzhilfen (Windeln) nicht, aber sie sind für Rollifahrer nicht so optimal wegen der sitzenden Position. Hier braucht es Produkte mit hoher Saugkraft damit der Urin schnell verteilt und gespeichert wird. Außerdem sind saugende Inkontinenzhilfen bei Stuhlinkontinenz hilfreich. Bin mir nicht sicher ob du schon Erfahrungen mit Windeln gesammelt hast, aber ein Versuch ist es allemal wert.

An deiner Stelle würde ich es zuerst einmal mit einem Kondomurinal und Beinbeutel versuchen, da gibt es bei Coloplast entsprechende Hilfsmittel. Es gibt von Manfred Sauer auch spezielle Beinbeutel für Rollifahrer damit der Ablauf nicht behindert ist. Wichtig dabei ist, dass das Kondomurinal fest am Penis haftet und mit einem Knickschutz versehen ist, damit es keine Undichtigkeiten gibt.

Alternativ könnte bei dir der ISK (intermittierende Selbstkatheterismus) etwas sein, damit entleerst du deine Blase mit einem Katheter alle paar Stunden. Dazwischen bist du "trocken", außer die Verschlusskraft des Schließmuskels reicht nicht (Belastungsinkontinenz) oder die Blase ist Hyperaktiv (Dranginkontinenz).

Kannst ja mal beide Optionen mit deinem Urologen besprechen was er zu dem Fall meint was für dich besser wäre.

Du kannst auch mal von den verschiedenen Firmen dir Muster schicken lassen um zu sehen mit was du am besten klar kommst. Dann lässt du dir ein entsprechendes Rezept vom Arzt ausstellen.

Viele Grüße Helmut
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Re: Harninkontinenz und Rollstuhl im Alltag und Beruf

Beitrag #3 von Rabe » 03 Nov 2017 20:28


Hallo Helmut,

ich versuche jetzt das drittemal zu antworten. Leider hat das System meine Zeilen bisher nicht übernommen - warum auch immer.

Sorry daher, dass eine Rückmeldung an Dich so lange gedauert hat und ich hoffe, dass dieser Text jettz durch kommt :shock:

Zunächst erstmal vielen Dank für Deine Tipps.
Ich habe zwischenzeitlich Deine Idee umgesetzt und mir von Coloplast Muster zusenden lassen. Mit Manfred Sauer habe ich so meine "Berührungsprobleme", weil die dort gerne stmal telefonieren wollen. Grundsätzlich eine gute Idee, aber da ich auch hochgradig schwerhörig bin, ist das mit dem Telefonieren für mich fast nicht möglich. Zudem bin ich gerade für merhere Woche zur Reha und von dort aus tagsüber Kontakt aufzunehmen ist nicht so einfach :D

Coloplast hat jedoch ziemlich rasch Muster gesendet und ich hatte diese dann am letzten Wochenende eingesetzt. Das ist im Wahrsten Sinne des Wortes in die Hose gegangen. Das Problem ist der Rollstuhl:

Die Sitzfläche ist nicht gerade, sondern steigt leicht zu den Knien an. Das ermöglichst mir das effektive Vorankommen und ich kann den Rolli so auch ein Stück weit mitsteuern. Das Problem ist dann aber, dass der Schlauch vom Kondomurinal kein Gefälle hat, da der Ansatzpunkt zum Urinbeutel nicht seitlich ist.

Aus irgendwelchen Gründen ist mir der Schlauch zum Urinbeutel unterwegs abgeknickt, ohen dass ich es gemerkt habe. Da ich - leider - sehr plötzlich größere Mengen Urin abgebe, konnte der Urin nicht in den Beutel und hat sich den Weg über das Kondom gesucht und diesen leider auch gefunden. Zum Glück hatte ich eine Ersatzhose mit und in der Rollstuhlkissen eine Plastikfolie eingezogen, sodass das keinen Schaden nahm.

Nach deiser erfahrung wurde mir erstemal ziemlich warm um den Hals. Ich hatte den Eindruck, dass auch das keine Alternative ist und ich nun komplett aufgeschmissen bin.

O.K., ich hatte bei Coloplast längere Kondome als Muster erbeten und diese auch rasch bekommen. Nun muss ich mir nur noch überlegen, wie ich sicherstellen kann, dass die Leistung vom Kondom zum Urinbeutel knickfrei bleibt.

Leider ist das Thema Inkontinenz eigentlich auch für viele Menschen mit Muskelerkrankungen kein Thema, das diskutiert wird. Viele Selbsthilfegruppen, in denen ich bin, schweigen deise Thema aus, realisieren Lösungen im Verborgenen und teile diese Anderen nicht mit.

Schönes WE

VG

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Re: Harninkontinenz und Rollstuhl im Alltag und Beruf

Beitrag #4 von Helmut » 06 Nov 2017 12:30


Hallo Rabe,

bei Manfred Sauer brauchst keine Berührungsängste zu haben, die in der Beratung am Telefon sind fast alle selbst Rollifahrer. Sagst halt gleich am Anfang dass du Hörprobleme hast und sie langsam laut und deutlich sprechen sollen. Schilderst denen dein Problem mit den ersten Versuchen dass es nicht so gelungen ist weil der Schlauch abgeknickt wurde. Ich denke du brauchst einen Urinbeutel mit Wellenschlauch, der knickt nicht so leicht ab.

Die haben spezielle Beinbeutel im Sortiment mit seitlichen 45° Eingang, da sollte das Gefälle dann passen.

Ich weiss jetzt nicht welche Beutel du von Coloplast getestet hast, aber da gibt es den Conveen Security+ Bettbeutel, den gibt es auch als Beinbeutel.

Also ganz würde ich den Versuch mit dem Kondomurinal noch nicht aufgeben, es gibt da unzählige Varianten davon, ist nur etwas schwer, die passende Kombination aus Beutel und Kondom zu finden.

Alternativ könntest du mit Kathetern arbeiten und beim intermittierenden Selbstkatheterismus (ISK) deine Blase in regelmässigen Abständen selbst entleeren, wenn es deine Handmotorik zulässt. Sprich das mal mit deinem Urologen an, ggf. könnte es eine Alternative darstellen.

Da stimme ich dir zu, Inkontinenz wird gerne bei diesen Gruppen tod geschwiegen. In meiner Selbsthilfegruppe hatte ich auch einen, der war Inkontinent nach einer Prostata OP und in einer solchen Selbsthilfegruppe. Er hat erzählt, dass es da um alles mögliche ging, aber über Inkontinenz wurde da fast nie gesprochen, obwohl die meisten davon betroffen waren.

Viele Grüße
Helmut
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