Das Ungesagte - wer hat einen Rat?

Hier geht es um zwischenmenschliche Beziehungen, Partnerschaft und Sexualität.

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Das Ungesagte - wer hat einen Rat?

Beitrag #1 von rettungsmaeusle » 22 Dez 2003 15:04


Ich kann nicht wirklich behaupten, dass sich mein Leben seit, bzw. durch die Inko extrem geändert hat. Auch nicht in der Partnerschaft. Wären da nicht diese Nonverbalitäten, die Ihr sicher auch kennt, oder?

"Ja Schatz, natürlich liebe ich dich noch", "ich liebe dich in guten wie in schlechten Zeiten", "nein, deine Inko stört mich wirklich nicht"

Klar, das hört sich erst mal ganz toll an, aber im täglichen Umgang miteinander merkt man dann doch ziemlich schnell, dass das nicht so 100% der Realität entspricht.

Eigentlich gibt es doch nichts Schöneres als bei Schatzi im Arm zu liegen, die Nähe und Wärme spüren zu können und vielleicht noch so ein bissl geknuddelt zu werden. Man beommt den Nacken massiert, schließlich den Rücken und urplötzlich, so kurz oberhalb der Hüfte, bleibt die Hand dann plötzlich wie versteinert stocken.

>Bloß nicht mit diesem unbekannten Windelwesen da unter der Hose in Berührung kommen, könnte ja beissen<

Ich vermag nicht zu sagen was er sich dabei denkt, denn er redet ja nicht drüber. Und genau hier liegt das Problem: Schweigen. Angeblich ist ja alles o.k., aber ich spüre es immer wieder ganz deutlich dass es das nicht ist. Nur was soll ich mit einem Partner machen, der mich nur noch anschweigt und nicht über seine Probleme spricht und mir mitteilt was in ihm vorgeht? Ich geb mir zwar große Mühe, aber alles kann ich ihm dann doch nicht von den Augen ablesen. Also was mach ich? Seit Monaten versuche ich ihm auf die unterschiedlichsten Arten, sein "Inneres" zu entlocken. Ich bekomme sogar Antwort - nonverbal. Das Schulterzucken gelingt ihm mittler Weile bis zu den Ohren und wenn er die Augen in mir bislang unbekannte Richtungen verdreht, hab ich schon Angst dass sie irgendwann mal so stehen bleiben.

Wir hatten und haben keine "kalte" Beziehung, absolut nicht. Aber ich habe dieses riesige Bedürfnis über so vieles mit ihm zu sprechen und das klappt einfach nicht. Kommt es bei ihm nicht an, blockt er es bewusst ab? Was soll ich denn noch tun? Mit dem Vorschlag einer Therapie brauche ich ihm erst gar nicht kommen, er hat ja angeblich kein Problem. Und vor die Entscheidung "entweder du redest nu mit mir oder ich gehe" möchte ich ihn auch nicht stellen, denn ich liebe ihn. Nur dieses ewige Schweigen schafft eine riesige emotionale Distanz zwischen uns beiden, die von Tag zu Tag größer wird und vermutlich irgendwann unüberwindbar.

Für Ratschläge, Anregungen und Ideen, vielleicht auch Beispiele ähnlicher Situationen wäre ich sehr dankbar.

Angi
Gehe nicht vor mir, ich möchte niemanden folgen...gehe nicht hinter mir, ich möchte niemanden führen...gehe einfach neben mir und sei mein Freund
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Ihr müsst beide daran arbeiten ...

Beitrag #2 von Merlin » 22 Dez 2003 21:48


Hallo Angi,
leider kenne ich das Problem nur zu gut. Was für uns Betroffene mit der Zeit zur Normalität wird, ist oftmals für den Partner eine echte "Intime-Blockade". Ich hatte z.B. nie Probleme mit jemand anderen über meine Inkontinenz zu reden. Mit meinem intimsten Lebenspartner (...darmals meine Ehefrau), war dies leider jedoch nicht möglich. Da war irgendwie so eine Art innere Sperre über das ganze Thema zu reden! - Absolute TABU - Selbst das Windeltragen oder Wechseln in ihrer Gegenwart war für mich, und ich glaube auch für Sie, eine befremdende Situation. Ganz zu schweigen von unserem Intimleben, was mit einer Windel am Hintern, sozusagen gar nicht mehr stattgefunden hat. Nach zahlreichen Versuchen mit und ohne Therapeut, ist unsere Beziehung nach 13. Jahren daran gescheidert! Das eine Inkontinenz nicht jedoch das "AUS" für eine jede Beziehung sein muss, zeigt meine jetzige Bindung zu meiner neuen Freundin. Hier ist das Thema Windel tragen etc. überhaupt kein Problem. Wir reden wirklich über alles was es zu diesem Thema zu sagen gibt. Sie nimmt total viel Rücksicht auf meine Situation und unterstützt mich wo Sie nur kann. Auch beim Thema "SEX" gibt es überhaupt keine Probleme, ganz im Gegenteil :wink: Sag deinem Freund ganz offen, dass es Dir nichts ausmacht wenn er dir mal in die Windel greift. Wenn er sich daran stört, dann versucht herauszufinden was für Ihn das Hauptproblem ist. "....die Windel - ...die Situation das Du welche tragen musst, und er es vielleicht nicht ganz versteht wieso !? " Eins ist klar, ihr müsst beide mit der Situation umgehen können ! Melde Dich wenn Du noch Fragen hast !

Gruß Rüdiger
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Beitrag #3 von Demian » 22 Dez 2003 23:19


hm kann es nicht sein, das zb bei solchen momenten, indem man den anderen massier man dann vielleicht lust hat weiter zu gehen, aber die windel einfach stört?
wenn man dann extra aufs klo geht um sie abzulegen, dann ist die ganze stimmung weg, finde ich ... und das ausziehen mit einbeziehen, sprich im bett zb ... was dann? bei stuhlinko etwas dumm und naja ekelig :roll:
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Beitrag #4 von walker » 23 Dez 2003 12:54


Hallo Demian,

als selbst Betroffener kann ich Dir leider nur zustimmen, es geht sehr viel Spontanität verloren.

Hallo Merlin,

es ist sicherlich nicht jedermann -frau angenehm in eine Windel zu greifen oder greifen zu lassen.
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Unsagbar aber erlebbar

Beitrag #5 von Stutzer » 24 Dez 2003 14:54


Hallo Rettungsmäusle

Ich habe deinen Beitrag und die Antworten dazu gelesen, und lange nachgedacht.

Bei mir liegt es nun fast 10 Jahre zurück das ich das erste mal einen Inkontinenzslip getragen habe, und dadurch auch erst im Gedächtnis gekramt habe um die Informationen zu finden. Dann befragte ich meine Frau dazu und würde fündig.

Deine Erfahrungen sind garantiert kein Einzelfall und es spielt sich wohl fast überall so ab. Die Bachnabelgrenze scheint auch die Barriere für Berührungen zu sein. Lach jetzt nicht, aber ich habe irgendwann einfach das Ding weggelassen um Zärtlichkeiten auszutauschen. Und glaube mir dein Partner sieht das und wird dem entsprechend reagieren.

Mittlerweile ist das "Ding" keine Hemmschwelle mehr für uns, wodurch wir glücklich sind eine Harmonische Ehe sowie ein erfüllten GV zu führen.

Von anderen Inkos weis ich, dass sie nach langer Zeit das „Ding“ auch mit in den GV einbauen. Diese Variante kommt für mich aber gar nicht in Frage.

Ich wünsche dir und deinem Partner alles Glück dieser Erde und ein gesundes erfülltes Weihnachtsfest.

PS. Wir haben drei Kinder, daran sieht man das eine Ehe mit GV innerhalb der Inkontinenz möglich ist.
Bis dahin wünsche ich dir viel Glück und verbleibe

freundlichst grüßend
der Lutz
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Liebe und Vertrauen

Beitrag #6 von frosch » 25 Dez 2003 10:02


Hallo Angi!

Ich möchte Mut machen. Viel Mut! In meiner Beziehung ist das Thema Einnässen absolut kein Tabu. Wir schenken der Sache allerdings auch nicht zuviel Aufmerksamkeit. Die Welt dreht sich nämlich trotzdem weiter. Ich selbst kann aus positiver eigener Erfahrung sagen, dass eine Therapie sehr sehr sinnvoll ist. Auch in dem psychischen Bereich herrscht zwischen uns absolute Offenheit. Die Basis einer liebevollen Beziehung muss von Respekt getragen werden. Man muss verhindern, dass aus falscher Scham oder Unsicherheit eines Partners, Ängste geschürt werden und Missverständnisse entstehen. Allen hier wünsche ich eine bereichernde Partnerschaft voller Liebe und Vertrauen.

René
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Beitrag #7 von Bjoern_75 » 05 Mai 2004 18:29


hallo,

bei uns war es genau umgekehrt. als ich mit den proben von meinem artztbesuch nach hause kamm wurde ich in den folgenden tagen beim probieren der muster voll unterstütz.
sie vorderte mich sogar auf wenn die windel/vorlage nass war das ich zum wechseln mitkommen sollte und wechselt sie mir. was mir in der ersten zeit sehr unangenehm war, jedoch meinen ersten unbeholfenen versuchen zu verdanken war.
die windeln wahren durch die blasenentzündung zwar nur vorübergehend, jedoch bin ich in den letzten 10 jahren häufig aus bisher ungeklärten gründen immer mal wieder auf windel angewiesen.
wenn es mal wieder so ist das ich die hilfsmittel benötige geht unser alltag ganz normal weiter. zum glück!!!!
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Das Leben geht...

Beitrag #8 von Regenmacher » 09 Mai 2004 18:19


... immer weiter.

Also, ich bin jetzt 3 Jahre mit meiner Frau verheiratet. Sie kennt mir nur als inkontinenten Menschen und da mag ein Unterschied sein. Aber ehrlich, das Problem im Umgang mit der Inkontinenz kam weniger von ihr, als von mir (vorweg gesagt, heute ist da nix mehr). So wie ich mich in der Öffentlichkeit meiner Inkontinenz geschämt habe, habe ich das anfänglich auch bei meiner Frau getan. Windelwechsel in ihrem Beisein war fast ein Tabu. Und anfassen, während ich noch sicher verpackt war eigentlich unmöglich.

Aber so, wie ich meine Einstellung zur Öffentlichkeit durch meine Frau geändert habe, ist das auch im Privatleben. Wenn sie Lust hat, dann greift sie auch zu und eine Windel ist schnell ausgezogen und in die Ecke gelegt. Einzig mag ich wenig gestreichelt werden, wenn ich am Abend fertig bin mit einpacken, denn der kleine Willi kann in der sicheren Umgebung nicht mehr groß werden und wenn, dann ist das ziemlich unangenehm. Aber das ist eine Frage der Kommunikation. Wir reden manchmal sehr intensiv über Inkontinenz, aber im Alltag ist das null Thema, weil wir leben, als wäre alles normal. Wir wollen uns von einer kleinen Einschränkung nicht das Leben diktieren lassen. Und der Hygiene wegen - Urin ist steril und nicht ungesund, in einer Folie verpackt, da kann nix passieren.

Rede einfach mit deinem Mann und sei doch mal so offen, wie hier im Forum. Vielleicht schämt er sich auch, weil er dahinter Erotik verspürt oder ein gewisses Knistern, dass er dir nicht zeigen will. Was immer sein Problem ist, es wird in einer Therapie nicht verschwinden, sondern nur im Umgang mit euch selbst. Und wenn alles nix nützt, dann pack dir seine Hand und führe sie in die verbotene Zone, damit er merkt, daß darunter auch Leben ist. Erlaubt ist immer, was Spaß macht.

Gruß Marco
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