Pflegedienst im Urlaub?

Hier könnt ihr eure Erfahrungen mit der Inkontinenz im täglichen Leben, wie zum Beispiel: welche Kleidung ist geeignet, wie mache ich das im Beruf, beim Sport ...... austauschen.

Moderatoren: Helmut, Marco N., Georges, Benjamin

Pflegedienst im Urlaub?

Beitrag #1 von Honk » 24 Okt 2005 15:24


Hallo @ all!

Nach langer, langer Zeit melde ich mich zurück und habe auch gleich eine Frage, die mir bislang niemand so recht beantworten konnte:

Ich will im April kommenden Jahres in den Urlaub (Ausland... naja, zumindest Dänemark). Da ich aber ein Vollpflegefall bin (hoher Querschnitt, Teilbeteiligung der Arme) und z. Zt. auch beatmet werde, ist es schwierig, dies ohne einen Pflegediest über die Bühne zu bringen.

Meine Frage ist nun eigentlich, ob jemand von Euch damit Erfahrung hat bzw. mir sagen kann, wo ich entsprechende Anträge stellen kann oder ob ich die Pflegekraft in dieser Zeit selbst bezahlen müsste...?

Für eine Antwort wäre ich dankbar.

Mit den besten Grüßen

Honk
Benutzeravatar
Honk
(Themenstarter)
Standardautor (min. 15 Beiträge)
Standardautor (min. 15 Beiträge)
 
Beiträge: 23
Alter: 44
Registriert: 07 Apr 2005 22:10
Wohnort: Norddeutschland
Land: Germany (de)
Geschlecht: Männlich
 
Art der Inkontinenz: Reflex-Inko
Hilfsmittel: Inko-Slip u. Vorlagen

Beitrag #2 von Ramona » 25 Okt 2005 17:10


Hallo Honk!

Wie ist denn jetzt zu Hause Deine Pflege sichergestellt? Reicht das Pflegegeld der Pflegekasse aus? Ich vermute mal eher nicht. Erkundige Dich doch mal, ob es da Möglichkeiten im Rahmen der "Hilfe in besonderen Lebenslagen" (Hilfe zur Pflege oder Eingliederungshilfe) gibt.

Ich werde mich auch mal bei meiner ISB (http://www.gfs-bielefeld.de/html/behind.htm) erkundigen.

Gruß Ramona
GESTERN ist vorbei,
MORGEN ist noch nicht da
und HEUTE hilft der Herr.

Hermann Bezzel
Benutzeravatar
Ramona
Moderator
Moderator
 
Beiträge: 409
Bilder: 1
Alter: 48
Registriert: 14 Apr 2003 00:00
Wohnort: Bielefeld
Land: Germany (de)
Geschlecht: Weiblich
 
Partner: ledig
Art der Inkontinenz: Entleerungsstörung Blase + Darm
Hilfsmittel: Attends Active Slip + Peristeen

Beitrag #3 von Matti » 25 Okt 2005 18:11


Hallo Honk,

Der Gesetzgeber hat die Möglichkeit der Verhinderungspflege (SGB XI, § 39) geschaffen. Ob Verhinderungspflege bei einem Auslandsaufenthalt geltend machen kannst glaube ich nicht, es sei den du Reist z.B. in einer Gruppe und die Pflege wird im Ausland von den Betreuern der Gruppe durchgeführt. Frage einfach bei deiner Kranken- bzw. Pflegekasse nach, die können dir darauf eine Antwort geben.

Hier zusammengefasst der § 39 SGB XI:


Ist eine Pflegeperson (z.B. pflegende Angehörige, Lebenspartner, Bekannte) wegen Krankheit, Urlaub oder aus sonstigen Gründen verhindert, die häusliche Pflege durchzuführen, hat der Pflegebedürftige Anspruch auf eine Ersatzpflege von bis zu vier Wochen (28 Kalendertage) je Kalenderjahr. Für die Ersatzpflege kann die Pflegekasse im Einzelfall Aufwendungen bis zu 1.432,00 Euro je Kalenderjahr übernehmen..

Die Voraussetzung für eine Kostenübernahme von der Pflegekasse ist, dass die Pflegestufe I, II oder III vorliegt und die Pflegeperson vorher mindestens zwölf Monate lang die Pflege erbracht hat.

Die Verhinderungspflege ist bei der Pflegekasse zu beantragen!

Erbringt ein zugelassener Pflegedienst (erwerbstätige Pflegekräfte, Familienentlastende Dienste) oder entfernte Verwandte und Nachbarn die Ersatzpflege, werden die nachgewiesenen Aufwendungen von der Pflegekasse bis zu 1.432,00 Euro pro Kalenderjahr übernommen. Bei entfernten Verwandten und Nachbarn sind die Aufwendungen (z.B. Fahrtkosten und Verdienstausfall) durch Quittung nachzuweisen.

Wird die Ersatzpflege durch Pflegepersonen durchgeführt, die mit dem Pflegebedürftigen bis zum zweiten Grade verwandt oder verschwägert sind oder mit dem Pflegebedürftigen in einer häuslicher Gemeinschaft leben, sind die Aufwendungen der Pflegekasse grundsätzlich auf die Höhe des in der jeweiligen Pflegestufe festgelegten Pflegegeldbetrages beschränkt (je Tag 1/28 des Pflegegeldes der jeweiligen Pflegestufe: Pflegestufe I = 205 Euro, Pflegestufe II = 410 Euro, Pflegestufe III = 665 Euro). Daneben können weitere nachgewiesene Kosten (z.B. Fahrtkosten und Verdienstausfall) ersetzt werden. Insgesamt jedoch höchstens 1.432,00 Euro

Die Verhinderungspflege kann auch außerhalb des Haushaltes beansprucht werden (z.B. in einer Kurzzeitpflege). In diesen Fällen ist die Leistung ebenfalls auf maximal 1432,00 Euro und 28 Tage je Kalenderjahr begrenzt. Während dieser Zeit wird das Pflegegeld nicht gezahlt.

"Stundenweise" Inanspruchnahme der Verhinderungspflege
(Betreuungsgruppe, ehrenamtlicher häuslicher Entlastungsdienst, Familienentlastender Dienst)

Die Verhinderungspflege kann auch stunden- und tageweise als Entlastungsangebot in Anspruch genommen werden.

Wird die Verhinderungspflege nur für einige Stunden am Tag (unter 8 Stunden) in Anspruch genommen, erfolgt ausschließlich die Anrechnung auf den Höchstbetrag von 1.432,00 Euro. Eine Anrechnung auf die Höchstdauer (28 Kalendertage) wird durch die Pflegekasse nicht vorgenommen, auch das Pflegegeld wird nicht gekürzt.
Bei Inanspruchnahme der Verhinderungspflege über 8 Stunden am Tag erfolgt eine Anrechnung auf den Höchstbetrag (1.432,00 Euro) und auf die Höchstdauer (28 Kalendertage), auch das Pflegegeld wird gekürzt.

Die stundenweise Inanspruchnahme der Verhinderungspflege, z.B. die Betreuung in einer Betreuungsgruppe oder die Entlastung zu Hause durch einen ehrenamtlichen Helferkreis, ist bei der Pflegekasse zu beantragen!

Gruß

Matti
Benutzeravatar
Matti
 
 

Beitrag #4 von Ramona » 25 Okt 2005 19:32


Hallo Matti!

Die Frage ist, ob bei Honk die Pflege mit über private Pflegepersonen läuft. Wenn nämlich nur ein Pflegedienst die Pflege macht entfällt der Anspruch auf Verhinderungspflege. Es müssen dann ja keine Angehörigen entlastet werden. Mußte dieses selber erfahren als ich für ein halbes Jahr in einer betreuten Wohngruppe war.

Gruß RAmona
GESTERN ist vorbei,
MORGEN ist noch nicht da
und HEUTE hilft der Herr.

Hermann Bezzel
Benutzeravatar
Ramona
Moderator
Moderator
 
Beiträge: 409
Bilder: 1
Alter: 48
Registriert: 14 Apr 2003 00:00
Wohnort: Bielefeld
Land: Germany (de)
Geschlecht: Weiblich
 
Partner: ledig
Art der Inkontinenz: Entleerungsstörung Blase + Darm
Hilfsmittel: Attends Active Slip + Peristeen

Beitrag #5 von Matti » 25 Okt 2005 21:50


Hallo Ramona,

ich muß dir wiedersprechen. Der Pflegedienst kann in den seltensten Fällen die komplette Zeitliche Pflege übernehmen. Häufig geht zwar das komplette Pflegegeld für Leistungen des Pflegedienstes drauf, es wird aber in den seltensten Fällen der zeitliche Rahmen ( die Vorgaben für den Zeitfaktor zur Einstufung in die Pflegestufe ) erreicht. Deshalb ist es immer Plausibel das zusätzlicher Hilfebedarf ausserhalb der Versorgung des Pflegedienstes besteht. Dann kommt es zur Kombinationspflege. Unter Umständen geht die Geldleistung wie gesagt für die Sachleistung des Pflegedienstes drauf, das heisst aber nicht das nicht noch Pflege durch Angehörige benötigt wird. Wenn die Pflege der Angehörigen oder sonstigen Betreuen wegfällt hast du zusätzlich Anspruch auf Verhinderungspflege bis zu 28 Tage im Jahr und bis zu 1423 € pro Kalenderjahr. Du kannst sogar in einem Monat zwei mal 1423 € ( bei Pflegestufe 3 und nur einmal im Jahr ) erhalten, wenn der Pflegedienst z. B. die Tätigkeiten Übernehmen muss die sonst deine Betreuer übernehmen. Hätte sich Honk nur für die reine Sachleistung entschieden hätte er aufgrund seiner schweren Behinderung einen fehler gemacht und sollte diesen Koriegieren. Das kann man nach einen halben Jahr jederzeit.

In einer betreuten Wohngruppe ist das anders. Hier wird eine "Rundumversorgung" erwartet, sonst wäre sie ja nicht Betreut, also kommst du nicht in die Situation das deine pflege nicht gesichert, bzw. deine Pflegeperson ausfällt, also auch kein Anspruch auf Verhinderungspflege.

Hoffe das mein Geschreibsel noch jemand Versteht.

Matti
Benutzeravatar
Matti
 
 

Beitrag #6 von eckhard11 » 26 Okt 2005 00:08


Hallo Ramona und Matti,

das sind zwar - teilweise lange - Antworten, welche ihr da gegeben habt,

aber die beiden Fragen von Honk wurden m. E. nach nicht beantwortet.....

a ) Wo kann er entsprechende Anträge stellen ?
b ) Oder muss er die Pflegekraft in dieser Zeit selbst bezahlen ?

Vielleicht kann jemand diese Fragen - ohne lange Litaneien - beantworten ?


Ich leg mich jetzt hin .sleep:
Eckhard
Benutzeravatar
eckhard11
Profiautor (min. 150 Beiträge)
Profiautor (min. 150 Beiträge)
 
Beiträge: 1185
Registriert: 24 Dez 2003 14:51
Land: Germany (de)
Geschlecht: Männlich
 

Beitrag #7 von Ramona » 26 Okt 2005 09:26


Hallo Matti!

So lange es private Pflegepersonen gibt greift auch die Verhinderungspflege. Nur gibt es auch Pflegebedürftige, wo die Pflege komplett über einen Pflegedienst läuft. In dem Fall entfällt die Verhinderungspflege. Dieses weiß ich sicher von den Pflegedienst, der an meiner ISB angeschlossen ist.

Ich hatte übrigens gestern vergessen zu schreiben, daß es sich bei der Wohngruppe nicht um eine stationäre Einrichtung handelt. Die erbrachten Leistungen wurden ganz normal über die Sachleisutngen abgerechnet.

Gruß Ramona

Noch eine Ergänzung für Honk:
Informationen zur "Hilfe in besonderen Lebenslagen" bekommst Du beim zuständigen Sozialamt. Das hatte ich vergessen zu schreiben. Dank eckhark ist mir das auf gefallen.
GESTERN ist vorbei,
MORGEN ist noch nicht da
und HEUTE hilft der Herr.

Hermann Bezzel
Benutzeravatar
Ramona
Moderator
Moderator
 
Beiträge: 409
Bilder: 1
Alter: 48
Registriert: 14 Apr 2003 00:00
Wohnort: Bielefeld
Land: Germany (de)
Geschlecht: Weiblich
 
Partner: ledig
Art der Inkontinenz: Entleerungsstörung Blase + Darm
Hilfsmittel: Attends Active Slip + Peristeen

Beitrag #8 von Matti » 26 Okt 2005 10:55


Ei, Ei,

hab ich doch viel Geschrieben und dabei gar nicht die Frage beantwortet.

1. zuständig für einen Antrag auf Verhinderungspflege ist die Kranken- bzw. Pflegekasse bei der man Versichert ist. Das Sozialamt ist nur dann zuständig wenn man überhaupt einen Anspruch auf Leistungen des Sozialamtes hat. ( Lebensunterhalt, ergänzende Sozialhilfe wenn man mit eigenen Mitteln die Pflegekosten nicht begleichen kann, allerdings nicht wenn Kosten im Rahmen eines Urlaubs anfallen ).

2. Bei einem vorübergehenden Aufenthalt von bis zu sechs Wochen im Kalenderjahr erhalte ich das Pflegegeld! ( nicht die Sachleistung ) weiter. Beziehe ich Sachleistungen, erhalte ich diese nur dann weiter, wenn mich meine Pflegefachkraft! auf der Reise begleitet.

Bei einem Urlaub in Deutschland! kann ich mir auch einen Pflegedienst vor Ort für diese zeit nehmen und mit der Kranken- bzw. Pflegekasse auch die sachleistung abrechnen. Dies muss aber im Vorfeld Beantragt werden ( Pflegekasse ).

Hoffe damit Licht ins Dunkel gebracht zu haben.

Gruß

Matti
Benutzeravatar
Matti
 
 

Beitrag #9 von Honk » 27 Okt 2005 17:19


Hallo!

Danke für die vielen, ausgesprochen guten und hochinformativen Antworten. Hier möchte ich Matti meinen besonderen Dank ausprechen. Die Antworten waren gut und präzise geschrieben und haben mir sehr weitergeholfen.

Nur zur Information: Ich habe Pflegestufe III (Kombi-Leistung, nicht die reine Sachleistung) und die Pflege wird zu 90 % von einem zugelassenen Pflegedienst übernommen. An 5 von 7 Tagen (also Mo. - Fr.) kommt für die "Morgenschicht" eine gute Freundin von mir, am Wochenende wird die Pflege vollständig vom PD übernommen.

Da die Morgenschicht nicht vom Pflegedienst übernommen wird, kann ich daher bei richtiger Interpretation des § 39 SGB XI also problemlos die Ersatzpflege beantragen. Das Geld sollte ausreichen, um jemanden zu "buchen".

Super, der Urlaub scheint damit gerettet zu sein!!! Ich gehe zwar davon aus, dass die Beatmung bis zu diesem Zeitpunkt nicht mehr gegeben sein sollte, aber man kann ja nie wissen. Und auch ohne die Beatmung wäre es mir lieber, eine "Kraft vom Fach" dabei zu haben... is' halt doch nicht so geil, seine Freunde (womit die Frage beantwortet ist, ob ich alleine oder in einer Gruppe reise...) zu bitten, sich u.a. um die Darmentleerung zu kümmern...

Also, nochmals vielen vielen Dank für die prima Antworten.

Gruß

Honk
Benutzeravatar
Honk
(Themenstarter)
Standardautor (min. 15 Beiträge)
Standardautor (min. 15 Beiträge)
 
Beiträge: 23
Alter: 44
Registriert: 07 Apr 2005 22:10
Wohnort: Norddeutschland
Land: Germany (de)
Geschlecht: Männlich
 
Art der Inkontinenz: Reflex-Inko
Hilfsmittel: Inko-Slip u. Vorlagen

Beitrag #10 von Ramona » 28 Okt 2005 15:41


Hallo Honk!

Klar, da greift die Verhinderungspflege auf jeden Fall! Ich hatte halt nur in Erinnerung, daß Du einen Pflegedienst hattest. :wink:

Ich kann übirgens gut nachvollziehen, daß Du nicht alles vom Freundeskreis machen lassen möchtest.

Gruß Ramona
GESTERN ist vorbei,
MORGEN ist noch nicht da
und HEUTE hilft der Herr.

Hermann Bezzel
Benutzeravatar
Ramona
Moderator
Moderator
 
Beiträge: 409
Bilder: 1
Alter: 48
Registriert: 14 Apr 2003 00:00
Wohnort: Bielefeld
Land: Germany (de)
Geschlecht: Weiblich
 
Partner: ledig
Art der Inkontinenz: Entleerungsstörung Blase + Darm
Hilfsmittel: Attends Active Slip + Peristeen


Zurück zu Inkontinenz im täglichen Leben

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast

cron