Die ver./be-hinderte Sexualität

Hier geht es um zwischenmenschliche Beziehungen, Partnerschaft und Sexualität.

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Die ver./be-hinderte Sexualität

Beitrag #1 von Matti » 14 Jan 2005 19:23


Hallo

Aufgrund der Aktuellen Artikel in diesem Forum, möchte ich einmal eine neue Diskussion anregen. In diesem Forum wird ja häufig über die Frage diskutiert ob oder wie eine Partnerschaft sein kann, wenn ein Partner von einer Inkontinenz betroffen ist.
Das eine Inkontinenz eine Partnersuche nicht einfacher macht und eine bestehende Partnerschaft belasten kann, steht außer Frage. Oft genug erkennt man aber erst dann das wahre Gesicht, von Partnern, Freunden oder Bekannten, wenn einem nicht gerade die Sonne aus dem "Arsch" scheint. Die Diskussion sollte und muss aber noch viel weiter gehen. Wird von der Gesellschaft Behinderten Menschen nicht oftmals jegliche Art von Sexualität oder Partnerschaft sowieso generell abgesprochen? Ist ein (Im-) perfekter Körper weniger erotisch nur weil er nicht in das Schönheitsideal der Medien, Presse oder diverser "Schwachsinniger" Fernsehsendungen a la "The Swan " passt?

Wenngleich sich in den letzten Jahren die Einstellung zur Sexualität bei Behinderung schon zum Positiven geändert hat, gibt es doch immer noch gewisse Vorbehalte und eine Scheu bei Nichtbehinderten und auch Behinderten gegenüber diesem Thema, das zum Teil auf Nichtwissen beruht.
Aber jeder Mensch, gleichgültig, ob behindert oder nichtbehindert ist ein geschlechtliches Wesen und Sexualität wird als Grundbedürfnis angesehen, unabhängig von dem Wunsch nach Kindern.Sexuelle Lust zu empfinden hängt zudem nicht unbedingt von einer Erektion oder genitalen Empfindung ab.
Wann wird die Menscheit endlich begreifen das die "Wahre Schönheit" von innen kommt und Äußerlichkeiten eh vergehen.
Ich bin Imperfekt und SCHÖN.

Matti

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Beitrag #2 von frosch » 15 Jan 2005 13:59


Hallo lieber Matti!

Toller Text - Tolles Bild! Ich möchte mich dieser Diskussion gerne stellen. Bei der Partnerschaft und Sexualität geht es eben nicht nur um : ist das Bett nass, muss ´ne Windel drum, rieche ich usw.
Ich sehe meine Beziehung momentan viel mehr den Spannungen ausgesetzt durch meine Zerrissenheit mit dem Umgang meiner Beschwerden. Und die sind körperlich und eben auch psychisch. Den Schutz, die Sicherheit, die Wärme, all das verlange ich von mir in der Partnerschaft zu finden und nicht in einer doofen Windel. Soweit der Wunsch - die Relität ist leider anders, denn natürlich plagen mich Schuldgefühle und Selbstablehnung. Es ist ein Teuefelskreis. Ich danke meinem lieben Schatz für seine Geduld und immerwährende Hilfe.
Ich wünsche Euch allen eine Partnerschaft in der beide versuchen sich zu stabilisieren und Kräfte zu sammeln.

Grüßle, René
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frosch
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Beitrag #3 von klaro (+16.05.2008) » 15 Jan 2005 16:24


hmm, halo

wollte mich nicht äussern dazu!

aber nun wo Frosch geschrieben hat, toller Text!!!!

Dem schliesse ich mich an!!

Aber zu den Worten: tolles Bild!!!

Da würd ich sagen, wieder einmal die Be-hinderen als Austtell Objekte!

Mir selber fährt das schief ein. Denn zu Beginn meine BE-hinderung inkl. Rolli und Kommunikations Schwierigkeiten......... da ist man ein austtelobjekt, wird begafft und angestarrt und als normaler Rolli fahrer auch.

Daher, mir tut das Bild, sehr serh weh.

Obwohl ich weiss und verstehe, was du meinst.


War nicth irgendwo hier im Forum mal ein Bild( oder wo??), wo eine Gruppe Menschen abgebidlet waren udn vornedran ein rolli-FAhrer. Das perfekte Bild!!

Und nirgends steht daneben, wie ausgeschlossen diese Person ist und sich fühlt.
Aber der Rolli fahrer macht das Bild der Gesunden perfekt. Doch oft haben wir ja gar keinen Platz in unserer Gesellschaft.

èberlegt euch das mal.

Was meinen andere, körperlich be-hinderte dazu??

z.B. Ramona?? Gruss klaro :(
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klaro (+16.05.2008)
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Beitrag #4 von papa0861 » 15 Jan 2005 17:55


frosch hat geschrieben:Ich danke meinem lieben Schatz für seine Geduld und immerwährende Hilfe.
Ich wünsche Euch allen eine Partnerschaft in der beide versuchen sich zu stabilisieren und Kräfte zu sammeln.



hallo matti,

ich kann dem rené hier nur beipflichten und möchte das aus meiner sicht noch erweitern. in einer gutgehenden beziehung klappt es auch, wenns mit der sexualität nicht so klappt. ich weiß nun schon seit fast einem jahr nicht mehr, was sex ist. dieses thema ist auf grund meiner selbstscham gestrichen, soweit sich sexualität auf den geschlechtsakt als solchen bezieht. kuscheln und so, ist auch sexualität und ich danke meiner frau, daß sie das auch so sieht.

viele grüße vom
jürgen
:-)) Wer Rechtschreibfehler findet kann sie behalten und einrahmen. :-))
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Beitrag #5 von Matti » 15 Jan 2005 18:30


Hallo Klaro

Natürlich ist das Bild provokativ, das soll es auch sein. Mein Wunsch ist es eben das solche Bilder keine Provokation mehr darstellen, sondern als etwas Normales angesehen werden.
Das Argument das behinderte ausgestellt werden lasse ich für mich nicht mehr gelten. Es gibt immer wieder Menschen die sich darüber echauffieren, wenn im Fernsehen mal ein behinderter zu sehen ist, dann heißt es gleich , ach, ja, soll ja nur Mitleid erzeugt werden. Dieses Mitleid wollen die behinderten aber oftmals gar nicht, und der wahre Grund oder die Aussagen die der Behinderte tätigt werden von der großen Masse gar nicht mehr wahrgenommen, weil sie viel zu viel damit beschäftigt ist sich auf die Äußerlichkeiten zu Konzentrieren.
Wann wird es möglich sein in einer anscheinend aufgeklärten Gesellschaft als behinderter Mensch nicht nach der Optik oder dem Schönheitsideal eingestuft zu werden, sondern nach dem was den Menschen im ganzen ausmacht?
Wahre Schönheit kommt eh von innen und wer schöner ist als ich der ist eh geschminkt.

Das Bild das du meintest ist das Logobild meiner Selbsthilfegruppe
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Gruß

Matti
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Beitrag #6 von der Blinki » 16 Jan 2005 13:03


hallo.

Inkontinenz ist in meinen Leben immer noch ein Makel in der Beziehung.

Es ist nun nicht so das mich meine Frau und mein Sohn mich weniger lieben, nur weil ich inkontinent und nicht mehr die Sachen machen kann die den beiden Spaß machen, aber ich pers. habe in meinen Kopf immer diese Angst das man meine Familie wegen mir in Dreck ziehen könnte.
Es ist leider schon vorgekommen, das ich nach einer Aktion eines Erziehers in den Kindergarten von meinen Sohn rechtliche Schritte eingeleitet habe.

Im großen und ganzen kann ich sagen das die Behinderung meine Beziehung schon stört, aber nicht von den Seiten meiner Familie.
Ich denke mir mal das ich mir immer in die eigene Tasche gelogen habe,das ich mich mit diesen Makel abgefunden habe.

Nun habe ich vor zwei Tagen ein Gespräch mit eine Pschologen gehabt. ( nicht wegen mir , sondern wegen meinen Sohn ).

Nun kam eine intresantte These heraus.

Mein Sohn ist indirekt mein Sprachrohr.

Will damit sagen :
Ich fühle mich unwohl und zeige es nicht , dementsprechend flippt mein Sohn aus und wird trotzig.

Ich weiss nicht ob ich es nun rchtig beschrieben habe , aber ich weiss nicht , wie ich es anders ausdrücken soll.

Darum mein Fazit.

Behinderung ist immer ein Makel in der Beziehung , aber es liegt in der Macht derer die in dieser Beziehung drin stecken, das Beste und das angehnehmst daraus zu machen.

Alles Liebe und weiterhin viel Glück und Harmonie in eurer Beziehungen.

Marco
Zwei Dinge im Leben bedenke :
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dann hat dein Leben den rechten Sinn
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Beitrag #7 von Archilleus » 18 Apr 2006 11:32


Tach,

ach verdammt, jetzt schreib ich meinen zweiten Beitrag hier drin und grab schon wieder ein altes Thema aus aber ich finde es einfach wichtig, wie so ziemlich alle Themen hier.

Ich selbst bin auch Behindert (100% Querschnittsgelähmt) und habe auch Probleme dadurch mit dem Darm, dem Harn und meinem Penis. Ich selbst bin zwanzig und bin aber leider noch Jungfrau und Trotz meines Problems versuche ich auch immer wieder ne Freundin zu kriegen. Was mir aber ziemlich stark auffällt, is bei einer Behinderung, wer deine richtigen Freunde sind.

Gruß Archilleus
Live in Chains???
Breake out!!!

I never saw a wild thing, sorry for it self!
Ein schönes und gutes ZITAT aus dem Film DIE AKTE JANE
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Beitrag #8 von eckhard11 » 18 Apr 2006 16:38


Tach, Archilleus,

schön, dass Du hier ins Forum gefunden hast.....

Dann bagger mal weiter, es sind noch Hunderte von alten Themen, die beackert werden müssten.
Für die Suche nach einer Freundin wünsche ich Dir viel Glück.

Derweilen lege ich mich wieder nieder .sleep:
Eckhard

www.inkontinenz-selbsthilfe.de
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hallo auch

Beitrag #9 von klaro (+16.05.2008) » 18 Apr 2006 17:36


hoi Archilleus

möchte dich auch begrüssne hier. Schön, dass du hier bist udn schreibst.

Es sind Themen, wo es immer wieder interessant ist, wenn neue Leute hier ins Forum stossen und die themen wieder-beleben.

Ist doch toll nur zu!!

Ja es ist so, dass man durch ne behinderung, oft dann erst unterscheiden kann, welche dass man zu Freundne zählen kann und wen man vergessen soll(te.)

Aber auch das hat oft nicht nur negative Seiten. So vertraut udn baut man nicht zulange auf die falschen "Freunde".

Grüsse von klaro :-)
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Beitrag #10 von Gulliam » 04 Mai 2006 08:56


Klaro:
Mir selber fährt das schief ein. Denn zu Beginn meine BE-hinderung inkl. Rolli und Kommunikations Schwierigkeiten......... da ist man ein austtelobjekt, wird begafft und angestarrt und als normaler Rolli fahrer auch.


Man muß sich mal fragen, woher das kommt.?
Das beste Land für Behinderte ist Holland. Wir haben von dort sehr viel gelernt, so haben wir schon vor 40 Jahren die Bordsteine an den Übergängen abgesengt, damit Rollstuhlfahrer da ohne hilfe rüberkommen, Behindertengerechte Telefon und Stadtbusse, aber eins hat man eben vergessen, wie die Menschen mit Behinderten umgehen, das hat man keinen gelernt, auch nicht in der Schule.
Ich war in Ungarn mit Holländischen Lehrer die an Behindertenschulen tätig sind, zusammen.Und ich hatte mal ein Erlebnis, wo mit eine Conterganfrau, die keine Arme hatte, michganz frech anschaute. Ich habe es gemacht wie die meisten einfach wegschauen.Ja sagt der Lehrer, hast du falsch gemacht, hättest rauh mit ihr sprechen sollen, was schauen Sie mich so böse an ich habe Ihnen doch nichts getan.
Das ist das eigentliche Problem, die meisten Leute wissen nicht mit Behinderten um zu gehen.
Und dadurch kommt die Ausgrenzung.
Viele Grüsse
Gulliam
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