Der Kampf gegen Ausgrenzung

Hier könnt ihr eure Erfahrungen mit der Inkontinenz im täglichen Leben, wie zum Beispiel: welche Kleidung ist geeignet, wie mache ich das im Beruf, beim Sport ...... austauschen.

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Der Kampf gegen Ausgrenzung

Beitrag #1 von Dark_Draconar » 17 Feb 2018 12:50


Hallo zusammen

Ich glaube, dass ich nicht mit dem Gefühl allein bin,
wenn es um das Gefühl geht, dass man ausgrenzt wird,
weil man offen über seine Inkontinenz spricht und nicht daran
denkt ein Tabuthema daraus zu machen, nur weil bestimmte
Menschen sich dann plötzlich vor einem ekeln.

Leider reagieren nicht alle positiv auf meine Offenheit,
da besonders meine Mutter meint, dass es total unangebracht wäre
und ich deswegen nicht wundern darf wenn ich wegen meiner Belastungsinkontinenz
ausgelacht oder angewidert angeschaut werde. Da meinte meine
Mutter auch zu mir, dass ich genauso gut zugeben könnte,
dass ich mit jedem Mann ins Bett steige und mir deswegen eine
Geschlechtskrankheit eingefangen habe.

Meine Schwester findet mein Problem auch nur zum Totlachen
, aber zu ihr habe ich auch keinen Kontakt mehr.

Freunde, die noch übrig sind können auch nur schwer damit
auch wenn sie mich deswegen nicht ausschließen.

Trotzdem denke ich überhaupt nicht daran mich von meiner
Inkontinenz Zuhause einsperren zu lassen. Auch wenn ich noch immer
damit zu kämpfen habe, dass besonders von Ärzten und Spezialisten
mein Fall bzw. meine Symptome ernst genommen werden.
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Re: Der Kampf gegen Ausgrenzung

Beitrag #2 von Gulliam » 18 Feb 2018 18:51


Seit jeher ist es mir egal, was andere über mich denken. Ich hänge mein Problem nicht plakative heraus, verschweige es aber auch nicht.
Ich sehe es nicht als ein selbst verschuldetes Leiden an, sondern es ist bei der Operation passiert, und nun ist es eben so.
Viele Grüsse
Gulliam
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Re: Der Kampf gegen Ausgrenzung

Beitrag #3 von Georges » 19 Feb 2018 19:07


Ich gebe Gulliam Recht. Egal welche Probleme man hat, man sollte nicht damit hausieren gehen. Manche Leute haben ja überhaupt kein Interesse an einem anderen Menschen seinen Problemen. Umgekehrt ist dies aber genau so der Fall!
Bis heute habe ich noch keine negative Reaktionen bekommen, wenn ich offen wurde oder es generell zum Thema wurde oder werden musste. Je nach Person wurde es entweder halt nur zur Kenntnis genommen und fertig, oder es kamen noch ein paar Rückfragen aus purem Interesse am Thema Inkontinenz und anschließend war gut. Wichtig dabei, kein Drama aus mehreren Akten daraus machen. Einfach nüchtern erklären et voila, fertig.

Wenn du weißt dass deine Familie partout nichts damit anfangen kann, ist es vielleicht zwar bitter, aber belasse es einfach dabei. Früher oder später geht es dir dann auch besser. Dies gilt auch für Freunde. Wenn dich dann Leute abweisen, waren dies eh noch nie echt Freunde...

Bitte bedenkt dass Inkontinenz zwar lästig sein kann, aber es auch ein Symptom ist womit man sich ganz gut arrangieren kann. Wenn man sich damit arrangiert hat, geht dir vieles leichter ab. Inkontinenz beherrscht nicht dich, sondern du beherrscht dein Inkontinenz. Auch wenn dies nicht immer leicht ist, versuche locker zu bleiben. Du bist bzw. wir sind echt nicht die Einzigsten mit irgendwelcher Form von Inkontinenz... Ich behaupte mal, jeder 10. Mensch "gehört irgendwie zum Klub".

Ich hoffe ich konnte einen sinnvollen Beitrag leisten und wünsche dir viel Kraft! Wenn du Fragen hast, stelle diese einfach, dafür ist dieses Forum oder auch den Chat gedacht.

Grüße,
Georges
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Re: Der Kampf gegen Ausgrenzung

Beitrag #4 von Bettnässer85 » 15 Okt 2018 22:32


Guten Abend!

Das Bettnässen und die Reizblase begleitet mich auch jeden Tag. Ich kann mit der Krankheit gut leben, auch wenn ich nicht auf alle Alltagssituationen vorbereitet bin. Obwohl ich mit dem Thema auch recht offen umgehe, erzähle ich gewiss nicht jedem davon. Selbst einen Arbeitskollegen, mit den ich in einem Zimmer übernachtet habe, habe ich es verheimlicht.

Meine Familie und Freunde akzeptieren es und unterstützen mich so gut es geht. Ausgegrenzt wurde ich deswegen bisher noch nie. Ich habe viele Freunde, bei den ich auch öfters übernachte. Unfälle sind sehr selten, da ich sowieso Windeln trage. Meine Eltern haben mich mit dem Thema auch nicht genervt.
Bevor man jemanden von der Krankheit erzählt, sollte man sich erstmal fragen, was hat man überhaupt davon und wie würde der oder die darauf reagieren. Es geht der Welt nichts an. Man kann sich auch mit Betroffen austauschen.

Gruß
Dennis
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Re: Der Kampf gegen Ausgrenzung

Beitrag #5 von Georges » 17 Okt 2018 21:06


Hallo zusammen,

kurz auf der Gefahr ab dass ich zu lehrerhaft rüber komme :wink:

Inkontinenz ist grundsätzlich ein Symptom, keine Krankheit:
  • welches durch bestimmte körperliche oder psychische Krankheiten ausgelöst wird,
  • durch eine angeborene oder spätere Entwicklungsstörung in z.B. dem Hirn und/oder in den Nerven entstanden ist,
  • als Nebenwirkung bei manche Medikamente entsteht,
  • oder sich als einer Begleiterscheinung bei Verletzungen an z.B. Schließmuskeln oder Nerven manifestiert.

Nur wenn z. B. keine direkte körperliche, psychosomatische oder andere Ursache gefunden wird, kann Inkontinenz vorerst als idiopatischen Inkontinenz betrachtet werden. Erst in diesem Fall wäre die Inkontinenz als "Krankheit" zu betrachten, theoretisch so lange bis eine Ursache als sehr wahrscheinlichen Auslöser festgestellt werden kann.

Gruß,
Georges
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Re: Der Kampf gegen Ausgrenzung

Beitrag #6 von Cveta » 25 Okt 2018 11:28


Hi,

ich wollte letztens zusammen mit meinem Freund, der Rolifahrer und auch inkontinent ist, in einem Hotel in Berlin übernachten. War nicht möglich, armes Deutschland!

Ich verstecke meine Windeln aber nicht mehr im Reisegepäck, nutze leere Windelkartons auch sonst im Alltag.

LG Cveta
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Re: Der Kampf gegen Ausgrenzung

Beitrag #7 von Bettnässer85 » 25 Okt 2018 22:38


Cveta hat geschrieben:Hi,

ich wollte letztens zusammen mit meinem Freund, der Rolifahrer und auch inkontinent ist, in einem Hotel in Berlin übernachten. War nicht möglich, armes Deutschland!

Ich verstecke meine Windeln aber nicht mehr im Reisegepäck, nutze leere Windelkartons auch sonst im Alltag.

LG Cveta


Wieso war es nicht möglich im Hotel in Berlin zu übernachten und wieso berichtet ihr von der Inkontinenz? Ich Reise beruflich sehr viel und erzähle niemanden etwas. Geht niemanden etwas an und es gab bisher noch nie ein Problem deswegen. Meine Windeln schleppe ich im Koffer mit oder lasse die in die Nähe liefern oder kaufe vor Ort.
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Re: Der Kampf gegen Ausgrenzung

Beitrag #8 von Regenmacher » 10 Jan 2019 17:47


Ich denke, es hat etwas mit der eigenen Persönlichkeit zu tun. Ich kann nämlich die hier geschilderten Probleme gar nicht bestätigen, obwohl ich schon davon gehört habe, dass es sie gibt. Ich will also nicht behaupten, es gäbe diese Art von Ausgrenzung nicht, ich habe sie selbst nur nicht persönlich erlebt. Wo also liegt der Unterschied?

Sicherlich hat es nichts mit der Region zu tun. Ich bereise ganz Deutschland, hab schon so ziemlich jede Region durch, Großstädte, Kleinstädte, Dörfer und irgendwie hat es immer hingehauen. Manchmal mögen einen die Leute einfach nicht und suchen dann nur einen Grund, einen auszugrenzen. Sie würden die Person auch dann ausgrenzen, wenn sie keine Probleme mit Inkontinenz hätte. Ich persönlich lebe nach dem Motto: wer mich nicht mag, der mag mich eben nicht. Solche Leute gibt es auch, aber das akzeptiere ich. Ich muss ja nicht jedem gefallen. Aber grundsätzlich versuche ich, offen gegenüber allen Menschen zu sein, egal wie sie aussehen, egal woher sie kommen und egal, welchen gesellschaftlichen Stand sie haben. Das ist eine Grundeinstellung von mir und die Welt ist so nett und kommt mir dann eben mit der gleichen Toleranz entgegen. Was ich für Unterwäsche trage, das spielt ja im Alltag keine wirkliche Rolle. Darüber unterhält man sich ja normalerweise nicht.

Wenn das Thema Inkontinenz auf den Tisch kommt, dann meist, weil die Leute Unterschiede bemerken. Das ist im Prinzip ganz einfach: die Leute gehen dauernd auf Toilette und im Laufe der Zeit fällt ihnen einfach auf, dass ich das nicht mache. Aber dazu muss man schon oft mit mir unterwegs sein und das sind dann eben Menschen, die aus irgend einem Grund gerne mit mir unterwegs sind. Sollte dann das Thema mal passen, dann sag ich ihnen eben, wieso das so ist. Bisher ist da noch keiner erschrocken oder hat sich von mir abgewendet. Vielleicht kommt mal hier und da eine kleine Frage, aber auch das ist nur selten der Fall. Es ist eben ein Teil von mir und damit ist es auch schon wieder vorbei.

Das Thema trägt die Überschrift "Kampf gegen Ausgrenzung" und da sehe ich eigentlich den Schlüssel für das Problem. Wie vielleicht schon aus meinem Beitrag hervorgeht, versuche ich gar nicht, gegen Ausgrenzung vorzugehen. Wer mich nicht dabei haben will, der will mich eben nicht dabei haben. Ich lasse mich also ausgrenzen und suche mir einfach einen anderen Ort, wo ich willkommen bin.
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