Freundin mit Stuhlinko

Hier geht es um zwischenmenschliche Beziehungen, Partnerschaft und Sexualität.

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Freundin mit Stuhlinko

Beitrag #1 von Robin » 09 Dez 2007 16:38


Hallo
Meine Freundin 24 ist seit einem Jahr Tetraplegikerin, das heisst sie hat verminderte Handfunktionen und braucht deshalb teilweise Unterstützun in der Pflege. Wie die meisten Queschnittgelähmten hat auch sie keine Kontrolle über ihre Stuhlausscheidung. Durch regelmässiges Abführen am Morgen konnten Unfälle bisher jedoch vermeidet werden. Vor einer Woche stellte der Arzt aber die Medikamente um.
Nun hatte sie heute Nacht zu ersten Mal in Meiner Gegenwart eine grosse Menge Stuhlgang verloren.
Ihr war das sehr peinlich und sie war absolut schockiert. Ich habe ihr dann geholfen sich zu waschen, hab das Bettlaken gewechselt und versucht sie zu beruhigen. Aber sie hat nur noch geweint. Ihr könnt euch also vorstellen dass wir heute Nacht sehr wenig geschlafen haben. Auch heute isg sie sehr still und zurückgezogen udn macht absolut zu wenn ich über den Vorfall sprechen möchte. Ich hab damit kein Problem bin ja auch physio in einer Rehaklink und hab solche Vorfälle schon mehr als einmal miterlebt.
Ich verstehe jedoch, dass ihr das sehr unangenehm ist. sie scheint auch an sich selbst zu zweifeln. Ich möchte ihr doch nur helfen, dass sie damit umgehen kann, oder besser gesagt mit ihr zusammen einen Weg suchen wie damit umgegangen werden kann. Aber ich weiss nicht wie ich im Moment an sie rankommen soll.
Bitte helft mir ihr zu helfen!!!
Danke und einen schönen Adventssontag nooch
Robin
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Beitrag #2 von Helmut » 10 Dez 2007 22:35


Hallo Robin,

es gibt eine ganze Reihe von Medikamenten die sich auf die Funktion des Darmes auswirken, hier besonders verschiedene Schmerzmittel, Schlafmittel und natürlich auch Medikamente welche auf die Blasenfunktion einwirken. Hier kann es in den meisten Fällen zur Darmträgheit kommen, so dass der bestehende Rhythmus durcheinander kommt. Welche Technik des Abführens nutzt deine Freundin eigentlich?

Dass deine Freundin bei einem Unfall in deiner Gegenwart sehr verstört war und weinte, das ist eine völlig normale Reaktion ihrerseits. Aus deinem Text lese ich heraus, dass deine Freundin keine Vorsichtsmaßnahmen in Form von Einlagen oder Windeln benutzt hat, sonst hätte vermutlich das Bett nichts abbekommen.

So wie ich aus deinem Text entnehme, ist deine Freundin erst seit einem Jahr Tetraplegikerin, da befindet sie sich noch in einer sehr schwierigen Lage. Ich spreche da aus Erfahrung, ich habe auch über zwei Jahre gebraucht, bis ich mich mit meiner Inkontinenz abgefunden hatte. Du musst ihr jetzt zeigen, dass die Behinderung und vorallem die Inkontinenz für dich kein Problem darstellt und dass du sie trotzdem sehr gern hast. Für sie ist es immer noch sehr schwer, mit anderen über ihre Behinderung und vorallem über die Inkontinenz zu sprechen, da es ja den Intimbereich betrifft. Wichtig ist jetzt, dass ihre Behinderung und Inkontinenz nicht im Mittelpunkt steht, sondern deine Freundin als Mensch.

Wegen der Stuhlinkontinenz gibt es eine ganze Reihe von Möglichkeiten des Darmmanagements. Ich zum Beispiel verwende schon viele Jahre die Irrigation und habe dadurch praktisch fast keine Unfälle mehr. Dann gibt es noch Analtampons, diese können in bestimmten Situationen auch nützlich sein.

Rektale Abführmittel wie etwa Dulcolax Zäpfchen oder Einmalklistiere können nützlich sein, bringen aber keine hundertprozentige Sicherheit über einen längeren Zeitraum. Oral eingenommene Abführmittel sind bei Stuhlinkontinenz nicht ratsam, es sei denn, es liegt eine Darmlähmung vor. In diesem Fall sollte dann nach dem Abführen der Darm mit Imodium wieder ruhig gestellt werden, damit es nicht zu unkontrollierten Stuhlausscheidungen kommt.

Gruß Helmut
Ich bin nicht ganz dicht .......na und!
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Beitrag #3 von papa0861 » 10 Dez 2007 22:45


hallo robin,

willkommen in der runde.

helmut hat schon das wichtigste geschrieben.

von mir nur ein kleiner rat am rande.

erschlage deine freundin nicht mit fürsorge, tröstung und gesteigerter zuneigung.
nehmt es beide einfach als gegeben hin.
passiert, geputzt, erledigt. übt euch in einem normalen umgang mit diesem problem.

auch meine frau wacht manchmal neben mir auf und hat auch ein feuchtes oberbett, weil meine windel (eigentlich hasse ich dieses wort) nicht alles auffangen konnte. dann wird ohne große worte die bettwäsche gemeinsam gewaschen und wir reden nicht weiter drüber. passiert ist passiert und läßt sich nicht ändern.

trotzdem verzichten wir nicht auf köperliche nähe.

lg
jürgen
:-)) Wer Rechtschreibfehler findet kann sie behalten und einrahmen. :-))
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