Outen oder nicht?

Hier geht es um zwischenmenschliche Beziehungen, Partnerschaft und Sexualität.

Moderatoren: Marco N., Georges, Benjamin

Outen oder nicht?

Beitrag #1 von Miranda » 20 Jun 2004 11:55


Hallo,

seit längerem habe ich mich gefragt, ob man sich outen soll gegenüber Freunden, oer nicht. Und wenn ja, wann ist der beste Zeitpunkt? Gleich zu Beginn? Oder erst nach Wartezeit? Ich merke, dass ich mich immer mehr zurückziehe und praktische keine Freundin mehr habe. Alles beschränkt sich auf den Beruf und das Singledasein. Welchen anderen betroffenen jungen Frauen geht es auch so?

Miranda :?
Benutzeravatar
Miranda
(Themenstarter)
Starter (bis 15 Beiträge)
Starter (bis 15 Beiträge)
 
Beiträge: 2
Alter: 37
Registriert: 20 Jun 2004 11:15
Wohnort: Frankfurt/M
Land: Germany (de)
Geschlecht: Weiblich
 
Art der Inkontinenz: Dranginkontinenz
Hilfsmittel: Windeln

Beitrag #2 von stefano » 20 Jun 2004 12:10


Hallo Miranda

Outen oder nicht?
Wenns richtige Kuppel sind' geht es ihnen am Buckel vorbei, das du inko bist.
Bei mir wissen nur wenige das ich Bettnässer bin.
Aber die halten dicht :mrgreen:
Alle die sprüche machen über das Tehma sind sowiso Gehirnabutiert:
Gruss
Stefano
Benutzeravatar
stefano
Starter (bis 15 Beiträge)
Starter (bis 15 Beiträge)
 
Beiträge: 6
Bilder: 1
Alter: 53
Registriert: 30 Apr 2003 19:41
Wohnort: Fricktal
Land: Germany (de)
Geschlecht: Männlich
 
Partner: ledig
Art der Inkontinenz: Bettnässen
Hilfsmittel: euron und suprima 249

Beitrag #3 von der Blinki » 20 Jun 2004 16:47


hallo miranda.

Nicht das die Inkntinenz das schlimmste ist, es ist auch das drumherum wads dieses makel mit sich bringt.
dazu gehört leider auch die probleme im privaten bereich mit freunden und bekannten.

ich selber habe mich immer versteckt , weil ich mich wegen meiner inkontinenz schämte, und habe dabei nicht gemerkt das ich immer weniger freunde besuchte und auch immer unausgeglichener geworden bin. letzendlich hat es meiner familie am meisrten geschadet das oich es nicht wahrhaben wollte und ich mich immer mehr in einen schneckenhaus zurück- gezogen habe.
irgendwann hatte ich mit mein er frau einen riesigen streit und ich beschloß mein leben so zu aktzeptieren wie eds im moment eben ist.
dadurch konnte ich auch freier über die inkontinenz sprechen und habe meine freunde darüber informiert was mit mir los ist.
freunde habe ich dadurch einige verloren, aber ich sage mir wenn sie mich nicht so aktzeptieren wie ich bin , dann sind es nicht meine freunde sondern nur irgendwelche bekannte.
ich weiss das es sich nun etwas hart anhört, aber dieses einstellung hat mir prima geholfen.

marco
Zwei Dinge im Leben bedenke :
WOHER
WOHIN
dann hat dein Leben den rechten Sinn
Benutzeravatar
der Blinki
Profiautor (min. 150 Beiträge)
Profiautor (min. 150 Beiträge)
 
Beiträge: 185
Bilder: 1
Registriert: 30 Apr 2003 16:18
Wohnort: Bremen
Land: Germany (de)
Geschlecht: Männlich
 
Partner: Verh.
Art der Inkontinenz: Harn und Stuhl
Hilfsmittel: Windeln, Katheder , Schutzhosen

Beitrag #4 von Albi » 20 Jun 2004 19:42


Hallo Miranda

auch mir ging es ähnich wie es hier schon Blinki beschrieben hat.

Zuerst kam bei mir fast der vollständige Rückzug und dann habe ich zum Glück eine Selbsthilfgruppe gefunden und gelernt, daß ich nicht der einzige bin *der nicht ganz dicht ist*. So nach und nach traute ich mich wieder an die Öffentlichkeit.

Durch meine Öffnung habe ich ein paar Leute verloren, die ich vorher zu meinem Freudeskreis gerechnet hatte, aber anscheinend waren sie es doch nicht, denn sie wollten dann nichts mehr von mir wissen.

Ich habe dafür sehr viele neue Freunde gefunden und jetzt ist es mir egal, ob einer weis, daß ich Inko bin oder nicht, wenn es jemand stört, dann soll er/sie bleiben wo der PFEFFER wächst.

Ich hoffe du kommst recht schnell mit deinem Leben klar, denn das ewige zurückziehen zerstört dich nur selbst und hilft dir nicht weiter.

Richtige Freunde bleiben trotz Inkontinenz bei dir.

Albi
Benutzeravatar
Albi
Standardautor (min. 15 Beiträge)
Standardautor (min. 15 Beiträge)
 
Beiträge: 18
Alter: 63
Registriert: 13 Mai 2004 18:34
Wohnort: Berlin
Land: Germany (de)
Geschlecht: Männlich
 
Art der Inkontinenz: Reflexinkontinenz - Harninko
Hilfsmittel: Windelhosen - Vorlagen

ich bin für Offenheit

Beitrag #5 von Chris » 20 Jun 2004 22:30


Hallo Miranda,

ich bin durch einen Unfall voll inko geworden und da ich selbständig bin habe ich recht viel Kontakt nach außen. So konnte ich mir einen Rückzug gar nicht leisten. Auch wenn es mir zu Anfang sehr schwer gefallen ist und ich befürchtete, dass jeder es sofort mitbekommt, dass ich Windeln trage und erst recht, wenn die nicht mehr ganz frisch waren.

Nach einiger Überlegung war mir dann aber klar, dass es mit Geheimhaltung nicht geht, denn wenn mir beim Kunden ein "Unfall" passiert, so kann es auch sein, dass der zu riechen ist und da verbietet sich Geheimhaltung von vornherein. So bin ich offensiv an die Sache gegangen und habe die Erfahrung gemacht, dass ganz wenige Menschen ein Problem damit haben. Wenn Du offen damit umgehst und nicht "mit der Tür ins Haus fällst" kann es eigentlich kein Problem geben.

Ich drücke Dir die Daumen

Chris
Kinder sind uns als Lehen gegeben, wir müssen sie sorgfältig behandeln
Benutzeravatar
Chris
Profiautor (min. 150 Beiträge)
Profiautor (min. 150 Beiträge)
 
Beiträge: 299
Alter: 67
Registriert: 04 Mai 2003 21:07
Wohnort: Bad Oldesloe
Land: Germany (de)
Geschlecht: Männlich
 
Art der Inkontinenz: Harn / Stuhl
Hilfsmittel: Slips / Pants / Vorlagen

Beitrag #6 von papa0861 » 21 Jun 2004 00:02


hallo miranda,

ich selber bin erst seit 3 oder vier wochen mit dem thema konfrontiert worden. im moment läuft noch die abklärung ob die sache physisch oder physchisch bedingt ist.

ich hab auch so meine zweifel, wie ich im freundeskreis damit umgehen soll. ich habe mich hier zuerst einem vollkommen fremden anvertraut. aber ich sage mir: wenn die freunde es wissen und sich von dir abwenden, waren es nie freunde. somit gebe ich chris vollkommen recht.

einkapseln hilft nix. man wird dadurch bestimmt nur einsam. also trete offen an deine freunde ran. ich selber beginne morgen damit. mal sehen, wie man auf mein prob regiert.

viele grüße
jürgen
:-)) Wer Rechtschreibfehler findet kann sie behalten und einrahmen. :-))
©2007
Benutzeravatar
papa0861
Profiautor (min. 150 Beiträge)
Profiautor (min. 150 Beiträge)
 
Beiträge: 741
Registriert: 12 Jun 2004 00:55
Land: Germany (de)
Geschlecht: Männlich
 
Art der Inkontinenz: harn/stuhl
Hilfsmittel: abri-form

Beitrag #7 von Jens Schriever » 21 Jun 2004 18:52


Hallo Miranda


Ich habe mich auch lange versteckt und meine Inko geheim gehalten, bis ich den Mut hatte
mich zu meiner Inko zu bekennen.
Ich habe nur Positife Erfahrungen damit gehabt .
Wenn du deine Freunde,Verwandte, Arbeitskolegen einweihen tust , ist der Druck genommen und du kannst wieder am Leben dran teilnehmen.
Mann ist zu Jung um sich durch die Krankheit ins Abseits zu drängen Lassen.
Ich wünsch dir den Mut dazu sich zur Inko zu bekennen.



Viel Glück und Gruß Jens Schriever
Benutzeravatar
Jens Schriever
Profiautor (min. 150 Beiträge)
Profiautor (min. 150 Beiträge)
 
Beiträge: 258
Bilder: 1
Alter: 58
Registriert: 21 Aug 2003 12:44
Wohnort: Uelzen/Lüneburg
Land: Germany (de)
Geschlecht: Männlich
 
Partner: Verh.
Art der Inkontinenz: Harn und Stuhlinkontinenz MS bedingt
Hilfsmittel: Bauchdeckenkatheter, Windeln, Irrigation

Beitrag #8 von thomas20 » 21 Jun 2004 19:08


Ich habe deinen Beitrag über das Outen gelesen. Ich denke dass ich Dir da einige nützliche Tips geben kann. Wir sind ja fast im gleichen Alter und somit finde ich dass da ein Erfahrungsaustasch durchaus Sinn macht.

Mit meiner Inkontinenz ist es so eine Sache. Ich hatte als Kind schon mühe mit dem trockenwerden. irgendwann hat es dann doch geklappt und ich hatte, von einigen Zwischenfällen mal abgesehen keine Probleme mehr. So mit 17 hat es dann halt wieder angefangen mit dem einnässen in der Nacht. Nach 3 Jahren kam dann es dann auch noch so dass ich plötzlich einen sehr starken harndrang verspürte und es mir öfters nur noch knapp auf die toillette gereicht hat. Darauf machte mein Arzt bei mir eine grossangelgte Abklärung welche aber keinen Befund ergab. Ich bin wegen meinem ADS Syndrom, (Aufmerksamkeitsdefizit Syndrom) In behandlung. Nehme auch Ritalin. Mein Arzt und ich gehen also davon aus dass es mehr psychosomatische Ursachen hat! Ich merke auch dass sich meine Dranginkontinenz verstärkt wenn ich unter stress leide oder es mir nicht so gut geht! Ich trage die Windeln am tag also nur wenn es wirklich nicht anders geht! Habe für den Notfall immer welche in der nähe. In der Nacht bin ich zwingend darauf angewiesen.

Wegen dem Outen: Ich habe lange Zeit im Spital gearbeitet. Mit den Krankenhaus-Arbeitskleidern war es deshalb sehr schwierig die Inkontinenzslips zu verstecken. Da entschloss ich mich offen mit meiner Pflegestation zu sprechen und siehe da es gab eigentlich gar keine Probleme. Ist halt manchmal schon etwas aufgefallen aber bis auf einmal bin ich nie von jemandem darauf angesprochen worden. Es ist eben so dass wir uns sehr darauf fixieren was der andere sieht oder denkt! Doch meistens hat derjenige eh anderes im Kopf und merkt es deshalb schon gar nicht.

Wenn ich mit Freunden in die Ferien fahre, dann erzähle ich Ihnen von meinem Problem! Ich denke es ist auch für die anderen angenehmer wenn sie es wissen und nicht plötzlich eine Windel entdecken.

Ich Oute mich also dann wenn es wirklich sein muss! Das erleichter mir das Leben und spart ne menge Stress, wenn es nicht sein muss! Im täglichen Leben, dann sage ich es nicht, ist ja doch noch eine Privatsache!

Seit wann leides du unter der Inkontinenz? Kennst du die Medizinischen Ursachen für dein Problem bzw. hast du eine gute Abklärung bekommen?

herzliche Grüsse

Thomas
Benutzeravatar
thomas20
Starter (bis 15 Beiträge)
Starter (bis 15 Beiträge)
 
Beiträge: 5
Alter: 39
Registriert: 01 Nov 2003 14:57
Wohnort: deutschschweiz
Land: Germany (de)
Geschlecht: Männlich
 
Partner: ledig
Art der Inkontinenz: Dranginkontinenz und Enuresis
Hilfsmittel: Tena Plus / Super

Outen ?

Beitrag #9 von Kalle » 22 Jun 2004 14:46


Hallo Miranda

Ich hatte das gleiche Problem. Ich bin seit ca 1 1/2 Jahren Inkontinent ( Dranginkontinenz).
Ich habe fast 1 jahr gebraucht, um mich zu outen und das erst mit fremder Hilfe (Psyochtherapeut). Nach einigen Sitzungen konnte ich dann auch das erstemal fast frei darüber reden. Dann kam die Reaktion, mit der ich nicht gerechnet habe. " Ja und !" sagten alle, "bist du darum etwas anders". Man sieht doch gar nichts von deinen Windeln." Von meinen Kollegen kam sogar, kann man dir nicht einen Schrank und einen Behälter für die Entsorgung hinstellen. Gesagt getan, kurze zeit später hatte ich alles.
Keiner stört sich daran. Selbst als es mal daneben ging und das im Auto meines Bekannten.
Man, sagte er das kann doch passieren, ist doch nicht so schlimm.
Nach meiner Meinung erkennt man daran seine Freunde.
Das alles hätte ich früher wissen müssen, dann hätte ich mich nicht so zurückgezogen.

Ich wünsche dir auch solche Freunde und kann dir nur empfehlen dich nzu outen.
Kalle
Benutzeravatar
Kalle
Standardautor (min. 15 Beiträge)
Standardautor (min. 15 Beiträge)
 
Beiträge: 27
Alter: 64
Registriert: 02 Mai 2003 10:26
Wohnort: Syke
Land: Germany (de)
Geschlecht: Männlich
 
Partner: verheiratet
Art der Inkontinenz: Urgeinkontinenz (Dranginkontinenz)
Hilfsmittel: Windelslips + Suprimahosen

Beitrag #10 von eckhard11 » 22 Jun 2004 18:19


Hallo Miranda,

ich kann Thomas20 und Kalle da wirklich nur Recht geben.

Der allergrößte Teil Deiner Freunde und Bekannten wird es zur Kenntnis nehmen und dann vergessen.
Mach Dir doch bloß nicht selbst das Leben zur Hölle.

Überhaupt:
Was heißt “Outen” ( neudeutsch für “bekennen” )

Wir haben ein Gebrechen, welches man - angenehmerweise - nicht sofort sieht.
Aber deswegen ist es doch nicht erforderlich, seine ganze Kraft darauf zu verwenden, daß dies auch so bleibt.

Was sollen denn ein Spastiker oder ein an einem Down-Syndrom Leidender oder jemand mit einem anderen, sofort sichtbaren Gebrechen dazu sagen ? Ergo Leute, die sich gar nicht erst “outen” müssen.

Da geht es uns doch gold.
“Geoutet” hat sich Wowereit. Das fand ich mutig ( für einen Regierenden Bürgermeister )
Aber wir brauchen uns doch nicht zu “outen”. Wir haben doch nur ein - wenn auch teilweise unangenehmes - Gebrechen. Und das kann uns doch niemand verübeln....

Sieh mal, ich bin ein Kerl wie ein Baum. Und plötzlich pinkel ich mir in die Hose.
Wenn auch nach einer Operation. Und das mir als Egozentriker !!! Grauenhaft.
Meinst Du, ich hätte keinen Schock bekommen ?
Aber nur für einige Tage. Dann bin ich in meine Stammkneipe, unter Mitnahme einer Schultertasche mit den erforderlichen Untensilien.
Ich wurde gefragt, ob ich meine Butterbrote schon mitbringen würde.
War eine gute Gelegenheit : Ich hab die Tasche ausgepackt, die Vorlagen und Schlüpfer auf den Thresen gelegt und den Leuten gesagt, warum ich diese Sachen mithabe.

Allgemeines Entsetzen, dann Erstaunen, dann lebhafte Diskussion.
Wenn mich heuer jemand fragt, dann nicht, wie oft ich mir heute schon in die Hose gepinkelt habe, sondern nur noch, wie es mir geht.

Ich leg mich wieder hin .sleep:
Eckhard
Benutzeravatar
eckhard11
Profiautor (min. 150 Beiträge)
Profiautor (min. 150 Beiträge)
 
Beiträge: 1185
Registriert: 24 Dez 2003 14:51
Land: Germany (de)
Geschlecht: Männlich
 

Nächste

Zurück zu Inkontinenz und Partnerschaft

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast

cron