Inkontinenz und Seelen

Hier könnt ihr eure Erfahrungen mit der Inkontinenz im täglichen Leben, wie zum Beispiel: welche Kleidung ist geeignet, wie mache ich das im Beruf, beim Sport ...... austauschen.

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So oder so...

Beitrag #21 von frosch » 18 Jan 2006 13:02


Hallo Elisabeth,

wenn das Kind davon ausgehen muss, dass sich die Eltern selbst hilflos fühlen und daher dieses Gefühl weitergeben müssen, wird es sich trotzdem schuldig fühlen, denn am Anfang der Kausalitätskette steht das Einnässen. So oder so!
Überhaupt projezieren Kinder die Schuld generell auf sich selbst. Wenn dann noch Abschiebung zu Pflegeeltern und körperliche sowie weitere psychische Gewalt kommt, ist der Teufelskreis perfekt. Das Einnässen ist nicht mehr nur eine Reaktion, sondern kann sich zu einem Kompensationsmechanismus entwickeln. Das heißt, das Einnässen vermittelt plötzlich die Chance zur Aufmerksamkeitsgewinnung, Ausgleich mangelnder Geborgenheit und fehlender Anerkennung. Diese Kinder brauchen wegen Ihrer schlimmen Erfahrungen das Gefühl stetiger Kontrolle der Lebensumstände zur sofortigen Visualisierung von Gefahrenmomenten. Als Ausgleich zu dieser gigantischen Aufmerksamkeitsnotwendigkeit, zeigt sich das Einnässen als unbewußtes Fallenlassen und Kontrollaufgabe, die sich sogar in das Wachsein verschieben kann. Jetzt wird es noch schlimmer, denn nun ist der Bock der Gärtner geworden und wieder wird das nun vielleicht auch ältere Kind, sich wieder nicht mit Selbstbewußtsein ausstatten können. Das sind die besten Zutaten für beispielsweise Angst- und Zwangs-Erkrankungen, in denen der Verlauf durchaus symptomatisch ebenfalls erneut die Inkontinenz verstärkt. Einfach gesprochen ist es eine Zwickmühle, die zu durchbrechen leider vielen Leuten auch mit umfangreicher therapeutischer Hilfe nicht gelingt.
Und glaube mir - diese Menschen leiden... So oder so!

Auch lieber Gruß, René
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Beitrag #22 von welute » 18 Jan 2006 15:18


Rene,

ich habe nie das Leiden angezweifelt. Dazu weiss ich zuviel über Faktoren aus der Kindheit. Leider fehlt mir die Kenntniss, so jemanden zu helfen oder auch nur zu trösten. Denn man kann es nicht ungeschehen machen. Es kann auch nicht beschönigt werden.

Es ist ungeheuer schwer Erlebtes sachlich zu verarbeiten. Zumal eine Schule der Psychologie die Aufarbeitung des Vergangenen als Allheilmittel sieht. Einmal wird alles noch mal durchlebt, was sehr, sehr schwer sein kann, zum anderen ist es schwierig alles zu ändern.

Man hat ja einen gewissen Platz im Leben, als die Person die man ist. Sich zu ändern, könnte auch bedeuten sein Umfeld zu verunsichern oder gar zu verlieren.

Als bei meinem Sohn ADHS diagnostiziert wurde, waren wir einfach nur erleichtert. Die lange Zeit des Nichtverstehens hat sehr stark die Elter-Kind Beziehung strapaziert. Und ich weiss auch von Eltern, die diese Beziehung nicht retten konnten. Ich habe selber sehr viel erlebt und mir immer geschworen, meine Kinder sollen immer das Gefühl des sich Verlassens haben. Und mein Mann liebt seine Kinder einfach zu sehr, um sie aufzugeben.

Aber ohne diese ungeheure Kraft unserer Familie, besonders unserer eigenen Beziehung ...

Aber wie gesagt, mit anerzogenem Gefühlsdefizit kann man mit Verständnis der eigenen Familie leben, aber wenn daraus eine Krankheit wie Inko ensteht, ich weiss nicht wie man damit umgehen kann.

Es ist so schwer nicht immer die Schuld bei sich zu suchen. DABEI SIND KINDER NIE SCHULD!!! Egal warum, wann und wie sie was machen. Es sind Kinder.

liebe Grüße und verlier nie den Mut
Elisabeth
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Beitrag #23 von frosch » 18 Jan 2006 16:45


Hallo Elisabeth!

In Bezug auf die Inko, um die es hier es ja in erster Linie geht, sollten wir wirklich jedem anraten, woher auch immer das Einnäss-Problem kommt, nicht auch nur am Entferntesten an Schuld zu denken.
Schuld ist ohnehin eine widerliche Kette, denn derjenige, der schuldig gehandelt hat, hat dieses bestimmt auch nur in seinem Sein als Opfer getan. Die Kette ist beliebig erweiterbar.

Ich wünsche mir wirklich so, dass wir hier noch viele Zuschriften über die psychische Komponente erhalten. Wenn man mal so im Netz umherschaut, ist es bei den verschiedensten Beiträgen um Inkontinenz ein häufiges Thema.

Ich finde Du hast mit dem PPP einen superwertvollen Beitrag geleistet und ich möchte mit meinen Erfahrungen auch gerne weitere Aspekte beleuchten.

Hoffentlich machen noch ganz viele mit!
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