Die ver./be-hinderte Sexualität

Hier geht es um zwischenmenschliche Beziehungen, Partnerschaft und Sexualität.

Moderatoren: Georges, Benjamin

Beitrag #11 von Annilight » 18 Mai 2006 02:24


Diese Diskussion kenne ich ja in ähnlicher Weise schon von anderen Seiten und ich möchte hier mal ein paar Gedanken aus der Sicht eines "Nichtbehinderten" dazu tun.

@Matti
Um die "Wahre innere Schönheit" zu entdecken, muss man den Menschen aber erst mal kennenlernen, denn sie steht ihm nicht auf der Stirn geschrieben. Und nur Offenheit und Ehrlichkeit auf beiden Seiten können die Basis für Vertrauen schaffen, das man braucht um eine Beziehung aufzubauen und Sexualität leben zu können.

@ Frosch
Ja, Frosch, das mit dem Teufelskreis hast du gut beschrieben.
Man kann andere Menschen nicht ändern, man muss bei sich selber anfangen, dann ändern sich auch die Reaktionen der Mitmenschen. Du erkennst es doch sicher in deiner Familie. Je besser du mit dir selbst klarkommst, je besser kommen die anderen mit dir zurecht.

@klaro
Behinderung kann auch so dargestellt werden. Kennst du die Bilder vom Rasso Bruckert?
http://www.bildagentur-querschnitt.de/

Sollte man den Rolli , Prothesen, Orthesen oder auch die Windel usw. nicht als das sehen, was sie sind? ...einfach Hilfsmittel, die einem das alltägliche Leben erleichtern!
Für viele ist es eben immer noch außergewöhnlich, eben weil sie s nicht kennen und auch zu selten zu Gesicht bekommen, aber nicht jeder Blick ist auch gleich bös gemeint.

@papa0861
Ihr habt einen Weg für euch gefunden eure Partnerschaft zu leben. Und wenn du deine Selbstscham, wie du es nennst, ablegen könntest, wäre vielleicht auch wieder der Geschlechtsverkehr möglich, auch wenn vorher vielleicht einige Vorbereitungen oder Vorsichtsmaßnahmen zu treffen wären.

@ Matti
ich geb dir recht, unsere Gesellschaft ist auf Äußerlichkeiten und Konsum fixiert. Deshalb meine These: Je öfter man Menschen mit Behinderungen zu sehen bekommt, je öfter man Kontakt zu ihnen hat, je normaler wird der Umgang miteinander und je einfacher wird es auch, sich als denjenigen darzustellen, der man wirklich ist, meine: mit all seinen Facetten und nicht nur als Rollifahrer oder Inkontinenter angesehen zu werden.

@ Blinki
Kann ich mir gut vorstellen. Kinder sind feinfühlige Wesen, sie bekommen viel mehr mit als man denkt, auch wenn sie es nicht klar ausdrücken oder richtig verstehen können und dann zu solchen Reaktionen neigen, wenn sie etwas belastet.

Inkontinenz ist immer noch ein Tabu-Thema und ich hab es schon desöfteren in Gesprächsrunden mitbekommen, dass Leute es nicht wirklich verstehen. Aber wenn mans erklärt, z.B. Ursachen darstellt und mal anführt wieviele damit leben, und wie schnell man selbst davon auch betroffen sein kann , werden sie plötzlich hellhörig und ernst und dann kommt der berühmte Spruch: "Das hab ich gar nicht gewusst!"
Aufklärung tut halt immer noch Not und je besser die Leute bescheid wissen, um so größer ist die Akzeptanz.

@ Archilleus
Es gibt auch viele Fußgänger, die deine Probleme nicht haben, die auch noch "Jungfrau" sind, womit ich deine Probleme nicht wegreden will. Es ist gut, dass du erkennst, wer deine richtigen Freunde sind.
Konzentriere dich auf sie, unternimm was mit ihnen, vergrab dich nicht zu Hause und tu die Dinge, die dich interessieren und dir gut tun. Ich finde, das ist die beste Möglichkeit Leute kennenzulernen und vielleicht ist da dann auch irgendwo diejenige dabei, die dir ihr Herz schenkt. Ich wünsch dir viel Glück.

@Gulliam
Tja, als sogenannter "Normalo" oder "Fußgänger" macht man vieles falsch. Aber niemand sagt einem, wie mans richtig machen soll. Und jeder möchte was anderes.
Ist halt auch für ihn nicht einfach sich in jedes der zig unterschiedlichen Handicaps hineinzufühlen und aus dem dem Bauch heraus alles richtig zu machen. Da nehmen viele, schon allein aus Angst, etwas falsch zu machen, von vorneherein "Reißaus", sprich gehen auf Abstand.

Mal ganz pauschal gesagt: Schaut man hin, heißt es, man gafft,
schaut man weg, heißt es, man wird ignoriert.
Einer möchte/braucht Hilfe und bekommt sie nicht,
einem anderen wird sie angeboten, der dann aber barsch ablehnt.
Behandelt man sie wie rohe Eier, heißt es, ich will kein Mitleid.
Kommt man ihnen rauh, dass heißt es, man wird nicht respektiert oder man wird diskriminiert.

Jeder Mensch ist eben ein eigenes "Land", dass man erst mal kennenlernen muss, um es zu verstehen und zu mögen, zu lieben, das gilt sowohl für Menschen mit als auch ohne Handicap.
Liegt wohl auch an falschverstandener Rücksichtnahme , an Missverständnissen, Schamgefühlen, die durch Unwissen und mangelndem Austausch zustande kommen. Eigentlich schade!!!
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hallo Anniligt

Beitrag #12 von klaro (+16.05.2008) » 18 Mai 2006 16:28


ich mags sonst gern, wenn man ältere Treads wiederbelebt,
jedoch .. gehts mir seit den vergangenen 4 Monaten um ein weites grosses stück besser.

darum.. klar seh ich die Dinge heut alle als Hilfsmittel an,
heut hab ich auch nicht mehr Mühe.. oder echt gar selten noch mit Blicken.

hat mich die woche jemand gefragt, grad paarmall nachnand.. ob sie helfen könnten..

dort wo ich es "nicht brauch.. sage ich es echt nett und bedank mich GROSS für ihr Angebot. da wo ichs gern brauch, nehm ichs gern an.

anderer seits.. waage ich mhc heute auch zu fragen udn Leute speziell auf Hilfe anzusprechen.

Eben , es sind 4 Monate dazwischen vergangen, dazumal gings mir rel. mies.

darum.. erfolgte auch mien Beitrag bissle negativ...

heut würd meine Reatkion auf so ein Bild wie von Matti eingestellt, ganz anders aussehen.

----

Gruss klaro :roll:

den kink mag iich mir ausnahmsweise nicht ansehen, weil ich mich angehends gesünder füh und gesünder fühlen will...

darum seh ich mir , "zur Gesundung" nicht speziell Behinderten Fotos an..

ich meine, ich kenne ja genügend, Mitmensche im Rolli oder die behindert sind. :|
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Beitrag #13 von Annilight » 18 Mai 2006 23:11


Hi Klaro,
sorry, dass ich auf den alten Thread zurückgekommen bin..
Aber es freut mich zu lesen, dass es dir besser geht.

Es sollte keine persönliche Kritik sein, sondern es ging mir darum, anhand einiger Beispiele darzustellen, welche Schwierigkeiten es manchmal im Umgang miteinander gibt, über die es sich vielleicht lohnt, einmal gemeinsam nachzudenken und sich auszutauschen.

Da sind oft Emotionen und Altlasten mit im Spiel, die ein Außenstehender nicht wissen und auf den ersten Blick auch nicht einschätzen kann.
Da kommen Reaktionen, mit denen niemand gerechnet hat und auf die vielleicht nicht richtig reagiert wird,
was dann wiederum falsch verstanden wird, besonders dann,
wenn einem, wie Matti es so treffend ausdrückte: "die Sonne nicht gerade aus dem A...h scheint.

Ich finde den Austausch wichtig, damit man besser versteht und Wege findet auf einander zuzugehen.
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Beitrag #14 von Hermann » 19 Mai 2006 21:11


Hallo, auf eure Diskussion wegen Partnerschaft muss ich etwas dazu beitragen. Ich habe seit 1970 eine Darm- und Blasenlähmung und habe trotzdem eine Partnerin gefunden. Muß aber auch sagen, dass ich ab dem ersten Tag unserer Begegnung ehrlich war und ich meiner Partnerin alle Nachteile geschildert habe. So sind wir nun schon 36 Jahre zusammen und ich würde auch noch behaupten, glücklich. Seit ehrlich, ab dem ersten Tag, und es klappt. Gruss :| Hermann
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