Frauen, Beziehung, Sex - mit Stuhlinko kein Problem

Hier geht es um zwischenmenschliche Beziehungen, Partnerschaft und Sexualität.

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Frauen, Beziehung, Sex - mit Stuhlinko kein Problem

Beitrag #1 von Askira » 28 Feb 2007 15:02


Hey Leute!


Vorweg gleich:
Ich möchte hier nicht die innere Schönheit anzweifeln, oder ähnliches. Aber ich bin wie ich bin, durch meine soziale Prägung und vielleicht wohl auch aufgrund noch meines eher jüngeren Alters hier.



Ich bin 23 und lese hier die ärgsten Hilferufe nach einer Partnerin, Freundin und so weiter. Auch ich bin Stuhlinko, doch habe damit in diesem Bezug in letzter Zeit kein Problem mehr. Vielleicht weil ich auch ein wenig so bin, was viele als "oberflächlich" ansehen.
Ja, ich stehe auf hübsche Frauen!

Die meisten schreiben hier "Ich finde keine Frau, wegen meinen _Windeln_".

Stellt euch doch bitte einmal vor, ob ihr euch selber ernsthaft eine Partnerin mit Windeln vorstellen könnt. Ja? Nagut.
Aber versucht es mal von der anderen Seite zu sehen:
Wer findet einen Partner sexuell attraktiv, wenn er eine Windel trägt. Bei jeder Berührung wird man wieder erinnert "achja er/sie trägt eine Windel".
Sexuelle Berührungen werden dadurch aufs extremste abturnend. Und Sex ist in einer Beziehung genauso wichtig, wie das rücksichtsvolle umgehen miteinander, das Verständniss und vieles mehr.

Es ist nunmal so, dass Windeln mit "Baby" und allem ähnlichen in jedem Menschen fest assoziasiert sind!

Ich bin wie gesagt 23 und bin dementsprechend jedes Wochenende in Clubs. Würde meine Partnerin Windeln tragen, sehe ihre Taile schonmal ensprechend anders aus. Abgesehen davon, falls sie sich auf mich setzt, würde ich schon die Windel merken. Würde ich sie beim küssen mal zwischen den Beinen berühren - ich würde sofort von der Windel gestoppt werden und mir würde die Lust kurzzeitig vergehen.
Eine sexuell gesunde Beziehung ist damit numal wirklich schwer möglich!

Dies hat nichts mit Sexbesessenheit, oder andere was ich hier schon gelesen haben, zu tun.

Ich möchte an dieser Stelle noch etwas aus Mattis Thread, der mir sehr gut gefällt, zitieren:
"Aber jeder Mensch, gleichgültig, ob behindert oder nichtbehindert ist ein geschlechtliches Wesen und Sexualität wird als Grundbedürfnis angesehen"
( Die ver./be-hinderte Sexualität )


Noch kurz genaueres zu mir und Frauen.
Ich habe eine 19 Jahre alte Partnerin und bin mit ihr seit 1 Jahr zusammen. Auch kann man sagen, das wir bereits seit 10 Monaten so gut wie zusammen wohnen.
Meistens mache ich täglich mein Irrigation. Sie weiß natürlich bescheid. Ich verschwinde dafür einfach für ~30min im Bad/Toilette und sprühe hinterher kräftig Rosenduft ;)
Davor hatte ich auch schon einige Freundinnen, und eine wußte auch von meiner Inko bescheid.
Auch wenn ich gerade eine Lebenspartnerin habe, kann ich nicht sagen ob das von Dauer ist. Wenn nicht, habe ich aufgrund meiner Inko mit Sicherheit keine Bedenken eine neue Partnerin zu finden!


Ich glaube den meisten fehlt es, abgesehen von oben genanntem, auch an Selbstbewußtsein. Die Frauen brauchen einen Mann der stark ist und keinen der ihr gleich nach dem 3ten treffen von seiner Inko in voller Mitleidstour beichtet. Oh Gott, schrecklich!



Nun ich habe viel geschrieben, aber nichts konkretes um eine Freundin zu finden! Also wie?!

1. Irrigation, oder nur mehr Einlagen (keine Windeln!!)

2. Selbstbewußtsein

3. Beichtet der Frau nicht in der ersten Woche von eurem Problem. Belasst es einfach, bis ihr euch wirklich jeden Tag seht und es nicht anders geht.

4. Wenn es soweit ist, steht dazu. Keine Mitleidtour! Sagt wie es ist.


Zu Punkt 4:
Meistens kommt von den Frauen ein "aha, ja und?".
Der Grund ist einfach, weil sie von der Inko nichts wirkliches mitbekommen haben und sich dadurch auch keinen Nachteil in der Beziehung ergibt. Die 30min die ihr im Bad/Toliette verschwindet mit Gerät, wenn sie bei euch übernachtet oder ihr bei ihr, sind dann echt egal.




Ich hoffe ich habe vielen von euch ein paar Anregungen gegeben, mal das ganze aus der anderen Sicht zu sehen und hoffe außerdem das sich einige von euch was abschauen können!

Lg, Askira :-)
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Beitrag #2 von Askira » 01 Mär 2007 14:39


Da ich gerade eine etwas für mich unverständliche PN zurück bekam, wobei ich demjenigen nur helfen wollte, habe ich noch 2 alte Threads von mir mit einem anderen Nick ausgekramt, damit viele sich ein besseres Bild machen können.



4. Dezember 2003 - Alter: 20


15 . Juni 2005 - Alter 21



PS: Bitte schickt mir keine PNs, von wegen "was ich mir erlaube" oder ähnliches. Ich lebe so, und wenn ihr damit nicht zurecht kommt, dann lasst es. Ich habe selbst oft genug Tiefs, aber lasst es nicht hier im Forum an andere aus - das ist doch schrecklich!
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Beitrag #3 von Matti » 02 Mär 2007 11:27


Hallo Askira,

da du dich in deinem Beitrag auf ein Zitat von mir beziehst möchte ich dir auch gerne antworten.

Ich sehe einige Punkte, und zwar ganz entscheidende, aus einer ganz anderen Sichtweise als du. Das interessante an einem Erfahrungsaustausch sind ja meist die unterschiedlichen Standpunkte. Deshalb geht es mir nicht darum dich zu belehren oder dir meine „Weisheiten“ aufdrängen zu wollen, sehe es eher als Denkansatz bzw. Diskussionsgrundlage.

Zunächst halte ich es in meinem Leben so, dass ich mich nicht von einem besonders langen Bein, evtl. versehen von einem besonders kurzen Rock alleinig bei der „Auswahl einer Partnerin leiten lassen. Eine Partnerin nach dem Modell „Paris Hilton“ hat wohl gerade für eine Partnerschaft ganz entscheidende „Fehler“, wenn man nicht gerade ein griechischer Reederssohn ist.

Nun, gut ein wenig Optik ist nicht schädlich.

Ich lese es häufig dass die Sexualität auf den Intimbereich beschränkt bleibt, zumindest in den Köpfen. Das dies wohl eher „quatsch“ ist, wird beim näheren betrachten der Sexualität deutlicher.
Wenn ich meine Sexualität auf den Geschlechtsakt reduzieren würde, dann hätte ich schlichtweg keine Sexualität. Und sei dir versichert, selbst ohne jegliche Wahrnehmung im Intimbereich ist es möglich eine beiderseits erfüllende Sexualität zu erleben, inkl. gegenseitiger Befriedigung.

Jung, attraktiv, erfolgreich sind die Geiseln, welche uns die mediale Landschaft so oft vorführt, dass viele an diese Ansichten mittlerweile zu Eigen gemacht haben.
Die aktuelle Diskussion über „Magermodells“ zeigt, welche Perversion mittlerweile erreicht ist.

Du bist zehn Jahre jünger als ich. Ich habe oft die Sprüche gehört, dass man mit zunehmendem Alter Dinge in einer anderen Gewichtung bzw. Sichtweise sieht und angeht. Selbstverständlich habe ich vor 10 Jahren auf diese vermeintliche „Klugscheißerei“ abwehrend reagiert. Fakt, zumindest bei mir, ist aber das dies stimmt. Dies ist ein interessanter Prozess und ich muss dir sagen, ich bin richtig gespannt darauf wie ich mein Leben in 10 oder 20 Jahren sehe. Ich denke manchmal, viel kann sich da nicht mehr ändern. Doch es wird sich vieles ändern, mit ganz großer Sicherheit.

Zurück zum Thema. Das leben geht so seinen Weg. Klar wenn du jung bist wechseln die Partner evtl. häufiger, die meisten dürften wohl die „Attraktivitätsnorm“ erfüllen. Irgendwann wirst du aber einmal dazu kommen (oder bist es vielleicht schon) dass du eine langfristige Beziehung aufbaust. Und in dieser langfristigen Beziehung verändern sich die Partner, auch körperlich. Würdest du es dann als „abturnend“ empfinden, wenn der Busen deiner Partnerin auf einmal nicht mehr so straff wie bei einer 17 jährigen ist?
Wenn dir auf einmal die Haare schwinden und dein Gesicht dadurch mehr Platz zum waschen erhält?
Einmal ganz davon abgesehen, dass z.B. eine Krankheit den Körper zeichnen kann und wenn es sich „nur“ um eine große Narbe handelt. Was währe im Falle einer Amputation nach Brustkrebs. Ist die Partnerin dann „abturnend“, ja muss man sich dann gar ein neues „Spielzeug“ suchen? Sex und Liebe sind wohl die entscheidenden Unterschiede, bei der Beantwortung dieser Frage.

Bei mir spielt sich Sexualität noch einmal ganz anders ab. Meine Partnerin muss zwangsläufig auch pflegerische Aufgaben übernehmen. Ein One Night Stand scheidet bei mit völlig aus, wenn ich nicht gerade mit meiner Pflegerin in die Kiste springe.

Meine Behinderung ist so offensichtlich, dass eine Windel nun wirklich das geringste Problem darstellen wird.

Du schreibst dass es dich bei jeder Berührung deiner Partnerin daran erinnern würde. Was ist wenn deine Partnerin z.B. Asthma hätte und ihr beim Liebesspiel auf einmal im wahrsten sinne des Wortes die Luft weg bleibt. Oder deine Partnerin an Neurodermitis leidet. Ist dies alles „abturnend“. Wenn dem so ist, dann ist zumindest deine Partnerschaft ziemlich oberflächlich, ohne mir ein Urteil über dich erlauben zu wollen.

Die Assoziation, dass eine Windel mit Baby und Kleinkind in Verbindung gebracht wird ist doch nur eine Kopfsache. Die meisten Babys kommen mit einer Glatze auf die Welt. Würde dies jemand bei einem Erwachsenen mit Baby verbinden? Wohl kaum.
Eine Windel ist ein Hilfsmittel, nicht mehr und nicht weniger. Und wenn vor allem die Betroffenen einmal dazu kämen dieses als solches anzusehen, würde sich so manche Blockade im eigenen Kopf lösen.

Ich lese oft, das sich Betroffene als Windelträger bezeichnen. Würde sich jemand mit einem Gipsarm als Gipsarmträger bezeichnen?

Ein wenig musste ich über die Beschreibung von dir schmunzeln, dass sich durch ein Hilfsmittel die Taille der Frau verändert. Dies kann aber auch durch einen vermehrten Besuch bei Burger King und Co. Entstehen. Dort geht man nach dem Clubbesuch doch gerne noch mal hin, oder?

Du schreibst: Eine sexuell gesunde Beziehung ist damit numal wirklich schwer möglich!

Vor einigen Jahren gab es einen Werbespot der Volksfürsorge im Fernsehen. In diesem berichtete ein 17 jähriges Mädchen, dass es nach einer Woche Sozialpraktikum im Altenheim gemerkt hätte das das Leben nicht nur aus Party und Shopping besteht. An diesem Werbespot ist viel Wahres dran.

Bei mir auf der Arbeit haben wir einige „Mädels“ so um die 18 – 20 Jahre jung. Wenn ich mich mit denen unterhalte, nach welchen Kriterien sie ihre Partner aussuchen, kommt mir immer wieder der oben genannte Werbefilm ins Gedächtnis.

Ein Typ mit einem BMW währe ein Zeichen dafür, dass er ihnen etwas bieten könne. Deshalb würde er in der Attraktivität deutlich steigen. Das dieser Typ evtl. völlig verschuldet ist, damit er seinen 3er BMW vor die Disko fahren kann wird dabei leider übersehen. Mein Auto ist 15 Jahre alt, dafür aber bezahlt! Die "Damen" vergessen dabei anscheinend das sie ausser ihrem mehr oder weniger gelungenem Körper häufig selbst diesen anderen Kriterien gar nicht entsprechen, welche sie an ihre Partner stellen. Mit 450 € Lehrlingsgehalt reißt man auch keine Bäume aus.

Ich denke, ja hoffe, dass du im laufe deines Lebens mitbekommst auf was es wirklich im Leben ankommt. Eine bestehende Inkontinenz, dies ist nämlich die Behinderung, nicht die Windel, sollte da kein Kriterium für eine auf Liebe und Vertrauen aufgebaute Partnerschaft sein.

Zu deinem zweiten Beitrag bezüglich der Privatmails. Teile der Besuchers dieses Forums haben es verlernt, oder nie gekonnt, eine Diskussion zu führen, und zwar offen.
Das Wesen einer Diskussion sind durchaus unterschiedliche Ansichten. Dies bereichert mein Leben. Vielleicht denkt der ein oder andere einmal darüber nach, dann gäbe es auch wieder ein paar mehr Beiträge als in den letzten Wochen.


Gruß

Matti
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Beitrag #4 von papa0861 » 02 Mär 2007 23:09


Askira hat geschrieben:Da ich gerade eine etwas für mich unverständliche PN zurück bekam, [/url]



PS: Bitte schickt mir keine PNs, von wegen "was ich mir erlaube" oder ähnliches. Ich lebe so, und wenn ihr damit nicht zurecht kommt, dann lasst es. Ich habe selbst oft genug Tiefs, aber lasst es nicht hier im Forum an andere aus - das ist doch schrecklich!




hallo askira,

ich kann mattis ausführungen nur zustimmen und bin eigentlich nicht verwundert, daß du unverständliche pm´s erhalten hast. denn, so ganz habe ich den sinn deiner ausführungen auch nicht verstanden.

nun, muß ich ja auch nicht unbedingt.

im zusammenhang mit der sexualität kann ich dir aus meinenerfahrungen sagen, daß ich alle phasen durchgemacht habe. angefangen über phantasien bis hin zu völligen extasen.

ich bin nun schon in einem gesetzteren alter und empfinde immer noch reichhaltige gefühle für meine frau. doch sex und gefühle sind oft so unterschiedlich. was dem einen der reine sex ist, ist mir zum beispiel allein die körperliche nähe.

für mich speziell ist reiner sex eh ein tabuthema geworden. rein körperlich wäre ich schon noch in der lage meine frau zu befriedigen. aber mein kopf schiebt diesen rein körperlichen akt in weite ferne.

wer sex auf rein körperliche befriedigung beschränkt ist meiner meinung nach eh´ arm dran.

insoweit empfinde ich deine empfehlungen des vorerst verschweigens als unehrlich. du bittest deine partnerin erstmal ins bett und willst später mit der wahrheit herausrücken?

wäre ich in diesem falle die frau, würde ich mich sehr verletzt fühlen und dir dann sofort den laufpaß geben, auch wenn ich mit deiner inko klarkommen würde.

und weiß du, warum? weil du in dem speziellen fall deiner "geilheit" der wahrheit den vorrang gegeben hast.

lg
jürgen
:-)) Wer Rechtschreibfehler findet kann sie behalten und einrahmen. :-))
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Beitrag #5 von eckhard11 » 03 Mär 2007 01:47


Guten Morgen, Askira,

ich stimme Matti und Jürgen zu, wenn diese erläutern, daß Gefühle wie Liebe und Zuneigung für eine Beziehung unerlässlich sind.

Aber der Sex, die körperliche Liebe, ist natürlich für eine gesunde Beziehung genauso wichtig !!

Und ich kann auch gut verstehen, daß Du der Meinung bist, sexuelle Berührungen würden schlagartig abtörnen, wenn sich die Partnerin/ der Partner erst durch eine Windel kämpfen muss.
Möglicherweise sogar noch mitten ins Leben.....
Niemand kann mir erzählen, daß ihr/ihm derartiges nichts ausmacht.

Genauso, wie mir niemand weissmachen kann, sie/er würde bei einer Partnersuche darüber hinwegsehen, ob der Partner eine Behinderung hat oder nicht, sei es Neurodermitis, eine amputierte Brust, ein amputiertes Bein oder eben eine Windel wegen einer Stuhlinko.
Wenn ich in jungen Jahren als gesunder, kräftiger, gutaussehender Mann eine Partnerin suche, dann würde ich doch den Deubel tun und mir eine Behinderte aussuchen.
Jeder, der etwas anderes erzählt, lügt.
Es sei denn, es wäre die sogenannte “Liebe auf den ersten Blick”.

Etwas ganz anderes wäre es, wenn diese Behinderung während einer langjährigen Beziehung eintritt, da hat man eine ganz andere Einstellung gegenüber der Partnerin/dem Partner und würde sicherlich mit diesem leiden und hoffen.

Aber in jungen Jahren wird man als Behinderter Probleme haben und kann nur versuchen, das Beste daraus zu machen.
Mir übrigens sind auch heute noch lange Beine unter einem kurzen Röckchen viel lieber als Wollstrümpfe an dicken Stampfern......

Auch Deiner Aussage, daß Windeln mit “Baby” und allem ähnlichen in jedem Menschen fest assoziiert sind, stimme ich zu.
Wie sonst ist zu erklären, daß weit über die Hälfte aller Beiträge in diesem Forum sich ausschliesslich damit befassen, wie man verhindern kann, dass ein Fremder bemerkt, dass man eine Windel trägt.
Knisternde Windeln, raschelnde Windeln, auftragende Windeln, zu hohe Windeln, zu dicke Windeln usw.usw.

Viele Leser, die dies jetzt lesen, glauben wahrscheinlich tatsächlich noch daran, daß sie diese Fragen ausschliesslich aus eigenem Interesse an sich selbst, wegen ihrer eigenen Ohren, Augen und Nasen, stellen.
Nicht deswegen, weil sie Angst haben, jemand könnte die Windel sehen, hören oder riechen,
nicht deswegen, weil sie Angst haben, es wäre möglich, daß sie nicht für voll genommen werden, weil sich sich ja "wie ein Baby" in die Hose machen,
neeeeeiiiiin, derartige Fragen werden ausschliesslich dazu gestellt, um eine eigene Sicherheit zu erlangen.

Es gibt übrigens noch viele - erwachsene - Menschen in Deutschland, die an den Weihnachtsmann und an das Christkind glauben.......

Es gibt Betroffene wie Jürgen, die ihre Behinderung so sehr hassen, daß sie sogar - freiwillig - dem ehelichen Sex entsagen.
“Das Fleisch ist willig, aber der Geist ist schwach”, wie Jürgen es einmal sehr treffend in einem anderen Forum, in welchem wir genau über dieses Thema diskutierten, ausdrückte.
Das ist ein richtiges Problem.
Aber es trifft, Gott sei Dank, nicht jeden.
Wenn Du ergo der Meinung bist, Deine Partnerin müsse nicht unbedingt schon vor dem ersten ONS von Deiner Behinderung wissen, dann nutze die Gelegenheit.
Soviele “zweite” Gelegenheiten mit derselben Partnerin wirst Du nicht bekommen.

Und lass Dich nicht von den negativen PN-Schreibern anmachen.
Das sind grösstenteils Menschen, die zu feige sind, ihre Meinung öffentlich zur Diskussion zu stellen, wenn sie denn überhaupt eine Meinung haben.
Es könnte ja sein, daß die öffentliche Meinung anders ist als ihre, und daher scheuen sie eine tatsächliche Diskussion aus Angst vor einer Blamage
Das sind übrigens meistens auch diejenigen, die Fragen zu raschelnen Windeln stellen, aber nur zu ihrem persönlichen Schutz, hi, hi.....

Gruss
Eckhard
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Beitrag #6 von Matti » 03 Mär 2007 13:42


Hallo Eckhard,

wie gesagt ich habe mich ja auf unterschiedliche Meinungen gefreut und hier scheint es zwischen uns ganz unterschiedliche Ansichten in einem Punkt zu geben.

Genauso, wie mir niemand weissmachen kann, sie/er würde bei einer Partnersuche darüber hinwegsehen, ob der Partner eine Behinderung hat oder nicht, sei es Neurodermitis, eine amputierte Brust, ein amputiertes Bein oder eben eine Windel wegen einer Stuhlinko.
Wenn ich in jungen Jahren als gesunder, kräftiger, gutaussehender Mann eine Partnerin suche, dann würde ich doch den Deubel tun und mir eine Behinderte aussuchen.
Jeder, der etwas anderes erzählt, lügt.
Es sei denn, es wäre die sogenannte “Liebe auf den ersten Blick”.


Vielleicht kannst du mir einmal erläutern nach welchen Massstäben du in früheren Jahren auf "Brautschau" gegangen bist?

Ich kenne eine ganze Menge von behinderten Menschen, welche ihre Physiotherpeutin oder Krankenschwester geheiratet haben, weil sie sich in einer monatelangen Reha kennen und lieben gelernt haben. Dort zählte wohl vor allem der innere Wert und die vorhandene Behinderung war völlig zweitrangig bei der Entwicklung von Gefühlen.

Mit dem Wort "aussuchen" kann ich in Bezug auf eine Beziehung eh wenig anfangen. Partner findet man doch nicht auf einem Basar oder Obststand, wo man nach der besten Qualität seine Wahl trifft. Dies hat doch wohl eher etwas mit Sympathie, Zuneigung und Zwischenmenschlichkeit zu tun, oder?

Meinst du nicht ein behinderten Mensch währe nicht so liebenswert das seine Behinderung ein entscheidendes Ausschlußkriterium währe um Gefühle zu entwickeln?

Klar haben es "Schönlinge" einfacher bei der Partnerwahl und Suche. Nur, würden wohl alle Menschen mit 20 Kilo Übergewicht auf ewig ein Singledasein führen, wenn man nach deinen Massstäben vorgehen würde. Um ein fast perfektes Gegenstück zu erhalten muss man selbst erst einmal die Kriterien erfüllen. Oder man handelt nach zweierlei Mass.

Ich bin liebenswert und verdiene aufgrund meiner charakterlichen Eigenschaften die gleiche Chance wie jeder andere auch. Wenn jemand so oberflächlich ist, dass nur der Hintern und die Blusenfüllung interessant sind, dann währe sie für mich ein entscheidendes Auschlußkriterium.

Ich würde selbstverständlich eine Partnerin "nehmen" welche eine Behinderung hat, wenn ich für sie Gefühle empfinden würde. Ich sehe nämlich zunächst einmal den Menschen und nicht den Rollstuhl. Der Mensch und das was ihn ausmacht macht den Menschen interessant oder eben nicht, nicht der Rollstuhl oder die fehlende Brust.

Meinst du ich hätte in meinen Leben nur Partnerschaften geführt, welche eh keinen anderen abbekommen hätten? Wohl kaum. Als 1,60 großer Mann hatte ich Partnerinnen die 1,80 groß waren. Als Fußgänger währe ich in diese "Dimensionen" wohl eher nicht gelangt. Der Rollstuhl bietet alsoauch Vorteile :wink:

Schau dir mal an wie Erotisch behinderte Frauen sein können:

http://www.partizip.de/cms/partizip/fro ... 31&idside=

Gruß

Matti
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Beitrag #7 von Askira » 03 Mär 2007 16:47


Hier haben sich ja wirklich interessante Sichtweisen zusammengefunden.

Ich möchte gar nicht viel dazu schreiben, außer das ich weiß das ich mich verändern werde. Jeder hat eine soziale Programmierung in sich, und ich lebe sie aus. Ich will sie gar nicht verdrängen.

Nunja, das wichtigste ist doch das jeder von uns zufrieden ist. Das ist das um und auf im Leben! :)
Wie das jeder von uns erreicht, bleibt ihm überlassen. Ob er seine Komplexe abbaut, ob er durch soziale Programmierung so ist, ob er glaubt so sein zu müssen. Zufriedenheit mit sich selbst!


Matti hat geschrieben:
Schau dir mal an wie Erotisch behinderte Frauen sein können:

http://www.partizip.de/cms/partizip/fro ... 31&idside=

Gruß

Matti


Hui, sexy - um es mal so auszudrücken!
Hier sieht man deutlich, das auch behinderte Menschen sich gerne schminken, kurze Röcke anziehen und vieles mehr. Ist das dann oberflächlich? Nein? Warum ist es als nicht-behinderter oberflächlich?


Kann man nicht kurze Röcke anziehen, einen 3er BMW fahren und dennoch genauso auf innere Werte achten?

Schließen sich diese 2 Dinge gegenseitig aus oder geht auch beides zugleich?



LG, Askira :-)
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Das Problem - Partnerschaft

Beitrag #8 von Chris » 03 Mär 2007 18:33


Hallo Ihr's,

nett nett, eine Diskussion so recht nach meinem Geschmack.

Ich möchte einmal ein wenig "aus dem Nähkästchen" plaudern - anhand meiner eigenen Biografie.

Als 2001 der Unfall passierte, durch den ich voll inko wurde, da lebte ich nach einer Scheidung (20 Jahre Ehe) - wieder in einer Partnerschaft und wie reagierte meine damalige Partnerin darauf, dass sie es nun mit einem "Baby" zu tun hatte - sie hat mich unterstützt wo immer es nur ging. Wir haben unser Leben "ein wenig umgestellt", aber was das Suchen nach Nähe oder auch Intimitäten anging - da hat sich fast nichts geändert, außer dass ich nun meistens eine andere Unterwäsche trug.

Dann ging diese Beziehung in die Brüche und ich hatte mich gedanklich schon damit abgefunden, dass ich wohl lange brauche, bis ich eine Frau finde, die mit "mir etwas anfangen kann" oder will - aber - denkste!! Es dauerte nur ein paar Wochen und ich lernte meine jetzige Frau kennen - über 20 Jahre jünger, angehende Medizinerin, attraktiv ... ein "echter Traum" und es war, wie Matti schreibt - nicht die Einschränkung stand oder steht im Vodergrund - die "inneren Werte" sind maßgeblich.

Wenn wir einmal ganz ehrlich sind - so eine "Achillesferse" hat doch jede(r), also - zu einer wirklichen Beziehung gehört doch deutlich mehr als gutes Aussehen (was ist das überhaupt) oder viel Geld oder oder. Sicher ist die Oberfläche in der heutigen Zeit zu einem "bestimmenden Teil" nach Außen in der Gesellschaft geworden, aber müssen wir denn jeden Trend mitmachen - ich bin froh, eine Partnerin gefunden zuhaben, mit der mich sehr viel verbindet und der "die kleinen Einschränkungen" fast egal sind.

Insofern, ich bin der Meinung, dass zu einer guten Beziehung eben nicht nur die "Äußerlichkeiten" gehören sondern viel mehr die "inneren Werte".

Bis denne

Chris
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Beitrag #9 von Matti » 03 Mär 2007 19:24


Hallo,

eine Diskussion die richtig Spaß macht.

Auf der von mit angegebenen Homepage von Beauties in Motion findet sich dieser Satz:

Einer der Gründe für diesen Wettbewerb ist, zu zeigen, dass behinderte junge Frauen und Männer nicht nur auf den Rollstuhl zu reduzieren und als unscheinbare Neutren zu sehen sind, sondern als das, was sie wirklich sind: wunderschöne junge Menschen mit einer unglaublich positiven Ausstrahlung.


Vor allem der Punkt mit den "unscheinbaren Neutren" trifft den Kern. Behinderte Menschen werden leider noch immer viel zu häufig als solche angesehen.

Wie oft habe ich den Satz gehört, selbst von meinen Eltern: Du ich habe von dieser und jenen Veranstaltung gelesen (gehört), dort treffen sich viele Behinderte (nicht selten auch "Menschen wie du"!), geh doch mal hin.
Ja, hallo wollen wir Ghettos oder Integration. Selbstverständlich kann ich zu einer Veranstaltung gehen an der behinderte Menschen teilnehmen, ebenso gerne gehe ich aber auch zu Veranstaltungen welche nicht von behinderten "dominiert" werden.

Dieses Bild der Öffentlichkeit, wenn z.B. ein behinderter Mensch im Fernsehen zu sehen ist, hat sich auch im Jahr 2007 noch nicht befriedigend gewandelt. "Schau mal wie der behinderte vorgeführt wird, oder wenn es auf die Neidebene geht "Naja, der wird ja bevorzugt, weil er eine Behinderung hat". Stellt euch mal einen körperlich schwerbehinderten Spastiker vor, welcher z.B. bei Günther Jauch auf dem Stuhl bei "Wer wird Millionär" sitzen würde. Ein Großteil der Zuschauer würde auf jedes Wort von Jauch achten wie ein Adler, jeder vermeintliche "Helfer" würde damit kommentiert: "Naja, der Arme ist ja behindert, da soll der Jauch dem mal helfen". Und wenn es dann dieser Kandidat bis zur Million schaffen würde hieß es: "Naja, dem wurden extra leichte Fragen gestellt".

Seht ihr was ich meine?

Wenn dem Kandidaten dann auch noch die Spuke aus dem Mund läuft oder er aus Freude wild mit den Armen umherwedelt, weils ihm seine Spastik nicht anders zulässt, würden viele doch sogar soweit gehen, dass sie sich dazu hinreißen lassen würden folgenden Satz zu sagen oder zumindest zu denken: "Ja muss man diesen armen Mensch den so vorführen"

Der Mensch, sein Wissen und Können tretten doch aufgrund seiner Behinderung völlig in den Hintergrund. Seht euch Steven Hawking an, ein Mensch der nahe am Genie angesiedelt ist und gleichzeitig ein völliges körperliches Frack ist.

So geht es vielen Menschen. Der Hauptschüler findet keine Job (ich habe es als Hauptschüler zum Kaufmann im Einzelhandel und Abteilungsleiter gebracht), der Dicke z.B. keinen Job hinter der Theke einer Disko.

Ich hoffe, dass es irgendwann einmal eine Veränderung in der Gesellschaft gibt.

Bei Heidi Klum und ihren "Germanys next Topmodell" werden Frauen mit 1,80 und 47 Kilo als viel zu Dick empfunden. Wenn man es weiter "spinnt" dann passt der farbige Mensch nicht hier und dort hin, der Schwule wird geächtet und der Langhaarige als Hippie abgetan.

Auf der Webseite über die DIN-Normen szeht folgender Satz:

Der Inhalt der Normen ist an den Erfordernissen der Allgemeinheit zu orientieren....


Gott sein Dank, gibt es noch keine DIN Norm für den Menschen. Und so hat im laufe der menscheit immer wieder menschen gegeben, welche in eine Schablone passten, dass Leben unzähliger aber sehr bereichert haben.

Ich möchte nicht falsch verstanden werden. Seine Partner findet man natürlich vor allem wegen seines Geschmacks und Vorlieben. Und das ein mensch, welcher sich keine Partnerschaft mit einem Behinderten vorstellen kann trotzdem ein vorzügliches soziales Verhalten leben kann steht ausser Frage.

In diesem Sinne.

Matti

Noch ein Anmerkung: Wenn man evtl. etwas höherwertige Diskussionen hier haben möchte, dann sollte man sich einmal Gedanken darüber machen ob man diese wirklich einschränkende Zeitbegrenzung, beim Erfassen von Beiträgen, nicht etwas verlängern kann.
Hier schreiben auch Menschen mit Behinderung, welche evtl. sogar aus Mangel an genügend Fingern, dass Zehnfingersystem nicht beherrschen!
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Re: Das Problem - Partnerschaft

Beitrag #10 von papa0861 » 03 Mär 2007 21:38


Chris hat geschrieben:Insofern, ich bin der Meinung, dass zu einer guten Beziehung eben nicht nur die "Äußerlichkeiten" gehören sondern viel mehr die "inneren Werte".



hallo chris,

damit sprichst du mir aus der seele. ebenso pflichte ich matti mit seiner darstellung der partnerschaft bei.

eine beziehung, bei der der wichtigste punkt die rein körperliche sexualität ist, geht früher oder später eh in brüche.

ich weiß, daß ich mit meiner verhaltensweise meiner partnerin unendlich weh tue. aber sie hält zu mir, und ich bin zur zeit nicht in der lage meine einstellung zur körperlichen nähe zu verändern.

trotz allem reichen uns die wenigen kuschelminuten, die ich zu genießen/ertragen in der lage bin. wir haben glücklicherweise andere punkte, die uns aneinanderbinden.

natürlich ist sex ein nicht unwesentlicher bestandteil einer beziehung.

auch gebe ich matti recht, wenn er meint, daß ein rollstuhl kein hindernis für körperliche nähe sein muß.

es kommt immer darauf an, was man von einer partnerschaft erwartet. bestimmt spielt hier auch das alter bzw. das vorleben eine rolle. in meinem alter hat man sich halt schon die hörner abgestoßen und geht anders an dieses thema heran, wie ein mensch, der gerade mal die sexualität lernt.

nagut, ich wollte einst auch so leben wie mein opa, der mit seinen 80 jahren noch recht aktiv im altenheim unterwegs war *grins. ich muß jetzt eben andere prioritäten setzen und kann meinem opa nicht nacheifern. dank (?!) meiner blockade. aber unglücklich bin ich deswegen trotzdem nicht.

glücklich bin ich aber über den umstand, daß meine frau ihre gefühle meinen gegebenheiten angepaßt hat. und ich glaube, daß wir noch sehr sehr lage damit glücklich umgehen können und werden.

lg
jürgen
:-)) Wer Rechtschreibfehler findet kann sie behalten und einrahmen. :-))
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